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Dresdener Studiengemeinschaft SICHERHEITSPOLITIK e.V. (DSS) |
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Egbert L e m c k e Russlands Seekriegsflotte Historisch betrachtet hat Russland den Status einer führenden Seemacht dies schon allein aufgrund seiner geografischen Lage mit direkten Zugängen zu drei Ozeanen und durch die gewaltigen Ausmaße der Seegrenzen. Unbestritten ist auch der historische Beitrag russländischer1 Seeleute an der Erforschung der Weltmeere, der Entwicklung der Seefahrt und vielen großen Entdeckungen. Subjektive Fehleinschätzungen der politischen und militärischen Führung sind jedoch weder ein Privileg Russlands noch alleinige Erklärung für Zerfallsprozesse von Imperien. Unbestritten aber ist insbesondere aus der historischen Perspektive Russlands die überaus große Bedeutung der Flotte für die Stabilität des Landes. «... Die Armee kann die Flotte nicht ersetzen, was bereits dadurch verdeutlicht wird, dass Russland, welches über fast eine Millionenarmee verfügte, nach dem Pogrom von Tsushima auf die Fortsetzung des Krieges mit Japan verzichtete; eine Flotte jedoch kann in vielen Fällen die Handlungen der Armee ersetzen.» 3 Besonders in den letzten Jahren ruft die politische und militärische Führung der RF die bittere historische Erkenntnis häufiger in Erinnerung, dass «eine Zukunft Russlands ohne eine mächtige Seekriegsflotte unmöglich»4 ist. Immer jedoch waren Bestand, Struktur und Umfang der Flotte, ihre technische Ausstattung und Gefechtsausbildung auch wesentlich geprägt von den objektiven Existenzbedingungen des Staates, seinem Platz in der Welt, im System der internationalen Beziehungen. Nach dem erklärten Ende der Systemkonfrontation haben sich vielfach vertretene euphorische Hoffnungen auf einen Rückgang der Bedeutung militärischer Gewalt und namentlich ihrer maritimen Komponente praktisch nicht bestätigt. Mehr noch: Die Rolle militärischer Gewalt bei der Gewährleistung der politischen und ökonomischen Interessen der Staaten der Welt erhöhte sich zu Beginn des neuen Jahrtausends sogar, während einige politische Institutionen im Bereich der internationalen Sicherheit in eine schwere Krisenperiode eintraten. Dies führte aus Sicht der Russländischen Föderation (im Weiteren RF) in jüngster Zeit dazu, den gesamten Komplex zu überdenken, der mit den Grundfragen der internationalen Sicherheit wie auch mit den Prinzipien zur Gewährleistung der nationalen Sicherheit des eigenen Landes verbunden ist.5 Steht eine auf neuer Grundlage wieder erstarkende russländische Armee und Flotte über die Gewährleistung der Sicherheit des eigenen Landes hinaus einem künftigen System überregionaler, ja globaler Stabilität im Wege? Oder ist umgekehrt sogar zu erwarten, dass gerade durch die Stärke und Souveränität eines in sich selbst ruhenden Russlands ein geopolitischer Effekt befördert wird, in dessen Folge ein Sicherheitssystem erneut an Kraft gewinnen kann, das auf den Prinzipien des Völkerrechts in den internationalen Beziehungen beruht?! Nach einer langen Periode zuweilen zweifelhafter Reformierungen und Krisenbewältigungen sowohl innerhalb der Streitkräfte und der Flotte selbst, als auch in den Strukturen der Agentur Schiffbau konnte zumindest ein gewisser Potenzialerhalt gewährleistet werden. Diese wohl schwierigste Entwicklungsperiode scheint inzwischen überwunden. Es beginnen sich qualitativ neue Entwicklungstendenzen des maritimen Potenzials der RF abzuzeichnen, die aufgrund ihrer universellen und komplexen Wirkung sicherheitspolisch von geostrategischer Ausstrahlung sind. Die folgenden Betrachtungen sollen einige dieser sicherheitspolitisch relevanten Facetten im Umfeld der Entwicklung des maritimen Potenzials der RF seit 1991 beleuchten. Der Schwerpunkt liegt dabei auf dem Zeitraum nach 1998. Vorab bietet Anlage 1 eine aktuelle Kurzübersicht zu Struktur und Bestand der SKF. Nach dem Zerfall der UdSSR orientierte sich Russland als Haupterbe des Sowjetimperiums wesentlich auf die Lösung innerer sozialökonomischer Probleme. Die Existenz und Wahrnahme äußerer Interessen trat mehr und mehr in den Hintergrund. Und eines der Hauptinstrumente zur Wahrung außenpolitischer Interessen, die Seekriegsflotte, war aufgrund dieser Vernachlässigung einem rasanten Verfall ausgesetzt. Ausdruck dieser Tendenz war auch die Tatsache, dass die Staatsführung die Kontrolle über die Umsetzung und Finanzierung der Flottenbauprogramme auf die Ebene des Verteidigungsministeriums übertrug, das damit dann auch die Finanzierung der Arbeiten absichern sollte. In der Folge reduzierte sich der Umfang der Staatsaufträge auf der Linie der Seekriegsflotte um das 20fache (die Reduzierungen im zivilen Schiffbau erfolgten um das 5fache). Und der Anteil der Budgetmittel des Verteidigungsministeriums für Unterhaltung und Entwicklung der Flotte fiel von 23% im Jahre 1989 auf bescheidene 9,2% im Jahre 1998 (real standen nicht mehr als 5% zur Verfügung). Dabei wurden etwa 70% dieser zugeteilten Mittel für den laufenden Unterhalt der Flotte verausgabt. Die Entstehung einer derartigen Situation war sowohl die unmittelbare Folge unzureichender Finanzierung des Verteidigungsministeriums als auch Resultat einer jeweiligen Lobbypolitik der ernannten Verteidigungsminister. So unterstützte Marschall E. Schaposchnikow die Luftstreitkräfte, Armeegeneral P. Gratschow setzte sich für die Luftlandetruppen ein, und Marschall I. Sergejew setzte sich verstärkt für die Strategischen Raketentruppen ein. Beispielsweise erreichte der Anteil der Strategischen Raketentruppen zu Sergejews Zeiten 80% des Gesamtbudgets des Verteidigungsministeriums. Es wurde der neue Komplex strategischer Raketen "Topol-M" eingeführt. Resultat der extrem geringen Finanzierungsumfänge war eine Reduzierung der Anzahl der Kampfschiffe der Seekriegsflotte in den Jahren seit 1990 um das 1,6fache von 428 auf 273, der Anzahl der Schiffe im Gefechtsdienst in See um das 7,5fache von 210 auf 28. Der Personalbestand der Seekriegsflotte reduzierte sich um das 2,5fache von 424 000 auf 169 000 Mann. Eine besonders schwierige Lage ergab sich beim Zulauf neuer Schiffe in den Kampfbestand der Flotte. Das alljährliche Finanzierungsniveau beim Neubau von Kampfschiffen betrug nicht mehr als 3-5% ihres Wertes (erforderlich sind mindestens 25%). Folglich kam es zu drastischen Verringerungen des Bautempos und untragbaren Verteuerungen. Der Alterungsprozess der Flotte setzt sich fort. Der Anteil von Schiffen mit einer Dienstzeit von 15 und mehr Jahren betrug 2001 etwa 55%. Die Anzahl der Schiffe und Boote, die nur noch beschränkt einsetzbar oder deren Instandsetzungsfristen überschritten sind, erhöht sich weiter. Bei Kampfschiffen betrug deren Anteil im Jahre 2001 über 50%, bei Hilfsschiffen sogar 70%. Eine analoge Situation besteht bei den Seefliegerkräften. Ähnlich prekär war die Situation bezüglich der Fertigstellung von im Bau befindlichen Schiffseinheiten. So befanden sich im Jahre 2001 51Überwasserschiffe und 9 U-Boote in unterschiedlichen Baustadien auf Stapel, deren Bau wegen mangelnder Finanzierung unterbrochen oder gänzlich eingestellt war. Es wurden das Mittelmeer-, das Indik- und Pazifikgeschwader aufgelöst. Die Marinefliegerkräfte stellten ihre Flüge über den Ozeanen ein, sie verloren ihre Landebasen auf Kuba, im Nahen Osten und in Afrika. Eine Ozeanflotte zog sich in den küstennahen Bereich zurück. Bei Beibehaltung dieser Tendenz würde die Seekriegsflotte nach Expertenprognosen bis zum Jahre 2015 über nicht mehr als 60 Schiffe verfügen: 22 kernkraft- und 9 dieselgetriebene U-Boote sowie nicht mehr als 29 Überwasserschiffe.1 Dass eine solche Lage die russische Führung beunruhigte und nach wie vor beunruhigt, ist allein schon aus geografischer Hinsicht verständlich: Das Land grenzt an 13 Meere und hat eine Wassergrenze von weit über 30000 km, ohne Berücksichtigung