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( F o r t s e t z u n g )
Eine Wiedergeburt (Wiederherstellung nach einer Periode des Niederganges, Erschaffung aus etwas Zerstörtem) ist die optimalste und ungefährlichste Politik der Überwindung des langandauernden kritischen Zustandes Russlands und seiner Streitkräfte. Der Charakter dieser Politik (und die ihr zugrundeliegende Methode) wird durch einige Schlüsselfaktoren bestimmt:
"Die eigene Armee" wird die Unterstützung und Liebe des Volkes genießen. Sie bewahrt den ihr eigenen Konservatismus, die Beständigkeit, die Fähigkeit zur Wiederholung des Besten und erlangt allmählich nicht nur nationalen Charakter, sondern auch eine kulturvollere (zivilisiertere) Art. Die Streitkraft wird keine "neue Armee" sein, also eine fremde (europäische, amerikanische) oder utopische ("Armee des künftigen Jahrhunderts"), doch dafür wird sie beständig, wahrhaftig und für Russland in der jeweiligen Zeit tauglich sein. Der nationale Charakter der Armee Die ursprüngliche Quelle von Stärke, Qualität und Beständigkeit der Armee ist die Nation,43 die einem selbständigen, einigen, bewußten und lebendigen Russland sein Antlitz verleiht. Sie ist die Seele der Armee, die ihr die Liebe zum Vaterland (als einigem Ganzen) und zur russischen Erde (dem Heiligtum) verleiht. Eine Streitkraft, die auf nationalen Grundlagen basiert (geistigen und materiellen), verwandelt das Land in eine uneinnehmbare Festung. Eine genau solche Kraft war die "russische Armee",44 die Russland Größe, Ruhm und Siege brachte sowohl über vielzählige "Kriegsscharen" (над многочисленными «полчищами», E.L.) als auch über erstklassige Truppen. Es genügt, an die Regimenter von Alexander Newsky und Dmitri Donskoi zu erinnern, an das Landheer (земскую рать, E.L.) von Minin und Posharskij, die reguläre Armee von Peter I., Rumjanzew, Suworow und Kutusow, an die Streitkraft des Volkes in zwei Vaterländischen Kriegen (1812 und 1941-45). Die Großtaten der russischen Armee, wie auch ihre alltägliche "historische Arbeit", bleiben über die Jahrhunderte lebendig, erinnern die Nachfahren an das wesentliche Fazit unserer Geschichte: "Der militärische Genius des russischen Volkes ist groß und mächtig, - alle eroberten Hauptstädte Europas konnten ebenso wie jene gegen die Rus‘ vorgehenden Eroberer belegen, daß sie danach zu getreuen Untertanen des weißen Zaren wurden ... Gab es auch nur irgendwann irgendeine europäische Armee, die beanspruchte, die erste in der Welt zu sein, so traf sie ein jedes Mal auf ihrem Wege auf die unerbittlichen russischen Regimenter – und wurde zur "zweiten in der Welt"".45 Der Erhalt des allgemeinnationalen Charakters der Armee ist unter Bedingungen von großrussischer Schwäche, Isoliertheit, "Nationalitätenvielfalt" und "Internationalismus" eine besonders wichtige Angelegenheit, die zwei grundlegende Handlungsweisen einschließt. 1. Verzicht auf aktive Einmischung in slawische, europäische, asiatische und andere Angelegenheiten, auf bedeutende militärische Hilfe gegenüber "Bruderländern", insbesondere Verzicht auf die Führung von Kriegen in ihrem Interesse; Beharren auf vernünftigem nationalem Egoismus und eigenem Vorteil: "Für sich zu leben, ... bedeutet für andere zu leben" («Жить для себя ... значит жить для других») (F. Dostojewskij). Das Land ist zerrüttet, es hat keine überschüssigen Kräfte, keine großen Führer, kein Geld, nicht einmal jenes Bollwerk, das durch Patriotismus hervorgerufen werden könnte (M. Menschikow). Gleichzeitig ist unser ausgedehntes und dünnbesiedeltes Land "eine große Verlockung für die Mehrheit der uns umgebenden Völker", was uns dazu zwingt, "ein Land zu bleiben, das immer bereit ist zur Abwehr von beliebigen Anschlägen, also ein zuallererst militärisches Land" (D. Mendelejew),46 und dabei Kräfte zu sammeln, sich im Innern wohl zu ordnen, Reichtum zu akkumulieren, sich beschleunigt zu vermehren, - und somit unter Bedingungen eines langandauernden Friedens zu leben, damit auch die erforderlichen Voraussetzungen für eine normale Existenz der Armee zu schaffen. Unter solchen Bedingungen ist "höchste Vorsicht im Verhältnis zu den Nachbarn" gefordert, ein Übergang von offensiver Politik zu "Selbstverteidigung" und "Selbstschutz" (eine andere Position wäre selbstmörderisch und verräterisch gegenüber Russland),47 eine dem entsprechend "beschränkte" und "sparsame" nationale militärische Tätigkeit, die auf Prinzipien basiert, wie: - Übereinstimmung der Streitkraft mit den nationalen Besonderheiten, den ökonomischen Möglichkeiten des Landes, dem Charakter seines Territoriums und den Eigenschaften der Bevölkerung ("angemessen gegenüber seinen Methoden und seinem Einkommen zu Felde ziehen..., das Volk... mit Erhebungen nicht erdrücken" (P. Rumjanzew)); eine zusätzliche Verstärkung der nationalen Verteidigung durch nichtmilitärische Machtfaktoren: Territorium, räumliche Ausdehnung, Zeit, Organisation, Ökonomie, gute Politik, Diplomatie, Handel, Bündnisse, Patriotismus, Propaganda usw. - Nichtzulassung von "Militär-Katastrophen", die zum Auszehren von materiellen, moralischen und besonders menschlichen Ressourcen führen; erinnert sei daran, daß: a) "der Reichtum des Landes nicht in der Menge des Goldes oder Silbers liegt, sondern in der Bevölkerungsanzahl" (Ju. Krishanitsch); b) "die Armee wird nicht für Eroberungsziele unterhalten, sondern zur Gewährleistung der inneren und äußeren Sicherheit des Staates" (N. Obrutschew); - "Versöhnung mit den historischen Feinden Russlands" (W. Solowjow, F. Dostojewski), untermauert durch "Bündnisse im Namen des Friedens",48 die die Möglichkeit ausschließen, daß Russland in verheerende und unvorteilhafte Kriege hineingezogen wird; Russland gegenüber feindliche politische Bündnisse entlang seiner Grenze nicht zuzulassen; - eine eigentümliche, evolutionäre, "energiesparende" Entwicklung der russischen Streitkraft, die es ermöglicht, Anstrengungen und Geld zu sparen, nicht die Schicksale der Menschen in sinnlosen und unnötigen radikalen Militärreformen zu verkrüppeln, sich von Ausländern nur das Notwendigste und für das russische Militärwesen unbedingt Nützliche anzueignen (Verfahren der Kriegskunst, Technik, Ideen usw.); - Unterhalt einer, wenn auch kleinen, doch gut ausgestatteten Armee in gutem Zustand, die die Bürde ihrer Existenz für Volk und Staat durch eine schöpferische Nutzung der Kriegskunst und eine harmonische Verbindung von Quantität und Qualität, Geist und Technik, regulärem und Milizanteil, zivilem und militärischem Personal usw. in sich erleichtert; - die Abgrenzung der Armee von einer "üblen" Politik, einer anationalen Ideologie, gesellschaftlichem Zwist, Verrat, Lüge, Willkür, verlogenem Demokratismus und anderen Erscheinungen unter dem Vorwand von Unpolitisiertheit, Gesetzlichkeit, Ständegeist, Einsicht und Geistigkeit. 2. die Wiederbelebung des nationalen Geistes der Armee (des Dienens, des Brennens, der Agilität) für die allgemeine Sache im Namen der Verteidigung Russlands. Die grundlegende Qualität der Truppe liegt in der "Seele der Armee", die sie in einen lebendigen Organismus verwandelt, der eigenständig seinen Weg erkennt ("Der Beginn des Lebens liegt nicht im Körper, sondern in der Seele" (L. Tolstoi)).49 Eine Armee stark an Geist ist in der Lage, die Energie und den staatlichen Sinn der Nation zu fördern und zu bewahren ("Die Armee – das ist die Nation selbst" - »Армия - та же Нация» (A.Kersnowski). Somit wird sie (die Armee) Symbol und Antlitz der Staats-Nation, "das unter dem Banner gesammelte "wir" («знаменосно собранным «мы», E.L.), "Schule des Charakters und staatspatriotischen Dienens" (I. Iljin), "Schule des Patriotismus und Geist für das Volk" (P. Krasnow). Die russische Armee basierte auf orthodoxer Kultur, nationalem Geist und dem vergeistigten Menschen (на одухотворенном Человеке, E.L.) – dem "gottgeliebten Kämpfer", "lebendigen Idealen": "Wir sind Russen – Gott ist mit uns" («Мы – русские, с нами Бог», E.L.), "Bete zu Gott, von ihm kommt der Sieg" («Молись Богу: от него победа», E.L.), "Für Glauben, Zar und Vaterland" («За веру Царя и Отечество», E.L.) und anderen. Deshalb brachte sie nicht nur ein Groß-Russland hervor, sondern auch eine nationale Kriegskunst (als Ergebnis der Tätigkeit der geistigen Kräfte), und bestätigte damit die Berechtigung dafür, daß "die Kriegskunst die höchste Vollkommenheit in der Periode des höchsten Aufschwungs des nationalen Geistes innerhalb der Armee erlangte. Dieser nationale Aufschwung war auch Grundlage ihrer Stärke. Die zweite Grundlage dieser Stärke besteht in der Erhöhung des geistigen Niveaus der Armee ..."50 Sobald der nationale Geist in der Armee erstarb, verlor sie die militärischen Tugenden und zivilisatorischen Qualitäten, verwandelte sich in eine Gefahr für das Land.51 Seelentiefe ("Schöpfertum im Geiste" - «творчество в духе», E.L.) – ist notwendige Voraussetzung für eine Armee Russlands von nationaler Qualität. Sie bringt "lebensschaffende" («животворящие», E.L.) Gedanken und Ideen hervor, unter denen sich die Truppe fest zusammenfügt, ihr den staatlichen Sinn verleiht, die Grundlagen des militärischen Daseins schafft, es ermöglicht, "sein Vaterland" zu finden, eine wahrhafte und gesegnete Liebe zur Heimat zu entwickeln, die nach Meinung von I. Iljin erst durch geistige Selbstbestimmung, lebendige und unmittelbare geistige Erfahrung und Teilnahme am geistigen Leben hervorgebracht wird: "Russland wird bestehen, wachsen und erblühen, sofern ein Geist der Ehre, des Dienens und einer aufrichtigen Ergebenheit herrscht; denn Ehrlosigkeit, Habgier und Verrat werden Russland erneut auf den Weg von Revolution, Verfall, "Aufteilungen", "Sozialismus" und "Internationalismus", auf den Weg von Schande und Kraftlosigkeit führen".52 Ein Staatsdienst, der sich auf primitiven Patriotismus und Zwang stützt, wird zu einer zunehmend unzuverlässigen Grundlage des gesellschaftlichen Lebens; er hat in bedeutendem Maße nicht nur seine Möglichkeiten, sondern auch die Energie des Volkes erschöpft. Die gesamte Hoffnung besteht in einer Wiedergeburt der alten russischen Tradition eines begeisterten, selbstbestimmten, selbstinitiierten Dienens53 einer allgemeinen Sache (dem russischen Militärwesen) im Namen von Wahrheit und Gott. Eben ein solches geistig-freiwilliges Dienen gewährleistete ein beständiges und bestes Leben der russischen Armee, eine gute Erinnerung an sie in den Herzen der Nachfahren und Achtung von Seiten der historischen Gegner Russlands: Die höchste Idee der Armee als "gottliebendes Militär"(«христолюбивого воинства», E.L.) wurde durch staatliche Politik realisiert, fand jedoch den vollkommendsten Ausdruck im Wirken der großen Feldherren, die bestrebt waren, ihren Truppen «eine von Gott beseelte Organisation» zu geben und sich im Gefecht auf die besten geistigen Eigenschaften des russischen Menschen zu stützen, ihm die Eigenschaften eines «christlichen Kämpfers» anzuerziehen: Kühnheit, Aufrichtigkeit, Kameradschaftlichkeit, Ritterlichkeit, Menschlichkeit, Standhaftigkeit, Überzeugtheit von der Gerechtigkeit des Krieges und der Notwendigkeit des Militärwesens («ein Soldat trägt wie ein Staatsoberhaupt die Waffe zur Verteidigung der rechtmäßigen, notwendigen und geheiligten Sache»).54 Auf eigene Initiative wurden "Armeen" geschaffen, die im ewigen geistigen Leben lebendig blieben: die Truppen von Dmitri Donskoi, das Volksaufgebot von Minin und Posharski, die "echte" Armee Peters I, die siegreichen Armeen von Rumjanzew, Suworow, Kutusow, die Truppen Skobeljews, die Streitkräfte von