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Dresdener Studiengemeinschaft SICHERHEITSPOLITIK  e.V.   (DSS)





Günter   L e h m a n n


Finnland -- Militärpolitik im Schatten einer Großmacht

(Das kleine Finnland führte drei Kriege ...)



Inhaltsübersicht



I n h a l t s ü b e r s i c h t


Titel     •     Vorwort     •     Kurzer historischer Rückblick

Unabhängigkeitserklärung -- Unabhängigkeitskrieg    •     Finnische Sicherheitspolitik bis zum II. Weltkrieg

Die diplomatische Vorgeschichte des Winterkrieges     •     Der Winterkrieg zwischen Finnland und der Sowjetunion

Außenpolitische und internationale Aspekte des Verlaufes und der Beendigung des Winterkrieges

Über die Haltung einzelner Länder zum Winterkrieg     •     Der Weg zum Friedensvertrag und seine Folgen

Nachwort -- Bewertung     • • •     Die Fortsetzung des Krieges als Vasall Deutschlands ("Fortsetzungskrieg")

Finnlands Rolle bei der Vorbereitung des Überfalls auf die UdSSR

Der deutsche Aufmarsch in Finnland und der Beginn des Überfalls

Die Kriegsziele Finnlands.     •     Der Beginn der Kampfhandlungen an der finnisch-sowjetischen Front

Finnlands Rückzug aus dem II. Weltkrieg     • • •     Schlußbemerkungen



Verwendete Literatur     • • •     K a r t e n s k i z z e n :

1: Finnlands Unabhängigkeitskrieg   -- [Februar bis Mai 1918]

2a, 2b: Winterkrieg UdSSR - Finnland   -- [November 1939 bis März 1940]

3a, 3b: Fortsetzungskrieg Deutschland/Finnland - UdSSR   -- [Juni bis Dezember 1941]






Günter   L e h m a n n

Finnland -- Militärpolitik im Schatten einer Großmacht

(Das kleine Finnland führte drei Kriege ...)

(Konspekt eines Vortrages, gehalten im Dezember 1989 aus Anlaß des 50. Jahrestages des Winterkrieges zwischen der UdSSR und Finnland, vor den Mitarbeitern der Botschaft der DDR in Finnland.)

<Inhaltsübersicht>


    (Diese Ausarbeitung entstand, als die DDR schon in den letzten Zügen lag und man bereits offener als bis dahin über bestimmte Fragen der Militärpolitik sprechen konnte. Sie ist auch die einzige, die von den früheren Vorgaben zu diesem Thema abweicht. Noch ein Jahr zuvor hätte man dieses Thema so nicht abhandeln können, ohne in Ungnade zu fallen.
    Von allen Ausarbeitungen, die ich während meiner langen Dienstzeit in der NVA niedergeschrieben habe, ist mir nur eine, und zwar diese letzte, geblieben. Alle vorangegangenen erhielten einen Geheimhaltungsgrad und verschwanden in den VS-Stellen und Archiven.)


 

Vorwort

Im Mittelpunkt meiner Betrachtungen sollte der sogenannte Winterkrieg stehen. Das Thema reizte mich, da man während meines Studiums an der Akademie der Sowjetischen Luftstreitkräfte den Winterkrieg im Lehrfach Kriegsgeschichte geflissentlich übergangen hatte. Nachdem ich in Finnland Militärattaché geworden war stellte ich fest, daß dieses Thema nicht nur für das finnische Militär, sondern für alle gesellschaftlichen Kräfte Finnlands entscheidende Bedeutung für die aktuellen Beziehungen zur UdSSR hatte. Das brachte mich dazu, mich etwas umfassender mit diesem Thema zu befassen. Sehr schnell stellte ich dabei fest, daß man den Winterkrieg nicht als Ereignis an sich, sondern nur eingebettet in den Prozeß der Herausbildung Finnlands als selbständiger Staat und in den Kampf um seine Erhaltung bis heute betrachten kann. Deshalb wurde es schließlich auch ein Konspekt über drei Kriege. In Anlehnung an eine literarisch-historische Vorlage könnte man feststellen: "Das kleine Finnland führte drei Kriege ..." Der Unterschied zu dieser Vorlage besteht nur darin, daß das große Karthago nach dem dritten Krieg nicht mehr auffindbar war, Finnland dagegen als anerkannter Staat weiterhin existierte.

Ausgangspunkt meiner Untersuchung war eine Aussage über den Winterkrieg, die ich im Militärlexikon der DDR fand. Dort konnte man folgendes lesen:

"Mit Hilfe des Weltimperialismus provozierten militante finnische Reaktionäre einen Krieg gegen die Sowjetunion (30.11.39 - 12.03.40), den Frankreich, Großbritannien und andere kapitalistische Länder mit Waffenlieferungen und durch Entsendung von Freiwilligen unterstützten. Die anglo-französischen Generalstäbe bereiteten den Einsatz regulärer Verbände und eine Landung in Norwegen vor. Der Krieg endete im März 1940 mit einem Friedensvertrag, der die Sicherheit von Leningrad und Murmansk gewährleistete."

