Impressum [Lemcke-Home]   [DSS-Home] 15.12.2001

Dresdener Studiengemeinschaft SICHERHEITSPOLITIK  e.V.  (DSS)





Russlands Kampfschiffe im Jahre 2001

(Bericht und auszugsweise Übersetzung: Egbert Lemcke)

Quelle: http://www.vmk.bip.ru/fleets/Russia/sostav/review2000_2001.html


<Inhaltsübersicht>

In oben genannter Quelle erfolgt die Veröffentlichung des Vorwortes zur Neuauflage des gleichnamigen Buches von A. S. Pavlov; die vorherige Auflage stand unter dem Titel "Voennye Korabli Rossii 1997-1998", Yakutsk 1997.

Pavlovs konzentrierte Ausführungen werfen ein Schlaglicht auf den gegenwärtigen Zustand der russischen Marinerüstung und das Wechselspiel zwischen Marinerüstung und -export. Möglich werden auf dieser Grundlage erste Wertungen zu Trends in der Umsetzung des Präsidentenerlasses vom 4. März 2000 und der Marinedoktrin vom 27. Juli 2001. Der Autor charakterisiert den Zeitraum von Ende des Jahres 2000 bis zur ersten Hälfte des Jahres 2001 als Beginn einer Stabilisierungsperiode. Dazu entwickelt er folgende Argumentation:

  • Die Flotte bekam wieder 50 - 60% der notwendigen Zuwendungen statt der 20 - 30% in den vorangegangenen Jahren. Gestoppt werden konnte das massenhafte Ausmustern von Schiffen im Ergebnis entweder der Flottenteilung zwischen den sich neu gebildeten Staaten (1991 - 1997) oder aufgrund massiver Veralterungen sowie der Unmöglichkeit, eine gewaltige Anzahl von Schiffen ohne eine mittlere oder Hauptinstandsetzung im Kampfbestand zu halten (1992 – 1997). Mit dem Erlass des Präsidenten der RF vom 4. März 2000 wurde die Aufgabe der Wiederherstellung des maritimen Potenzials Russlands gestellt.
    Es gelang, den Kern der Flotte zu erhalten. Jetzt ist seine Instandsetzung erforderlich und das allmähliche Hinführen auf ein hohes Niveau der Gefechtsbereitschaft.

  • Im Schiffbau Russlands überwiegen gegenwärtig Exportaufträge, wobei Indien einen bedeutenden Platz einnimmt. In Severodwinsk, im Werk "Sevmaschpredprijatije", («Севмашпредприятие») läuft die Modernisierung des "Admiral Gorschkow", der 2003 dem neuen indischen Eigner übergeben werden soll. In der Baltischen Werft wird das Programm zum Bau von Fregatten des Projektes 11356 ("Talvar" im Jahre 2001, "Trischul" in 2002 und "Tabar" in 2003) entsprechend des Vertrages vom 17. November 1997 fortgesetzt.
    Möglich wird ein Auftrag zum Bau von Luftkissen-Landungsbooten des Projektes 12061. Nicht ausgeschlossen ist die Übergabe eines Atom-U-Bootes des Projektes 671RTM oder sogar 971 zur langfristigen Pacht ebenfalls an Indien. Die dieselelektrischen U-Bootes des Projektes 877EKM, die die Instandsetzung in der Severodwinsker Werft "Swesdotschka" («Звездочка») durchlaufen, werden auf den neuen Raketenkomplex "Klab S" modernisiert. Auf indischen Werften werden nach unserer Lizenz Raketenschnellboote gebaut. Dieses Programm wird auf fast 5 Mrd. Dollar beziffert.