der Inseln. Zur Evolution militärtheoretischer Gesichtspunkte (Vorgeschichte) Neben den genannten quantitativen materiellen Aspekten, die zweifellos die direkte Abhängigkeit der Armee und Flotte von den politischen und ökonomischen Rahmenbedingungen illustrieren, betonen einige Militärs einen zusätzlichen Aspekt, der den unverhältnismäßigen Niedergang gerade der Flotte in den 90er Jahren erklären hilft. Bis in die Mitte der 70er Jahre wurde die Seekriegswissenschaft (военно-морская наука) als ein eigenständiger Bestandteil der allgemeinen Militärwissenschaft betrachtet, für den zwar der gesellschaftspolitische Charakter des Krieges, die Gesetze des Krieges und des bewaffneten Kampfes in gleicher Weise Gültigkeit besaßen, der jedoch durch die Spezifik des bewaffneten Kampfes auf See immer eine eigenständige Ausrichtung als spezifische Seekriegswissenschaft erhält. Gerade auf ihrer Grundlage wurde nach dem Großen Vaterländischen Krieg eine Theorie des Aufbaus einer Ozeanflotte in der UdSSR erarbeitet. Umgesetzt wurde diese Theorie über den Verlauf von 4 jeweils über 10 Jahre laufenden Schiffbauprogrammen, so dass Mitte der 80er Jahre der Aufbau einer ozeanischen Raketenkernwaffenflotte realisiert war. Mitte der 70er Jahre traf die Führung des Generalstabes der Streitkräfte der UdSSR die aus Sicht von Marineoffizieren voluntaristische Entscheidung, die selbständige Existenz einer Seekriegswissenschaft "aufzuheben". Man ging davon aus, dass die Militärwissenschaft insgesamt fähig sei, eine Theorie für den bewaffneten Kampf in allen Sphären - also auch auf See - zu erarbeiten. Eine Diskussion über Probleme der Seekriegswissenschaft und deren Inhalt insbesondere im Journal «Morskoj Sbornik» in den 70er Jahren bestätigte jedoch insgesamt die Berechtigung ihrer eigenständigen Existenz. Im Ergebnis dessen gelangte man zu einer Kompromissentscheidung: Anstelle des "aufgehobenen" Begriffs der "Seekriegswissenschaft" wurde der Begriff der "Seekriegstheorie" («военно-морская теория») eingeführt. Der damalige Oberkommandierende der Seekriegsflotte, S. G. Gorschkow2, lieferte eine den politisch-ideologischen und ökonomischen Rahmenbedingungen entsprechende Definition ihres Gegenstandes und ihrer Bestandteile. Damit war dann auch die theoretische Grundlage für den weiteren Aufbau der Ozeanflotte, der Formen und Methoden der Führung des bewaffneten Kampfes auf See gelegt. In dieser Zeit (70er - 80er Jahre) wurde eine neue materielle Basis der Kriegführung auf See geschaffen, und es begann eine Phase der Entwicklung der Seekriegskunst, der Überprüfung und Umsetzung ihrer Prinzipien im Verlaufe des Gefechtsdienstes und der täglichen Flottenpraxis in Übungen und Manövern. Mit dem Zerfall dieser Rahmenbedingungen erwies sich ab Ende der 80er Jahre, spätestens ab 1991, die Flotte als eine schwere Last für Russland, was zu einer drastischen Reduzierung ihres Bestandes führte und die Suche nach neuen Wegen ihrer Entwicklung und ihres Einsatzes erforderlich machte. Erst im Jahre 1999 wurde auf der Jahrestagung der Akademie der Militärwissenschaften erneut die Notwendigkeit einer Wiedergeburt und Entwicklung der Seekriegswissenschaft als Bestandteil der Militärwissenschaft bestätigt, und ab dieser Zeit wurde auch deutlich auf das Erfordernis verwiesen, Formen und Methoden des Einsatzes der Seekriegsflotte im bewaffneten Kampf auf See in künftigen Kriegen zu erarbeiten.3 Somit wurde der Niedergangsprozess der Flotte in den 90er Jahren nicht unwesentlich durch die militärtheoretische Orientierungslosigkeit zusätzlich beschleunigt. Der zahlenmäßige Bestand der Schiffskräfte der Seekriegsflotte zur Jahrtausendwende Zum 1. Januar 2001 befanden sich im Bestand der Seekriegsflotte außer 22 Strategischen Unterwasser-Raketen-Kreuzern weitere 49 Atom-U-Boote, davon zwei in der Fertigstellung und sechs mit nichtmilitärischer Bestimmung, 26 dieselgetriebene U-Boote (eines in der Fertigstellung, eines für Versuchszwecke), 27 Tiefseeapparate (2 in der Fertigstellung). Von 158 ausgemusterten nukleargetriebenen U-Booten waren 39 verwertet ("utilisiert"). Außer den nukleargetriebenen U-Booten gab es 380 nicht abgebrochene Schiffskörper (darunter auch halbgesunkene) von Überwasserschiffen und booten mit einer Gesamtwasserverdrängung von 230 Tausend Tonnen. Die Überwasserschiffe umfassten sechs schwere Kreuzer (davon zwei Flugdeckkreuzer), 3 Raketenkreuzer, 21 Zerstörer und Große U-Boot-Abwehrschiffe, 18 Wachschiffe (drei in der Fertigstellung), 59 Kleine U-Boot-Abwehrschiffe, 23 Kleine Raketenschiffe, 15 Artillerieschnellboote, 95 Minenräumboote (drei in der Fertigstellung), 270 Landungsschiffe und boote, davon 26 Große Landungsschiffe, 50 auf Luftkissen und 2 Ekranoplane [ein weiteres, - die "Spasatel" («Спасатель») -, durchlief die Erprobung]. Der maritime Grenzschutz und die Grenztruppen verfügten über 189 Patrouillen-Raketen-Schnellboote, 550 Patrouillen-Artillerie-Schnellboote und 50 Sicherstellungsschiffe.4
2. Strategische Dokumente seit 1999 Die angestrebte Wiedergeburt der Flotte wird vordergründig mit den Personen Putin und Kurojedow (Oberkommandierender der SKF) in Verbindung gebracht. Hergeleitet wird sie vor allem aus der nunmehr zwingenden Notwendigkeit, die inneren Zerfallserscheinungen zu stoppen. Doch die entscheidende Zäsur im Sicherheitsdenken insbesondere der Militärs brachte der völkerrechtswidrige militärische Angriff der USA und ihrer Verbündeten auf die Bundesrepublik Jugoslawien. Diese, bis dahin auch von vielen russländischen Militärs für ausgeschlossen gehaltene Kampagne zwang dazu, "... über die Wahrscheinlichkeit einer solcher Aktion auch gegen Russland und seine Verbündeten und über die möglichen Maßnahmen zur Verhinderung oder Abwehr einer derartigen Aggression nachzudenken ..." 1 Die gegenwärtige Etappe der nunmehr russländischen Marinepolitik und des Marineschiffbaus basiert auf einer Reihe strategischer Dokumente, die durchweg in den vergangenen 2-3 Jahren durch die polische Führung der RF angenommen wurden. Erstens sind dies die durch Präsidentenerlass vom 4. März 2000 beschlossenen «Grundlagen der Politik der Russischen Föderation auf dem Gebiet der militärisch-maritimen Tätigkeit für den Zeitraum bis zum Jahre 2010».2 In diesem Dokument werden die für die RF "grundlegenden Bedrohungen" auf maritimem Gebiet formuliert:
Hieraus wird geschlussfolgert, dass die RF zum Schutz ihrer staatlichen Interessen auf den Weltmeeren über ein angemessenes Marinepotenzial verfügen müsse. Als Grundlagen des Marinepotenzials der RF werden definiert:
Gestützt auf dieses Marinepotenzial soll die RF die Stabilisierung ihrer eigenen Wirtschaft beschleunigen, die Verteidigungsmacht festigen sowie eine effektive Entwicklung in den Bereichen Wissenschaft, Wirtschaft und Soziales gewährleisten. Abgeleitet daraus werden die zwei Hauptziele der Politik der RF auf dem Gebiet der militärisch-maritimen Tätigkeit:
Eine Basis zur Erreichung dieser Ziele sollen die folgenden Grundprinzipien bilden:
Zweitens ist es die am 27. Juli 2001 beschlossene «Marinedoktrin der RF für den Zeitraum bis 2020», die als grundlegendes Dokument den Begriff der "maritimen Aktivitäten" entwickelte und die "nationalen Interessen" (die Marinepolitik) der RF auf den Weltmeeren definierte.3
Auch in diesem Dokument wird nochmals das Marinepotenzial definiert und betont, dass die Verwirklichung der Marinedoktrin zur weiteren Festigung der Position Russlands als führende Seemacht und zur Schaffung günstiger Bedingungen für das Erreichen der Ziele und die Erfüllung der Aufgaben der nationalen Marinepolitik beitragen müsse. Die Marinedoktrin leitet daraus "Nationale Interessen der RF auf den Weltmeeren" ab: "... Gesamtheit der harmonisierten Interessen der Person, der Gesellschaft und des Staates im Bereich der maritimen Aktivitäten; sie werden auf der Grundlage des Marinepotenzials des Staates verwirklicht."
