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Dresdener Studiengemeinschaft SICHERHEITSPOLITIK  e.V.   (DSS)





Wachsende Gefahren von See und aus ozeanischen Richtungen


Bericht: Egbert Lemcke, 30.03.2003

Der folgende Bericht basiert auf einem Vortrag des Chefs des Hauptstabes der Seekriegsflotte Russlands, Admiral Viktor Kravtschenko, zur Jahresversammlung der russischen Akademie der Militärwissenschaften am 18. Januar 2003.
Die Veranstaltung hatte erstmals seit ihrer Gründung vor 8 Jahren einen thematischen Rahmen -- zur Erörterung stand: "Der Charakter künftiger Kriege". Der Vortrag wurde in "Nesawisimoje wojennoje obosrenije" Nr. 3(318) vom 31.01.2003 veröffentlicht.

Quelle:   http://nvo.ng.ru/concepts/2003-01-31/4_kravchenko.html


Admiral Kravtschenko vertritt die Auffassung, dass der Verzicht auf strategische Handlungen auf ozeanischen Kriegschauplätzen verfrüht wäre. Er benennt "reale Gefahren für Russland aus seeseitigen und ozeanischen Richtungen", trifft Bewertungen der Seestreitkräfte der führenden Staaten der Welt und formuliert Aufgaben und Besonderheiten des Einsatzes der eigenen Flottenkräfte.

Kravtschenko führte aus:

Die geopolitische Situation um Russland werde in der nächsten Perspektive von Dynamik, Instabilität und Anspannung in allen strategischen Richtungen, in denen die Voraussetzungen zur Entstehung neuer Krisen und zur Eskalierung bereits bestehender militärischer Konflikte bestehen, gekennzeichnet sein.

Gefährdungen in kurz- und mittelfristiger Perspektive

Es bestehe die Möglichkeit eines reales Verlustes der Kontrolle über ein maritimes Territorium des Staates in einer Gesamtfläche von etwa 10 Mill. km2 , auf das andere Staaten entweder einzeln oder im Bestand verschiedener Koalitionen und Organisationen Anspruch erheben würden. Diese Gefahr könnte sich beispielhaft in praktisch allen an Russland grenzenden Meeren ergeben: der Barentssee, der Ostsee, dem Schwarzen Meer, dem Kaspischen Meer, dem Japanischen Meer, dem Ochotskischen Meer und dem Beringmeer. Daneben gebe es Probleme mit der international-rechtlichen Festlegung der staatlichen Seegrenzen, der Territorialgewässer, der exklusiven Wirtschaftszone und des Kontinentalschelf.

Bereits jetzt sei es unmöglich, eine sichere ökonomische Tätigkeit Russlands bezüglich der Fischerei, der Schifffahrt und der Öl- und Gasförderung in vollem Maße zu gewährleisten. Landseitig würde Russland lediglich an 18 Staaten angrenzen, während es über See mit 127 Staaten verbunden sei, wobei die Seeverbindungen zum Teil durch für die Schifffahrt gefährliche Gebiete verlaufen würden. So hätte sich in der Barentssee und der Norwegensee in den vergangenen 2-3 Jahren die Anzahl russischer Fischereischiffe, die durch Schiffe des norwegischen Küstenschutzes aufgebracht wurden, fast verfünffacht. Allen wäre auch das Aufbringen russischer Tanker im Persischen Golf in Erinnerung. All dies wertet Kravtschenko als direkte Folge der fehlenden Präsenz der russischen Flotte in strategisch wichtigen Gebieten der Weltmeere.

In den letzten Jahren wären außerdem deutliche Bestrebungen nach Ausweitung ihrer Einflusssphären nicht nur der USA zu beobachten, sondern auch solcher Länder, wie Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Italien, Türkei, Japan, Belgien, Republik Korea und China. Aktiv beansprucht werden Seegebiete, die an das Territorium der RF angrenzen und früher für die Seestreitkräfte anderer Staaten unerreichbar waren, dabei auch der russische Sektor der Arktis, der Ostsee und des Schwarzen Meeres.