  • Das zweite Land, das Interesse an russischen Schiffbautechnologien bekundet, ist China. Nach dem Bau einer Serie von U-Booten der Projekte 877EKM und 636 wurden im Jahre 2000 zwei Zerstörer des Projektes 956E übergeben. Nicht ausgeschlossen ist die Modernisierung des Zerstörers "Besstraschnij" («Бесстрашный»), der gegenwärtig in Severodwinsk instandgesetzt wird, um ihn im weiteren ebenfalls an China zu übergeben.
    Erarbeitet wird die Verkaufsvariante eines Zerstörers an China nach dem Prinzip "Einer von dreien". (In diesem Falle beträgt die gesamte Auftragssumme fast 1 Mrd. Dollar). Wie mit Indien wird auch mit China die Möglichkeit der Verpachtung eines Atom-U-Bootes erörtert. Eine Delegation des Volksbefreiungsarmee Chinas besichtigte ein Exponat 671RTM, befand dieses aber für zu alt; nun ist von einem nuklear getriebenen U-Boot des Projekts 971 die Rede ist.

  • Indonesien und der Iran sind an neuen U-Booten mit nichtatomarem Antrieb interessiert. Diese Boote einer neuen Generation werden auf der Werft in Sankt Petersburg gebaut.
    Die aktive Zusammenarbeit mit Algerien wird fortgesetzt – möglicherweise erfolgt die Fertigstellung eines zweiten "Gepard" («Гепард») für dieses Land, anstelle der vorgesehenen Übergabe dieses Schiffes an die Grenztruppen Russlands. Algerische Wachschiffe durchlaufen gegenwärtig eine Modernisierung einschließlich der Ausrüstung mit neuen Artillerie-Feuerleitsystemen.
    Aus Griechenland ging der seit 1991 erwartete Auftrag zum Bau von Luftkissenlandungsschiffen des Projektes 1232.2 ein. Zwei werden dem Auftraggeber von Russland übergeben (Wertumfang 101 Mio. Dollar), zwei von der Ukraine.
  • Einige Länder sind an Schnellbooten der Typen "Mirage" («Мираж»), "Svetljak" («Светляк») und "Mustang" («Мустанг») interessiert. Vietnam baut auf eigenen Werften Korvetten und Schnellboote nach unseren Lizenzen.

Der einheimische Schiffbau beginnt also nach langem Stillstand etwas an Tempo zu gewinnen, die Resultate dessen werden wir bei günstigen politischen und ökonomischen Bedingungen in 3 – 4 Jahren sehen und einschätzen können.

Großes Interesse ruft der Bau von Atom-U-Booten hervor: Wenn auch in Komsomolsk der letzte Schiffskörper des Projektes 971 fertiggestellt wird und bisher nichts weiter geplant ist, so ist doch das Programm in Severodwinsk recht umfangreich. Hier wurde wurde das mehrmals geänderte Projekt 955 endgültig bestätigt. (Dies wird nun ein Einwellenschiff sein, mit einer Antriebsanlage analog der des Projekts 971. Durch eine Verringerung der Leistung wurde zwar die Maximalgeschwindigkeit reduziert, dafür wurde die "Juri Dolgoruki" jedoch noch leiser. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist der Druckkörper mit den notwendigen Aggregaten fertiggestellt, und die letztliche Indienststellung des Bootes ist für 2005 geplant.) Noch in diesem Jahr erfolgt der Stapellauf eines Mehrzweck-U-Bootes der vierten Generation "Severodwinsk" (Projekt 885), im Jahre 2002 wird die Inbetriebnahme des Reaktors erwartet. Es wird über 24 Startanlagen für "Jachont"-Raketen verfügen, 10 533mm-Torpedoapparate zum Abschuss verschiedener Gefechtsmittel – vom Torpedo bis zu strategischen Flügelraketen, einen integrierten Reaktor neuen Typs, eine Antriebsanlage nach dem Prinzip "pump-jet", einen neuen hydroakustischen Komplex, der auf der "Akcon-2" («Аксон - 2») entwickelt wurde. Nach allem zu urteilen, wird dies das leiseste U-Boot der Welt sein. Die vollständige Indienststellung ist für 2003 geplant.
Begonnen wurde der Bau eines Atom-U-Bootes der vierten Generation "Grom".

