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Dresdener Studiengemeinschaft SICHERHEITSPOLITIK e.V. (DSS)





Der "Krake" erdrosselt die Wilderer in See


Stand und Entwicklungsperspektiven
des Konzerns für mittel- und kleintonnagigen Schiffbau
(концерн средне- и малотоннажного кораблестроения – КСМК)

Bericht: Egbert Lemcke

Quellen:
http://nvo.ng.ru/armament/2002-06-07/6_sprut.html
http://www.mfit.ru/defensive/obzor/ob19-04-02-4.html



Im Interview gegenüber der "Nesawisimaja Gaseta" vom 07.06.2002 äußert sich der Generaldirektor des Konzerns für mittleren und kleintonnagigen Schiffbau (концерна средне- и малотоннажного кораблестроения – КСМК), Michail Cheyfitz, zu Stand und Entwicklungsperspektiven seines Konzerns.

Ausführlich vorgestellt wird das Neubauprojekt "Krake"(«Спрут») zum Schutz von Natur und maritimen Bioressourcen für den Föderalen Grenzdienst.

Daneben trifft Cheyfitz sowohl in diesem Interview, als auch bereits lt. einer Meldung von Interfax-AWN vom 15.04.02 Aussagen zu Stand und Perspektiven anderer laufender Projektfertigstellungen, insbesondere zum Stellenwert des häufig umstrittenen Wachschiffs neuer Generation "Novik".

Wenngleich die Einschätzungen von Cheyfitz sehr vordergründig für eigene Marketingambitionen seines Konzerns sprechen, lassen sie doch im Kontext der Entwicklung der letzten Monate auf erste merkliche Früchte eines Kurses auf Stabilisierung und Neuausrichtung der russischen Schiffbauindustrie insgesamt und speziell der Marinerüstung schließen.

 

Das Projekt 645S "Sprut"

Zum Projekt "Krake" sagt Cheyfitz, dass die Kiellegung dieses Projekts 6457S unter der Bezeichnung "Sprut" (спрут – Krake) am 27. Mai auf der "Jantar"-Werft in Kaliningrad erfolgte und damit erstmals ein Schiff für den Naturschutz und die Grenzsicherung gebaut werde, das ausdrücklich nicht zur Erfüllung von Gefechtsaufgaben bestimmt sei. Das Projekt 6457S solle im Gegenteil ausschließlich dem Schutz der 200-Meilen-Wirtschaftszone sowie dem Schutz der maritimen Bioressourcen dienen.

Die Notwendigkeit dafür begründe sich vor allem daraus, dass die natürlichen und biologischen Ressourcen Russlands gegenwärtig "barbarisch ausgeplündert werden". Der jährliche Schaden betrage nach vorsichtigen Hochrechnungen allein im Fernen Osten etwa 3 Mrd. Dollar. Fast täglich erfolgten in diesen Gewässern wahre Jagden auf Fischereischiffe, die sich ungesetzlich an maritimen Produkten in der ökonomischen Zone schadlos hielten. Diese Wilderei betreffe nicht nur ausländische, sondern auch einheimische Schiffe. Jedoch sei das Departement des maritimen Schutzes des Föderalen Grenzdienstes in seinem gegenwärtigen Ausrüstungsbestand an Schiffen und Booten zur Lösung dieser Aufgabe nicht in der Lage.

Das Projekt 6457S resultiere aus einer längeren Zusammenarbeit mit der Bremer Werft "Abeking&Rasmussen", die bei "Jantar" bereits mehrere Schiffe dieser Klasse in Auftrag gegeben habe. "Jantar" erfülle diesen Auftrag erfolgreich und habe bereits zwei der geplanten drei Schiffskörper an Deutschland ausgeliefert. Auf dieser Grundlage entstand die Idee, auf der Basis dieses Projektes ein eigenes Schiff zum Schutz der 200-Meilen-Wirtschaftszone zu bauen. Somit ließen sich Kosten minimieren und der Gesamtprozess für Projektierung, Expertisen und Genehmigungen über die Instanzen enorm verkürzen.