Judenitsch, Koltschak, Denikin usw.. Sie wurden zu inspirierenden Erscheinungen der nationalen Militär-Kultur und bleiben für immer im Gedächtnis der folgenden Generationen lebendig.55 Selbsttätigen Charakter trug das System der "zeitweiligen Volkstruppen" («народного временного войска») (der Volksaufgebote - ополчения), die sich auf Initiative "von unten" und "von oben" zum Schutz und zur Verteidigung Russlands vor überlegenen Kräften eines Gegners herausbildeten, als die ständige Armee (sofern eine solche vorhanden war), dieser Aufgabe nicht gewachsen war. Das Prinzip des Volksaufgebotes kam in allen bedeutenden Kriegen Russlands zur Anwendung. Im Jahre 1812 beispielsweise wurde die handelnde Armee freiwillig von Aufgeboten aus folgenden Gebieten unterstützt: St.Petersburg, Moskau, Tula, Rjasan, Malorossijsk, Wladimir, Nishegorod, Twer, Jaroslawl, Kolomenskoje, Smolensk und anderen. In Eigeninitiative (unter minimaler Beteiligung des Staates) entstand und erblühte eine solche Erscheinung unseres russischen Lebens, wie das Kosakentum. Die Kosakentruppen (und von ihnen gab es viele) gewährleisteten zuverlässig den Schutz der Grenzgebiete Russlands und verliehen den irregulären Truppen des Imperiums einen besonderen (fast professionellen) militärischen Geist. Vom Geist des Dienens war das gesamte schöpferische russische militärische Denken durchdrungen, welches ausschließlich auf Initiative und Bemühung des Offizierskorps entstand und existierte. Seinen Niederschlag fand dies in militärischen Enzyklopädien,56 in der militärischen Literatur, in einer Vielzahl militärischer Journale und Zeitungen (einige von ihnen waren sogar "private") und besonders im einzigartigen geistigen Erbe der russischen militärischen Emigration.57 Die gesunden Wurzeln des Geistes der alten russischen Armee, das "freiwillige Dienen" bestanden besonders anschaulich in der Bildung und langen Existenz der weißen Armee, die im Angesicht Gottes ungeachtet der sichtlichen Niederlage einen moralischen Sieg errang, indem sie unter ihren Bannern jene versammelte, die einen ehrenhaften Tod für die Ehre und Würde Russlands einem schädlichen Leben vorzogen. Die "lebendige" Idee der weißen Armee (I. Iljin) begründete sich auf selbstlosem, heldenhaften Widerstand, auf Würde und Dienen, auf nationaler Wiedergeburt, auf Rechtsbewußtsein und patriotischer Selbsttätigkeit, auf Lebensverpflichtung und tödlicher Losung.58 Nicht zu vergessen ist jene Vielzahl von Schlachten und militärischen Heldentaten, in denen der Genius der russischen Kriegskunst und das Brennen von nationalem Geist besonders klar hervortraten. Sie alle gingen in die Seele der Arme ein und leben in ihr in Namen und Personen heldenhafter russischer Kämpfer, die freiwillig ihr Leben für das Vaterland, Ehre und Würde der Armee hingaben. "Wir verfügen über unzählige geistige Schätze, - schrieb A.A. Kersnowski im bereits genannten Buch. – Sie liegen noch im Verborgenen, doch können sie unter der Fähigkeit, sich für die Sache einzusetzen, ungekannte Früchte sowohl im friedlichen Aufbau, als auch auf den Schlachtfeldern hervorbringen".59 Der geistige Charakter der Armee Russlands festigt sich mit diesen Schätzen – mit Erscheinungen nationalen russischen Geistes. Ihre Aneignung ist das Resultat des Studiums der vaterländischen Kriegsgeschichte, die "den nationalen Geist der Bürger weckt, sie erhöht ihn durch Beispiele von Heldenmut, spendet Trost bei Mißgeschicken durch bewußtes Erleben von Widerstandskraft, Energie und Uneigennützigkeit der Volkshelden, flößt Glauben, jedoch keine falsche Selbstsicherheit in Kraft und Geist seiner Helden ein".60 Doch, die Schaffung einer an Geist starken Armee, die in der Lage ist, staatliche Schwäche und "Beschränktheit" unserer Militärpolitik zu kompensieren, wird in entscheidendem Maße davon abhängen, in welchem Umfange es den besten Kräften der Armee und des Landes gelingt, die Tradition eines höheren, selbstbestimmten Dienens wiederherzustellen, sowie eine, wenigstens kleine Unterstützung durch Volk und Staat zu sichern. Die Armee als ein Werk der Kriegskunst Um Beständigkeit und Qualität zu erhalten, muß die Armee Russlands nicht nur einen nationalen Charakter besitzen, sondern auch ein Werk (ein Phänomen) der Kriegskunst sein, also ein attraktives, anziehendes, vollkommenes und in seiner Wirksamkeit effektives militärisches System sein. Nur in diesem Falle besteht die Möglichkeit, davon zu sprechen, daß "die Weisheit der Truppe, außer der Theologie, über allen anderen Weisheiten steht", "mehr mit Verstand und Kunst zu siegen, als durch Massenhaftigkeit", "zu wissen, wie Krieg zu führen ist..., sich zu schlagen verstehen" (Peter I. und Suworow), "das Schicksal des Gegners zu lenken" und "fremde Truppen ohne eine Schlacht zu unterwerfen" (Sun-Zse).61 Auf der Grundlage von westlicher Militärwissenschaft und Kriegskunst gelang es Peter dem Großen, eine echte (reguläre) Armee zu schaffen, die bestimmt war zum Erhalt der inneren Ruhe, Schutz des Staates vor äußeren Überfällen und der Ausweitung des Handels.62 Potjomkin, Rumjanzew, Suworow, Kutusow und ihre Mitstreiter führten sie zum Ruhm und machten sie zur höchsten Errungenschaft der russischen Kriegskunst: "Russland verfügte zum Ende des XVIII. Jahrhunderts über eine Armee, die durch die Bauernschaft auf der Grundlage einer Wehrpflicht aufgefüllt wurde, deren Erziehung in der Armee nach den Ideen des Rationalismus und Demokratismus erfolgte, die zeitweilig dem Westen mit seinen angeworbenen Armeen in der Entwicklung der Kriegskunst überlegen war", wie A.A. Swetschin in seinem Hauptwerk feststellte.63 "Das war das goldene Jahrhundert unserer Armee" (A. Gerua): sie verfügte über die "Kunst zu siegen" («науку побеждать») als Doktrin und verkörperte eine qualitative Elitetruppe, die in der Lage war, sich mit einem beliebigen Gegner zu schlagen; sie wurde von großen Feldherren in die Schlacht geführt, die die Freiheit des Handelns hatten und in der Regel auch selbst die zu realisierenden Kriegspläne ausarbeiteten. Die Offensivkraft und persönliche Initiative machten geschicktes Handeln nicht nur im "richtigen Kriege" möglich, sondern konnten dem Gegner ihren Willen durch ein ungewöhnliches Handeln "nicht nach den Regeln" aufzwingen, konnten auf fremdem Territorium kämpfen, Erfolg auf kürzestem Wege erlangen, d.h. durch die Vernichtung der Truppen des Gegners. Seit Ende des XVIII. Jahrhunderts und besonders seit 1812 begann die Kriegskunst, die eine unaufhörliche beharrliche Arbeit und seriöse Studien erfordert, in einen Verfall überzugehen, verlief auf einer "niedergehenden Kurve" («по нисходящей кривой») (A. Swetschin); es war "eine bewußte und unbewußte Mißachtung gegenüber den Prinzipien der Kriegskunst zu beobachten", was zu einem "unnötigen Blutvergießen" und "mißglückten Kriegen, die mit vielen Opfern bezahlt wurden", führte (A. Bajow). Es verfestigte sich für lange Zeit die Auffassung, daß auch ohne eine ernsthafte militärische Ausbildung (ohne Perfektion), ohne eine militärische Konkurrenz, ohne "den Willen zu außerordentlichen Siegen" (A. Swetschin), Russland ohne seriöse Streitkräfte unverwundbar (unbesiegbar) sei, und "keine feindliche Kombination in der Welt sich in der Lage erweisen würde, einen tödlichen Schlag gegen den russischen Staat zu führen".64 Wir siegten ungeachtet unserer mangelnden Ausbildung auch über erstklassige gegnerische Truppen: durch Überzahl, durch Standhaftigkeit,65 durch Stärke (die bricht, niederwirft und die Ziele erreicht), durch die Weiten russischen Landes (auf dem sich immer wieder eine feindliche Kriegsschar heranbildet), durch den Frost, durch den Partisanenkrieg, durch die Friedensliebe (an die niemand glaubt), - und falls es ihr nicht gelingt, so wird sie "im Kampf mit Minin und Posharski hinausgeworfen" (A. Rittich). Krieg und Armee wurden in Friedenszeiten (vom Standpunkt der Kriegskunst) nicht vorbereitet; es gab keine seriösen vorherigen Berechnungen ("wer zu vorherigen Bemessungen nicht fähig ist, wird nicht siegen können" (Sun-Zsi)); die Hoffnung lag im wesentlichen nicht auf einer speziell geschaffenen und ausgebildeten Armee, sondern auf der "unantastbaren Reserve" des Staates (dem Volk, den materiellen Ressourcen, dem Territorium), was zu teuren und ruinösen Anstrengungen bei der Vorbereitung und Ausbildung während des Krieges selbst führte, zu einem "unnötigen Binden von Menschen, Mitteln und Geld"66, zum äußersten Auszehren von Kräften und Energie des Volkes, zu einem "unmoralischen Spiel mit dem Blut" (W. Dragomirow). Die Führer Russlands (mit Ausnahme von Peter I. und Jekaterina II.) verstanden weder, noch schätzten sie die Kriegskunst als geistige, schöpferische Tätigkeit, die auf der Kultur, speziellem Wissen und intensiver Arbeit basiert in Hinblick auf: 1) die Schaffung und Strukturierung von Streitkräften; 2) ihren kompetenten Einsatz (im Zusammenwirken mit anderen Kräften und Mitteln) im Interesse von Krieg und Politik.67 Die Kriegskunst verkörpert somit die qualitative Seite des Militärwesens und umfaßt die Bereiche von Krieg und Frieden, Politik und Strategie, Wissenschaft und Praxis, Materie und Geist, Mensch und Organisation, Technik (Bewaffnung) und Intellekt, Schutz und Überfall, Verteidigung und Angriff, Kampfhandlungen auf dem Lande, in der Luft und auf See. Nur in diesem Falle ist das breite Spektrum (die Freiheit) des Handelns und ein Mechanismus nicht nur erfolgreicher Kriegführung "mit wenig Blut" gewährleistet, sondern auch seine Verhinderung in ungünstiger Situation. Die Geringschätzung einer echten (hohen) Kriegskunst als Folge des gefährlichen Irrglaubens über die Unerschöpflichkeit der menschlichen und materiellen Ressourcen Russlands, die scheinbar einen Sieg in einem beliebigen Kriege für alle Zeiten gewährleisten würden, das Verlassen auf die quantitativen Faktoren militärischer Macht und geographische Bedingungen, - all dies führte das Land in beispiellose Niederlagen und Mißgeschicke und wesentlich zu einer Gleichgültigkeit der Volksmassen, die ihr Vaterland nicht mehr unter Führung von stümperhaften Politikern und Kommandeuren schützen wollten, ja dies selbst in der "opferbringenden" Armee, die fast das gesamte Vermächtnis der Kriegskunst vergessen hat. "Der Instinkt der Masse ist in dieser Hinsicht unfehlbar, - schreibt W. Dragomirow über die eindrucksvollen Ereignisse 1917 – sie erkennt sofort, wer zum Siege führt und wer sich von egoistischen Ambitionen leiten läßt, keine Sachkenntnis hat und bewußt oder unbewußt mit dem Blut der Menschen spielt. Das ist das einzige Verbrechen, das die Masse niemals verzeiht. Wer sich dessen schuldig macht, verliert die Macht über Menschen. Die Masse reagiert darauf mit allen Methoden, von rein passiven bis hin zu aktiven, vom formalen Dienen bis hin zum offenen Ungehorsam".68 Es bestätigte sich die evangelische Wahrheit: "Der bis zum Ende Leidende wird errettet werden". Statt das Militärwesen Peters und der "Jekaterinischen Adler" («екатерининских орлов») fortzuführen, erleichterten die Nachfahren ihre militärische Arbeit und führten Land und Armee in Unglück und Auszehrung, Schmach und Schande. Und unter diesen Bedingungen wurde letztlich klar: Russland vor dem Untergang retten, seinen nationalen Schutz (seine Verteidigung) sicher gewähren, der Armee die Liebe des Volkes zurückgewinnen kann nur eine Wiedergeburt der Kriegskunst, die als Produkt der vaterländischen Kultur und Wissenschaft als eine der höchsten Errungenschaften der modernen Weltzivilisation anzusehen ist.69 Anderes ist nicht gegeben.