Drittens wurde im selben Jahre (am 1. September 2001) als ständig handelndes Koordinierungsorgan auf dem Gebiet der maritimen Tätigkeit der RF mit dem Ziel der Umsetzung der Marinedoktrin das «Marinekollegium bei der Regierung der RF» geschaffen.4 Im Ergebnis der bis August 2003 stattgefundenen 4 Tagungen wurden den entsprechenden föderalen Exekutivorganen kurzfristige Aufgaben auf dem Gebiet der maritimen Tätigkeit gestellt. Hier geht es in jedem Falle um ein komplexes strategisches Zusammenwirken zwischen Politik, Wirtschaft, Marine und Gesellschaft insgesamt. Viertens handelt es sich um die "Konzeption zur Entwicklung der Seekriegsflotte Russlands bis zum Jahre 2016", die eine Entwicklung der Seekriegsflotte auf der Basis neuester Schiffskräfte vorsieht, die einzigartige Gefechts- und Einsatzcharakteristika in sich vereinen sollen. 3. In der Diskussion: Aktuelle Bedrohungsszenarien und perspektivische Streitkräftestrukturen Parallel zur Entstehung und schrittweisen Umsetzung dieser offiziellen Dokumente fand und findet in der Öffentlichkeit eine rege und zum Teil kontroverse Diskussion insbesondere zur Bewertung aktueller Bedrohungsszenarien für die RF und die daraus abzuleitenden Konsequenzen für den Aufbau der Streitkräfte statt. Stellvertretend seien hier die Ansichten von Admiral Krawtschenko1 (Chef des Hauptstabes der SKF) und General Sliptschenko2 hervorgehoben. Im Gegensatz zu einigen in der Vergangenheit (insbesondere vor 1999) geäußerten Argumentationen, die die Auffassung vertraten, dass der erzwungene Verzicht auf strategische Handlungen der Seekriegsflotte auf ozeanischen Schauplätzen zu keinerlei Sicherheits- und Souveränitätseinbußen geführt hätte, also auch künftig keine primäre Rolle spielen müssten, vertreten beide eine Ansicht, die dem nicht nur widerspricht, sondern auch konzeptionelle Geschlossenheit erkennen lässt. Die Ausführungen von Admiral Krawtschenko betrachte ich im Weiteren etwas detaillierter, da diese m. E. dem offiziellen Ansatz sehr stark entsprechen. In seinem Artikel "Die Gefahren aus seeseitigen und ozeanischen Richtungen wachsen an" («Nesawisimaja Gaseta» vom 31.01.2003) benennt er diese Gefahren, trifft Bewertungen der Seestreitkräfte der führenden Staaten der Welt und formuliert Aufgaben und Besonderheiten des Einsatzes der eigenen Flottenkräfte. Krawtschenko führt aus: Die geopolitische Situation um Russland wird in der nächsten Perspektive von Dynamik, Instabilität und Anspannung in allen strategischen Richtungen, in denen die Voraussetzungen zur Entstehung neuer Krisen und zur Eskalierung bereits bestehender militärischer Konflikte bestehen, gekennzeichnet sein. Zu Gefährdungen in kurz- und mittelfristiger Perspektive erklärt er: Bereits jetzt sei es unmöglich, eine sichere ökonomische Tätigkeit Russlands bezüglich der Fischerei, der Schifffahrt und der Öl- und Gasförderung in vollem Maße zu gewährleisten. Landseitig würde Russland lediglich an 18 Staaten angrenzen, während es über See mit 127 Staaten verbunden sei, wobei die Seeverbindungen zum Teil durch für die Schifffahrt gefährliche Gebiete verlaufen. So habe sich in der Barentssee und der Norwegensee in den vergangenen 2-3 Jahren die Anzahl der Fischereischiffe unter russländischer Flagge, die durch Schiffe des norwegischen Küstenschutzes aufgebracht wurden, fast verfünffacht. Allen wäre auch das Aufbringen russländischer Tanker im Persischen Golf in Erinnerung. All dies wertet Krawtschenko als direkte Folge der fehlenden Präsenz der eigenen Flotte in strategisch wichtigen Gebieten der Weltmeere. In den letzten Jahren seien außerdem deutliche Bestrebungen nach Ausweitung ihrer Einflusssphären nicht nur der USA zu beobachten, sondern auch solcher Länder, wie Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Italien, Türkei, Japan, Belgien, Republik Korea und China. Aktiv beansprucht werden Seegebiete, die an das Territorium der RF angrenzen und früher für die Seestreitkräfte anderer Staaten unerreichbar waren, dabei auch der russländische Sektor der Arktis, der Ostsee und des Schwarzen Meeres.3 Bezüglich der Aufgaben der Seekriegsflotte Russlands betont Krawtschenko: In Friedenszeiten erfülle die Seekriegsflotte Russlands im Rahmen strategischer und nichtstrategischer Zügelung den gesamten Komplex der ihr gestellten Aufgaben in den operativ wichtigen Gebieten der Weltmeere:
Die Aufgaben werden gleichzeitig durch die Kräfte und Truppen der Flotten in allen Einsatzgebieten gelöst: in der ozeanischen Zone, in fernen und nahen Seegebieten. Genau dieser Handlungsalgorithmus sei gegenwärtig (im Januar 2003) von Seiten der Seestreitkräfte der USA und ihrer Verbündeten bei der Vorbereitung ihrer Gefechtshandlungen gegen den Irak zu beobachten. Dies unterstreiche nochmals Bedeutung und Notwendigkeit der Flottenentwicklung unter modernen Bedingungen. Die Spezifik des Seeraumes schaffe ideale Bedingungen zur ungehinderten Basierung von Kräften in einer beliebigen Region. Darum werde die Absicherung der globalen Interessen der führenden Staaten der Welt auch künftig wesentlich durch die Stärke ihrer Seestreitkräfte bestimmt.
Die Grundform des Einsatzes der Flotte in lokalen Kriegen und militärischen Konflikten unterschiedlichen Maßstabs sowie in einem umfassenden Kriege seien Gefechtshandlungen. Eine selbständige Flottenoperation wäre die höchste Form des Einsatzes der Kräfte einer jeden Flotte zur Lösung von Aufgaben operativen und operativ-strategischen Maßstabs. Außerdem sei die Flottenoperation Bestandteil einer strategischen Luft-Kosmos-Operation bei strategischen Handlungen der Streitkräfte auf dem Kriegsschauplatz. Nicht auszuschließen wäre, dass die Nord- und die Pazifikflotte in Abhängigkeit vom Maßstab der Gefechtshandlungen im Rahmen einer ersten Operation auch Seeoperationen durchführen könnten. Die Einheiten und Truppenteile der Marineinfanterie kämen bei Seelandungen, bei der Verteidigung eines Küstenabschnitts, im Zusammenwirken mit Gruppierungen der Landstreitkräfte, sowohl in der Verteidigung, als auch bei Angriffshandlungen in Küstenrichtungen zu Einsatz. In Abhängigkeit von der Entfernung des Konfliktgebietes zum Territorium Russlands könnten Bedeutung und Rolle der Flottenkräfte variieren: zwischen Sicherstellungsaufgaben im küstennahen Gebiet bis hin zu einer bestimmenden Rolle auf fremdem Territorium - in entfernten Meeres- und ozeanischen Gebieten. Bezüglich der Besonderheiten der Führung eines Konfliktes großen Ausmaßes wird betont, dass die erfolgreiche Durchführung einer strategischen Luft-Kosmos-Operation sich entscheidend auf Verlauf und Ausgang eines Krieges und in einigen Fällen unmittelbar auf die Erreichung des Kriegsziels auswirken könne. Während der Beteiligung an einer Luft-Kosmos-Operation hätten die Kräfte und Truppen der Seekriegsflotte zwei grundlegende Aufgaben zu lösen:
Insbesondere die Erfüllung dieser letzteren Aufgabe wäre für die Kräfte und Mittel der Seekriegsflotte charakteristisch, die im Kaliningrader Gebiet und auf Kamtschatka disloziert seien. Ausführlicher wird auf die Methoden und Formen der Lösung der ersten Aufgabe durch die Flottenkräfte eingegangen. Die Erfüllung dieser Aufgabe der Flotte erfolge in der Regel in Form einer Seeoperation durch die Flottenkräfte im Zusammenwirken mit anderen Teilstreitkräften. Erinnert wird hier an die Grundarten einer Seeoperation: die Operation zur Vernichtung der Schlaggruppierungen des Gegners (der Trägerschlaggruppen und der operativen Raketengruppen); die Operation zur Suche und Vernichtung der Raketen-U-Boote; zur Zerstörung der See- und ozeanischen Verbindungen. Zur Durchführung von Seeoperationen zur Vernichtung von Flugzeugträgern und anderen Schiffen des Gegners könnten U-Boote, Überwasserschiffe und Marinefliegerkräfte herangezogen werden. Die führende Rolle bei der Lösung der Hauptaufgabe - der Vernichtung von Flugzeugträgern - komme der U-Bootflotte und den Marinefliegerkräften zu. Gleichzeitig jedoch seien gegenwärtig weder Marinefliegerkräfte noch U-Boote selbständig in der Lage, die Aufgabe der Vernichtung von Trägerschlaggruppen zu lösen. Dies könne nur im engen Zusammenwirken mit anderen Teilstreitkräften, vor allem mit den Armeen der Luftstreitkräfte und