Dies ist eine offensichtliche Geschichtsfälschung und fordert von jedem interessierten Betrachter eine Hinterfragung zur Ergründung der Wahrheit. Wie sich mir der Winterkrieg darstellte und wie er zu bewerten ist, werde ich später formulieren.


Kurzer historischer Rückblick

Die finnische Geschichte vollzog sich über Jahrhunderte im Spannungsfeld der beiden Ostseemächte Schweden und Rußland. In der Zeit um 1150 begann mit dem 1. Schwedischen Kreuzzug unter König Erik die Christianisierung Finnlands und damit seine Einverleibung in das schwedische Reich. Die schwedische Herrschaft über Finnland dauerte bis 1809 und war immer wieder von militärischen Auseinandersetzungen mit Rußland gekennzeichnet. Seit Peter I. seine Hauptstadt an der Newa errichtete, betrachtete man in Rußland Finnland als eine Gefahr für die russische Sicherheit. Peter brachte das mit den Worten zum Ausdruck, Rußland sei erst dann sicher, wenn seine Grenze am Bottnischen Meerbusen liege. Nach einer militärischen Niederlage im Krieg gegen Rußland mußte Schweden Finnland an Rußland abtreten, und damit war dieses Ziel erreicht. Von 1809 bis 1917 existierte Finnland als Großherzogtum, mit einer relativ starken Autonomie, innerhalb der zaristischen Monarchie.

In dieser Zeit erfolgte die Herausbildung der finnischen Nation. Vor allem nach der Jahrhundertwende, als der russische Zar mit der Russifizierung Finnlands begann, entstanden starke Bestrebungen für eine nationale Selbständigkeit. Ein finnischer Literat kleidete diese Erscheinung in folgende Worte: "Schweden sind wir nicht mehr, Russen wollen wir nicht werden – also laßt uns Finnen sein."


Unabhängigkeitserklärung -- Unabhängigkeitskrieg

Die revolutionären Ereignisse von 1917 in Rußland, die zum Sturz der provisorischen Regierung und zur Machtübernahme durch die Bolschewiki führten, griffen auch auf Finnland über. Bei den im Herbst in Finnland durchgeführten Parlamentswahlen siegten die Konservativen. Als Präsident amtierte Svinhufvud, ein deutschfreundlicher konservativer Politiker. Am 06.12.1917 verabschiedete das Parlament eine Unabhängigkeitserklärung, die am 04.01.1918 von Lenin anerkannt wurde. Darauf folgte die Anerkennung durch Schweden, Deutschland, Frankreich, Ungarn, Norwegen und Dänemark. Finnland besaß zu diesem Zeitpunkt keine Polizeikräfte. Die russische Polizei war aufgelöst. Es besaß auch keine Armee. Im Zusammenhang mit den revolutionären Unruhen hatten sich in Finnland zwei inoffizielle Militärorganisationen herausgebildet: die Roten Garden, vorrangig in den Industriegebieten, und die Weißen Garden in den ländlichen Gebieten.

Die Roten Garden wurden von revolutionären Soldaten der noch in Finnland stationierten russischen Armee unterstützt. Das waren nicht wenige, denn in Finnland befanden sich 42 000 Soldaten in den Garnisonen und 20 000 Matrosen auf Schiffen und in Häfen. Am 13. Januar beschloß die Regierung die Umwandlung der Weißen Garden in nationale Polizeikräfte und legte die Verwirklichung dieses Beschlusses in die Hände des aus der zaristischen Armee heimgekehrten Generalleutnant Mannerheim. Mannerheim trat jedoch für die Schaffung nationaler Streitkräfte zum Schutz der Unabhängigkeit und zur Vertreibung der russischen Truppen ein.

Mannerheim benennt Vaasa zur Basis der zu schaffenden Streitkräfte. Nach Mannerheim hatte Vaasa dazu die besten Voraussetzungen:

- eine fortgeschrittene Organisation der Weißen Garden;
- einen Hafen mit Seeverbindung nach Schweden;
- einen Eisenbahnknotenpunkt mit mehreren Verbindungen ins Innere Finnlands.

Wer auf Mannerheim setzte zeigt am deutlichsten die Tatsache, daß er innerhalb von 24 Sunden 15 Mio. Mark auf einer Bank in Vaasa zu seiner Verfügung hatte. Freiwillige standen für den Aufbau der Streitkräfte genügend zur Verfügung, es fehlten aber Offiziere. Da warb man für die Besetzung von Offizierspositionen auch Freiwillige in Schweden.

Mannerheim erkannte mehrere Aufgaben, die gleichzeitig zu realisieren waren:

  • die Entwaffnung der russischen Garnisonen, die noch im Januar begann;
  • der Kampf mit den Roten Garden und den sie unterstützenden russischen revolutionären Soldaten und Matrosen;
  • die Schaffung und Ausbildung militärischer Einheiten.