Zum Zustand der Seestreitkräfte der führenden Staaten der Welt

Bezüglich der Streitkräfteentwicklung anderer Staaten sei eine entschiedene Verstärkung ihrer maritimen Komponenten zu beobachten. Die nächsten Nachbarn – China, die Türkei und Japan würden bereits über mit Russland vergleichbare Flottenkräfte verfügen. Es sei hervorzuheben, dass alle führenden Staaten in Ost und West über langfristige wissenschaftlich begründete Programme ihrer Flottenmodernisierung verfügen, die auch durch entsprechende Budgetmittel abgesichert seien. In den industriell entwickelten Staaten betrage der Anteil der Seestreitkräfte am allgemeinen Verteidigungsbudget zwischen 20 und 30%. Ein weiteres Charakteristikum bestünde darin, dass sich bis 2010 bei den führenden Seemächten keine bedeutenden zahlenmäßigen Veränderungen der Flottenkräfte vollziehen, doch die Gefechtsmöglichkeiten der Flotten in Ost und West sich um das 1,5 – 2fache erhöhen würden.

Der Einfluss der seeseitigen Gefährdungen auf die nationalen Interessen Russlands werde in nächster Zeit ansteigen. So werde nach Einschätzung vieler einheimischer und westlicher Spezialisten das Weltmeer im XXI. Jahrhundert zur wichtigsten Quelle ökonomischer Entwicklung werden. Die maritime Wirtschafttätigkeit könne zu Konfrontationen von globalem Ausmaß führen.

Die Seestreitkräfte der führenden Staaten der Welt spielten an der Schwelle zum XXI. Jahrhundert bei militärischen Konflikten die entscheidende Rolle. Erinnert sei an die Falklandinseln, den Persischen Golf, den Balkankonflikt, Afghanistan. Diese Rolle werde künftig weiter anwachsen. Angesichts dessen, dass die Seestreitkräfte eines der wichtigsten Instrumente der Außenpolitik und des militärischen Drucks auf nicht freundschaftlich gesinnte Staaten weltweit seien, seien bereits heute Seestreitkräftegruppierungen in der Lage, aus einer Entfernung von bis zu 600 Meilen vor der Küste Kampfhandlungen über 200 und mehr Meilen ins Landesinnere zu tragen.

Die Effektivität des Gefechtseinsatzes einzelner Waffengattungen der Seestreitkräfte der USA habe sich in den vergangenen 10 Jahren um ein Mehrfaches erhöht. Gegenwärtig seien in Seegebieten und Zonen, die an das Territorium Russlands angrenzen, ständig Kräfte der USA, der NATO-Staaten und ihrer Verbündeten in einem hohen Bereitschaftsgrad entfaltet. Der Kampfbestand dieser Gruppierungen ließe sich wie folgt beziffern: bis zu 12 strategische Raketen-U-Boote (260 seegestützte strategische Raketen und 2200 nukleare Gefechtsköpfe), 3-4 Trägerschlaggruppen (bis zu 300 bordgestützte Schlagflugzeuge), 26 Träger von Flügelraketen "Tomahawk", die über 600 Kernsprengköpfe transportieren können.

Gegenwärtig befänden sich täglich über 130 Überwasserschiffe und U-Boote von 16 – 20 Staaten im Gefechtsdienst und zum Schutz der Territorien sowie zur Demonstration der Staatsflagge auf den Weltmeeren. Bei Gefahr eines regionalen und umfassenden Krieges können die Seestreitkräftegruppierungen der USA und ihrer Verbündeten in kurzer Zeit bedeutend verstärkt werden. So könne allein die Anzahl der Träger von seegestützten Flügelraketen "Tomahawk" auf 30 – 40 Einheiten erhöht werden mit einem Kampfsatz in See von bis zu 1000 Flugkörpern.

Im Falle eines umfassenden Krieges seien die Streitkräfte der USA und ihrer Verbündeten in der Lage, ihre Kräfte auszuweiten und das Gefechtspotenzial an seegestützten strategischen Kernwaffenkräften zu erhöhen auf bis zu 20 Atom-U-Boote mit ballistischen Raketen (ПЛАРБ), bei allgemeinen Kräften sei eine Erhöhung um das Zwei- bis Dreifache zu erwarten. Möglich wäre eine Steigerung auf bis zu 9 Trägerschlaggruppen und 100 Träger von Flügelraketen "Tomahawk" mit insgesamt bis zu 2000 Flugkörpern.

Wenn die Dauer der Spannungsperiode heute nach russischen Einschätzungen 50 – 60 Tage betrage, so werde sich diese in nächster Zeit mit der Einführung von Kampfschiffen in die Streitkräfte der USA mit einem Kampfsatz von bis zu 150 "Tomahawk" entschieden reduzieren. Zu beachten sei außerdem, dass im Unterschied zu Landkriegsschauplätzen, auf denen es mitunter über viele Tage zu keiner direkten Gefechtsberührung mit gegnerischen Kräften komme, auf See sofort ab Beginn des Konfliktes aktive Gefechtshandlungen geführt werden.

