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Russlands Militär-Industrie-Komplex rechnet sich Chancen aus, ein neues Segment des Weltrüstungsmarktes zu besetzen. Das Konzept heißt :
Export von nichtnuklearer Zügelung
Bericht von Egbert Lemcke über einen Beitrag von Boris Kusyk in "Nesawisimoje wojennoje obosrenije" Nr. 19 (241) vom 01.06.2001
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Unter dem Titel "Der Export von Zügelung (экспорт сдерживания) -
Russland hat alle Chancen für die Schaffung eines neuen Segmentes auf dem Rüstungsweltmarkt" erörtert Boris Kusyk in der genannten Ausgabe von Nesawisimoje wojennoje obosrenije (Internet-Quelle:
http://nvo.ng.ru/concepts/2001-06-01/1_export.html) die Lage und die Entwicklungsperspektiven auf dem Markt für Waffen und Militärtechnik.
Sein Bezugs- und Ausgangspunkt sind Wertungen und Aufgabenstellungen von Präsident Putin auf einer Sitzung der Kommission für militärtechnische Zusammenarbeit (MTZ/ВТС) im März 2001. Dieser hatte dort erklärt, dass
ungeachtet des Exportanstiegs bei Rüstungsgütern im Jahre 2000 Russland in dieser Sphäre weit hinter den entwickelten Industriemächten zurückstehe, und gefordert, die Effektivität der außenwirtschaftlichen Tätigkeit in diesem Bereich zu erhöhen. Er hatte darauf hingewiesen, dass zur Umsetzung der gestellten Aufgaben es nicht ausreiche, die Außenhandelsaktivitäten zu erhöhen. Es sei erforderlich, den Entwicklungstrend von Mitteln des bewaffneten Kampfes zu verstehen, potentiellen Käufern eine solche Technik anzubieten, die es bisher auf dem Rüstungsmarkt nicht gab, und - noch besser – selbst ein neues Marktsegment zu formieren.
Unter dem Zwischentitel "Die Folgen der Globalisierung" stellt Kusyk dann fest: "Der Schlüssel bei der Suche nach neuen Ansätzen für militär-technische Zusammenarbeit kann die Analyse der in der Welt in den letzten Jahren ablaufenden Veränderungen sein. Zu allen Zeiten konnte man den Waffenverkauf als einen Export von Sicherheit betrachten. In der Epoche einer bipolaren Welt jedoch wurde die militär-technische Zusammenarbeit Bestandteil der Politik, der unter Einbeziehung der kleineren Staaten in den Orbit der Welt-Machtzentren die Sicherheit dieser gewährleistete. Elemente eines solchen Ansatzes bestehen noch, jedoch funktioniert diese Logik in einer zunehmend multipolaren Welt (und dies auch auf regionalem Niveau) immer weniger.
Der Charakter der Gefahren und die Szenarien möglicher Konflikte wurden unbestimmter. Die Mitgliedschaft in einem mächtigen Militärblock oder die Einbeziehung in das politische Umfeld einer Supermacht garantiert keine militärische Sicherheit. Lebendiges Beispiel ist die Rivalität zwischen Griechenland und der Türkei in der Ägäis. In diesem Kontext wird der Erwerb von Waffen immer häufiger als direkter, nicht jedoch als indirekter Weg zur Gewährleistung von Sicherheit betrachtet."
Kusyk verweist darauf, dass sich andererseits die militärischen Ziele von Staaten gewandelt haben und der Kampf um das Beherrschen von Territorien von der Rivalität um die Kontrolle über die wichtigsten Untersysteme der Weltwirtschaft abgelöst wurde. Er folgert: 'Ein Sieg, der um den Preis der völligen Zerstörung von Industrie und Infrastruktur des Gegners erlangt wird, verliert seine Attraktivität.