Auf dem Gebiet von Krieg und Armee brachte die reiche Vergangenheit Rußlands in erster Linie folgende Prinzipien und Ideen der Kriegskunst hervor:
Viertens, um die oben getroffenen Aussagen, Prinzipien und Forderungen ins Leben zu überführen, ist es erforderlich, "der Qualität der Truppen vor ihrer Quantität den Vorzug zu geben", "die Qualität der Armee zu verbessern" (A. Gerua, A. Bajow und andere). Nur in diesem Falle entsteht die Möglichkeit, den belastenden und gefährlichen "Kriegshaufen" («полчище») durch eine kleine professionelle Armee zu ersetzen, die nicht nur Bedingung einer Wiedergeburt und Krönung der Kriegskunst ist, sondern auch zu einem Faktor der Kriegsverhinderung gegenüber einem qualitativ gleichgestellten Gegner, und ebenso zu einem Mittel des Sparens materieller Ressourcen des Staates und gesellschaftlicher Kräfte. Die Kriegskunst ermöglicht es Russland, ohne Einbußen in der Qualität die Anzahl bewaffneter Organisationen und Dienste, Armeen und Divisionen zu kürzen,82 ebenso Stäbe und militärische Verwaltungen. Man kann mit Sicherheit sagen, daß sie im wörtlichen Sinne einen bedeutenden Teil der ständigen Armee in Friedenszeiten ersetzt, und im Falle des Krieges einen massenhaften Einsatz und die Vernichtung der Volksmassen auf den Schlachtfeldern verhindert. Die beste militärische Organisation Eine Armee muß ihrer Bestimmung entsprechen: sie muß die Sicherheit und das Leben des Volkes gewährleisten, die Tätigkeit des Staates mit geringstem Aufwand und unter maximaler Ausnutzung der Errungenschaften der Kriegskunst. "Damit die Ausgaben für den Unterhalt der Truppe nicht umsonst vertan werden, ist es erforderlich, daß sie über eine hohe Qualität verfügt. Egal, ob es viele oder wenig Truppen sind, sie müssen sowohl in Friedens- als auch Kriegszeiten gut sein." (N. Obrutschew).84 Unter den Bedingungen Russlands "gute Truppen" garantieren kann nur ein vom Leben hervorgebrachtes militärisches System, das folgende Bestandteile enthält: 1) ein starkes, professionell organisiertes und ideell gefestigtes Offizierskorps; 2) eine professionelle (Elite-)Armee; 3) eine Reservearmee (ein staatliches Volksaufgebot), das nach Milizprinzipien ausgebildet wird; 4) ein "gewaltiges" geistiges Zentrum, das die wissenschaftliche Vorbereitung der Verteidigung, die Analyse der militär-politischen Lage, eine Einschätzung der Kräfte und Ressourcen, sowie den effektiven Einsatz der militärischen Gewalt des Staates gewährleistet; 5) Systeme militärischer Erziehung. All diese Elemente haben sich in Russland über den Verlauf vieler Jahrhunderte herausgebildet; es gibt dazu entsprechende Analogien in der Kriegskunst der Welt und sie können allmählich in einem historisch relativ kurzen Zeitraum wiederhergestellt werden.85 I. Der zuverlässigste Kern der russischen Armee war immer das Offizierskorps; ohne die erforderliche Führung war dies nicht nur einmal dem Untergange geweiht. Der Offizier bildete den Soldaten aus und erzog ihn, schuf die Grundlage von "Geist und Organisation der Truppen", begründete eine Armee als seriöse Streitkraft, führte sie in den Kampf ..., "vermehrte durch seine Vorstellungen (durch sein Kommando und seine Fähigkeit) die Resultate der Handlungen der Truppen manchmal um das Zweifache, doch mitunter um das Zehnfache und mehr".86
Der russische Offizier, von dessen Position und Fähigkeit das Schicksal des Vaterlandes im wörtlichen Sinne nicht nur einmal abhing, hat nicht das Recht, einem "unteren Stande" anzugehören, demoralisiert, verschüchtert, halbintellektuell und ungebildet in staatlicher und militärischer Hinsicht zu bleiben: "Leider denkt man, daß jeder mittlere, schwache Mensch Offizier sein könne; läßt man dies zu, so stirbt die Armee, sobald ihre Basis, der Offizier aufhört sie mit Geist zu erfüllen".87 Deshalb strebten die besten Offiziere immer danach, dem Vaterland nach Gewissen und Ehre zu dienen, "ritterlich", "Kämpfer aus Berufung", "Virtuose des Gefechts", "Initiator des Militärwesens" zu sein. II.
Die Schaffung einer kleinen professionellen Armee – das ist heute die einzige Methode, die innere und äußere Sicherheit Russlands zu gewährleisten, den Verfallsprozeß des vorhandenen militärischen Systems aufzuhalten, das Prestige der Armee in der Gesellschaft zu heben, die Kriegskunst wiederzubeleben und eine Spezialisierung des Militärwesens zu gewährleisten. Der Instinkt der Selbsterhaltung zwingt uns, die Armee vom Volk zu trennen, im Umfeld des militärischen Fachgebietes einen besonderen "Stand" ("созловие») zu konstituieren, der das Militärwesen bis in’s Detail beherrscht und die geistigen und kämpferischen Qualitäten des Soldaten auf höchstes Niveau hebt. Eine professionelle Armee muß aus den Besten gebildet werden, darf nicht aus Söldnern bestehen, sondern aus Freiwilligen («охотников» - "aus leidenschaftlichen Bewerbern"), aus Soldaten aus Berufung, die vor allem beseelt sind von der Idee eines höheren Dienens gegenüber dem Vaterland, und erst danach vom materiellen Nutzen und einer juristischen Pflicht (vom Vertrage). Sie muß eine Elitetruppe (отборным войском) sein, und hat nur unter diesem Aspekt ein Existenzrecht. III.
Nach der organisatorischen Festigung des Offizierskorps und der Schaffung eines ursprünglichen Kerns einer professionellen Armee kann man auf seriöse Weise die Frage der Umwandlung der bestehenden Kaderorganisation (der Halb-Miliz) in ein echtes Milizsystem bedenken, das unter unseren Bedingungen auf lange Perspektive die Form einer ständigen Armee behalten wird, doch bei bereits wesentlich kürzeren Fristen des tatsächlichen Dienstes und mit einem territorialen Prinzip der Auffüllung. Somit wird nicht nur in bestem (in ausgebildetem!) Sinne das traditionelle und für Russland notwendige System einer "staatlichen Landwehr – einer zeitweiligen Truppe" («государственного ополчения - временного войска») wiederhergestellt, sondern es entsteht auch eine mächtige Organisationsstruktur von Reservetruppen, die durch ihre Bestandteile (Divisionen, Regimenter, Zentren, Basen, Erfassungspunkte) die Fähigkeit zu schneller Entfaltung kampffähiger Streitkräfte im Falle der Vorbereitung und des Beginns eines großen Krieges sichert: k "Wir benötigen eine möglichst starke Gefechtsarmee, bestehend aus hervorragend ausgebildeten Soldaten, sowie eine, - wenn auch nicht in kürzester Frist, - so doch für eine Armee hinlängliche Anzahl ausgebildeter Volkskräfte zur Schaffung einer offenen Anzahl von Reservetruppen, um die Armee in Kriegszeiten beliebig auffüllen zu können" (R. Fadejew). k "Bei uns in Russland befindet sich die ständige Armee zahlenmäßig bei weitem nicht auf dem Niveau der ganzen Vielzahl verschiedener Aufgaben zur Sicherung unserer Grenzen, so daß sich eine breite Hinwendung zu zweitrangigen Truppen – einige Schritte hin zum bewaffneten Volk – im Falle eines seriösen Krieges zweifellos als notwendig erweisen wird... Die Ausbildung von zweitrangigen Truppen erfordert eine schwere und selbstlose Arbeit, - sowohl in der Armee, die ihre Führer erzieht und ihre Mittel verwahrt, als auch im Volke, in jener Familie, die das Hinterland ausmacht. Bei nichtssagenden Statistiken, einem blauäugigen Verhältnis gegenüber der Ausbildung eines bewaffneten Volkes kann man grausame Überraschungen erleben in Form von menschlichem Zorn, in Form einer trunkenen und bewaffneten und deshalb auch gefährlichen Menschenmasse, in Form von Flüchtigen auf dem Gefechtsfeld, die die noch in vorderster Linie kämpfenden Truppen in eine ausweglose Situation bringen." (A. Swetschin).91 Soweit die Meinung militärischer Autoritäten. Sie besagt nur eines: Miliztruppen, welche Funktion sie auch immer erfüllen mögen, müssen in Friedenszeiten für den Krieg ausgebildet und gefechtsfähig sein, um nicht erneut jene blutigen Niederlagen zuzulassen, die unsere "Landwehr" («ополчение») während des letzten Weltkrieges erlitt. IV. Die Armee muß eine geistige Kraft sein, weil gegenwärtig "mit der Waffe ebenso gekämpft wird, wie mit dem Verstande", und die Kriegskunst wird angesichts zivilisierter, intelligenter Völkern eine Blüte erlangen, wenn man ihnen das nötige Wissen und die "wissenschaftlichen Mittel" der Kriegsführung in die Hände gibt; uns werden umgekehrt selbst "militärischer Ruhm und Stärke gerade aufgrund der Engstirnigkeit des Denkens nicht zum Nutzen gereichen" (Dostojewskij).92 Ohne ein breit angelegtes und tiefes Denken ist eine Vervollkommnung der Armee unmöglich, und um so mehr noch ihr gekonnter Einsatz im Interesse der Politik. Eine geistige Erhöhung der russischen Armee muß notwendig mit moralisch93 -kognitiven Handlungen beginnen, weil nur so die Erkenntnis ermöglich wird, die die Armee benötigt, um als lebendiger, geschlossener Organismus zu wachsen. Der erkenntnismäßige Bedarf der Streitkräfte wird bestimmt durch:
Die geistige Organisation der Armee kann vielfältig sein, doch muß sie sich stützen auf die selbsttätigen Anstrengungen von Militärs, Zivilpersonen und speziellen Institutionen und muß gleichermaßen die Synthese der erlangten Erkenntnisse in einem "geistigen" Zentrum in der Art des "Großen Generalstabes" oder eines "Zentrums der nationalen Verteidigung", das die Ressourcen der Verteidigung im Sinne einer wissenschaftlichen Vorbereitung optimiert, Kräfte spart und das rechtzeitige Erkennen der Gefahr eines kleinen oder großen Krieges sowie die entsprechende Vorbereitung der Streitkräfte Russlands auf diesen gewährleisten, und zwar beizeiten und auf "fernem Vorgelände" (на «дальных подступах»). V.
In der Armee ist die militärische Erziehung zu kultivieren, die einen kampffähigen Personalbestand hervorbringt, welcher über hohe moralische, geistige und physische Qualitäten verfügt: Religiösität, Patriotismus, Pflicht- und Ehrgefühl, Ergebenheit gegenüber seiner Sache, Edelmut, Disziplin, Tapferkeit, Kühnheit, Unerschrockenheit, Standhaftigkeit usw.. Dabei muß eine "vernünftige, feinfühlige militärische Organisation die Möglichkeit bieten, daß die Armee ihren Geist selbst schmiedet" (A. Gerua),96 den Soldaten unabhängig macht von den Resultaten (glücklichen oder unglücklichen) des Krieges und ihn vor den "zersetzenden Einflüssen der Heimat"97 vorbeugend schützt.