Im Falle von Kampfhandlungen gegen Russland würden diese von intensivem Charakter unter massenhaftem Einsatz von Präzisionswaffensystemen sein, von denen mindestens die Hälfte von maritimen Trägern stammen würden. Seeseitige Schläge würden mit Luftangriffsmitteln geführt werden: von den Fliegerkräften der Seestreitkräfte, den Luftstreitkräften und durch luft- und seegestützte Flügelraketen auf praktisch die gesamte Tiefe des Küstenstreifens mit einer Konzentration der Hauptanstrengungen auf die wichtigsten Objekte. Dazu würden vor allem Kommando- und Führungspunkte zählen, Objekte der Führungs- und Nachrichtensysteme, der Luftverteidigung, der Gefechts-, rückwärtigen und technischen Sicherstellung, wie auch auf Objekte der Energie- und Wasserversorgung, Transportverbindungen u.a.

Gefechtshandlungen würden gleichzeitig in allen Sphären unter aktivem Einsatz der Mittel des funkelektronischen und Informationskrieges geführt werden. Ein hohes Tempo der Gefechtshandlungen würde aufrechterhalten durch den Vorteil eines hohen Führungstempos, durch den Einsatz von hocheffektiven Nachrichten-, Aufklärungs- und Beobachtungsmitteln, sowie anderer Arten der Gefechts- und rückwärtigen Sicherstellung.

Zu den Aufgaben der Seekriegsflotte Russlands

Um über die Möglichkeit zu einer adäquaten Reaktion auf die Lageentwicklung in strategisch wichtigen Gebieten zu verfügen, müsse Russland nicht nur über maritime strategische Kernwaffenkräfte verfügen, sondern auch über entsprechende Gruppierungen von Seestreitkräften allgemeiner Bestimmung, die in strategischen Räumen und Seegebieten entfaltet sind. Durch die militär-politische Führung Russlands seien der Seekriegsflotte entsprechende Aufgaben in Friedens- und Kriegszeiten gestellt worden. Der Inhalt der Gefechtsaufgaben, die Rangfolgen und ihre Entscheidungsebenen hingen vor allem ab von Art und Maßstab der Gefechtshandlungen, von den Kräftezusammensetzungen, vom Vorhandensein der Gefechtsmittel, von den Kräften des wahrscheinlichen Gegners, den geografischen Bedingungen und der Jahreszeit.

In Friedenszeiten erfülle die Seekriegsflotte Russlands im Rahmen strategischer und nichtstrategischer Zügelung den gesamten Komplex der ihr gestellten Aufgaben in den operativ wichtigen Gebieten der Weltmeere:

  • Sie führt Aufklärungs- und Informationshandlungen aus.
  • Sie gewährleistet die Sicherheit der strategischen Handlungen des Staates, der militärisch-maritimen Präsenz durch die Übernahme von Gefechtsdienst und Gefechtsbereitschaftsdienst.
  • Sie erfüllt friedensschaffende Funktionen in Form der Seeblockade von Gebieten (Zonen) eines bewaffneten Konfliktes.
  • Sie erweist bei Notwendigkeit den Truppen und Organen des Innenministeriums Russlands Hilfe.
  • Sie gewährleistet die Bewachung und den Schutz der Staatsgrenze.
  • Sie wird mit den maritimen strategischen Kernwaffenkräften am Bestand der Mittel zur Gewährleistung von nuklearer Zügelung beteiligt sein.

Die Aufgaben werden gleichzeitig durch die Kräfte und Truppen der Flotten in allen Einsatzgebieten gelöst: in der ozeanischen Zone, in fernen und nahen Seegebieten.

Dabei sei zu unterstreichen, dass bis zum Beginn eines militärischen Konfliktes vor allem die Flottenkräfte das effektivste Mittel der Zügelung eines wahrscheinlichen Gegners sein können, durch direktes Ausüben von Druck, Demonstration von Stärke auf See, um somit einen Gegner zur Einhaltung von internationalen Abkommen oder von Resolutionen des UNO-Sicherheitsrates zu zwingen und auf die Anwendung von Gewalt zu verzichten. Daneben gewährleistet die Flotte die Verlegung von Truppen zur Verstärkung von im Einsatz befindlichen und geschaffenen Gruppierungen, führt eine ökonomische Seeblockade eines potenziellen Gegners aus, führt die Aufklärung im Interesse der ins Krisengebiet überführten Truppenkontingente, gewährleistet humanitäre Hilfe der Bevölkerung und ihre Evakuierung.