Luftverteidigung erreicht werden. Dabei zeige die Erfahrung der operativen und Gefechtsausbildung der Flotten, dass die Durchführung von Seeoperationen auch zur Lösung anderer Aufgaben möglich sei. Insbesondere könne auch eine Minenlegoperation als Seeoperation durchgeführt werden. Die Schaffung bestimmter Gruppierungen von Kräften und Truppen im Kaliningrader Gebiet unter Führung des Flottenkommandos bedinge die Operation eines vereinten Kommandos zur Lösung des gesamten Komplexes von Aufgaben als Einsatzform der Vereinigung von Kräften und Truppen der Flotte. Traditionelle Form des Einsatzes der Flottenkräfte bleibe die Operation einer Flottille verschiedenartiger Kräfte als höchste Einsatzform dieser Kräfte bei der Lösung von Aufgaben operativen Maßstabs. Die Operation einer Flottille verschiedenartiger Kräfte werde selbständig durchgeführt oder im Zusammenwirken mit Verbänden, Truppenteilen und Einheiten anderer Teilstreitkräfte in der ihr zugewiesenen operativen Zone. Ein besonderer Stellenwert beim Einsatz der Kräfte der Seekriegsflotte komme den maritimen strategischen Kernwaffenkräften im Rahmen einer Operation der strategischen Kernwaffenkräfte zu. Außer den strategischen Raketen-U-Booten würden hierzu Truppenteile und Einheiten der Flotte herangezogen werden, die strategische Kernwaffen in ihrer Bewaffnung führen, wie insbesondere die U-Boote mit Flügelraketen. Entsprechend würden die Gefechtshandlungen dieser Verbände von Einheiten zu einem Bestandteil einer Operation der Strategischen Kernwaffenkräfte werden. Als höchste Einsatzform der Seekriegsflotte werden strategische Handlungen auf dem ozeanischen Kriegsschauplatz (strategische Operation auf dem ozeanischen Kriegsschauplatz) betrachtet. Gegenwärtig wird die Durchführung von strategischen Handlungen der Seekriegsflotte auf ozeanischen Kriegsschauplätzen in vollem Maßstab aufgrund des Fehlens von Kräften in entfernten Meeres- und ozeanischen Zonen als wenig wahrscheinlich angesehen. Erforderlich wären außerdem Kräfte und Mittel der rückwärtigen und technischen Sicherstellung. Auch wären die Führungssysteme für die Kräfte in entfernten Gebieten unzureichend entwickelt. Gleichzeitig wären jedoch angesichts der rasanten Entwicklung von Präzisionswaffen selbst zahlenmäßig begrenzte in entfernten Gebieten der Weltmeere handelnde Flottenkräfte unter bestimmten Bedingungen in der Lage Aufgaben zu lösen, die das Erreichen strategischer Ziele ermöglichen. Aus diesem Grunde wäre es verfrüht, auf die Ausarbeitung einer solchen Einsatzform der Seekriegsflotte, wie die strategischen Handlungen auf dem ozeanischen Kriegsschauplatz, zu verzichten. Sliptschenkos Kernthese besteht in der Annahme, dass künftige Hauptbedrohungen für Russland in einem gegnerischen Masseneinsatz von Präzisionsflügelraketen bestehen. Damit ergäbe sich die Notwendigkeit, die Luftverteidigung des ökonomischen Potenzials und der ökonomischen Infrastruktur des Landes in eine «gesamtstaatliche strategische Luft-Kosmos-Präzisionsverteidigung» («общегосударственную стратегическую воздушно-космическую высокоточную оборону») zu transformieren. Diese müsse gleichzeitig Raketenabwehr, Kosmosabwehr und Abwehr von Flügelraketen sein. Daraus folge, dass die entscheidende Vernichtung gegnerischer luftgestützter und maritimer Träger bereits vor deren Einsatzlinie für Präzisionsflügelraketen erfolgen müsse.Für die Struktur von Armee und Flotte erfordert dies nach Sliptschenko eine prinzipielle Umstrukturierung, die von der klassischen Teilung in Luft-, Land- und Seestreitkräfte abgehen muss. Zu schaffen seien funktionale zweigliedrige integrierte Teilstreitkräfte (Strategische Schlag- und Strategische Verteidigungskräfte) auf der Basis hoch entwickelter Präzisionsmittel zur Führung des bewaffneten Kampfes in kontaktlosen Kriegen. Diese Konzeption müsse basieren auf einer großen Anzahl von unbemannten Präzisionsvernichtungsmitteln mit interkontinentaler Handlungsreichweite, auf einer strategischen Verteidigung des Landes vor Präzisionsmitteln, die ebenfalls aus Präzisionsmitteln bestehen müsse, sowie auf einer informatorischen Ressourcenkomponente zur Führung von kontaktlosen Kriegen. Zu Grundformen eines kontaktlosen Krieges werden "Luft/Kosmos/See-Schlag- und -Verteidigungsoperationen". Dabei werde eine Schlagoperation nicht von Gruppierungen der Luft- und Seestreitkräfte vorgetragen, sondern von auf ihrer Grundlage geschaffenen Aufklärungs-Schlag-Gefechtssystemen, bei denen die Kosmosinfrastruktur zu einer systembildenden Komponente werde. Die Seekriegsflotte Russlands müsse somit in sich sowohl strategische Schlagfähigkeiten als auch strategische Verteidigungsfähigkeiten in den Weltmeeren vereinen, was eine Wiederherstellung ihrer dortigen ständigen Präsenz erfordere. Im Verlaufe einer Reform der Streitkräfte Russlands müsse die Rolle der maritimen Komponente der nichtnuklearen strategischen Schlagkräfte, die sich ständig auf den Weltmeeren befinden, deutlich erhöht werden. Sliptschenko spricht sich für einen entschiedenen Übergang zum Bau von Über- und Unterwasserschiffen aus, die als Träger von Präzisionswaffen mit einer Reichweite von bis zu 5000 km unter Nutzung des kosmischen Systems globaler Positionierung GLONASS fungieren sollen. Die küsten- und bordgestützten Fliegerkräfte werden sich allmählich zu einem effektiven Trägermittel für Präzisionswaffen wandeln. In kontaktlosen Kriegen werde also die "strategische Luft/Kosmos/See-Verteidigung" durch eine neue Teilstreitkraft mit völlig neuen Funktionen erfüllt durch die Strategischen Verteidigungskräfte. Diese seien dann nicht mehr dazu bestimmt, jeder durchgebrochenen Flügelrakete "nachzujagen" und militärische und zivile Objekte "abzuschirmen", sondern ihre Hauptfunktion bestünde in der Vernichtung der Träger luftgestützter Präzisionsmittel vor deren Einsatzlinie zum Start von Flügelraketen, also in etwa 2000 3000 km Entfernung von der Staatsgrenze. Eine dazu identische Position wird auch von I. M. Kapitanez vertreten: "In Anbetracht des bis 2010 beschränkten Militärbudgets empfiehlt sich ... zur Verhinderung oder Abwehr einer Aggression des 'Balkantyps' die Schaffung einer Gruppierung von Flottenkräften zur Durchführung einer Luft-Kosmos-See-Operation mit dem Ziel der Unterbindung der Aggression durch die Vernichtung der Träger der Präzisionswaffen. Dabei ist es notwendig, ein hinlängliches Potenzial an strategisch-nuklearer Zügelung zu bewahren." 4 Charakteristische strategische Tendenzen in einem künftigen Krieg (also auch insbesondere gegen Russland) bestehen nach Auffassung von Kapitanez in:
Diese Prämissen müssten der Erarbeitung von Theorie und Praxis der Vorbereitung der Streitkräfte auf die Kriege der Zukunft zugrunde liegen. Sliptschenko hält es darüber hinaus für zweckmäßig, die Militärreform und die Reform der Streitkräfte in vierjährigen Zyklen zu führen, die der Wahlperiode des Präsidenten entsprechen, welcher auch persönlich diese Reformen führen müsse. Dies würde am ehesten sowohl eine konsequente Planung als auch die Realisierung dieser Pläne ermöglichen. Die Entwicklungen der letzten etwa 3 Jahre und besonders der vergangenen Monate deuten m. E. dahin, dass diese Ansätze aktiver bzw. ehemaliger Militärs (wenngleich in einzelnen Aspekten sehr streitbar) zunehmend Eingang in die offizielle Politik finden. Hier wirkt sich in direkter Weise das "Jugoslawientrauma" aus. Der wohl extremste Ausdruck dieser Tendenz ist der Artikel von W. Krasilnikow unter dem Titel «Amerika bereitet einen Schlag vor ... auf Russland?» ( «Америка готовит удар ... по России?» ).54. Erste Anzeichen einer Stabilisierungsperiode im Marineschiffbau Russlands Eine erste Zwischenbilanz bei der Umsetzung der offiziellen strategischen Weichenstellung erlaubt die Feststellung, dass etwa ab Beginn des Jahres 2001 eine merkliche Stabilisierungsperiode einsetzte:
Die dieselelektrischen U-Boote des Projektes 877EKM, die die Instandsetzung in der Sewerodwinsker Werft «Swjosdotschka» («Звездочка») durchlaufen, werden auf den neuen Raketenkomplex "Klub-S" (Anlage 4) modernisiert. Auf indischen Werften werden nach russländischer Lizenz Raketenschnellboote gebaut. Dieses Programm wird auf fast 5 Mrd. Dollar beziffert.