k k k Dies sind die wesentlichen Überlegungen, die zu dem Schluß von der Notwendigkeit einer für Russland beständigen, qualitativen Armee führen. Eine wiederherstellende Militärreform, die sich aus ihrem Inhalt ergibt, kann nicht sofort realisiert werden, sondern nur im Rahmen eines bestimmten Zeitraumes und in einer bestimmten Folgerichtigkeit. Wichtig ist dabei, unsere Handlungen an den Taten und Gedanken jener Menschen zu orientieren, die all ihre Kräfte und ihre ganze Seele dem russischen Militärwesen widmeten, und insbesondere noch an zwei Aspekte aus ihrem Vermächtnis zu erinnern: l "Schmerzhafte organisatorische Fragen haben sich bei uns so viele angehäuft, sie alle sind so eng miteinander verbunden, und so erfordern sie alle ein systematisches und keinesfalls sporadisches Vorgehen, - so daß man unwillkürlich auf die Gefahr verweisen muß, ...zu glauben, daß es leicht sei, sie umzusetzen, umso mehr, da die Zeit nicht wartet und eine sehr strenge Sparsamkeit im Vorgehen erfordert. Eine andere Gefahr für einen militärischen Organisator liegt darin, wünschenswerten, menschlichen Vorgehensweisen nachzugeben, nicht jedoch militärischen Veranlassungen – ein Nachgeben im Verhältnis der Qualität der Armee zugunsten von Humanität"98 (A. Gerua) l "Ein hoher Wert der Truppen gibt dem Staat die Möglichkeit, seine Anzahl zu verringern, Mittel einzusparen, die notwendig sind für die Entwicklung des Volkes. Der Wert der Truppen hängt völlig von uns selbst ab. Das ist also das Ziel, auf das wir all unsere Anstrengungen, unser gesamtes Wirken zu richten haben. In diesem Bestreben besteht auch unsere Pflicht selbst. Wer sie erfüllt, dem wird der Staat doppelt dankbar sein"99 (N. Obrutschew)
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Anmerkungen: 32. Es muss verstanden werden: Russland - das ist eine besondere Welt ("geheimnisvolle, Du meine alte Welt" (S. Jesenin)), die sich von anderen Zivilisationen unterscheidet ("die anderen am wenigsten ähnelt" (P. Rumjanzew)). Sie ist ständiger Akteur der Weltpolitik, "vortreffliche Erscheinung in der Weltarena", - schrieb seinerzeit M. Pogodin. Durch seine staatliche Existenz (die Gemeinschaft unterschiedlicher Völker, die den komplexen geopolitischen Raum Eurasiens bewohnen), dient Russland bereits der Weltzivilisation, indem es für den Zustand in dieser Region des Erdballs verantwortlich ist. Russland erwies nicht nur einmal neben den Slawen selbst auch der gesamten "Allmenschheit" («всегочеловечеству») einen Nutzen, indem es sie vom tataro-mongolischen Joch bewahrte (es zog den Schlag auf sich), von napoleonischer Knechtschaft, vom deutschen Militarismus ... und vor dem Kommunismus (durch sein lehrreiches Beispiel) errettete. Als eigenständige Zivilisation kann sich Russland entwickeln, nur wenn es sich der Wiederholung des gesamten Weges der europäischen Zivilisation verweigert, der gesamten Erziehung des menschlichen Geschlechts (wozu P. Ja. Tschaadajew aktiv plädierte), und sich seiner eigenen, seiner historischen Grundlage zuwendet, seinen Interessen und Möglichkeiten (sich zu eigenem Nutzen und Vorteil zu erweitern und nur im günstigen Falle andere nachzuahmen (P. Rumjanzew)). Nur auf sich selbst gestellt wird Russland eine hohe Kultur erhalten, ein bewußtes Empfinden von Verantwortung für den Wohlstand und das Leben der Völker, die auf seinem Teritorium leben, für das Schicksal des Vaterlandes und der gesamten Menschheit, für seine Handlungen innerhalb des Staates (der Zivilisation) und in der internationalen Arena (siehe auch Anmerkung Nr.39). [Zurück] 33. Ein interessanter Gedanke findet sich dazu bei F. Nietzsche: "Auch der Krieg erzieht zur Freiheit. Denn, was ist Freiheit? Dass du den Willen zur eigenen Verantwortung hast. Dass du die Distanz bewahrst, die uns trennt. Dass du gleichgültig wirst gegenüber Belastungen, Härten, Entbehrungen, selbst gegenüber dem Leben. Dass du bereit bist, für deine Sache Menschen zu opfern, und dich selbst davon nicht ausschließt. Freiheit bedeutet, dass die männlichen, kämpferischen und Siegesinstinkte über andere Instinkte herrschen, z. B. über den Instinkt des "Glücks". Indem der Mensch frei wird, und indem in sehr viel größerem Maße der Verstand frei wird, zerstampft er mit den Füßen jene verachtenswerte Art von Wohlstand, von der Krämerseelen, Kühe, Frauen, englische und andere Demokraten träumen. Ein freier Mensch ist – der Krieger”. (Ницше Ф. Сочинения в 2 т. Пер. с англ.-Т 2.- М.: Мысль, 1990.-С. 614-615). [Zurück] 34. In einer niedergehenden Gesellschaft, - hob F. Nietzsche hervor, "schadet der Schwache sich selbst", weil all das, was im Zustand der Auszehrung und Schwäche getan wird, Misserfolge hervorbringt. Unter diesen Bedingungen ist eine besondere "instinktive" ("natürliche") Handlungsweise notwendig:
36. In seinen Betrachtungen zur Krise der europäischen Zivilisation führt Nietzsche das Beispiel Russlands als zuverlässigstem und wahrscheinlichstem Faktor im großen Spiel und Kampf der Kräfte an: «Russland weitet seine Herrschaft als ein Staat aus, der über Zeit verfügt und nicht dem gestrigen Tage lebt, indem er das Prinzip verfolgt: «so langsam wie möglich!».» Wenn es einen Willen zur Tradition gibt, - unterstreicht er an folgender Stelle, - zu Autorität, «zu Verantwortung über ein Jahrhundert voraus», zu einer Kette der Solidarität der Generationen voraus und zurück in infinitum, so wird etwas dem Imperium Romanum analoges begründet, «oder etwas Russland analoges, der einzigen Macht, die gegenwärtig (im Jahre 1888 A. Sawinkin) stabil ist, die warten kann, die noch etwas verheißt, - Russland, das Gegenstück zum armen Partikularismus und zur Nervosität Europas, das mit der Gründung Deutschlands in seine kritische Periode eintrat... Der gesamte Westen hat nicht mehr jene Instinkte, aus denen Institutionen hervorgehen, aus denen die Zukunft erwächst... Man lebt dem heutigen Tage, lebt zu schnell, lebt zu verantwortungslos: gerade das wird als «Freiheit» bezeichnet. (Ницше Ф. Сочинения в 2 т.-Т. 2.-С. 370, 616) Es ist bezeichnend, doch im Weiteren haben wir das verloren, worauf wir hätten stolz sein können: ein beständiges, stabiles (historisches) Russland. [Zurück] 37. Ein originelles Epigraph zu diesem Schluss können die folgenden Worte von B.N. Tschitscherin sein: "Ist denn etwa nur bei uns ein Gefühl des Stolzes darüber aufgekommen, dass wir Russen sind, als wir plötzlich mit Blut und Schande bedeckt wurden?" (1861) Zitat nach: Секиринский С. С., Филимонова Т. А. Родословная российская свобода.-М.: Высшая школа, 1993.-С. 73. [Zurück] 38. Einige treffliche Gedanken von M. O. Menschikow zu diesem Thema: Über die "Vergangenheit": "Schnell bewegen wir uns auf einer geneigten Ebene und haben uns schon fast bis zum Grund des Lebens bewegt. Noch weiter beginnen Zersetzung, Verwahrlosung und Tod. Doch hier beginnt möglicherweise eine Wiederherstellung (восстановление), gewissermaßen eine restauratio magna, etwas in der Art, wie es Bacon auf dem Gebiet der Erkenntnis bewirkte. Die Wiederherstellung von Volksgesundheit, Glück, Ordnung und Schönheit beginnt mit der Suche dessen, was verloren ging, was vergessen wurde. Wenn verbrecherische Generationen sich einander umbringen, wie Spinnen im Glas, wenn eine Hatz auf starke, saubere, ehrliche Leute beginnt, - dann beginnt man sich vor allem für die große Vergangenheit zu interessieren und versucht, an das Große zu erinnern, das vergessen wurde. Und wieder kehrt man zurück zu Denkmälern und Gotteshäusern. Und wieder erklingen die Bylinen. Und wieder wird die Vergangenheit Belehrung für die Gegenwart. Und wieder bricht das Schöne hervor, der vielen unbekannte Zustand, als der Mensch die Menschheit achtete, - die Vorfahren liebte, stolz war auf seine Geschichte, in Einklang stand mit der Vergangenheit und es als Glück ansah, ihr Vermächtnis zur Vollendung zu führen ... Christlichen Völkern ... wurde der wahnsinnige Gedanke anerzogen, dass Progress darin bestehen würde, dass der morgige Tag den heutigen negiere, und der heutige den gestrigen. Dabei besteht doch wahrer, organischer Progress in Fortführung, Reifung, Vervollkommnung, die das Vergangene nicht negieren, sondern bestätigen. Nur ein solcher, - natürlicher Progress - ist tatsächliche Entwicklung." (Письма к ближним.- С.-Пб.,1908.-С. 225) Über "Wahrheit und Lüge": "Die Herausbildung einer menschenwürdigen Zivilisation besteht vor allem in der Auseinandersetzung mit der Lüge, der individuellen, der gesellschaftlichen, egal hinter welchen kulturellen Dekorationen sie sich auch verbergen mag. Der Kampf mit der Lüge in all ihren Erscheinungsformen ist besonders in Russland erforderlich: Die Unwahrheit bedeckt unser Land mit einem besonders dunklen Mal... Der Kampf mit der Lüge ist eine notwendige und die wichtigste Art des Eintreten für das Volk... und dieser Kampf besteht vor allem und hauptsächlich im Entdecken der Wahrheit" (Меншиков М. Народные заступники и другие нравственно-бытовые отчерки.-С.-ПБ., 1900.-С. 288, 307) "Wenn Tapferkeit gegenüber dem Feind die beste Verteidigung ist, so ist Wahrhaftigkeit sich selbst gegenüber die wertvollste Quelle von Tapferkeit" (Письма к ближним. 1915 г.-Петроград, 1916.-С. 416) Über die "Schönheit": "Mir scheint, der Bau des nationalen Lebens muss erhaben sein, wie ein altertümlicher Tempel.; es muss ein Werk der höchsten Kunst sein, zu der das Volk überhaupt fähig ist. Es ist nötig, dass seine Schönheit vor Veränderungen geschützt bleibt, dass das majestätische Gesetz zu schade für Zerstörungen ist, und dass selbst der Gedanke daran als Lästerung erscheint" (Письма к ближним.-С.-Пб., 1903.-С. 207-208). Über die "Vernunft": "Wie man sich auch wendet, für ein großes Land ist Verstand erforderlich, und je komplizierter sein Leben wird, desto mehr. Der Verstand des Volkes – das ist auf seine Art der Sauerstoff in der Luft, ohne den man nicht lange atmen kann. Er ist Quelle und Bedingung des Daseins. Wenn dies so ist, dann muss man sich beständig um die Anhäufung der geistigen Stärke in der Gesellschaft sorgen. Wichtig ist eine Goldreserve, doch eine Reserve an starken Ideen - ist teurer als ein Lagerstätte von Edelsteinen. (Там же.-С. 198). [Zurück] 39. «Gut und stabil ist nur das gebaut, was langsam und allmählich errichtet wird, und nicht «auf fremdes Geheiß», nicht durch konvulsive und unbedachte völlige Zerstörung des Alten, - hob P. Sorokin bereits 1922 hervor.- Wie das französische Volk im vergangenen Jahrhundert vergaßen auch wir diese Wahrheit. Und zahlten und zahlen für diese Vergeßlichkeit. Diese Bedingung zwingt uns aufmerksamer auf unsere Vergangenheit zu blicken. Eine sorgfältige Betrachtung zeigt uns, dass sowohl im Moskauer Staate, als auch in dem Russland, das von Peters Kanonenstiefeln zertreten wurde, viel Gutes enthalten war. Und nicht wenig davon gab es auch in unserer jüngeren Vergangenheit. Es ist an der Zeit, diesen Wert zu schätzen, diese Keime sorgfältig aufzunehmen und mit starkem Geist und angespannter Arbeit zu beleben. Die Erfüllung dieser Aufgabe heißt Wiederherstellung, Bewahrung und Verbesserung unseres nationalen Antlitzes. Dieser Terminus und diese Aufgabe waren in der Vergangenheit dermaßen befleckt, dass wir daran gehindert waren, jenes Gesunde zu erkennen, was in dem Wunsche war und ist, neben anderen Völkern der Geschichte seine eigenen originalen Wesensmerkmale zu besitzen und sein Recht auf Platz und Rolle im großen Drama der Geschichte. Jetzt, wo die Geschichte droht, uns das Gesicht zu nehmen, wo andere Völker bereit sind, uns aus der Reihe der Hauptakteure zu verdrängen und uns die Rolle einfacher Statisten zuzuweisen, beginnen wir, den großen Wert unseres nationalen Antlitzes zu begreifen." (Сорокин П. А. Дальная дорога: Автобиография.