Dadurch entstehen einfach paradoxe Situationen. Auf bestimmte Gebiete werden Schläge geführt, - während aus anderen Öl gefördert wird, das auf den Weltmarkt gelangt, und dabei auch in jene Staaten, die die besagten Schläge ausführen. Beispiel dafür sind die Luftschläge der USA und Großbritanniens auf den Irak im Februar 2001. Dies ist eines jener Beispiele von Auswirkungen des Phänomens der Globalisierung auf Formen und Methoden des bewaffneten Kampfes und folglich auf militärische Strukturen, die bisher noch nicht vollständig erfasst wurden. Wichtigste Begleiterscheinung dieses Phänomens ist das Anwachsen der gegenseitigen Abhängigkeit aller Subjekte der Ökonomie und Politik von Prozessen, die nicht nur auf dem eigenen, sowie angrenzenden Territorium ablaufen, sondern auch an anderen Enden der Welt. Die Welt insgesamt, wie auch einzelne Länder können sich den Luxus selbst eines kleinen Krieges immer seltener leisten. Erinnern wir uns, wie 1973 die viermalige Erhöhung des Erdölpreises im Ergebnis des arabisch-israelischen Konfliktes die gesamte Weltökonomie erschütterte.'
Sein Zwischenresumee: "Somit stimulieren einerseits die radikalen politischen und ökonomischen Veränderungen in der Welt einen Verzicht auf Anwendung militärischer Gewalt, andererseits jedoch bringen sie eine Erhöhung der Forderung nach effektiver Bewaffnung mit sich, die zum grundlegenden Mittel der Gewährleistung von Sicherheit wird. Es ist unschwer zu bemerken, dass sich diese bisweilen gegensätzlichen Tendenzen verbinden können, sofern man als Hauptaufgabe von Militärpolitik und Strategie die Zügelung eines Gegners ansieht."
Die dann folgenden Thesen zur Rüstungsmarktnachfrage in den nächsten Jahrzehnten leitet Kusyk mit einer kurzen Replik auf die Bedingungen der atomar bewehrten Systemkonfrontation ein (Zwischentitel: Die nukleare Ideologie). Die großen Potentiale nuklearer Zügelung haben in einer bipolaren Welt zuverlässig Stabilität gewährleistet. Und sie behalten, so sein Urteil, auch heute ihre Bedeutung - sowohl im Kontext der Beziehungen zwischen den Großmächten als auch unter Bedingungen schleichender Erweiterung des nuklearen Klubs. Zudem gibt es keinen Grund zu der Annahme, dass es zu einem Verzicht auf nukleare Zügelung kommen wird.
Gerade die Nuklearbewaffnung brachte die neue Ideologie des Friedenserhalts mit Hilfe eines im Maßstab beschränkten Komplexes von Mitteln des bewaffneten Kampfes hervor.
Von dieser Prämisse her entwickelt Kusyk seine erste These unter der Überschrift Eine neue Gefahr.
"Bei all ihrer Effektivität können Kernwaffen nicht die Lösung aller politischen und militärischen Probleme des Staates absichern. Folglich bewahrt die Fähigkeit zu nuklearer Zügelung eines starken Gegners nicht vor einer Niederlage im Konflikt mit einem schwachen. Die führenden Wirtschafts- und Militärmächte, vor allem die USA, sind bestrebt, dieses Paradoxon durch die Schaffung eines Potenzials zur Führung von Kriegen neuen Typs aufzulösen.
Im Einzelnen geht es um den Verzicht (bzw. die Beschränkung auf ein Minimum) auf die für Kriege der vergangenen Phase traditionelle Entfaltung von Kräften und Mitteln in der Spannungsperiode auf einem entsprechenden Kriegsschauplatz. Beispiele: die Operation "Wüstenfuchs" 1998 und zum Teil die Aggression gegen Jugoslawien 1999.
Erstere zeigte, dass eine großangelegte Operation mit begrenzten, aber gut ausgerüsteten Kräften ohne vorherige Entfaltung der Gruppierung geführt werden kann. Die zweite Operation zeigte, dass die USA ein strategisches nichtnukleares Potenzial entwickeln, das nach amerikanischer Terminologie auf die Fähigkeit zu "schneller Zügelung" ausgerichtet ist. Halten wir fest, dass es praktisch nicht um Zügelung geht, sondern um die unverzügliche Vernichtung von Schlüsselobjekten eines Gegners an einem beliebigen Punkt des Planeten.