Genau dieser Handlungsalgorithmus sei gegenwärtig von Seiten der Seestreitkräfte der USA und ihrer Verbündeten bei der Vorbereitung ihrer Gefechtshandlungen gegen den Irak zu beobachten. Dies unterstreiche nochmals Bedeutung und Notwendigkeit der Flottenentwicklung unter modernen Bedingungen. Die Spezifik des Seeraumes schaffe ideale Bedingungen zur ungehinderten Basierung von Kräften in einer beliebigen Region. Darum werde die Absicherung der globalen Interessen der führenden Staaten der Welt auch künftig wesentlich durch die Stärke ihrer Seestreitkräfte bestimmt.

Zu den Besonderheiten des Einsatzes

Zu den Grundformen des Einsatzes der Kräfte und Truppen der Flotte im modernen Krieg werden gezählt:

  1. der Schlag;
  2. das Gefecht;
  3. die Seeschlacht;
  4. Gefechtshandlungen und systematische Gefechtshandlungen;
  5. die Flottenoperation auf dem ozeanischen Kriegsschauplatz und in der Meereszone;
  6. die Seeoperation zur Vernichtung von Träger- und anderen Schlaggruppierungen des Gegners, zur Suche und Vernichtung von U-Booten des Gegners, zur Zerstörung der See- und ozeanischen Verbindungen des Gegners, zur Gewährleistung der Gefechtsstabilität der maritimen strategischen Kernwaffenkräfte, zur Verteidigung der eigenen Basierungsräume und Seeverbindungen, zum Legen von Minensperren;
  7. strategische Handlungen und Operationen auf dem ozeanischen Kriegsschauplatz.

Die Grundform des Einsatzes der Flotte in lokalen Kriegen und militärischen Konflikten unterschiedlichen Maßstabs sowie in einem umfassenden Kriege seien Gefechtshandlungen. Eine selbständige Flottenoperation wäre die höchste Form des Einsatzes der Kräfte einer jeden Flotte zur Lösung von Aufgaben operativen und operativ-strategischen Maßstabs. Außerdem sei die Flottenoperation Bestandteil einer strategischen Luft-Kosmos-Operation bei strategischen Handlungen der Streitkräfte auf dem Kriegsschauplatz. Nicht auszuschließen wäre, dass die Nord- und Pazifikflotte in Abhängigkeit vom Maßstab der Gefechtshandlungen im Rahmen einer ersten Operation auch Seeoperationen durchführen könnten.

Besondere Aufmerksamkeit sei bei der Vorbereitung auf Gefechtshandlungen in lokalen Kriegen und bewaffneten Konflikten der Ausführung von See- und Lufttransporten von Truppen und Technik zu widmen, der Ausführung von Landungen, der Führung des Minenkrieges, der Gewährleistung der Sicherheit der eigenen Seeverbindungen und der Evakuierung der Bevölkerung.

Die Einheiten und Truppenteile der Marineinfanterie kämen bei Seelandungen, bei der Verteidigung eines Küstenabschnitts, im Zusammenwirken mit Gruppierungen der Landstreitkräfte, sowohl in der Verteidigung, als auch bei Angriffshandlungen in Küstenrichtungen zu Einsatz. In Abhängigkeit von der Entfernung des Konfliktgebietes zum Territorium Russlands könnten Bedeutung und Rolle der Flottenkräfte variieren: zwischen Sicherstellungsaufgaben im küstennahen Gebiet bis hin zu einer bestimmenden Rolle auf fremdem Territorium - in entfernten Meeres- und ozeanischen Gebieten.

Bezüglich der Besonderheiten der Führung eines Konfliktes großen Ausmaßes wird betont, dass die erfolgreiche Durchführung einer strategischen Luft-Kosmos-Operation sich auf Verlauf und Ausgang eines Krieges auswirken könne. Ihre Resultate würden entscheidend sein und sich in einigen Fällen unmittelbar auf die Erreichung des Kriegsziels auswirken.

Während der Beteiligung an einer Luft-Kosmos-Operation hätten die Kräfte und Truppen der Seekriegsflotte zwei grundlegende Aufgaben zu lösen:

  • Erstens, die Vernichtung der Luft-Kosmos-Angriffsmittel des Gegners in allen Sphären: in der Luft, auf dem Land und auf See.
  • Zweitens, der Schutz der wichtigsten staatlichen und militärischen Führungspunkte und der Wirtschaftobjekte vor Schlägen durch Luftangriffsmittel des Gegners.

Insbesondere die Erfüllung dieser letzteren Aufgabe wäre für die Kräfte und Mittel der Seekriegsflotte charakteristisch, die im Kaliningrader Gebiet und auf Kamtschatka disloziert seien.