-М.: Моск. Рабочий; ТЕРРА, 1992.-С. 246-247). [Zurück] 40. Меньшиков М.О. Письма к ближним.-С.Пб., 1911.-С.771. [Zurück] 41. A.a.O. 1912 C. 488. [Zurück] 42. Während F. Bacon eine neue Methode der Führung durch den Verstand vorschlägt, die auf empirischen Forschungen basiert, hebt er hervor: «Unsere Schritte müssen wir an einem Leitfaden ausrichten und den gesamten Weg nach einer bestimmten Regel sichern, beginnend bereits bei den ersten Sinneswahrnehmungen» (Бэкон Ф. Новый органон.-М., 1938.-С. 12) [Zurück] 43. Die einzige Art und Weise der Existenz und des Überlebens Russlands besteht darin, weniger ein «Nationalitäten-Staat» («многонациональным государством») zu sein, als viel mehr eine «Staats-Nation» («государством-нацией»). Unter "Nation" wird in diesem Falle das gesamte Volk verstanden, das zu einem Staat organisiert ist, der nicht nur durch allgemeine Macht und russische Sprache zusammengefügt ist, sondern auch durch die Geschichte, die Kultur und das Bewusstsein der Zugehörigkeit zu Russland als einigem Ganzen, durch die Solidarität des Handelns zum allgemeinen Wohl u.s.w.. Ein solches Volk verkörpert vor allem eine geistige Einheit, sieht sich als Gesamtheit nicht nur der gegenwärtig Lebenden, sondern auch der vorangegangenen, sowie der künftigen Generationen, besteht aus unterschiedlichen, doch verbundenen Nationalitäten (ethnischen Gruppen). "Wir sind Russen", - meinten unsere Vorfahren, unter denen sich nicht wenige "Fremdstämmige" («инородцев») und Ausländer befanden, die Russland nicht weniger ergeben waren, als "echte" Russen. Im Ausland bezeichnet man uns nach wie vor als "Russen" («русскими»). Nur wir selbst bevorzugen "Einwohner (Staatsbürger) Russlands" («россиянами») zu bleiben und uns endlos in Großrussen, Ukrainer, Belorussen, Tataren, Baschkiren, Armenier, Georgier... zu teilen, uns für Adlige, Offiziere, Bürokraten, Intellektuelle, Bauern, Arbeiter ..., Patrioten und Kosmopoliten, Rechte und Linke, Demokraten und Staatstreue ..., Tambower und Permer ... zu halten, uns in Parteien und Gruppen zu verwandeln, die sich als politische und nationale Einheiten Feind sind, - statt eine russische nationale Gemeinschaft zu sein. Die herausragendsten Persönlichkeiten Russlands haben ständig auf die Notwendigkeit verwiesen, sich in nationalem Geiste zu entwickeln, für sich zu leben, im Namen der Heimat und dafür eine russische Nation zu werden, zu "eigenen, leiblichen Verwandten" («родными людьми») zu werden, geeint und verbunden in Russland. Für eine Armee ist die Existenz ohne diese Bedingung nicht denkbar: «Nur im Bewußtsein der nationalen Einheit Russlands und der russischen Menschen kann man eine feste Stütze zur Abwehr jener zersetzenden Kräfte finden, die in erster Hinsicht in uns selbst nisten. Nur, wenn wir verstehen, dass wir «Russen» sind, jegliche Vorbehalte vergessen, jeglichen Stände-, Klassen-, Kasten- und anderen Zwist verwerfen, unseren eigenen Stolz und die Eitelkeit dem nationalen Prinzip unterordnen, können wir von einer Wiedergeburt Russlands und von Macht und Größe des russischen Volkes sprechen, nicht als einer Masse von 180 Millionen, sondern als einige, bewußte und lebendige Nation» (Эремита В. Национальное самосознание // Воин.- 1922.-№ 2.-С. 110). [Zurück] 44. Unter «russischer Armee» wird ein Sammelbegriff einer nationalen Armee verstanden, der in verschiedenen Zeiten in den Streitkräften der Kiewer Rus`, des Moskauer Staates, des Russischen Imperiums, der Sowjetunion, der Russichen Föderation außer acht gelassen wurde. Es ist außerdem zu beachten, dass am 28. April 1920 die Bezeichnung «Freiwilligen-Armee» («Добровольческая армия»), die in der letzten Etappe des Bürgerkrieges den Kern der Streitkräfte des Südens Russlands bildete, durch General P. N. Wrangel offiziell in Russische Armee (Русскую армию) umgewandelt wurde und die Armee unter dieser Bezeichnung in`s Exil ging. In den Befehlen des Oberkommandierenden der Russischen Armee finden sich solche Worte: "Die Größe des Russischen Staates liegt in einer mächtigen Armee und Flotte begründet. In der von uns durchlebten wirren Zeit wurde durch eine zahlenmäßig kleine doch in gefestigtem Geiste wiedergeborene Russische Armee und Flotte mit der eigenen Brust der letzte Flecken unserer einst unantastbaren Heimat vor dem roten Internationalismus verteidigt. Ich glaube, dass die Zeit kommen wird und die Russische Armee, stark durch den Geist ihrer Offiziere und Soldaten, anwachsend, wie ein großer Schnellball, über die heimatliche Erde rollen wird, um sie von Ungeheuern zu befreien, die weder Gott, noch Vaterland kennen. Das künftige Russland wird durch Armee und Flotte geschaffen, beseelt von dem einen Gedanken: "Die Heimat, - das ist alles" («Родина это все»). Diesen Gedanken können der Armee vor allem die Herren Offiziere einhauchen – die Seele der Armee ..." (Befehl Nr. 3580 vom 26. August 1920). "Russische Menschen. Die Russische Armee, - allein im Kampf mit den Gewalttätern -, führt einen ungleichen Kampf, indem sie den letzten Flecken russischer Erde verteidigt, auf dem Recht und Wahrheit existieren. Im Bewusstsein der auf mir liegenden Verantwortung bin ich verpflichtet, rechtzeitig alle unvorhersehbaren Möglichkeiten in Betracht zu ziehen. Auf meinen Befehl wurde bereits mit der Evakuierung all derer aus Häfen auf der Krim begonnen, die den gemeinsamen Weg mit der Armee teilten ... Die Armee deckt die Verschiffung, denn die für ihre Evakuierung notwendigen Schiffe liegen bereits entsprechend des Zeitplans in voller Bereitschaft in den Häfen. Zur Erfüllung der Pflicht gegenüber Armee und Bevölkerung ist alles Menschenmögliche getan. Unsere weiteren Wege sind völlig ungewiss. Gebe der Herr uns allen Kraft und Verstand, diese russischen Wirren zu bewältigen und zu überstehen. General Wrangel" (Befehl vom 29. Oktober 1920). – Врангель П.Н. Воспоминания. Южный фронт (ноябрь 1916 г. – ноябрь 1920 г.).- Ч.II. - М.: ТЕРРА, 1992.-С. 87, 311–312, 420–421. [Zurück] 45. Керсновский А.А. История русской армии. В 4-х томах.- Т.4.-М.: Голос, 1994.-С. 331–332. [Zurück] 46. Российский военный сборник. Вып. 7. К познанию России.-С. 270, 274. [Zurück] 47. Diese Ansicht vertraten F. Dostojewski, D. Mendelejew, M. Menschikow. Russland ist tatsächlich zu verschwenderisch mit seinen Kräften in der Weltpolitik umgegangen. Allein mit der Türkei führte es mehrere Kriege und die Mehrheit davon zur Befreiung der slawischen (der orthodoxen) Völker. Wie viele europäische Staaten rettete es vor dem Untergang! Wie viel russisches Blut wurde für die Interessen von Verbündeten vergossen und wird noch vergossen werden!? Und dies angesichts von derart ungeheuren Unzulänglichkeiten im Innern des eigenen Landes, die die nationale Existenz und die gesamte Welt bedrohen. A. A. Kersnowski zog daraus in der ihm eigenen emotionalen Offenheit folgenden Schluss: "Mehr Vertrauen in den Genius unserer Heimat, Vertrauen in die eigenen Kräfte, Liebe gegenüber seinen Russen. Wir haben zu teuer dafür bezahlt, um für alle Zeiten von jeglicher "Philie" («Фильство») zu genesen und nur noch Russophilie zu kennen. Genug mit den "Weltproblemen" und dem uns teuer zu stehen kommenden Messianismus! Wir werden künftig nicht vom Glück der Menschheit träumen, sondern besser das Glück unseres eigenen Landes aufbauen. Genug auch der "heiligen Bündnisse" («священных союзов») auf Kosten russischen Blutes und der "friedlichen Revolutionen" mit russischem Geld und russischem Leid" (Керсновский А. История русской армии.-Т.4.-С. 330). [Zurück] 48. D. Mendelejew: "Bereits in vergangenen Jahrhunderten haben Staatenbündnisse den Gang der Geschichte stark beeinflusst, doch künftig wird in den Bündnissen sogar das Wesen der Geschichte liegen ... Gerade gegenwärtige Bündnisse sind vor allem auch bestimmt zur Prävention von Kriegen nicht nur durch die sich absprechenden Länder untereinander, sondern auch mit anderen Ländern mindestens zum Zwecke ihrer Begrenzung. Wenn noch heute der lateinische Rat seine Gültigkeit besitzt: "Wenn du den Frieden willst, sei zum Kriege bereit", so trifft am ehesten auf Deutschland und England dieser Rat zu: "Wenn du den Frieden willst, so schließe Bündnisse" (Хочешь мира – заключай союзы»). Hierin liegt auch eine größere Logik. Die große Bedeutung von Bündnissen konnte sich herausbilden und begann sich tatsächlich seit der Zeit zu entwickeln, als die Welt aufgeteilt war und sich anstelle des Appetits des Eroberungsdrangs das Bewusstsein über die Gefährdung der persönlichen Unversehrtheit und der Zerstörung hochwertiger Erwerbungen, die aus den Beziehungen der Völker der gesamten Welt hervorgingen, durch Kriege entstand ... Wie sehr die Menschen auch über ein Jahrhundert in gütlichem Einverständnis leben wollten, und welche Bündnisse Staaten auch immer schlossen, auch künftig, oder genauer – im XX. Jahrhundert werden Kriege nicht zu vermeiden sein, und falls Regierungen sich auch versöhnen werden, die Völker werden das Kämpfen nicht lassen und Kriege fordern ... Zum Kriege bereit sein muss man auch trotz zuverlässigster Bündnisse. Ein Überfall gibt militärischen Schutzhandlungen eine moralische Rechtfertigung" (Российский военный сборник. Вып. 7. К познанию России.-С. 249-251). [Zurück] 49. Тольстой Л.Н. Путь жизни.-М.: Республика, 1993.-С. 24 и другие. [Zurück] 50. Трескин Д.Н. Курс военно-прикладной педагогики: Дух реформы Русского Военного Дела.-Киев, 1909.-С. VII. [Zurück] 51. "Wie die technischen Mittel des Krieges auch immer vervollkommnet wurden..., - die Hauptkraft, die den Ausgang einer Schlacht entscheidet und der gesamten Kampagne den Erfolg bringt, war, ist und wird künftig der Mensch sein, als Soldat und Kämpfer, als Mensch, als einem Ensemble menschlicher Seelen – der Gesellschaft, als Mensch, als der Nation mit ihrer seelischen und gewaltsamen Gegenwehr. Ist es nicht verwunderlich, dass in den Jahren 1915 – 1916 die Russische Armee, schwach an schwerer Artillerie, fast ohne Flugzeuge, ohne Granaten und Patronen... Warschau verteidigte, Peremischl einnahm, sich über die Karpaten in die ungarische Tiefebene durchschlug und dabei mitunter österreichisch-ungarische Angriffe trotz fehlender Munition abwehrte. Doch, dieselbe Armee, voll bewaffnet, mit Flugzeugen, schwerer Artillerie und Gas, voll ausgerüstet mit Patronen und Granaten, flüchtet unaufhaltsam im Jahre 1917, vor Kaluscha, begeht das Tarnopoler Pogrom! Es waren nicht mehr dieselben Menschen in der Armee. Es gab nicht mehr dieselbe – Seele der Armee! Die Deutschen sagen: "anderes Pulver – andere Taktik" – «иной порох - иная тактика» ... Nicht so sehr und nicht einmal hauptsächlich die Bewaffnung (das Pulver) wirkt auf die Veränderung der Taktik, als viel mehr die Qualität der Menschen – ihr Geist" (Краснов П.Н. Душа армии: Очерки по военной психологии. С предисловием проф. генерал-лейтенанта Н.Н. Головина.- Берлин, 1927.-С. 28-29). [Zurück] 52. Ильин И.А. Родина. Русская философия. Православная культура. Составитель Е.С. Тройцкий.-М., 1992.-С. 33. [Zurück] 53. Der Mensch kann ohne ein geistiges Leben nicht existieren, wie eine Kerze ohne Feuer nicht brennen kann. (L. Tolstoi). In jedem Menschen lebt ein geistiges Wesen, das es ihm ermöglicht: a) tatsächlicher Realist zu sein, also sich auf eine Höhe zu erheben, die weite Ferne zu überblicken, die Realität in ihrer Vollkommenheit und Objektivität zu erfassen; b) Instrument Gottes zu sein, Vollstrecker (Diener) seines höchsten Willens, etwas Notwendiges und Nützliches zu tun, etwas Gutes und Ewiges (S. Frank), für etwas mehr verantwortlich zu sein, als den Menschen selbst, das beste Leben zu leben, mit seinem Dasein auf der Welt dieses aus sich heraus zu schaffen. Als das Wichtigste kann man so sagen: der Mensch – ein Wesen, das sein Leben seiner Bestimmung widmet (opfert)" (Гарин И. Воскрешение духа.