Unter Einbeziehung des Direktors des Föderalen Grenzdienstes und unter Beteiligung des Zentralen Konstruktionsbüros für maritime Technik "Almaz" in St. Petersburg gelangte man zu dem Schluss, das deutsche Projekt entsprechend der speziellen Anforderungen des russischen Föderalen Grenzdienstes zu überarbeiten.

Mit der deutschen Seite wurde eine entsprechende Vereinbarung zur Übergabe der Baudokumentation unterzeichnet. Alles in allem war der Konzern somit in der Lage, dem Föderalen Grenzdienst ein Angebot zu machen, das sich auch preislich realistisch in die festgesetzten Budgetgrenzen des Staatlichen Verteidigungsauftrags einfügt.

Zu wesentlichen technischen Charakteristika des Schiffes:

Die "Sprut" wird bei einer Länge von 66 m und einer Wasserverdrängung von 800 t über eine Tragfähigkeit von 300 t verfügen. Bei einer Marschgeschwindigkeit von 13 kn kann es eine Maximalgeschwindigkeit von 22 kn entwickeln.

Da es sich bei den Verletzern der ökonomischen Zone in der Regel um Fischereischiffe handelt, ist die "Sprut" somit jederzeit in der Lage, diese zu verfolgen und aufzubringen. Das Schiff verfügt über eine Gefriereinrichtung und kann damit die konfiszierten Produkte an Bord nehmen und in den nächsten russischen Hafen überführen.

Die "Sprut" wird über große Möglichkeiten zur Hilfeleistung und Seenotrettung und alle erforderlichen modernen Navigations-, Nachrichten und Ortungssysteme verfügen. Daneben werden durch einen leichten Bordhubschrauber (eine Modifikation der Mi-34) die Einsatzmöglichkeiten stark erweitert.

Für den Einsatz unter komplizierten Eisbedingungen wird die Außenhaut verstärkt werden.

Nach vorsichtigen Schätzungen werden allein in der fernöstlichen Region zum Schutz der Bioressourcen im Ochotskischen Meer mindestens zehn Schiffe erforderlich sein. Da diese Schiffe in erster Linie im Fernen Osten zum Einsatz kommen sollen, ist geplant, auch einen Teil der Produktion sowie Reparatur und Service dorthin zu verlagern.

 


Bedeutung und Perspektive des Projektes 12441 "Novik"         [Bild 1]   [Bild 2]

Zur häufig umstrittenen Perspektive des Wachschiffs neuer Generation "Novik" (Projekt 12441) trifft Cheyfitz folgende Aussagen:

Der Bau der "Novik" werde fortgesetzt, auch wenn das Ausrüstungstempo zu wünschen übrig lasse. Die Flottenführung würde das Schicksal dieses Projektes recht nüchtern sehen, - dies aufgrund der Notwendigkeit des Schiffes für die Flotte, insbesondere im Rahmen der in diesem Jahr anstehenden Ausschreibung zum Bau einer Fregatte dieses Typs.

Gegenwärtig laufe die Entscheidung in der Flotte darüber, ob die Notwendigkeit besteht, ein Schiff neuen Projekts zu bauen, oder besser den "Novik", der ja bereits bei "Jantar" auf Stapel liegt, als Entwicklungsbasis zu nutzen.

Cheyfitz hebt hervor, dass gegenwärtig ein Teil der Mittel, die für die Fortsetzung des Baus erforderlich sind, aus Selbstfinanzierung gewonnen werde und von der Flotte keine bedeutenden Zuflüsse erforderlich wären. Er sei tief davon überzeugt, dass der "Novik" der Flotte noch dienen werde.

"Novik" sei gegenwärtig die Entwicklungsbasis für praktisch alle wissenschaftlichen Forschungs- und Konstruktionserprobungsarbeiten. Über den Verlauf von fünf Jahren wurden in diese Arbeiten bereits mehr als 100 Mill. Dollar investiert, wie Cheyfitz in anderer Quelle äußert. Auch die Korvette "Stereguschtschij" (Projekt 20380) werde praktisch mit denselben Komplexen und Waffensystemen ausgestattet, die gegenwärtig für den "Novik" entwickelt werden. Und wenn all diese Arbeiten nicht für den "Novik" abgeschlossen werden, bleibe nach Meinung von Cheyfitz auch das Schicksal des "Stereguschtschij" sehr verschwommen. Daher vor allem werde es wichtig sein, dieses Schiff fertig zu stellen, denn es verkörpere nicht einfach ein weiteres Schiff für die Flotte, sondern die Basis zur Entwicklung vieler perspektivischer Lösungen auf dem Gebiet der Waffen-, Navigations- und Nachrichtensysteme sowie des funkelektronischen Kampfes.