Wie Analysen zeigen, führt die konsequente Entwicklung einer solchen Strategie zur Schaffung eines Potenzials für nichtnukleare Entwaffnungsschläge selbst gegenüber bedeutenden Militärmächten. Dazu lediglich ein Fakt: im März bestätigte der Verteidigungsminister der USA Donald Rumsfeld das Programm zur Umrüstung herkömmlicher Fliegerbomben auf gelenkte Munition JDAM (Joint Direkt Attack Munition). Bereits früher hatte das Pentagon 15 000 solcher Bomben bestellt (7 000 sind bereits ausgeliefert). Ein neuer Vertrag mit "Boeing" sieht nun den Ankauf von weiteren 12 200 JDAM vor, und ihre Gesamtzahl soll in den Streitkräften der USA letzten Endes auf bis zu 90 000 Stück geführt werden.
Es ist offensichtlich, dass kein Land der Welt mit den USA bezüglich der Anzahl von nuklearen Angriffswaffen konkurrieren kann, was auch dazu zwingt, prinzipiell neue Formen der Zügelung zu suchen."
Damit kommt der Autor zu seiner zweiten These - über Die Bewaffnung des neuen Jahrhunderts. Seine Überlegungen:
"Hauptsächliche materielle Grundlage zur Realisierung einer Konzeption nichtnuklearer Zügelung ist die umfangreiche Familie einer neuen Generation von Vernichtungsmitteln, die in der Lage sind, einem Gegner nicht hinnehmbare Verluste zuzufügen (natürlich im neuen, postnuklearen Verständnis dieses Begriffs). Dabei geht es sowohl um herkömmliche als auch um prinzipiell neue Mittel des bewaffneten Kampfes, beispielsweise Informationsmittel.
Auch wenn es auf dem Gebiet der exotischen Bewaffnung bisher keinen hinreichenden Fortschritt gibt, so erlangten doch einzelne Arten herkömmlicher Vernichtungsmittel bis dahin ungekannte Eigenschaften, dank derer man von der Herausbildung prinzipiell neuer militärischer und selbst politischer Möglichkeiten sprechen kann.
Dies ist vor allem die hochintelligente Bewaffnung WIO (высокоинтеллектуальное оружие (ВИО)).
In Russland ist dieser Terminus noch wenig gebräuchlich, bei uns ist «Präzisionswaffe» («высокоточное оружие» ВТО) eher verbreitet. Jedoch ist letzterer Begriff etwas veraltet - in ihm sind viele moderne Vernichtungsmittel nicht erfasst.
So können beispielsweise die russischen Antischiffsraketen "Jachont" in der Gruppe handeln, indem sie während des Fluges Informationen austauschen, ohne Eingriff eines Operators eine Gefechtsordnung aufbauen und Prioritäten unter den Zielen selbst auswählen. Das Wesentliche hier ist nicht die Präzision, sondern der Intellekt. Hochintelligente Vernichtungsmittel sind im Unterschied zu den Präzisionsmitteln in der Lage, Funktionen auszuführen, die früher nur dem Menschen zugänglich waren.
Die Mittel der nichtnuklearen Zügelung sind ziemlich vielfältig. So wird beispielsweise von vielen Wissenschaftlern und Konstrukteuren vorgeschlagen, MBR – Ballistische Interkontinentalraketen (МБР – Межконтинентальная баллистическая ракета) und BRPL – Ballistische Raketen von U-Booten (БРПЛ – Баллистическая ракета подводных лодок) mit nichtnuklearer Ladung einzusetzen. Eine solche Strategie ist jedoch durch eine Vielzahl von technischen, ökonomischen und völkerrechtlichen Faktoren eingeschränkt. So entsteht das Problem der Unterscheidung von nuklearen und nichtnuklearen Raketen, das allgemein nicht zu lösen ist. Der Export solcher Bewaffnung ist eingeschränkt durch das Abkommen zum Kontrollregime über Raketentechnologien (РКРТ – Режим контроля над ракетными технологиями). Darum sind zur nichtnuklearen Zügelung eher luftgestützte Flügelraketen, ballistische Raketen operativ-taktischer Bestimmung sowie die operativ-taktische Raketenbewaffnung auf Schiffen und U-Booten geeignet. Die nichtnukleare Zügelung kann sowohl strategischen als auch taktischen und lokalen Charakter tragen. Die strategische Zügelung ist nicht Thema dieses Artikels und wurde recht ausführlich in der Publikation von Jewgeni Fedosow und Igor Spasski "Die Präzisionswaffe wurde zum Kriegsgott" («Высокоточное оружие заняло место бога войны») (NVO # 28-1999) und in dem Buch "Die Wahl des Jahrhunderts" («Выбор века», М: Институт экономических стратегий, 2000) behandelt."