-М.: ТЕРРА, 1992.-С. 8-9). Die höhere Existenz und Bestimmung des Menschen gibt ihm die Möglichkeit, das Leben nicht nur als einheitliches Ganzes zu verstehen, sondern auch als «gedanklich verarbeitetes (begreifendes) Dienen» («осмысленное служение») einem Gesetz, der Wahrheit, dem Guten, der allgemeinen Sache, den konkreten Bedürfnissen der Menschheit. Das gesamte Verhalten bestimmt sich durch die Pflicht zu dienen: «Und jeder Mensch und die Gesellschaft erfüllen letztlich nicht ihren eigenen und auch keinen dem menschlichen Wollen fremden, sondern nur den Willen Gottes, den Willen zur Wahrheit. Durch das Moment des Dienens ist wie durch ein höheres Prinzip die gesamte Struktur von Rechten und Pflichten, die den gesellschaftlichen Aufbau ausmachen, bestimmt... Das Prinzip der Solidarität und das Prinzip individueller Freiheit, die Einheit des «wir» und die Einheit des «ich» können miteinander versöhnt und untereinander ausgeglichen werden... und zwar nur durch eine allgemeine Unterordnung beider unter das Prinzip des «Dienens», und weil ihre Abstimmung selbst das Wesen gesellschaftlicher Organisation ist, wird gerade daraus die zentrale Bedeutung dieses obersten Prinzips ersichtlich... Eine Gesellschaft, die auf sich selbst beruht, also nur auf der Realität des menschlichen Seins, ist dazu verdammt, in einem Kreislauf und dem ewigen Kampf zwischen Despotismus und Anarchie zugrunde zu gehen... Nur die Anerkennung einem höheren Prinzip zu dienen und das Verständnis dieses als ein Dienen der Wahrheit hebt diesen Widerspruch auf. Jede Vereinigung und Teilung von Arbeit und Funktionen in einer Gesellschaft, – die das Wesen einer synthetisierten zerteilten Beziehung im gesellschaftlichen Leben hervorbringt und eine komplexe organische Einheit der Gesellschaft konstituiert, – ist der Nachweis des obersten Prinzips des Dienens und der Universalität seiner Bedeutung. Die Zusammenarbeit der einzelnen Klassen, Berufe und Personen in einer allgemeinen Sache beruht letzten Endes nicht auf seiner utilitaren Notwendigkeit, sondern auf dem moralischen Bewußtsein höheren Prinzipen zu dienen und auf dem eigentlichen Wesen des menschlichen Lebens. Dies sind auch der Sinn und die moralische Grundlage der Beziehungen zwischen der Macht und den Untergebenen: diese Beziehung ist nur dort stabil, wo sie auf der Idee eines gemeinsamen Dienens der Wahrheit begründet ist» Франк С.Л. Духовные основы общества.-М.: Республика, 1992.-С. 107-112). [Zurück] 54. Ильин И.А. О христолюбивом воинстве // Россия.- 1939.-30 апреля. Unsere Vorfahren verstanden es, den Glauben in Gott auch vernünftig für die Richtigkeit der russischen Sache zum Erheben des Geistes der Truppen am Vorabend entscheidender Schlachten zu nutzen. In diesem Sinne wurde der Appell an die Kämpfer des Fürsten Alexander Jaroslawowitsch am Vorabend der Newski-Schlacht zu einem klassischen Beispiel: "Brüder! Gott besteht nicht in der Stärke, sondern in der Wahrheit! Erinnern wir uns der Worte des Psalmensängers: Wer auch immer die Waffen führt, wer auch immer im Sattel sitzt, wir sind im Namen unseres Herrgotts berufen... Viele Kämpfer werden wir nicht verlieren , denn Gott ist mit uns" (Великий князь Александр Невский. Репринтное переиздание книги М. Хитрова от 1893 г. –С.-Пб.: Лениздат, 1992.-С. 83). [Zurück] 55. Die Heerführer betrachteten sich in Russland nicht nur als militärische Akteure, die von der Nation beseelt waren, sondern als "Verteidiger (Fürsprecher) des Volkes" [ «защитники (заступники) народные”]. Siehe z.B.: Евдокимов Л.В. «Белый генерал», М.Д. Скобелев, в народных сказаниях // Военно-исторический сборник.- 1911.-№ 2.-С. 33-60. In dem Artikel werden insbesondere folgende Strophen aufgeführt:
Und über General Skobeljew wird hervorgehoben: "Er siegte über die Feinde Russlands weniger durch die Stärke der Waffen, als durch die Stärke seiner Seele, durch seinen mächtigen Einfluss auf die Ihn Umgebenden." (A.I. Krasnitzkij); "er war die Ehre und Zierde des russischen Militärs" (der geheiligte Ambrosius). [Zurück] 56. Siehe: Российский военный сборник. Вып. 3. История русской армии.-М.: ГА ВС, 1994.-С. 10-16. [Zurück] 57. Siehe: Российский военный сборник. Вып. 6. Русское зарубежье.-М.: ГА ВС, 1994.-С. 12-48, 196-308. [Zurück] 58. In dem Artikel "Der staatliche Sinn der weißen Armee" («Государственный смысл белой армии») entwickelt I.A. Iljin diesen Gedanken ausführlich: "Es gibt auf der Erde Siege, die selbst in Stunden ihrer offenkundigen Niederlage Siege bleiben. Diese Siege setzt niemand herab, noch hebt er sie auf; auf ihnen ist das Leben der Völker und der Menschheit aufgebaut; einmal errungen, werden sie zu einer historischen Größe, und dies nicht deshalb, weil sie in die Vergangenheit übergehen, sondern weil sie nicht vergänglich werden, sondern für immer lebendige Grundlage von Gegenwart und Zukunft bleiben. Und ein solcher Sieg war der der nationalen weißen Armee ... Die Sache der Russischen Freiwilligenarmee, die in den Jahren 1917-1918 entstand und mit den Namen Kornilow, Aleksejew, Kaledin, Drostowski, Koltschak und ihren Gefährten und Nachfolgern verbunden ist, - ist eine Sache der russischen nationalen Ehre, eine Sache von russischem nationalem Enthusiasmus, russischen Volkscharakters und russischer orthodoxer Religiösität. In diesem zutiefst uneigennützigen, bis zur Unvernunft schweren und heldenhaften Widerstand behauptete Russland sein willenstarkes Sein, Russland bezeugte die gesunden Wurzeln seiner Seele, Russland verteidigte seine Würde und Ehre, es entdeckte die heroischen Grundlagen seines Charakters, es stellte sein staatsbürgerliches Verantwortungsbewußtsein unter Beweis, es brach mit seiner Vergangenheit und legte das Fundament seiner Zukunft ... In der gesamten geistigen und historisch äußeren Situation dieses Kampfes, in seinen Motiven und in seinem Schicksal – liegt der noch tiefere religiös-staatliche Sinn der weißen Armee. Dieser Sinn bringt auch seine Idee hervor ... Nicht zum ersten Mal in seiner Geschichte bringt die Rus` diese Idee in Tat und Wort hervor: Die Idee eines selbstauferlegten Dienens der Heimat, wie ein Bestandteil göttlichen Geistes, eines begeisterten, selbstlosen Dienens; eines Dienens einer allgemeinen Sache im Namen Gottes. Diese Idee ist ursprünglich und lebte in der Rus` immer; doch wurde sie nicht im erforderlichen Maße geachtet, durch die nationale Macht nicht ausreichend verstanden, nicht im Volke genährt als lebendige Grundlage der Staatlichkeit ... Die wahre und lebendige Stütze des Staates und der staatlichen Macht waren immer jene Menschen, jene Schichten, jene Gruppen, die gesellschaftliche Tätigkeit als ein klassenübergreifendes Dienen gegenüber der Heimat begriffen; die in diesem Dienen Ehrenpflicht und Last der Verantwortung sahen; die danach strebten, gerade dem Lande zu dienen und nicht über dieses zu herrschen ... Und so ist es in unseren Tagen die weiße Armee mit ihrem zentralen Kern der Freiwilligkeit, - der sich zu einem Organisationsprinzip wandelt (unter Kornilow, während der Evakuierung, auf Gallipoli), der sich in Geist und Stimmung bewahrte, - die sich in dieser alten gesunden russischen Tradition bewegt. Es sind organisierte und disziplinierte Kader von patriotischen Freiwilligen russischer staatlicher Orientierung. Es sind im Geiste alter russischer Pilger gefestigte Diener und Erbauer der Heimat, künftige Diener des Zaren, doch bereits keine «unterwürfigen Kriecher» («холопы») und keine «Waisenkinder» («сироты»), sonders sich in nichts schonende Erbauer Russlands. Es sind die Fortsetzer des alten und Begründer eines neuen autonomen und patriotischen Rechtsbewusstseins auf die Rus`". (Российский военный сборник. Вып. 6. Русское зарубежье.-М.: ГА ВС, 1994.-С. 70, 72, 77-79). [Zurück] 59. Керсновский А. История русской армии.-Т. 4.-С. 330. [Zurück] 60. Кедрин С. Военная история как один из главных источников прогресса военного дела // Российский военный сборник. Вып. 4. История русской армии.-М.: ГА ВС, 1994.-С. 16 (статья 1908 г.). [Zurück] 61. In seinem Traktat, das am Ende des VI. Jahrhunderts vor unserer Zeit geschrieben wurde, entwickelte der chinesische Heerführer ein ungewöhnlich "modernes" Verständnis von Kriegskunst und hob insbesondere hervor: "Krieg, - das ist eine große Angelegenheit für einen Staat, es ist die Frage über Leben oder Tod, es ist der Weg der Existenz oder des Unterganges. Diese Grundaussage darf nicht vergessen werden ... Wer den Krieg meisterhaft führt, unterwirft fremde Truppen ohne eine Schlacht, erobert fremde Festungen ohne Belagerung, wirft fremde Staaten ohne lange Kampagnen nieder. Indem er unbedingt alles ganzheitlich beläßt, kämpft er um die Herrschaft unter dem Firmament. Deshalb kann man einen Vorteil daraus ziehen, nicht zum Krieg zu greifen. Dies ist auch eine Regel des strategischen Angriffs ... Eine Regel der Kriegsführung fordert, sich nicht darauf zu verlassen, dass der Gegners nicht kommen wird, sondern sich auf unsere Bereitschaft zu verlassen, ihm zu begegnen; sich nicht darauf zu verlassen, dass er nicht angreift, sondern sich darauf zu verlassen, dass wir seinen Angriff auf uns unmöglich machen ... Es ist nicht unbedingt erforderlich, die Truppen bis hin zu einer zahlenmäßigen Überlegenheit zu erhöhen; es ist nicht erforderlich, ausschließlich mit militärischer Gewalt vorzugehen. Es ist ausreichend, eine erforderliche Anzahl von Truppen zu haben, und man kann einen Gegner mittels Konzentration und durch eine richtige Lageeinschätzung nehmen. Wer nicht nachdenkt und sich dem Gegener gegenüber leichtsinnig verhält, der wird unvermittelt zu seinem Gefangenen ... Ein kluger Herrscher ist vorsichtig im Verhältnis zum Krieg, doch ein guter Heerführer verhindert ihn. Dies ist auch der Weg, einen Staat in Frieden und die Truppen unversehrt zu halten. (Сунь-цзы. Трактат о военном искусстве.-М.: Воениздат, 1955.-С. 37, 41-42, 54-55, 58, 59). [Zurück] 62. Im Manifest über das Anwerben von Ausländern in russische Dienste von 1702 wird hervorgehoben: «Zur Erreichung der besten Ziele haben wir uns in höchstem Maße um die bestmögliche Organisation des Militärs bemüht, der eigentlichen Stütze unseres Staates, auf dass die Truppe nicht nur aus gut ausgebildeten Personen besteht, sondern auch in guter Disziplin und Ordnung lebt». Siehe: Бобровский П.О. Переход России к регулярной армии.-С.-Пб., 1885.-С. 156. [Zurück] 63. Свечин А.А. Эволюция военного искусства. Т.1.-М.-Л., 1927.-С. 18. [Zurück] 64. Свечин А.A. Опасные иллюзии // Военная мысль и революция.- 1924.-Кн.2.