 

Zur Auftragslage und Konzernentwicklung

Auf die Frage zum Stand weiterer Bauten für die Flotte informiert Cheyfitz darüber, dass sich in letzter Zeit in allen Betrieben des Konzerns die Situation bezüglich staatlicher Verteidigungsaufträge entschieden gebessert habe.

Insbesondere bei "Jantar" werden die Arbeiten zur Fertigstellung eines weiteren Großen U-Boot-Abwehrschiffes vom Projekt 11540 (internationale Klassifikation: "Korsar", russische Bezeichnung: "Jaroslaw Mudrij" – «Ярослав Мудрый») aktiv vorangetrieben. Der Grad der Fertigstellung sei bereits sehr hoch, und Mittel für die Vollendung des Baus seien vorhanden. Dies ist bereits das zweite Schiff dieses Typs von "Jantar", das erste, die "Ne-ustraschimij" («Неустрашимый») befindet sich bereits im Bestand der Baltischen Flotte. Seine taktisch-technischen Charakteristika, die sehr guten Fahrteigenschaften sowie die gute Gesamtkomposition würden es gegenwärtig zu einem der besten Großen UAW-Schiffe machen. Schiffen dieser Klasse werde auch von ausländischen Auftraggebern ein großes Interesse entgegengebracht. Aktive Konsultationen würden bereits beginnen, so dass nach entsprechenden Entscheidungen auf politischer Ebene der Konzern auch bereit sei, diesen Aufträgen nachzukommen.

Die offene Aktionärs-Schiffbaugesellschaft "Vympel" (открытое акционерное судостроительное общество «Вымпел») arbeitet im Interesse des Fцderalen Grenzdienstes, der Seekriegsflotte und des Ministeriums der RF für Zivilverteidigung, außergewöhnliche Situationen und zur Beseitigung der Folgen von Naturkatastrophen (kurz: Ministerium für Katastrophenschutz).

Das Amur-Schiffbauwerk erfülle einen großen Auftrag zur Reparatur und Modernisierung von U-Booten, die früher dort gebaut wurden, und arbeite außerdem im Rahmen der militär-technischen Zusammenarbeit zu staatlichen Verteidigungsaufträgen mit "RosOboronEksport" («Рособоронэкспорт»).

Das Schiffbauwerk in Chabarowsk baue das Raketenschnellboot "Molnja" Projekt 12421 («Молния») für die Seekriegsflotte und arbeite praktisch mit allen Machtstrukturen und Institutionen zusammen, die über Schiffe und Boote in ihrer Bewaffnung verfügen.

Der Hauptprojektant, das zentrale Konstruktionsbüro "Almaz", erfülle einen sehr großen Verteidigungsauftrag, denn hier werden die Korvetten projektiert, die in der "Nordwerft" gebaut werden, die Minenräumschiffe, die in dem Schiffbauwerk Sredne-Nevskij gebaut werden, sowie andere Schiffe, deren Kiellegung künftig im Konzern geplant sei.

Abschließend betont Cheyfitz: "Insgesamt hat sich in den vergangenen 1,5 – 2 Jahren der Umfang staatlicher Verteidigungsaufträge in unseren Betrieben entschieden erhöht."

 

 

Weitere Informationen und Quellen zu dieser Thematik:

Die Bremer Werft Abeking&Rasmussen baut die 3 Patrouillenboote für die deutsche Küstenwache (BGS), die in Westeuropa unter der Bezeichnung Offshore patrol vessels (OVP) laufen.

http://www.abeking.com

Eine ausführliche Beschreibung zu Vorgeschichte, Bau und Projektvarianten der Korvette "Stereguschtschij" Projekt 20380

http://vmk.vif2.ru/ships/Russia/Frigates/KOR_Proect_20380/history2.html



Quelle:   www.flot.da.ru [Zurück]



Quelle:   www.flot.da.ru [Zurück]





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