Diese unvollständige Aufzählung soll illustrieren, dass der einheimische Schiffbau nach einer langen Phase der erzwungenen Stagnation etwas an Tempo zu gewinnen begann. Während in den 90er Jahren allenfalls einzelne episodenhafte Handlungen der Seekriegsflotte stattfanden, - die letzte Geschwaderfahrt eines Schiffsverbandes der Nordflotte datiert aus dem Jahre 1995 -, ist seit spätestens 2002 das Bestreben nach Kontinuität und komplexem Handeln in See entsprechend der oben genannten Dokumente erkennbar. Dies soll anhand folgender Beispiele dokumentiert werden:
zu 1.
Die Vertreter des Verteidigungsministeriums nannten auch eine Reihe anderer Aufgaben in sozusagen technologischer Hinsicht. Erstens geht es dabei um Schlussfolgerungen aus der Ausweitung der militärischen Gruppierung in der Region und der Auffüllung der Kaspi-Flottille. Zweitens wollte das Verteidigungsministerium der RF neue Bewaffnung und Technik, die bis dahin für Handlungen in See nicht zum Einsatz kam, unter annähernden Gefechtsbedingungen erproben. Drittens ging es um die Erarbeitung des Zusammenwirkens zwischen den Formationen großer föderaler Behörden, die nach den Worten von Wladimir Kurojedow im Prinzip identische Funktionen erfüllen, was die Gefahr in sich berge, sich gegenseitig zu paralysieren oder zu behindern. zu 2.
6. Strategisches Marketing im Bereich der Marinerüstung Vor diesem Hintergrund war der von der Agentur Schiffbau organisierte Internationale Militär-Marine-Salon IMDS-2003 in St. Petersburg1 (vom 25. 29. Juni 2003) auch eine konzentrierte gesamtstaatliche Marketingaktion. Denn Vorsitzender des Organisationskomitees des IMDS war der Minister für Industrie, Wissenschaft und Technologie der RF, I. Klebanow. Beteiligt waren weiterhin die Administration von St. Petersburg, das Verteidigungsministerium der RF, das Komitee der RF für Fragen der militär-technischen Zusammenarbeit mit ausländischen Staaten und das Föderale staatliche unitare Unternehmen «Rosoboronexport». Einheimische Marktforscher rechnen für den Zeitraum von 2007 2015 mit folgenden Nachfragepotenzialen im Bereich Marineschiffbau auf dem Weltmarkt (jeweils in Einheiten):
Die Schiffbauer der RF verfügen gegenwärtig über Entwicklungen, die dieses gesamte Spektrum abdecken können. Die perspektivreichsten Projekte waren unter genau diesem Aspekt auf der IMDS-2003 vertreten. Dazu zählen: U-Boote "Amur-1650" (ZKB MT "Rubin"), Fregatten der Projekte 1135.6 (Sewernoje PKB), Korvetten vom Projekt 20382 (ZMKB "Almas") (Anlage 2), Landungsschiffe und -boote der Projekte 12322 und 20910 (ZMKB "Almas"), Minenabwehrschiffe der Projekte 10750 (ZMKB "Almas"), sowie Patrouillenboote der ZMKB "Almas", des KB "Redan" und des ZKB "Alexejew" aus Nishni Nowgorod. Gegenwärtig laufen Bemühungen, im Bereich des strategischen Marketing (durch die Organisationen des Verteidigungsministeriums und der Industrie) für alle Teilnehmer standardisierte Formen der Durchführung und Präsentation der Analyseergebnisse zu entwickeln und sich auf allgemein anerkannte Bewertungskriterien zu verständigen. Zu erwarten ist dadurch m.E. sowohl eine weitere Zunahme der Konkurrenz bei gleichzeitiger Kooperation der Unternehmen auf dem eigenen Binnenmarkt, als auch eine weitere Bündelung der Aktivitäten auf den Außenmärkten. Grundsätzliches Die Seekriegsflotte Russlands wird künftig weder eine Küstenflotte, noch eine Hochseeflotte sein, sondern eine Kombination aus beiden verkörpern. Zu dieser Einschätzung gelangte Admiral Kurojedow am Rande der bereits erwähnten Kommandostabsübung im Fernen Osten am 25. August diesen Jahres.1 Eine kombinierte Flotte werde sowohl die Küstenverteidigung gestatten, als auch die eigene Interessenvertretung an beliebigen Punkten des Weltmeeres. Ausgehend von den gegenwärtigen Bedingungen wird zuerst der Schwerpunkt auf den Bau von Booten und Schiffen für den Küstenbereich gelegt. Erst danach will man den Neubau von Ozeanschiffen forciert betreiben. Dabei wird auch davon ausgegangen, dass die noch vorhandenen Schiffe dieser Klassen bei entsprechender Modernisierung weitere etwa zwei Jahrzehnte im Bestand gehalten werden können. Die Grundlage von Stabilisierung und Wachstum in der Schiffbauindustrie - der wichtigsten Komponente des maritimen Potenzials - soll dabei gegenwärtig und in nächster Zeit durch große Exportaufträge geschaffen werden. Dieser Faktor allein verspricht jedoch keine Kontinuität in der Zukunft. Darum erfolgt eine Orientierung des Schiffbaus neben der Erhaltung und Ausweitung der russländischen Positionen auf den Außenmärkten zunehmend auf einheimische Auftraggeber. «Das Staatliche Bewaffnungsprogramm für den Zeitraum bis 2010» ( «Государственная программа вооружения на период до 2010г.») ist bestätigt und befindet sich in der Umsetzung. Nach Aussagen von W. Pospelow sind darin die Aufgaben für die Schiffbauer Russlands zum Erhalt und zur Entwicklung der Seekriegsflotte klar formuliert. Schiffe und Boote, deren Kiellegung bereits vor Jahren erfolgte, werden nun fertig gestellt. Es wurde die planmäßige Instandsetzung von U-Booten und Überwasserschiffen aufgenommen, die sich gegenwärtig im Flottenbestand befinden.Wichtigster Bestandteil der Produktionstätigkeit im Bereich der Agentur Schiffbau ist somit die Erfüllung des staatlichen Verteidigungsauftrags. Ein bedeutender Teil der Werften, der Projektierungsbüros und Institute ist in diesem Bereich mehr oder weniger beteiligt. Das wissenschaftlich-technische Potenzial der Schiffbauindustrie ist gegenwärtig (Stand Ende 2002) auf 56 wissenschaftliche Forschungs-, sowie Projektierungs- und Konstruktionsbetriebe konzentriert. Diese sind im Wesentlichen spezialisiert in Richtung der wissenschaftlichen Forschungs-, Erprobungs- und Konstruktionstätigkeit sowie auf Projektierungsarbeiten (im Boots- und Schiffbau 21, im maritimen Gerätebau 22, im Bereich des Schiffsmaschinenbaus und der Elektrotechnik 13). Zum genannten Zeitpunkt waren in der Schiffbauindustrie ca. 30.000 wissenschaftliche Mitarbeiter tätig. Im Bereich Schiffbau ist ein Anwachsen der Gesamtinvestitionen zu verzeichnen. Bezüglich der Finanzierungsquellen besteht gegenwärtig folgendes Verhältnis:
Die Schaffung günstiger Finanzierungs- und Rechtsbedingungen wird somit Voraussetzung für künftige Investitionen in den Gesamtbereich Schiffbau sein und auch eine Wiedergeburt des zivilen Schiffbaus ermöglichen. Auf Dauer entscheidend wird die Entwicklung der Nachfrage auf dem Binnenmarkt. Mit einem weiteren Wirtschaftswachstum wird sich der Umfang der Aufträge erhöhen. In den kommenden Jahren ist die Schaffung von 8 großen diversifizierten integrierten Strukturen vorgesehen, die den erneuerten Kern der Schiffbauindustrie bilden und den Übergang zu einer Branchen übergreifenden Integration ermöglichen sollen. Zur Perspektive der atomaren Mehrzweck-U-Boote Der Bau von atomaren U-Booten mit einer Wasserverdrängung von 25 50.000 t wird künftig nicht mehr erfolgen. Auch hier wird der Trend zu Mehrzweck-U-Booten mit einer maximalen Verdrängung von 12.000 t betont. Die Grundlage dafür bildet das atomare Mehrzweck-U-Boot mit Flügelraketen vom Projekt 885 "Sewerodwinsk" ("Granay"-Klasse), dessen Kiellegung bereits im Dezember 1993 erfolgte. Sowohl die aufgrund fehlender finanzieller Mittel eingetretenen Verzögerungen beim Bau als auch die in den 90er Jahren