-С. 45. – Der Autor ist der Auffassung, dass wir bereits im Krieg 1812 mehr eigene "Opfer erbracht", als "den Franzosen Niederlagen beigebracht" haben, dass uns eine "geografische Rüstung" (Territorium, räumliche Ausdehnung und Winter) gerettet hätte, dass sich ein unbesiegbares Russland nicht auf nur diese Faktoren gründen darf. Moderne Kampfmittel machen einen tödlichen Schlag ins "Herz" Russlands möglich, auf seine politischen Zentren. Erforderlich ist es, dieser Gefahr nicht geografische "Bündnisse" entgegen zu setzen, sondern den Willen zum Sieg, militärische Vollkommenheit, seriöse Streitkräfte, die offene Brust des in Friedenszeiten ausgebildeten russischen Soldaten: "Mir scheint, - schreibt er, - dass wir, wenn alle Illusionen über unverwundbare Rüstungen, die uns durch unsere geografischen Bedingungen gegeben sind, über besondere Vorzüge, die uns die Weite unseres Territoriums zum Manövrieren bietet, aufgegeben werden, werden wir ideell reicher und materiell stärker. Für das Entstehen eines Koloss auf tönernen Füßen sind eine gewisse Entfremdung, Abgeschiedenheit, das Fehlen von Konkurrenz – eine ideologische Isolation erforderlich. Wenn wir uns auf die Position begeben, dass wir den drohenden Gefahren nur unter äußerster Kräfteanspannung begegnen können, dass ein beliebiger Krieg nicht nur die Frage von unbedeutenden Grenzveränderungen stellen muss, sondern auch die Frage nach der selbständigen Existenz der Sowjetunion, dass es höchster Leistungen bedarf, um in einem drohenden Krieg nicht vernichtet zu werden, dann können wir die niedergehende Kurve, nach der die Entwicklung der Kriegskunst in Russland seit 1812 verlaufen ist, umkehren, können den Hauptgrund der Unzulänglichkeiten unserer politischen und militärischen Ausbildung, die ungenügende Stählung unseres Willens zum Siege, die Charakterschwäche, die im Verlaufe des vergangenen Jahrhunderts unsere Niederlagen bedingten, überwinden." (C. 52-53). [Zurück] 65. Die Standhaftigkeit der russischen Truppen half nicht nur einmal, Siege in scheinbar aussichtslosen Situationen zu erringen. Es reicht tatsächlich nicht, den russischen Soldaten zu erschlagen, - um seinen Widerstand zu brechen, muss man ihn noch zusätzlich ersäufen (nach einem Ausspruch von Friedrich II.). Zu gleicher Zeit betonten ausländische Beobachter: um mit einem russischen Soldaten Siege zu erringen, muss man ihm die Fertigkeiten der Kriegkunst beibringen, ihn Ordnung und die Kenntnis zivilisierter Truppen lehren. Und dann wird er tatsächlich unbezahlbar sein. – siehe: Середонин С.М. Известия иностранцев о вооруженных силах Московского государства в конце XVI века.-С.-Пб., 1891.-С. 22. [Zurück] 66. Ein Gedanke von General Trochu (Louis-Jules, 1815 – 1896, E.L.) (Frankreich) Военный сборник.-1867.-№ 7.-С. 50. [Zurück] 67. Eben einen solch weiten (klassischen) Begriff der Kriegskunst, als nicht nur einer speziell militärischen Kunst, sondern auch einer politischen, die nicht nur in Kriegs- sondern auch in Vorbereitungszeiten zur Anwendung kam, prägten in ihren Arbeiten A. Stronin, G. Leer, N. Suchotin, A. Rittich, A. Bajow, wie auch eine Vielzahl von Offizieren, die in ihrer Zeit über Probleme staatlicher Verteidigung und nationaler Kriegskunst schrieben. [Zurück] 68. Драгомиров В. Подготовка русской армии к Великой войне // Военный сборник (Белград).- 1925.-Кн. VI.-С. 76.- Der Autor hebt hervor, dass gerade die negativen Seiten im Leben der Armee: das Unvorbereitetsein zu ihrer Funktion, Unzulänglichkeiten in Organisation, Ausbildung und Führung, - zu Verfall und Verrat, zum Tode ehrlich dienender Soldaten führte. "Die Fehler der Führung häuften in den Herzen der Menschen die Bitternis des Bewusstseins, dass die erbrachten Opfer sinnlos seien, dass sie vergessen werden oder sogar in gleichgültigster Weise zertreten würden, und wenn Menschen die Heimat verkörpern, die von Ehrgeiz und Selbstsucht erfüllt sind, sind sie nicht einmal in der Lage, dankbar zu sein für geopfertes Blut" (C. 74). [Zurück] 69. Die Konzeption einer eigenständig russischen Armee, die auf den Errungenschaften der Kriegskunst basiert, erarbeitete als einer der Ersten General A. Rittich in seinen praktischen Forschungen. Diese Konzeption beinhaltet folgendes Verständnis über die Notwendigkeit einer Kriegskunst für Russland: "Militärische Kultur verläuft immer parallel zur vaterländischen Kultur, und sofern letztere in der Masse gering ist, so werden dennoch aus dieser Masse Personen hervorgebracht, Führer, deren geistige Volksorientiertheit, die das Banner des Volkes hoch hält, die Masse des Volkes dazu bringen wird, sich ihrer höheren Kultur unterzuordnen. So war es bei Peter dem Großen und Jekaterina II., die durch persönlichen Geist und Arbeit Russland für kurze Zeit aus östlicher Stagnation herausführten. Doch der russische Lebensfluss bewegte sich danach wieder sehr ruhig, und wenn es zu großen Ereignissen kam, so lag dies an der Erinnerung des Erbe dieser beiden Regierungen. Es bleibt eine große Frage, ob Russland 1812 gesiegt hätte, wenn nicht letzten Endes der Frost geholfen hätte ... Der Pariser Frieden von 1856, das Berliner Traktat von 1878 und der Vertrag von Portsmouth von 1905, - alle drei historischen Akte im Leben des Russischen Staates im Verlaufe der letzten 50 Jahre belegen unbestreitbar, dass es für einen Sieg, für einen Triumpf des Volkes nicht ausreicht, nur über eine gewaltige Armee mit unerschöpflichen Quellen zu ihrer Auffüllung zu verfügen! Furchtlosigkeit und ehrenvoller Tod im blutigen Kampf und verzweifelter Mut allein bringen in der Gegenwart keinen Sieg mehr hervor. Genauso wenig der alte Prachtkerl, - das Bajonett, ja selbst die vormals dumme Kugel, die inzwischen klug geworden ist (nach einem geflügelten Ausspruch A. Suworows, E.L.), entscheiden noch kein Gefecht, führen nicht zum Sieg, wenn all das, was einst so gut war nicht einher geht mit einer neuen Waffe, die man als Geist des Militärwesens (духом военного дела) bezeichnen könnte, gegenüber dem Körper, der Masse an Kanonenfutter, die unwissend ist bezüglich der Kenntnis der vielfältigen Möglichkeiten, einen Gegner zu besiegen ... Jene Völker und Länder, die sich die fortgeschrittensten technischen Methoden zu eigen machen, werden über die beste Armee verfügen, wenn die Initiative des Handeln in ihren Händen liegt. Die Beweglichkeit einer solchen Armee mit einer schnellen Mobilisierungsfähigkeit, ermöglicht angesichts von Sparsamkeit und womöglich gänzlichem Fehlen einer allgemeinen Bereitstellungspflicht von Pferden und plumpen Gespannen, einen schnellen Angriff, - und in der Verteidigung eine ebenso hohe Konzentration an der Grenze.. Zu unserem Unglück sind wir in dieser Hinsicht sehr rückständig, wir verschwenden noch zu viele Kräfte beim Exerzieren, für einen unproduktiven Kraftaufwand an Menschen in Zeiten, wo Ausbildung erforderlich ist; in unseren militärischen Lehreinrichtungen wird nicht das gelehrt, was in der Dienstpraxis und in Kriegszeiten erforderlich ist, sondern der Jugend wird oberflächliches Wissen vermittelt und völlig nutzlose Herrenmanieren. Echte Lehroffiziere gibt es in unserer Armee zu wenig, und was gute Kommandeure von Truppenteilen betrifft, so gibt es davon noch weniger und deshalb können auch keine Heerführer hervorgebracht werden. Wir setzen bis heute alle Kräfte ein, jedoch nicht mit praktischer Kenntnis unseres Faches und wurden deshalb sobald wir auf die Schüler der Deutschen (die Japaner – A. S.) trafen, entscheidend geschlagen. Das darf künftig nicht mehr geschehen; wir werden lernen und uns vervollkommnen, anderenfalls wird uns das Unheil nicht verschonen..." Wenn wir auch weiterhin Ignoranz im Militärwesen walten lassen, uns auf veraltete Mittel der Kriegsführung stützen, neueste Technik der Kriegskunst ignorieren und in dieser Hinsicht dem Gegner nachstehen, ... so drohen nach den Worten von A. F. Rittich selbst derart "schwere, höllische Albträume": "Jetzt ist jene Zeit nicht fern, in der vor Petersburg unerwartet durch irgendwelche Zwistigkeiten von See aus eine in ihren Ausmaßen bedrohliche Flotte erscheinen kann und aus dem Luftraum darüber mindestens zehn solcher selbstgesteuerter Kugeln. Von See aus bei Krasnij Gorki und bei Sestroretzk werden wir mit Fernartillerie und Minen, ja selbst mit U-Booten noch etwas zur Verteidigung der Hauptstadt ausrichten können, doch wie werden wir mit dem Beschuss aus der Luft umgehen, insbesondere dann, wenn kurzzeitig mit der Zerstörung der Stadt innegehalten wird, um direkt vor dem Außenministerium ein Paket abzuwerfen, mit der Forderung, London unverzüglich einen Kredit von 100 Millionen Pfund Sterling zu überstellen, anderenfalls würden auf die Hauptstadt 100 Bomben mit der zerstörerischsten Wirkung niedergehen. Und unser entrechtetes Land wird von England nach dem Muster Indiens unterworfen und wir werden zu seinen Gunsten arbeiten und uns sehr schnell in Sklaven verwandeln! Ein Aufstand ist unmöglich: wir sind rückständige Leute, wir haben keine Mittel, keine Kenntnisse, keinen Geist für einen Ausweg aus dieser Lage, und erneut kommt es zu einem Joch, das noch schlimmer als das mongolische wird, weil es ewig und kulturell sein kann ..." (Риттих А.Ф. Техника военного искусства.-С.-Пб., 1908.-С. 1., 68.69, 77, 95). [Zurück] 70. Die Kriegskunst hängt in vielem von der Kultur, der Zivilisiertheit und Bildung ab. Je höher letztere, desto höher steht die Kriegskunst. Diese Wechselwirkung wird nach Ansicht von A. A. Stronin durch eine «kulturelle Sieghaftigkeit» («культурная победность») gewährleistet, die erzielt wird durch einem konsequenten Wechsel (und die Ausnutzung) von vier verschiedenen sozialen Vorzügen: 1) zahlenmäßige Überlegenheit, 2) Überlegenheit an Stärke, 3) ökonomische Überlegenheit, 4) geistige und moralische Überlegenheit. Alle Überlegenheiten zusammen bringen eine militärische Stärke hervor, die durch nichts zu überwinden ist. Kultiviertheit ist der grundlegende Faktor des Sieges. Streitkräfte und Krieg sind nur jenes spezielle Organ und jene spezielle Funktion, mittels derer eine höhere Kultur eine andere, tiefer stehende, besiegt, und das Bessere überlebt auf Kosten des Schlechteren (Стронин А.А. История общественности.-С. 560-670). [Zurück] 71. Баиов А.К. История военного искусства как наука // Россиийский военный сборник. Вып. 4 История русской армии.-С. 98-104. [Zurück] 72. Геруа А. После войны о нашей армии.-С.32, 68-69, 186-187. [Zurück] 73. "Die Qualität der Armee besteht, wie auch die Natur des Menschen, aus materiellen und geistigen Faktoren. Zu ersteren zählen: physische Gesundheit, Stärke und Festigkeit eines jeden Soldaten; alles Erforderliche zum Leben der Armee in allen Zeiten ihrer Existenz und ihres Handelns (Bekleidung, Ausrüstung usw.); jegliche Art von Bewaffnung zum Handeln überhaupt und für das Gefecht insbesondere; die Beherrschung der Waffen, sowohl einzeln, als auch in der Gesamtheit; die Kunst und Fähigkeit zu getrennten und abgestimmten Handlungen verschiedenster Art, die durch die Gefechtslage hervorgerufen wurden; Fertigkeiten, die in die Lage versetzen, unter geringstem Einsatz von physischen Kräften und Energie die Erfüllung all dessen möglich zu machen, was im Krieg gefordert sein kann durch die Kraft der Dinge, den Willen der Kommandeure aller Stufen und durch die Lage. Hierzu zählt auch die Organisation der Truppenteile, weil erst dadurch die geschickte Nutzung der Bewaffnung und die Ausführung der nötigen Gefechtshandlungen möglich werden. Zu den geistigen Bestandteilen von Qualität zählen: die Fähigkeit, das Gefühl des Selbsterhalts zu überwinden, starker Wille, Charakterstärke, Mut, Energie, Standhaftigkeit, Selbstvertrauen, seelische Begeisterung, Nachdrücklichkeit, Tapferkeit, Disziplin, Klarheit des Bewusstseins, Kaltblütigkeit, seelisches Gleichgewicht, Geduld, Enthusiasmus, Elan, die Bereitschaft sich für andere und für die allgemeine Sache zu opfern ... Nur wenn sie über eine hohe seelische Begeisterung verfügt, erfasst ist von Enthusiasmus, starker Zielstrebigkeit, heißem Drang, von unversiegbarer Energie und Elan, von einem unbedingten Siegeswillen, der Bereitschaft, sich für andere und für den Sieg zu opfern, kann eine Armee die höchste Anspannung all ihrer physischen und geistigen Kräfte zur Überwindung stärkster Gegenwehr des Feindes entwickeln und sich dabei auf all seine materiellen Mittel und stützen und ist erfüllt von dem unbedingten Drang bis zum Ende standhaft zu bleiben. Somit sind alle materiellen Elemente von den geistigen abhängig und erstere verlieren jegliche Bedeutung beim Fehlen oder selbst schon bei Mangelhaftigkeit der zweiten. Deshalb besitzt die geistige, die moralische Seite unbestritten den Vorrang gegenüber der materiellen. Der Geist herrscht über die Materie... Das bedeutet natürlich nicht, dass die materielle Seite keinerlei Bedeutung hätte und vernachlässigt werden könnte. Als ein Faktor, der die Qualität der Armee erhöht; ihr die Mittel gibt, um den Kampf mit einem Gegner zu erleichtern; die Chancen ihm gegenüber bis zu einem gewissen Grade auszugleichen; die Möglichkeit erhöht, seinen Widerstand zu brechen, besitzt die materielle Seite ebenfalls große Bedeutung. Folglich ist es erforderlich, danach zu streben, dass alle Bestandteile der materiellen Seite höchst vollkommen sind und in vollem Maße den Anforderungen moderner Kriegsbedingungen entsprechen. Dies ist um so mehr erforderlich, weil eine Überlegenheit in dieser Hinsicht erdrückend auf die Psyche des Gegners wirkt und auf den Geist der Armee und dadurch die geistige Seite, das moralische Element stark reduziert ... Waffen (Maschinen) gewinnen nur in Truppen Bedeutung, die über hohe moralische Qualitäten verfügen. Umgekehrt, in Truppen mit einem schwachen Geist bewirken diese nicht nur keine positiven Resultate, sondern können zu einer leichten Trophäe für den Gegner werden und sogar zur Katastrophe führen. Dies genau deshalb, weil moralisch schwache Truppen eine größere Hoffnung auf Maschinen setzen und nicht auf sich selbst; und wenn in Folge der Schwäche ihres Geistes die Maschinen den von ihnen erhofften Effekt nicht bewirken, dann werden die Waffen gestreckt und es wird in Panik verfallen" (Баиов А. Начальные основы строительства будущей русской армии // Русский колокол.