Große Anstrengungen werden unternommen zum Erhalt der Maritimen Strategischen Raketenkräfte. Im Jahre 1991 besaß unsere Seekriegsflotte 62 Strategische Unterwasser-Raketenkreuzer (РПКСН) mit 940 Startanlagen (ПУ) und 2804 Kernladungen. Bis auf den heutigen Tag gibt es noch insgesamt 22 Strategische Unterwasser-Raketenkreuzer mit 342 darauf befindlichen Startanlagen und 1400 Ladungen, wobei ihre Anzahl sich weiter reduzieren wird. Bereits in 2001 ist noch die Außerdienststellung von 2 strategischen Unterwasser-Raketenkreuzern vom Projekt 667B geplant, deren festgelegte Einsatzzeit abgelaufen ist, und insgesamt ist bis 2005 die weitere Reduzierung auf 14 Strategische Unterwasser-Raketenkreuzer geplant.

Im Jahre 2000 sind die aktiven Zonen aus 14 Kernreaktoren entladen worden, 2001 sollen weitere 16 Reaktoren entladen werden, danach sollen jährlich bis zu 20 Reaktoren entladen werden.

Die unerwartete vorfristige Außerdienststellung von vier "Taifun" war durch das unbedachte Unterzeichnen des Vertrages über die Reduzierung der strategischen Angriffswaffen (СНВ) bedingt, wonach 10 ballistische Raketen mit Mehrfachsprengköpfen zur Liquidation standen (vernichtet wurden diese Gefechtsladungen mittels Selbstvernichtung nach Abschuss in den Kosmos). Es waren weder finanzielle Mittel zur Modernisierung, noch ein neuer Raketenkomplex für die gesamte Serie vorgesehen, so dass man dann zur Außerdienststellung neuer schwerer Unterwasserkreuzer griff, um somit den Erhalt der verbliebenen zwei zu gewährleisten. Deren Modernisierung auf einen neuen Raketenkomplex wird gegenwärtig abgeschlossen, außerdem wird ein neues System der hydroakustischen Abwehr "Schlagbaum" («Шлагбаум») (12 Startanlagen) installiert.

Relativ gefechtfähig ist bis zum heutigen Tag die Gruppe der nuklear getriebenen U-Boote mit Flügelraketen (ПЛАРК) mit den Raketen "Granit" («Гранит») – dies sind die am stärksten bewaffneten U-Boote, sie sind gefechtsfähig gegenüber beliebigen Gruppierungen von Überwasserschiffen, einschließlich auch Flugzeugträgern.
Ihr Bau ist noch nicht abgeschlossen – zumindest liegt noch keine Regierungsverordnung zur Einstellung des Baus der Serie vor. Sehr wahrscheinlich wird das Programm von 20 Einheiten nicht erfüllt werden, doch wurde der Bau der "Belgorod" («Белгород») auf der "Sevmaschpredprijatije" («Севмашпредприятие») immerhin fortgesetzt, und nach dem Untergang der "Kursk" (12.08.2000) erfolgte die Kiellegung eines weiteren U-Bootes des Projektes 949AM; der Bau wird fortgesetzt.

Bei den Überwasserschiffen wurde im Februar 2001 der Bau eines Wachschiffs (СКР) neuer Generation "Novik" («Новик») in der baltischen Werft "Jantar" («Янтарь») wieder aufgenommen, auch wenn davor die Einstellung des Baus erklärt wurde. Für die Nordwerft entstand ein großer Auftrag – dies werden entweder drei Fregatten des Projektes 11356 (nach indischem Typ mit dem Universalraketen-Komplex "Kalibr" («Калибр») anstelle von "Klab-N" («Клаб-Н»), oder 10 Korvetten des Typs S-2000. Der Beginn der Finanzierung wird zu Jahresmitte erwartet. Die Atom-Raketenkreuzer gehen in die Instandsetzung, wobei ihr Flaggschiff, die "Admiral Uschakow" (ehemals "Kirow") modernisiert wird (der Wertumfang der Arbeiten orientiert sich bei 5 Mrd. Rubel). Erhalten bleiben fast alle Großen U-Boot-Abwehrschiffe (БПК) des Projektes 1155, die verbliebenen Wachschiffe des Projektes 1135 durchlaufen die Instandsetzung, allein in der Nordwerft werden somit instandgesetzt:

  • «Besupretschny» («Безупречный»),
  • «Rastoropny» («Расторопный»),
  • «Admiral Levtschenko» («Адмирал Левченко») und
  • «Vize-Admiral Kulakow» («Вице-Адмирал Кулаков»).

Auf der Baltischen Werft wird ein Atom-Eisbrecher fertiggestellt.

Zum 1. Januar 2001 befanden sich im Bestand der Seekriegsflotte außer den Strategischen Unterwasser-Raketen-Kreuzern (РПКСН) weitere 49 Atom-U-Boote, davon zwei in der Fertigstellung und sechs mit nichtmilitärischer Bestimmung, 26 dieselgetriebene U-Boote (eines in der Fertigstellung, eines für Versuchszwecke), 27 Tiefseeapparate (2 in der Fertigstellung).

Von 158 ausgemusterten nukleargetriebnen U-Booten sind 39 verwertet ("utilisiert"). Außer den nukleargetriebenen U-Booten gibt es 380 nichtabgebrochene Schiffskörper (darunter auch halbgesunkene) von Überwasserschiffen und –booten mit einer Gesamtwasserverdrängung von 230 Tausend Tonnen.

Die Überwasserschiffe umfassen sechs schwere Kreuzer (davon zwei Flugdeckkreuzer), 3 Raketenkreuzer, 21 Zerstörer und Große U-Boot-Abwehrschiffe, 18 Wachschiffe (drei in der Fertigstellung), 59 Kleine U-Boot-Abwehrschiffe, 23 Kleine Raketenschiffe, 15 Artillerieschnellboote, 95 Minenräumboote (drei in der Fertigstellung), 270 Landungsschiffe und –boote, davon 26 Große Landungsschiffe (БДК), 50 auf Luftkissen und 2 Ekranoplan [ein weiteres, - die "Spasatel" («Спасатель») -, durchläuft die Erprobung].

Der maritime Grenzschutz und die Grenztruppen verfügen über 189 Patrouillen-Raketen-Schnellboote, 550 Patrouillen-Artillerie-Schnellboote und 50 Sicherstellungsschiffe, bis 2010 ist geplant, den Bestand auf 300 Patrouillen-Raketen-Schnellboote, 650 Patrouillen-Artillerie-Schnellboote und 50 Sicherstellungsschiffe zu erhöhen. Das bedeutet, daß bereits jetzt mit perspektivischen Projekten zur Realisierung dieses Programms begonnen wurde.

 

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Erläuterungen zu Abkürzungen:
  • БДК - Большой десантный корабль - großes Landungsschiff
  • БПК - Большой противолодочный корабль - großes U-Boot-Abwehrschiff
  • ПЛАРК - Подводная лодка атомная с крылатыми ракетами - nuklear getriebenes U-Boot mit Flügelraketen
  • РПКСН - Ракетный подводный крейсер стратегического назначения - strategischer Unterwasser-Raketenkreuzer
  • СКР - сторожевой корабль - Wachschiff
  • «Аксон-2» - nuklear getriebenes U-Boot des Projekts 09780 zur Erprobung von hydroakustischen Anlagen («Akson-2»)

 

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Ausgewählte weitere Quellenhinweise:

  • Zu den einzelnen Projekten:



I n h a l t s ü b e r s i c h t :


Stabilisierungsperiode       Exportaufträge Indien       Exportaufträge China

Exportaufträge Indonesien, Iran und weitere Länder      Bau von Atom-U-Booten

Erhalt der Maritimen Strategischen Raketenkräfte       Überwasserschiffe

Schiffsbestand der Seekriegsflotte am 1. Januar 2001




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