entstandenen neuen geopolitischen und militärischen Bedingungen führten zu entscheidenden Modernisierungen des ursprünglichen Projektes. Nach Indienststellung des ersten ist eine Serie von sechs typgleichen Schiffen geplant. Nach pessimistischen Prognosen wird die "Sewerodwinsk" bis 2007 in Dienst gestellt. Die Bewaffnung dieser Schiffe mit Präzisionsflügelraketen soll künftig einen bedeutenden Beitrag zur nichtnuklearen Zügelung leisten. Trotz bisher widersprüchlicher Meldungen ist angesichts des relativ hohen Grades der Fertigstellung mit der Bauvollendung der "Wolgograd" und "Belgorod" (Projekt 949A, Analog zur "Kursk") bei "Sewmaschpredprijatie" zu rechnen. Der dritte bereits vorliegende Schiffskörper dieser Klasse, einige Quellen sprechen auch schon vom Namen "Barnaul", wird jedoch mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit abgebrochen werden.4 Bezüglich der oben genannten planmäßigen Instandsetzungen sei das Beispiel der "Perm" (Projekt 671RTMK) erwähnt. Diese Einheit wurde 1987 in Dienst gestellt, und es stand bereits ihr Abbruch zur Debatte. Nach der 2004 zu erwartenden endgültigen Entscheidung über eine planmäßige Instandsetzung (Zeitraum 2 Jahre) ist der Flotteneinsatz über weitere 8 10 Jahre vorgesehen.5 Zur Perspektive der maritimen strategischen Kräfte auf Atom-U-Schiffen Nach Plänen der Führung der Seekriegsflotte sollen die Strategischen Unterwasser-Raketen-Kreuzer des Projektes 955 "Jurij Dolgorukij" ("Borey"-Klasse) in der Perspektive die strategischen Kreuzer des Projektes 941 "Akula" ("Typhoon"-Klasse) und des Projektes 667BDRM ("Delta-IV"-Klasse) ablösen. Laut bisherigen Informationen wird dieses Schiff über folgende taktisch-technische Parameter verfügen: Länge - 170 m, Breite - 13,5 m, Volldeplacement - 24.000 t, Grenztauchtiefe - 450 m (andere Quellen sprechen von bis zu 600 m), Maximalgeschwindigkeit - 29 kn, Besatzung - 107 Mann. (Zu taktisch-technischen Charakteristiken der Projekte 941 und 667BDRM siehe Anlage 3.) Für diese Schiffsklasse läuft gegenwärtig die Entwicklung einer neuen ballistischen Rakete "Bulawa-30". Noch im Jahre 2003 soll die Rakete die erste Etappe der Erprobung durchlaufen. Aus heutiger Sicht wird nach Plänen der Führung der Seekriegsflotte davon ausgegangen, dass die "Jurij Dolgorukij" der Flotte im Jahre 2005 in voller Einsatzbereitschaft zu Verfügung steht. Dies würde einer ersten Etappe in der Umsetzung des Entwicklungsprogramms maritimer strategischer U-Boote entsprechen. Eine zweite Etappe würde nach den Worten von Konteradmiral G. Perminow (Stabschef für Bewaffnung der Seekriegsflotte) bis 2010 die Serienproduktion des Projektes 955 mit der interkontinentalen ballistischen Feststoffrakete vorsehen. Bei Gewährleistung der entsprechenden Finanzierung wird die russische U-Boot-Flotte bis zum Jahre 2010 einen Zulauf von vier strategischen Atom-U-Schiffen mit neuen Raketen erhalten. Dabei geht es einmal um den Bau von drei Serienschiffen des Typs "Jurij Dolgorukij" (Projekt 955, "Borey"-Klasse) sowie um die im vergangenen Jahr aus der Generalreparatur zurückgekehrte "Dmitrij Donskoj" des Typs "Akula" (Projekt 941, "Typhoon"-Klasse). Ausgestattet werden diese Schiffe mit dem besagten Komplex von ballistischen Feststoffraketen "Bulawa-30". Bis 2016 soll dann die Ablösung des gegenwärtigen Kerns dieser strategischen Gruppierung mit den Projekten 667 BDRM erfolgt sein. Perminow unterstrich, dass die Existenz von strategischen Unterwasser-Raketen-Kreuzern der 4. Generation mit ihrer hohen Gedecktheit und mächtigen Raketenbewaffnung die Überwindung des Raketenabwehrsystem eines angenommenen Gegners auch nach dem Ausstieg der USA aus dem ABM-Vertrag von 1972 mit sehr großer Wahrscheinlichkeit ermöglicht. Wesentlicher Grund dafür ist der Tatbestand, dass mittels der neuen Rakete "Bulawa-30" bei einer Masse von ca. 30t mindestens 10 individuelle nukleare Gefechtsköpfe transportiert werden können. Damit eröffnet sich für Russland die Möglichkeit, die Effektivität seiner maritimen strategischen Nuklearkomponente trotz einer Reduzierung der Trägermittel zu erhöhen. Ein erwünschter Folgeeffekt könnte daneben in einer Reduzierung der Aufwendungen für den Unterhalt des strategischen Raketenkernwaffenschildes bestehen.6 Die kürzlich erfolgte prophylaktische Modernisierung der "Nowomoskowsk" (Projekt 667 BDRM), bewaffnet mit 16 nuklear bestückten interkontinentalen ballistischen Raketen, diente vor allem der Gewährleistung einer Verlängerung ihrer Einsatzzeit bis in den oben genannten Zeitraum.7 Zu Perspektiven im Bereich der nichtnuklearen U-Boote Zweifellos zählen die nichtatomaren U-Boote "Amur-1650" und "Amur-950" dazu. Bei der "Amur-1650" (auch als Projekt 677E bezeichnet) handelt es sich um ein nichtatomares U-Boot der vierten Generation, bei dem erstmals im russischen Schiffbau eine Einhüllenarchitektur umgesetzt wurde. Aus sechs 533-mm-Torpedoapparaten könne dieses Boot bei einem Kampfsatz von 18 Raketen bzw. Torpedos (Raketen-) Schläge auf gegnerische Schiffskräfte führen. Der Stapellauf soll nun in den "Admiralitätswerften" im Herbst diesen Jahres erfolgen. In der Perspektive ist bei diesen Booten der Übergang zum Einsatz eines AIP-Antriebs vorgesehen. Der Öffentlichkeit wurde bisher dazu lediglich das Modell eines Brennstoffzellenmoduls (elektro-chemischer Generator) vorgestellt. Zum Stand seiner gegenwärtigen Funktionsfähigkeit gibt es keine Informationen. Die Bewaffnung der "Amur-1650" kann des weiteren aus einem universellen Tiefwassertorpedo mit autonomer Zielsuche (универсальная глубоководная самонаводящаяся торпеда УГСТ) bestehen, der in der NII "Morteplotechnika" entwickelt wurde und zur Vernichtung von Über- und Unterwasserzielen bestimmt ist. Daneben steht der TEST-71ME-NK (ТЭСТ-71МЭ-НК) zur Verfügung. Dieser ferngelenkte elektrische Torpedo kann ebenfalls von Überwasserschiffen der Projekte 11541 ("Korsar") und 1135.6 ("Talwar") zum Einsatz gelangen. Am Beispiel der "Amur" wird die unmittelbare Abhängigkeit der Aufnahme der Serienfertigung vom Export exemplarisch verdeutlicht. Ein Vertrag über die Lieferung von "Amur"-Booten nach Indien wird unter der Bedingung unterzeichnet, dass das im Bau befindliche U-Boot der "Lada"-Klasse an die Seekriegsflotte Russlands übergeben wurde.8 Diese Konstellation ist als ein klarer Beleg für das Zusammenspiel von staatlichem Verteidigungsauftrag und dem Zustandekommen von Exportaufträgen zu werten. Tendenzen im Bereich der Überwasserschiffe Ähnlich, wie beim Bau der nichtnuklearen U-Boote, sind auch bei Überwasserschiffen die Perspektiven für die eigene Flotte eng mit realisierten Exporten verknüpft. Ein weiterer Aspekt der strategischen Umgestaltung der Flotte besteht darin, dass man beim Bau von Überwasserschiffen dem allgemeinen Trend zu modularen multifunktionalen Plattformen in "Stealth"-Technologie folgt. Hier kommen zum Teil völlig neue Technologien im Bereich der Antriebstechnik, der Konstruktion des Schiffskörpers, der verwandten Materialien und der Bewaffnungsmodule zum Einsatz. Erste bereits in der Realisierung befindliche Projekte sind die Korvette "Stereguschtschij"(Projekt 20380), die "Skorpion" (Projekt 12300), die "Harpoon" (Projekt A-77). Dass gegenwärtig ein Übergewicht bei vorzeigbaren Neuentwicklungen im Bereich der Patrouillenboote, wie der "Mirash" (Projekt 14310), der "Mercury" (Projekt 