Für seine dritte These - zu den Mechanismen der nichtnuklearen Zügelung - betrachtet Kusyk im Weiteren die Probleme nichtnuklearer Zügelung in lokalen Kriegen etwas detaillierter und folgert daraus auf die Probleme des Exports russischer Bewaffnungen. Kusyk versetzt sich in die Lage der schwächeren Staaten der Welt und fragt - an ihrer Stelle - wie sie militärischen Aktionen neuen Typs wirksam begegnen können, wenn diese durch stärkere Gegner unternommen werden. Seine Antwort: Gerade die Strategie der nichtnuklearen Zügelung bietet ihnen eine Chance.
"Moderne Aktionen weisen in der Regel einen beschränkten Maßstab auf und werden, wie oben gezeigt wurde, mit beschränkten Mitteln ausgetragen. Ein kleiner Staat steht bei der Verteidigung nicht vor der Notwendigkeit, Dutzende Divisionen des Gegners aufzureiben. Es ist völlig ausreichend, eine überzeugende Gefahr der Vernichtung durch moderne Antischiffsraketen für das Hauptschiff einer Gruppierung (einen Raketenkreuzer, ein Universallandungsschiff, einen Flugzeugträger) zu schaffen, und eine Operation wie "Wüstenfuchs" ist vereitelt.
Neben dem rein militärischen Aspekt verändert ein solcher Ansatz für den Aggressor grundsätzlich das Verhältnis von "Ergebnis/Aufwand". Dabei bedient man sich eines Phänomens der WIO: die Gesamtausgaben zur Zielvernichtung verringern sich im Vergleich zu herkömmlichen Vernichtungsmitteln. Nicht umsonst wächst der Anteil der WTO und WIO im eingesetzten Arsenal moderner Armen ständig an. Beispielsweise betrug er für die Truppen der USA 2% in Vietnam, 8% in der Operation "Wüstensturm", 35% in der Operation "Bündnisstärke" und 100% beim Schlag auf die irakische Luftabwehr im Februar.
Die Existenz selbst eines im Maßstab sehr kleinen Schlagpotenzials (und moderne WIO – das sind in der Regel Angriffsmittel) ist hinlänglich, um eine Angriffsoperation für den Gegner um ein Vielfaches zu verteuern und diesen so zu zwingen, auf ihre Umsetzung zu verzichten. Zur Illustration ein Beispiel: In der Anfangsphase der Operation "Wüstensturm" führten die Kräfte mehrerer Nationen innerhalb von drei Tagen auf den Irak sieben massierte Luft-Raketen-Schläge. Dazu war es erforderlich, im Nahen und Mittleren Osten 2300 Kampfflugzeuge zu konzentrieren, sechs Flugzeugträger, eine Vielzahl anderer Bewaffnung und Technik. Und in der Anfangsphase der Operation "Bündnisstärke" waren etwas über 200 Kampfflugzeuge beteiligt. Die mittlere Intensität der Kampfeinsätze der Luftwaffe in den ersten Tagen des Krieges gegen den Irak war um eine Ordnung höher als im Balkankonflikt. Einer der wesentlichsten Gründe dafür war das Bestreben der USA, in den ersten Stunden des Konfliktes die irakischen "Skud"-Raketen zu vernichten, die man berechtigt als unvollkommenen Prototyp eines Zügelungspotenzials betrachten kann.
Wichtig ist auch, dass eine Reihe der Arten der WIO, darunter vor allem die in Russland hergestellten, es ermöglichen, einen Gegners abzuwehren, der über die Luftherrschaft verfügt. Dies ist charakteristisch für alle Konflikte auf der "Nord-Süd-Achse", und das Problem auf traditionellem Wege zu lösen, ist, wie die Kriege der 60-80er Jahre gezeigt haben, fast unmöglich.