-1929.-№ 8.-С 12-13; 1930.-№ 9.-С. 21-22). Siehe auch: Баиов А. Неправильный путь // Вестник военных знаний.-1932.-№ 3.-С. 7-15. [Zurück] 74. Леер Г.А. Война // Энциклопедия военных и морских наук.-Т.1.-С.-Пб., 1883.-С. 269-271. G.F.K. Fuller hebt hervor: das wahre Ziel des Krieges in der geistigen Epoche "besteht in der Verwirklichung einer Politik der Nation mit geringsten Schäden und Verlusten für sie selbst, wie auch für den Gegner, und folglich für die ganze Welt, weil die Interessen kultivierter Staaten so eng miteinander verflochten sind, dass die Zerstörung eines gleichzeitig auch eine Schädigung aller übrigen bedeutet" (Фуллер Дж. Реформация войны.-С. 16). [Zurück] 75. A. K. Bajow (А.К. Баиов) hält das "Prinzip eines einzelnen Sieges" («принцип частной победы») für das Hauptprinzip der Kriegskunst, das es Russland möglich macht, auf den Unterhalt von zahlenmäßig gewaltigen Truppen zu verzichten und zu einer kleinen Armee, jedoch von hoher Qualität überzugehen (siehe: «Русский колокол».-1929.-№ 8.-С. 10-12). [Zurück] 76. Головин Н.Н. Наука о войне. О социологическом изучении войны.-Париж, 1938. In einer anderen Quelle schreibt der Autor: "In vorangegangenen Epochen verlief die Evolution der Formen der Kriegskunst sehr viel langsamer als gegenwärtig. Die Entwicklung moderner Technik verläuft derart schnell, dass die Erfahrung eines vergangenen Krieges und selbst die einer Kampagne für die folgende bereits veraltet ist..., und bereits in den nächsten Jahren werden wir sie durch Prognosen des Künftigen ersetzen müssen. Daraus wird ersichtlich, welch gewaltige Bedeutung die Militärwissenschaft erlangt" (Головин Н.Н. Развитие основных идей современной тактики // Военный сборник.-1924.-Кн. 5.-С. 117). [Zurück] 77. A. Stronin zweifelt nicht daran, dass auch kultivierte Völker unter Bedingungen einer demokratischen Struktur gezwungen sein werden, "sich ständig in Bereitschaft zu halten und niemals all das zu verlieren, was an Mitteln zum Selbsterhalt und zur Verteidigung durch die Geschichte hervorgebracht wurde". "Nur allmählich wird der Frieden die Oberhand über den Krieg gewinnen, über die Ausweitung einer «Fläche des Friedens» («площади мира») und den Übergang von einer Angriffsmilitärpolitik zu einer neutralen Militärpolitik (eines «bewaffneten Friedens» - «вооруженного мира») und danach einer Verteidigungspolitik, die die Geheimnisse des Krieges aus Taktik und Strategie in eine vorbereitende politische Periode verlagert. (Стронин А. История общественности.-С. 258-263, 558-559). [Zurück] 78. Меньшиков М. Письма к ближним.-С.-Пб., 1910.-С. 159; 1914.-С. 107. [Zurück] 79. Геруа А. После войны о нашей армии.-С. 338, 56, 111. [Zurück] 80. Трескин Д.Н. Курс военно-прикладной педагогики.-С. 1. In diesem Zusammenhang ist die treffliche Arbeit von N. Maslow «Научные исследования по тактике» zu beachten, - in dessen zweiter Ausgabe unter dem Titel «Нравственные силы бойца» (С.-Пб., 1896) finden sich auf S. 451 insbesondere folgende Worte: "Der Sieg ist im Durchschnitt das Resultat vieler Zufälle, die jedoch zugunsten jenes Kämpfers tendieren, der sich auf einem höheren Niveau seiner moralischen Natur befindet". [Zurück] 81. Незнамов А. План войны // Известия Императорской Николаевской Военной Академии.-1913.-№ 40.-С. 535. [Zurück] 82.. Nur mit der Suche des "Geheimnisses des Sieges" in der Anzahl und der Vorbereitung auf einen bereits vergangenen Krieg lässt sich offenbar jene Tatsache erklären, dass die Landstreitkräfte unseres nicht reichen Landes noch vor kurzem über Hunderte Divisionen verfügten, von denen ein Kader ausgereicht hätte, unter einer anderen Organisation eine echte professionelle Armee zu schaffen. Auch heute noch sind es Dutzende, ungeachtet dessen, dass sich die Mehrzahl von ihnen in einem unaufgefüllten Zustand befindet. Selbst der "Territorialkoeffizient" versetzt schwerlich in die Lage, sie zu einer normalen Organisation diesen Ausmaßes aufzufüllen. Zum Vergleich verfügten die USA im Jahre 1990 über 28 Divisionen und planen nun, lediglich 15 zu erhalten, weil sie trotz ihres Reichtums nicht über die Möglichkeit verfügen, "durch die Anzahl zu schlagen" («бить числом»), setzen sie nun auf die «Fähigkeit», indem sie «kompakte hochmobile Truppentele, bewaffnet mit neuester Technik und hochmoderner Elektronik» auf das Gefechtsfeld führen («Сегодня».-1995.-1 марта). Es scheint, als würde sich die Vorhersage von K. von der Goltz Bahn brechen: "Es wird der Tag kommen, an dem heute vorherrschende Erscheinungsformen des Krieges verschwinden; Formen, Methoden, Einsatzverfahren und Ansichten werden sich wiederum wandeln; es ist die Zeit zu erahnen, in der die Millionenarmeen der Gegenwart auch ihre Rolle verlieren. Es erscheint ein neuer Alexander, der mit einer kleinen Handvoll außerordentlich bewaffneter und ausgebildeter Leute diese kraftlosen Massen vertreibt, wenn diese in ihrem Streben ständig zu wachsen, Grenzen überschreiten, ihre innere Fähigkeit einbüßen und sich wie die chinesischen Krieger des grünen Banners in eine zwar zahlreiche, aber friedliebende Masse von harmlosen Kleinbürgern verwandeln (Гольц К. Вооруженный народ. Сочинение об устройстве армии и образе ведения войны в наше время. Пер. с нем..-С.-Пб., 1886.-С. 4). [Zurück] 83. Геруа А. После войны о нашей армии.-С. 56, 74, 97, 111, 332-333). [Zurück] 84. Обручев Н.Н. О вооруженной силе и её устройстве // Военный сборник.- 1858.-Т. 1.-С. 41. [Zurück] 85. Die angeführten Bestandteile wurden schon seit langem durch das Leben hervorgebracht, doch existierten sie im zuletzt vorhandenen militärischen System in degenerierter, verfälschter Form. Daher auch die misslungenen Militärreformen. Und mit Beginn des XIX. Jahrhunderts die sinnlosen und gefährlichen Streits darüber, ob das Land eine ständige Armee oder eine Miliz benötigen würde. Und dies in einer Zeit, als in der Praxis sichtbar wurde, dass Russland sowohl die eine, als auch die andere Streitkraft benötigte, - vor allem jedoch eine echte Armee. [Zurück] 86. Siehe Quellenangabe unter Anmerkung 84. S. 45. [Zurück] 87. Сурнин А. Военное воспитание // Воин.-1922.-№ 2.-С. 16. [Zurück] 88. Bei M. O. Menschikow finden wir: "In der Oberklasse besetzt das Offizierskorps die verantwortlichste Position. Wie viel auch immer über zivile Gleichheit geschrien wird, allen ist klar, dass der Offizier in einer wesentlichen Hinsicht über dem gewöhnlichen Bürger steht. Der Offizier ist zwar auch ein Bürger, doch darüber hinaus ist ihm eine besondere, mystische gewaltige Pflicht auferlegt. Ist etwa jeder gewöhnliche Bürger bereit für sein Vaterland zu sterben? ... Offiziere sind in schlimmen Tagen, wenn die Tapferkeit des Volkes gemessen wird, die Träger des Geistes der Nation. Hierin liegt vor allem ihre Größe. In ihren Händen befindet sich ihr Los ... Alle Regierungen, außer möglicherweise sehr dummen, begreifen die außergewöhnliche Höhe der Pflicht des Offiziers und sind bemüht, das Bewußtsein dieser Größe im Volk zu wahren. Eine attraktive Uniform, Banner, Ordnung, Disziplin und Standesprivilegien – all das bewahrt die moralische Autorität des militärischen Standes. Doch kann die Regierung in dieser Hinsicht nicht alles tun. Zweifellos ist es auch erforderlich, dass das Offizierskorps selbst bestrebt ist, das ehrende Verhältnis der Gesellschaft sich gegenüber zu pflegen. Dafür gibt es ganz bestimmte Mittel. Das erste sind natürlich siegreiche Kriege als realer Beweis dessen, dass die Armee sich auf der Höhe ihrer Aufgaben befindet. Die großen Kriege Peters, Jekaterinas, Alexanders schufen den Weltruhm unser Armee und erhoben den Offiziersstand in außerordentliche Höhe. Zur großen Schande hat Russland die Traditionen seiner Siege nicht bewahrt; zusammen mit der Armee erlitt auch das Offizierskorps einen schweren Niedergang" (Меншиков М.О. Письма к ближним.-С.-Пб., 1908.-С. 681). [Zurück] 89. Модль Г.А. Государственная оборона // Военный сборник.-1914.-№ 7.-С. 24. Siehe auch: Редигер. Унтер-офицерский вопрос в главных европейских армиях.-С.-Пб., 1880.-С. 145. [Zurück] 90. Es geht nicht um einen vollständigen Übergang zu einem professionellen Typ von Streitkräften. Unter normalen Bedingungen, einen plötzlichen Zerfall der Streitkräfte Russlands ausgeschlossen, ist dazu offenbar mehr als ein Jahrzehnt erforderlich. Doch, auch bereits unter den bestehenden Verhältnissen ist es zum Zwecke der Absicherung vor verschiedenen Überraschungen und Zufällen erforderlich, eine Elitetruppe (eine Kräftegruppierung) zu besitzen, die vollständig aus professionellen Freiwilligen besteht. Zusammensetzung und Anzahl dieser Truppen können immer konkret bestimmt werden. – Siehe: Геруа А. К познанию армии.-С.-Пб., 1907.-С. 7-51 («Гвардия-школа»); Керсновский А.А. Упущенная возможность; Ш.де Голль Профессиональная армия. Пер. с франц.-М., 1935. [Zurück] 91. Маслов и. Научные исследования по тактике. Вып. II.-C. 433; Свечин А. Балканская война и резервные войска // Русская мысль.-1913.-Кн. II.-C. 45-46. [Zurück] 92. Российский военный сборник. Вып. 7 К познанию России.-С. 156, 197. [Zurück] 93. Moralische Erkenntnistätigkeit stützt sich auf Ehrlichkeit, Offenheit, Gerechtigkeit, Wahrheit, sie lehnt Unehrlichkleit, Lüge und ein Verdecken von Wahrheit ab. Schöne Legenden, das Fehlen von zuverlässigen Belegen über vorangegangene Kriege im Moment eines neuen Krieges, die Unkenntnis der Gegenwart und andere analoge «Sünden» des alten militärischen Systems führten dieses in buchstäblichem Sinne zu Zerfall und Untergang. [Zurück] 94. Савинкин А.Е. Отечествоведческая традиция в русской армии и ее современное измерение // Российский военный сборник. Вып. 4. История русской армии.-С. 305-321. [Zurück] 95. A.a.O. S. 9. [Zurück] 96. Геруа А. После войны о нашей армии.-С. 94. [Zurück] 97. Бернгарди Ф. О войне будущего Пер. с нем..-Госиздат, 1921.-С. 112. [Zurück] 98. Геруа А. После войны о нашей армии.-С. 337. [Zurück] 99. Военный сборник.-1858.-Т.1.-С. 56. [Zurück] 1995 А . Sawinkin |