14232), der "Sobol" (Projekt 12200), der "Mangust" (Projekt 12150) sowie einzelner Waffenkomponenten (auf die ich hier nicht eingegangen bin) besteht, ist m. E. sowohl den unmittelbaren Exportaussichten geschuldet, als auch direkter Ausdruck der Umsetzung der eingangs genannten Grundsatzdokumente. Denn, ein derartiger Eigenbedarf zur Sicherung des unmittelbaren und nahen Küstenvorfeldes, sowie der exklusiven Wirtschaftszone bestand in früheren Zeiten nicht. Gleichzeitig ist diese Orientierung aber auch Ausdruck einer Strategie, die ich als "Hygiene der Schwachen" bezeichnen möchte. Zeitweilig erfolgt eine Beschränkung auf das im wahrsten Sinne Nächstliegende, Nötigste und Machbare, ohne die perspektivische Wiedergeburt einer ambitionierten modernen Hochseeflotte aus dem Auge zu verlieren. Ein erster am 21. Dezember 2001 medienwirksam inszenierter Schritt auf diesem Wege war der Stapellauf der vom Zentralen maritimen Konstruktionsbüro "Almas" entwickelten Korvette "Stereguschtschij" (Projekt 20380). Geplant ist hier eine Serie von 20 Einheiten für den eigenen Flottenbedarf. In der "Baltischen Werft" in St. Petersburg findet z. Zt. die Fertigstellung und Übergabe der Fregatten vom Projekt 1135.6 an Indien ihren Abschluss. Bei diesen drei Schiffen für Indien ("Talwar", "Trischul" und "Tabar") handelt es sich um ein Vertragsvolumen von ca. 1 Mrd. US-Dollar. Bei Zufriedenheit des Auftraggebers besteht Hoffnung auf einen Folgeauftrag von weiteren drei Einheiten. Trotz vielfältiger Neuerungen kann dieses Schiff jedoch nicht als prinzipiell neues Projekt angesehen werden. Es ist eher als ein wichtiger Zwischenschritt auf dem Weg zur für 2004 geplanten Ausschreibung zum Bau einer neuen Mehrzweckfregatte für die eigene Seekriegsflotte zu betrachten. Als ein entwicklungstechnisch ähnlicher Zwischenschritt ist in diesem Kontext auch die von der "Jantar"-Werft aus Kaliningrad präsentierte Fregatte vom Projekt 11541 ("Korsar") zu bewerten. Auffällig ist die Vielfalt der projektierten und bereits im Bau befindlichen Projekte im Bereich der kleinen Raketenträger sowie insbesondere der Patrouillenboote. Hier kommt die starke Dominanz des "Konzerns für mittel- und kleintonnagigen Schiffbau" (KSMK) zur Wirkung. Nach den Worten ihres Generaldirektors, M. Cheyfitz, würden sich in seinem Unternehmen die Vorzüge der Vereinigung der Potenziale von Schiffbau- und Finanzstrukturen bezüglich Projektierung, Bauausführung und finanzieller Absicherung inzwischen deutlich auswirken. Im Mittelpunkt des Medieninteresses im Segment der Patrouillenboote steht gegenwärtig das als Wachgrenzschiff bezeichnete Projekt 14310 "Mirash". Vorgesehen ist dieses Gleitboot zur Sicherung der Seegrenze, der Territorialgewässer, wie auch maritimer biologischer Ressourcen in küstennahen Gebieten. Auf der "Mirash" kommt mit einem Komplex von insgesamt 8 computergesteuerten Interzeptoren im Unterwasserbereich eine prinzipiell neue konstruktiv-technische Lösung zur Anwendung. Mittels eines Klappensystems wird dadurch eine Luftkaverne aufgebaut, wodurch sich der Wasserwiderstand um ca. 20% reduzieren soll. Möglich wurde somit neben einer Geschwindigkeitserhöhung um 8 - 10 kn (auf bis zu 50 kn) auch ein bedeutend verbessertes Seeverhalten. Letzteres soll einen gefahrlosen Einsatz des Bootes bis einschließlich See 7 gestatten. Zur Zeit befinden sich bereits zwei der insgesamt neun vorgesehenen Boote dieses Projektes im Kaspischen Meer und der Ostsee im Dienst. Gegenwärtig läuft bei "Vympel" in Rybinsk der Bau des Nullschiffes des Raketen-Artillerieschnellbootes "Skorpion" (Projekt 12300). Erwartet wird bereits in nächster Zeit ein Bedarf von 50 Einheiten dieses Typs, wobei 30 davon für den Export vorgesehen seien. Dieses im Zentralen Marinekonstruktionsbüro "Almas" entwickelte Boot soll mit 4 Antischiffsraketen "Jachont", einem Raketen-Artillerie-Komplex "Kaschtan" und dem 100mm-Bordgeschütz A-190 (Anlage 4) bewaffnet sein. Die ausgewiesene Maximalgeschwindigkeit von 40 kn soll über einen CODAG-Antrieb (Gesamtleistung 25000 PS) mittels zweier Diesel M530 sowie einer Gasturbine erzielt werden. In direkter Konkurrenz zur "Mirash" steht die "Mercury" (Projekt 14232) von der OAO ZKB "Aleksejew" aus Nishni Nowgorod. Hierbei handelt es sich um ein seegängiges komfortables Hochgeschwindigkeitsboot, das im Auftrag des Staatlichen Zollkomitees gebaut wird und sich dort bereits mit mehreren Booten im Einsatz befindet. Bei einer Gesamtverdrängung von 100 t entwickelt das Boot eine Dauergeschwindigkeit von über 50 kn. Die besondere Konstruktion des Unterwasserteils des Rumpfes ermöglicht ebenfalls den Aufbau einer Luftkaverne. Auf sehr viel einfachere Weise als beim Projekt "Mirash" würde sich dadurch auch hier der Strömungswiderstand des Wassers nach Aussagen des Chefkonstrukteurs um 30% gegenüber gewöhnlichen Gleitbooten reduzieren. Augenfällig ist bei all den genannten Projekten der Patrouillenboote der hohe Stellenwert des Wohnkomforts an Bord. Dieser erklärt sich nicht allein aus den erwarteten Ansprüchen eines potenziellen ausländischen Auftraggebers, sondern auch aus der Tatsache, dass die inländischen Besatzungen dieser Boote künftig ausschließlich aus Vertragssoldaten bestehen sollen. Der Bereich des Marineschiffbaus, der für den Bau von Flugzeugträgern bestimmt ist, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit in den kommenden 5 7 Jahren ohne Aufträge für Neubauten bleiben. Die Führung der Seekriegsflotte sieht gegenwärtig für Flugzeugträger keine Aufgaben zum Schutz nationaler Interessen. Für alle Fälle soll jedoch der Schwere Flugdeckkreuzer "Admiral Kusnezow" (Projekt 11435) (Anlage 5) für mindestens noch einige Jahrzehnte in Dienst bleiben, um den Erhalt von Bordfliegerkräften zu gewährleisten. Nach Mitteilungen aus dem Stab der Nordflotte wird dieses Schiff ab Oktober 2003 der Flotte nach langjährigem Werftaufenthalt wieder zur Verfügung stehen. Gesamtfazit Das Programm zum Bau und zur Entwicklung der Seekriegsflotte sieht eine ausbalancierte, etappenweise Erneuerung des Schiffsbestandes, der Bewaffnung und Kampftechnik aller Flottenbestandteile vor, dies betrifft auch alle Arten der Sicherstellung unter Beachtung der voraussichtlichen finanziellen Absicherung. Gleichzeitig geplant ist der Übergang des Personalbestandes auf einen Dienst nach Vertrag sowie die Vervollkommnung der gesamten Organisationsstruktur der Flotte. In quantitativer Hinsicht wird die künftige Flotte Russlands entschieden kleiner sein, als die der UdSSR, aber sie wird am Einsatz von Hochtechnologie orientiert sein, wie auch an einer besser entwickelten Infrastruktur und einem adäquaten System der Sicherstellung. Bezüglich der Bewaffnungen werden sich die Akzente verschieben von einer Ausweitung der Schlagkraft hin zu einem breiteren Einsatz von Informationssystemen der Gefechtsführung und Zielzuweisung, um die Wahrscheinlichkeit eines erfolgreichen Waffeneinsatzes zu erhöhen. Das breite Spektrums an Dual-use- und rein zivilen Produkten in den Angebotspaletten der Unternehmen im Bereich der Agentur Schiffbau und die zunehmende Konzentration auch in diesen Bereichen auf Hochtechnologien sprechen künftig für eine hohe Überlebensfähigkeit und wirtschaftliche Flexibilität. Perspektivisch kann dieser Aspekt der Gefahr einer Verselbständigung konzentrierter Wirtschaftsinteressen