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Dresdener Studiengemeinschaft SICHERHEITSPOLITIK  e.V.  (DSS)




BrahMos – ein indisch-russisches Joint Venture

Bericht: Egbert Lemcke, 26. Februar 2002

Erstmals veröffentlicht wurden auf der MAKS-2001 im Spätsommer vergangenen Jahres Informationen über den neuen universellen Antischiffs-Raketenkomplex unter der Bezeichnung "BrahMos". Die Abkürzung symbolisiert die Verbindung der Flüsse Brahmaputra und Moskva und steht sowohl für den Raketenkomplex selbst als auch das gemeinsame russisch-indische Unternehmen. Dieses entstand 1998 auf der Grundlage eines Regierungsbeschlusses zwischen Moskau und Delhi zwischen der indischen Defence Research & Development Organization (DRDO) und der NPO Maschinostrojenije aus Reutow bei Moskau. Letzterer wurde für die Erfüllung dieses Projektes über eine beispiellos lange Frist - 7 Jahre - das Recht eingeräumt, die militärtechnische Zusammenarbeit auf selbständiger Grundlage mit dem Ausland zu realisieren.

Wie der amtierende Direktor von "BrahMos", Dr. A. Sivathanu Pillai, mitteilte, sind beide Seiten bestrebt, Arbeitspotenzial, Technologie und Kapital beider Staaten zu bündeln, um Programme zu entwickeln, die nicht der Beschränkung durch das Kontrollregime über Raketentechnologie unterliegen. Dazu wurden der Firma bedeutende finanzielle Mittel gewährt: 122,5 Mill. Dollar aus dem russischen Budget sowie 128 Mill. Dollar aus dem indischen Budget. In etwa diesem Verhältnis sind auch die Aktienpakete von "BrahMos" verteilt.

Die russische Seite zeichnet für die Entwicklung der Rakete, die indische für die Entwicklung des Führungssystems sowie die Programmsicherstellung verantwortlich. Die Arbeiten werden sehr wesentlich durch den hohen Grad der Unifizierung zwischen der Antischiffsrakete "BrahMos" und der russischen "Jachont" beschleunigt. Während der Serienproduktion, die im Jahre 2003 beginnen soll, wird "BrahMos" etwa die Hälfte der Komponenten der Rakete von der Orenburger NPO "Strela" erhalten, der übrige Teil, insbesondere die Elektronik, wird von indischen Subunternehmen gestellt. Die Produktionskapazität wird sich auf bis zu 200 Stück pro Jahr belaufen.

Die Rakete, die in der indischen Presse unter der Bezeichnung PJ-10 läuft, befindet sich gegenwärtig im Stadium der Flugerprobungen. Der erste Start fand am 12. Juni 2001 auf dem Polygon Tschadipur im indischen Staate Orissa statt.

Wichtigster Auftraggeber der Rakete sind die indischen Seestreitkräfte. Daneben wurde "BrahMos" von den indischen Luftstreitkräften beauftragt, eine Modifikation der PJ-10 für die Su-30MKI zu entwickeln, die von Russland gekauft und auf Lizenzbasis in Indien gebaut wird. Nicht ausgeschlossen ist außerdem, dass die Rakete auch vom russischen Verteidigungsministerium gekauft wird. Noch wichtiger ist jedoch, dass "BrahMos" nach den Worten von Dr. Pillai auch an "mit Indien und Russland befreundete Drittländer verkauft werden soll".

Hieraus ergibt sich offenbar auch der Hauptvorteil für Russland. Denn Indien, das einen großen Einfluss im asiatischen Raum besitzt, ist in der Lage, somit auch jene Märkte zu erschließen, auf denen Russland bislang nicht präsent ist. Gleichzeitig kann die PJ-10 in einigen Fällen zur Konkurrenz der "Jachont" werden. Diese Situation beunruhigt alle Teilnehmer an der Entwicklung des neuen Systems, da es offenbar zwischen ihnen bisher keine Marktaufteilung gibt.

Im Vergleich zur Ausgangsvariante, der "Jachont", ist die "BrahMos" universeller, da sie nicht nur Schiffe bekämpfen kann, sondern auch Landobjekte auf Funkkontrastbasis. Ausgestattet ist die Rakete mit einem SPWRD (СПВРД - сверхсвуковой прямоточный воздушно-реактивный двигатель – luftreaktives Hyperschall-Gleichstrom-Triebwerk). Zu den grundlegenden Vorzügen zählen die Hyperschallgeschwindigkeit in allen Flugabschnitten, vielfältige Flugbahnvarianten sowie die Möglichkeit des Abschusses aus allen Höhenwinkeln. Der Start aus dem Transport-Start-Container kann von Bord eines Überwasserschiffes, eines U-Bootes (aus Unterwasserlage) oder von Land (über eine mobile Startanlage oder aus einer befestigten Schachtanlage) erfolgen, wobei all diese Varianten identisch sind. Lediglich die luftgestützte Variante besitzt einige Unterschiede. Perspektivisch ist die Entwicklung einer universellen Raketenvariante vorgesehen, die auch in der Lage sein wird, Punktziele an Land zu vernichten.

Taktisch-technische Charakteristika des Raketenkomplexes "BrahMos"

Länge:
8 m
Flügelweite: 1,7 m
Durchmesser: 0,7 m
Startmasse: 3000 kg

Triebwerk: Marschtriebwerk: luftreaktives Hyperschall-Gleichstrom-Flüssigkeits-Triebwerk (СПВРД) - (liquid ramjet sustainer)
Schubleistung: 4000 kN
Startbeschleunigungsstufe: Feststofftriebwerk (solid booster)

Reichweite: bei kombinierter Flugbahn: bis zu 300 km
bei einer Flugbahn in geringen Höhen: bis zu 120 km
Flughöhe: im Marschabschnitt: 14000 m
bei einer Flugbahn in geringen Höhen: 10 – 15 m
in unmittelbarer Zielnähe: 5 – 15 m
Geschwindigkeit: in der Höhe: 750 m/s (2,5 –2,8 M) ;   in Erdnähe: 2 M

Waffenleitsystem: autonom mit Trägheitsnavigationssystem und Funkmesskopf zur selbständigen Endphasenlenkung
Typ des Gefechtskopfes: Durchdringungskopf
Masse des Gefechtsteils: bis zu 300 kg
Neigungswinkel der Startanlage: 0 – 90 Grad

 

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Quellen:

http://www.brahmos.com/
http://nvo.ng.ru/wars/2001-08-24/7_hands.html
http://sergib.al.ru/russia/chelomei/p/800/yahont.htm



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