Die Geschichte kennt bereits Beispiele für die Realisierung der Vorzüge von Waffen neuen Typs :
So verfügten die Luftstreitkräfte Argentiniens im Jahre 1982 während der Kämpfe um die Falklandinseln insgesamt lediglich über fünf Antischiffsraketen "Exocet", welche an Bord von 5 Jagdbombern "Super Etendard"eingesetzt wurden. Diese flogen zehn Kampfeinsätze, im Verlaufe derer mit 4 Raketen zwei große Schiffe vernichtet wurden: der moderne britische Zerstörer "Sheffield" und der Containerfrachter "Atlantic Conveyor" mit einigen Flugzeugen und Hubschraubern an Bord. Nur durch ein Wunder verfehlten die "Exocet" den Flugzeugträger "Hermes". Nicht ein "Super Etendard" ging verloren, doch die durch ihre Handlungen bewirkten Verluste überstiegen den Wert dieser Flugzeuge und Raketen um das Hundertfache. Alle übrigen Kampfflugzeuge Argentiniens mit herkömmlicher Bewaffnung erzielten die gleichen Ergebnisse wie die fünf "Super Etendard", doch waren dafür 249 Gefechtseinsätze erforderlich, und ihre Verluste beliefen sich auf 22 Flugzeuge und 19 Piloten.
Die "Exocet" jedoch ist eine Waffe mit sehr viel geringerer Effektivität, als solche einheimischen Antischiffsraketen, wie "Moskit", "Jachont", "Klab". Letztere verfügen über viel stärkere Gefechtsteile, eine größere Schussweite und sind mit "intelligenten" Waffenleitsystemen ausgestattet. Außerdem sind die "Moskit", "Jachont" und SM-54E (ЗМ-54Э) Dank ihrer Überschallgeschwindigkeit im letzten Teil ihrer Flugbahn fast nicht zu gefährden, und ihr Gefechtsteil verfügt aufgrund der im Verhältnis zu Raketen im Unterschallbereich sehr viel größeren kinetischen Energie über eine viel höhere Vernichtungswirkung.
Kusyk fordert abschließend in diesem Teil dazu auf, auch einen potenziellen positiven Beitrag der hochintelligenten Waffensysteme (WIO) zur Begrenzung des Wettrüstens nicht zu übersehen: Er hält für wahrscheinlich, dass ihre hohe abschreckende Wirkung Entwicklungsländer zu einem Verzicht auf die Beschaffung bzw. Herstellung von Massenvernichtungswaffen stimulieren wird. Außerdem wäre die Mehrzahl der Staaten in der Lage, WIO in wenigstens beschränktem Maßstabe zu entfalten.
Abschließend kommt er nun zu den Aussichten für Russlands Rüstungsindustrie auf dem Welt-Rüstungsmarkt. Seine Feststellung: Ein unbesetztes Marktsegment wartet auf Anbieter!
"Gerade in Russland hat sich bis auf den heutigen Tag ein wissenschaftlich-technisches Potential auf dem Gebiet der WIO herausgebildet, das den Export nichtnuklearer Zügelungswaffen ermöglicht. Dafür eignet sich insbesondere das breite Spektrum von Raketen verschiedener Basierungsarten mit einer Reichweite bis zu 300 km.
In diesem Segment des Weltmarktes fehlt es offenbar an moderner, hocheffektiver Bewaffnung. Wenn auf dem Gebiet der Antischiffsraketen von den USA und einigen ihrer westlichen Bündnispartnern verschiedene Muster zum Export angeboten werden, die vor 20 bis 30 Jahren entwickelt wurden ("Exocet", "Otomat", "Harpoon"), so ist bei operativ-taktischen Raketen der Klasse "Luft-Boden" und "Boden-Boden" eine offenkundige Lücke zu beobachten.
Flügelraketen "Tomahawk" sind selbst in der nichtnuklearen Variante zu teuer (bis zu 1 Mill. Dollar pro Stück). Außerdem überlässt Washington diese nur ihrem nächsten Verbündeten – Großbritannien. Die prinzipiell neuen amerikanischen Muster – die geplante Bombe JSOW (Joint Stand-off Weapon) und die gelenkte Rakete JASSM (Joint Air-to-Surface Stand-off Missile) sind ebenfalls bisher nicht für den breiten Verkauf ins Ausland geplant. Außerdem besitzen diese Arten von Vernichtungsmitteln zwei Besonderheiten, die es nicht gestatten, sie als eine Waffe zur Zügelung anzusehen, die für die Mehrheit der Staaten der Welt geeignet wäre. Erstens ist es für den Einsatz der JSOW und JASSM erforderlich, die Luftherrschaft zu besitzen. Zweitens sind sie nicht gefechtseinsatzfähig ohne das Navigationssystem NAVSTAR, das sich unter vollständiger Kontrolle Washingtons befindet. Andere Länder des Westens beginnen gerade erst mit der Schaffung von Raketen der Klasse "Luft-Boden" großer Reichweite (die anglo-französische "Storm-shaddow").