auf dem reinen Rüstungssektor gegenüber dem Primat der Politik entgegenwirken. Mit dem Ziel der Reduzierung der Aufwendungen für die Schaffung perspektivischer Waffenmuster, Bewaffnungen und technischer Mittel ist der breite Einsatz einer Nomenklatur von Mustern doppelter Bestimmung vorgesehen. Und in erster Linie ist dies geplant bei der Schaffung einer neuen Generation von strategischen Raketen-U-Booten. Dies erklärt sich daraus, dass die maritimen strategischen Nuklearkräfte wie bisher die grundlegende Schlagkraft der Flotte bilden werden, die den Erhalt einer strategischen Stabilität in der Welt gewähren und die politischen Bedingungen für einen gleichberechtigten Dialog mit jedem beliebigen Land schaffen sollen. Die Priorität dieser Ausrichtung ist in vieler Hinsicht dadurch bedingt, dass in allen führenden Ländern der Welt die Tendenz zu beobachten ist, den entscheidenden Teil des nuklearen Potenzials von Land auf See zu verlagern. Dieser Trend hat eine sehr objektive Begründung, die darin besteht, dass maritime strategische Nuklearkräfte über eine größere Mobilität, Gedecktheit, Überlebensfähigkeit und Bereitschaft zum Waffeneinsatz unter praktisch allen Lagebedingungen verfügen. Außerdem ist damit ihr Einsatz außerhalb der Grenzen des Territoriums des Staates gesichert. Die Lösung von Aufgaben durch die maritimen strategischen Nuklearkräfte soll sichergestellt werden durch die Strategischen Raketen-U-Boote, deren Anzahl sich ausgehend von der Notwendigkeit der Zuverlässigkeit des Raketensystems und der Einhaltung bestehender Verträge zu strategischen Bewaffnungen unter Beachtung der Gesamtanzahl von U-Booten im Flottenbestand bestimmt. Zur Sicherstellung der Gefechtshandlungen der Unterwasserraketenträger wird es außerdem als erforderlich angesehen, atomare Mehrzweck-U-Boote, MehrzweckÜberwasserschiffe und Seefliegerkräfte zu unterhalten. Jedoch werden die maritimen Kräfte allgemeiner Bestimmung neben den Sicherstellungsaufgaben auch einen breiten Kreis von Aufgaben lösen müssen, die ihrer eigentlichen Bestimmung entsprechen. Vor allem geht es um die Bereitschaft zur Abwehr von Angriffen auf Russland von See her und aus ozeanischen Richtungen. Wie Untersuchungen der letzten Jahre und die Praxis anderer Flotten zeigen, sind Mehrzweck-U-Boote und Überwasserschiffe der Fregattenklasse die dafür effektivsten Mittel. Daneben wurde mit dem Baubeginn der Korvette "Stereguschtschij" (Projekt 20380) und des zweiten Schiffes dieser Klasse der Ersatz der Kleinen UAW-Schiffe (Projekte 1124, 1124M, 1124MU und 133.1M) eingeleitet. Beim Bau von U-Booten neuer Generation konzentriert man sich vor allem auf neue Technologien, die eine Lösung des Problems des akustischen Feldes des Bootes gestatten. Neben dem Schutz der strategischen Interessen Russlands in fernen Meeren und in ozeanischen Zonen bleibt der in letzter Zeit an Aktualität gewinnende Komplex von Aufgaben zum Schutz des Küstenvorfeldes und in den küstennahen Gebieten der wirtschaftlichen Nutzung der ökonomischen Zonen. Die Anzahl der Schiffe, die zur Lösung dieser Aufgaben erforderlich sind, hängt ab von der Länge der Seegrenzen, dem Grad der Zerklüftung des Küstenreliefs und der Geschütztheit der Ufer, der Wassertiefe in Küstennähe, aber auch von der Infrastruktur, dem Vorhandensein von Transportmagistralen sowie von der Verteilungsdichte von Basierungspunkten der Flotte. Unter diesen Aspekten wird eine Kombination von Schiffen der Fregatten- und Korvettenklasse als hinlänglich angesehen, die für einen Streifen von 100 km Grenze mindestens ein Schiff vorsieht. Somit soll der Schiffsbestand der Seekriegsflotte Russlands unter Beachtung der bestehenden politischen und wirtschaftlichen Realitäten etwa 210 300 Schiffe der Grundklassen betragen. Damit beläuft sich die angestrebte Gesamtanzahl auf etwa 30% des Flottenbestandes von 1991. Doch könnte Russland nach Einschätzung von Flottenadmiral W. Kurojedow auch unter diesen Bedingungen seinen Status als eine der führenden Seemächte der Welt bewahren.
Anmerkungen und Quellen Alle eigenen Darstellungen russischsprachiger Quellen und Eigennamen wurden nach der Dudentranskription vorgenommen. In den übrigen Fällen wurde die Darstellung der jeweiligen Quelle beibehalten.
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Anlage 1 Die Seekriegsflotte (SKF) der Russländischen Föderation (RF) 2003 1
Neben Landstreitkräften und Luftstreitkräften ist die SKF ist eine der drei Teilstreitkräfte der Streitkräfte der RF.
-einrichtungen zu ihrem Bestand. Zum Personalbestand der SKF gehören 171 500 Soldaten/Matrosen. Die Hauptschlagkraft der SKF sind die der Nord- und der Pazifikflotte unterstellten strategischen U-Kreuzer. Nach Angaben vom 1. Januar 2003 gehören insgesamt 13 strategische U-Schiffe mit 216 Raketen zur SKF, davon
Im Bestand der SKF befinden sich gegenwärtig außerdem:
Außerdem gibt es 217 Kampf- und Aufklärungsflugzeuge sowie 102 Hubschrauber im Bestand. ________________ Zusammengestellt nach: <http://www.cwpj.org/Publications/gsi/n12/3.htm> [Viktor Litovkin, Sie verteidigen Russland (von ca. Juni 2003)]; <http://www.redstar.ru/2003/10/11_10/3_01.html> [Aktuelle Aufgaben zur Entwicklung der Streitkräfte der RF. Denkschrift der Führung des Verteidigungsministeriums vom 2. Oktober 2003]; <http://www.strana.ru/stories/03/01/16/3259/182074.html> [N. Petrov, Die russische SKF erwartet eine umfassende Umrüstung (27.05.2003)]; Weyers Flottenkalender 2003-2004. |
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Anlage 2 Vergleich der taktisch-technischen Charakteristika der im Bau befindlichen russischen Korvette des Projektes 20380 / 20382 (Exportvariante) mit denen der geplanten deutschen Korvette K-130
Quellen:
http://vs-rus.narod.ru/vs/russia/vmf/SKR_Project_20380/SKR_Project_20380.html Корвет «Стерегущий» проекта 20380. |
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Anlage 3 Taktisch-technische Charakteristika des Schweren strategischen Unterwasser-Raketenkreuzers Typhoon (Projekt 941/941U) und des Strategischen Unterwasser-Raketenkreuzers Delta IV (Projekt 667BDRM)
Bewaffnung des Projektes 941/941U:
Bewaffnung des Projektes 667BDRM:
Quelle:
Международный военно-морской салон IMDS-2003, издательский дом интервестник, 2003, стр.10. |
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Anlage 4 Vergleich einiger taktisch-technischer Parameter des Flugkörpers Klub-S von "Novator" aus Jekaterienburg mit dem amerikanischen Marschflugkörper BGM 109B. Der Einsatz der Klub-S erfolgt aus den Torpedoapparaten von U-Booten.
Gegenüberstellung der taktisch-technischen Parameter des Luftabwehr-Raketen-Artilleriekomplexes "Kaschtan" mit vergleichbaren westlichen Modellen
Gegenüberstellung einiger taktisch-technischer Grundparameter des Schiffsgeschützes A-190E (Exportvariante) mit dem französischen Pendant.
Quelle: Захаров, Игорь, Российские образцы военно-морской техники на мировом рынке вооружений, in: Военный Парад 3 (57) 2003, стр. 12 - 14. |
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Anlage 5 Taktisch-technische Charakteristika des Schweren Flugdeckkreuzers
Bewaffnung:
Quelle: Международный военно-морской салон IMDS-2003, издательский дом интервестник, 2003, стр.40.
Schwerer Flugdeckkreuzer "Admiral Kusnezow" (Projekt 1143.5)
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