Ausführlicher wird auf die Methoden und Formen der Lösung der ersten Aufgabe durch die Flottenkräfte eingegangen. Die Erfüllung dieser Aufgabe der Flotte erfolge in der Regel in Form einer Seeoperation durch die Flottenkräfte im Zusammenwirken mit anderen Teilstreitkräften. Erinnert wird hier an die Grundarten einer Seeoperation: die Operation zur Vernichtung der Schlaggruppierungen des Gegners (der Trägerschlaggruppen und der operativen Raketengruppen); die Operation zur Suche und Vernichtung der Raketen-U-Boote; zur Zerstörung der See- und ozeanischen Verbindungen.

Zur Durchführung von Seeoperationen zur Vernichtung von Flugzeugträgern und anderen Schiffen des Gegners könnten U-Boote, Überwasserschiffe und Marinefliegerkräfte herangezogen werden. Die führende Rolle bei der Lösung der Hauptaufgabe - der Vernichtung von Flugzeugträgern - komme der U-Bootflotte und den Marinefliegerkräften zu. Gleichzeitig jedoch seien gegenwärtig weder Marinefliegerkräfte noch U-Boote selbständig in der Lage, die Aufgabe der Vernichtung von Trägerschlaggruppen zu lösen. Dies könne nur im engen Zusammenwirken mit anderen Teilstreitkräften, vor allem mit den Luftarmeen der Luftstreitkräfte und der Luftverteidigung erreicht werden.

Gleichzeitig zeige die Erfahrung der operativen und Gefechtsausbildung der Flotten, dass die Durchführung von Seeoperationen auch zur Lösung anderer Aufgaben möglich sei. Insbesondere könne auch eine Minenlegoperation als Seeoperation durchgeführt werden.

Die Schaffung bestimmter Gruppierungen von Kräften und Truppen im Kaliningrader Gebiet unter Führung des Flottenkommandos bedinge die Operation eines vereinten Kommandos zur Lösung des gesamten Komplexes von Aufgaben als Einsatzform der Vereinigung von Kräften und Truppen der Flotte.

Traditionelle Form des Einsatzes der Flottenkräfte bleibe die Operation einer Flottille verschiedenartiger Kräfte als höchste Einsatzform dieser Kräfte bei der Lösung von Aufgaben operativen Maßstabs. Die Operation einer Flottille verschiedenartiger Kräfte werde selbständig durchgeführt oder im Zusammenwirken mit Verbänden, Truppenteilen und Einheiten anderer Teilstreitkräfte in der ihr zugewiesenen operativen Zone.

Ein besonderer Stellenwert beim Einsatz der Kräfte der Seekriegsflotte komme den maritimen strategischen Kernwaffenkräften im Rahmen einer Operation der strategischen Kernwaffenkräfte zu. Außer den strategischen Raketen-U-Booten würden hierzu Truppenteile und Einheiten der Flotte herangezogen werden, die strategische Kernwaffen in ihrer Bewaffnung führen, wie insbesondere die U-Boote mit Flügelraketen. Entsprechend würden die Gefechtshandlungen dieser Verbände von Einheiten zu einem Bestandteil einer Operation der Strategischen Kernwaffenkräfte werden.

Als höchste Einsatzform der Seekriegsflotte werden strategische Handlungen auf dem ozeanischen Kriegsschauplatz (strategische Operation auf dem ozeanischen Kriegsschauplatz) betrachtet. Gegenwärtig wird die Durchführung von strategischen Handlungen der Seekriegsflotte auf ozeanischen Kriegsschauplätzen in vollem Maßstab aufgrund des Fehlens von Kräften in entfernten Meeres- und ozeanischen Zonen als wenig wahrscheinlich angesehen. Erforderlich wären außerdem Kräfte und Mittel der rückwärtigen und technischen Sicherstellung. Auch wären die Führungssysteme für die Kräfte in entfernten Gebieten unzureichend entwickelt. Gleichzeitig wären jedoch angesichts der rasanten Entwicklung von Präzisionswaffen selbst zahlenmäßig begrenzte in entfernten Gebieten der Weltmeere handelnde Flottenkräfte unter bestimmten Bedingungen in der Lage Aufgaben zu lösen, die das Erreichen strategischer Ziele ermöglichen. Aus diesem Grunde wäre es verfrüht, auf die Ausarbeitung einer solchen Einsatzform der Seekriegsflotte, wie die strategischen Handlungen auf dem ozeanischen Kriegsschauplatz, zu verzichten.



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