Es ist vorgesehen, China in breitem Umfang den Export der eigenen operativ-taktischen Raketen in verschiedenen Arten der Basierung anzubieten.
Das wohl deutlichste Beispiel russischer Überlegenheit ist der Raketenkomplex der Klasse "Boden-Boden" "Iskander-Ä" («Искандер-Э»), für den es in der Welt keine Analogie gibt. Seine ballistische Rakete fällt mit einer Reichweite von bis zu 280 km nicht unter die Begrenzungen des Kontrollregimes über Raketentechnologie (RKRT) und ist im Unterschied zur "Skud" eine hocheffektive Waffe mit herkömmlicher Gefechtsladung. Selbst eine begrenzte Anzahl von "Iskander-Ä"-Komplexen könnte in einem Konflikt ähnlich dem des Balkankrieges von 1999 eine verlässliche Zügelung durch die Gefahr von Schlägen auf Führungszentren, Luftbasen, Häfen und Militärbasen des Aggressors bewirken.
Raketen sind als wesentliche Komponente der WIO ein wachsendes Marktsegment. Nach Einschätzung der Gesellschaft "Till group" (Londoner Internationales Institut für strategische Forschungen, E.L.) wird sich die Weltproduktion an Raketenbewaffnung (in großem Maße zum Export) von 6,88 Mrd. Dollar im Jahre 2001 auf 10,78 Mrd. Dollar im Jahre 2005 erhöhen.
Die Erträge der russischen Hochtechnologie-Industrie können entschieden gesteigert werden, wenn nicht die Raketen selbst exportiert werden, sondern komplexe Systeme einschließlich der Aufklärungsmittel, der Schlagkomplexe selbst, wie auch der Untersysteme, die ihren Schutz vor WIO und WTO des potentiellen Gegners gewährleisten. Außerdem erfordert die neue Generation von Waffen eine prinzipiell andere Informationsinfrastruktur, welche ebenfalls von Russland gestellt werden kann [es geht beispielsweise um das Navigationsfeld des kosmischen Funknavigationssystems GLONASS (ГЛОНАСС – Глобальная навигационная спутниковая система)].
Da Russland sowohl über die WIO als auch alle angeführten sicherstellenden Komponenten verfügt, hat unser Land die Chance, führend bei der Formierung eines neuen Segments auf dem Waffenmarkt zu werden. Im Übrigen macht es die Konzentration auf hochintellektuelle Bewaffnung möglich, zwei Aufgaben zu lösen: den Umfang der militär-technischen Zusammenarbeit mit dem Ausland zu erhöhen, wie auch die Ausrüstung der russischen Streitkräfte mit der Bewaffnung des XXI. Jahrhunderts zu gewährleisten, das mit großer Wahrscheinlichkeit zu einer Epoche der nichtnuklearen Zügelung werden kann.
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(1) Boris Nikolajewitsch Kusyk: Präsident der Industrieholding "Neue Programme und Konzeptionen"(«Новые программы и концепции»), Präsident des Institutes für ökonomische Strategien (INES), Doktor der Wirtschaftswissenschaften.
Weitere Informationen zu dieser Problematik:
Zum Raketenkomplex «Iskander-Ä»:
http://nvo.ng.ru/armament/1999-09-30/iskander.html
http://aviaport.ru/news/Markets/9915.html
www.milparade.ru/ru/34/010.htm
Zur Einsatzerprobung der JDAM durch die USA:
http://www.vts.tass.ru/yug/6.htm
Eine Analyse zur Thematik «Präzisionswaffen und strategische Balance» vom Forschungszentrum für Probleme der Abrüstung, Energetik und Ökologie des
Moskauer Physikalisch-Technischen Instituts (МФТИ):
http://armscontrol.ru/start/rus/publications/vto/intro.htm
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