Er löste diese Aufgaben mit Umsicht, so daß der Unabhängigkeitskrieg, der am 27. Januar 1918 begonnen hatte, bereits am 16. Mai des gleichen Jahres mit dem Einmarsch in Helsinki beendet war. In seiner Ansprache in Helsinki erklärte Mannerheim: "Nur ein Volk, daß sich selbst helfen kann, kann mit Überzeugung in die Zukunft sehen."

(Anlage: Kartenskizze Unabhängigkeitskrieg)


Für diesen relativ schnellen Sieg der Weißen spielten die folgenden zwei Faktoren eine nicht unwesentliche Rolle:

1.  Die Formierung der weißen Regierungstruppen erfolgte mit unter der Führung von militärischen Kadern aus der sogenannten Jägerbewegung. Diese entstand zu Beginn des I. Weltkrieges und bestand darin, daß finnische Freiwillige zu einer militärischen Ausbildung nach Deutschland gingen und dort im 27. Preußischen Jäger-Bataillon zusammengefaßt wurden. Nach ihrer Ausbildung sollten diese Jäger an der Spitze eines Befreiungskrieges gegen das zaristische Rußland stehen. Im Jahre 1917/18 war der Zeitpunkt gekommen, dieses Vorhaben umzusetzen, und die "Jäger" kamen nach Finnland zurück – manche auf sehr abenteuerlichen Wegen: einige wurden z. B. von einem deutschen U-Boot an Land gesetzt. Auch zum Zeitpunkt des Winterkrieges waren einige dieser "Jäger" noch in führenden Positionen der finnischen Armee.

2.  Die Weißen Truppen wurden nicht unwesentlich durch ein deutsches Expeditionskorps unterstützt, das auf Bitte von Präsident Svinhufved, aber gegen den Willen von Mannerheim, in Finnland zum Einsatz kam. In einem Telegramm an den deutschen General Ludendorf, zur Information des deutschen Kaisers, stellte Mannerheim für seine Zustimmung zum Einsatz deutscher Truppen folgende Bedingungen:

  • Einsatz nur unter finnischem Kommando;
  • kein Eingreifen in innere finnische Angelegenheiten, nur Unterstützung zur Vertreibung ausländischer Interventen (russische Truppen).

Gleichzeitig ergriff Mannerheim Maßnahmen, damit die entscheidende Schlacht gegen die Roten Garden und die russische Garnison im Raum Tampere vor der Anlandung der deutschen Kräfte geschlagen war.

Das deutsche Expeditionskorps bestand aus drei Komponenten:

  • dem 14. Jäger-Batallion "Mecklenburg", im Bestand von 900 Mann, das am 05.03.18 die Aland-Inseln besetzte; (dort kam es zu einem Aufeinandertreffen mit von Finnland nicht eingeladenen "Gästen", denn auch Schweden hatte Truppen auf Aland angelandet;)
  • der Ostsee-Division unter General-Major von der Goltz im Bestand von 9 000 Mann und 18 Geschützen, angelandet in Hank, Vormarsch in Richtung Helsinki, Einmarsch in Helsinki am 12.04.; danach Vorstoß in Richtung Riihimäki und Hämenlinna zur Vertreibung der nach Osten zurückflutenden Roten Garden und russischen Truppen;
  • der Brigade "Brandenstein" im Bestand von 3 000 Mann und 8 Geschützen, übergesetzt von Reval (Tallin) nach Loviisa, Abriegelung Helsinki vom Osten mit anschließendem Vormarsch in Richtung Lahti mit gleicher Aufgabe wie die Ostsee-Division.

Damit trat Deutschland als dritter Staat in den Kampf um Einfluß auf Finnland ein. In der Auseinandersetzung um die Staatsform Finnlands erhielten monarchistische Kräfte kurzzeitig eine Mehrheit. Diese wählten am 09.10.1918 den deutschen Prinzen Friedrich Karl von Hessen zum König von Finnland. Mit dem Zusammenbruch des deutschen Kaiserreiches in der Novemberrevolution 1918 verzichtete dieser jedoch im Dezember des gleichen Jahres auf die finnische Krone, und das Land entwickelte sich zur Republik nach dem Muster westeuropäischer Staaten.

>Nach Beendigung des Unabhängigkeitskrieges im eigenen Lande beteiligten sich weiße finnische Freiwilligeneinheiten am Kampf gegen die Sowjetmacht in Estland und Sowjet-Karelien. Außerdem versuchten die konterrevolutionären weißgardistischen Truppen Rußlands Finnland als Basis im Bürgerkrieg zu nutzen. So hatte der weißgardistische General Judenitsch 1919 seine Residenz in Helsinki. Er wurde von Mannerheim jedoch nur halbherzig unterstützt. So weigerte dieser sich z.B., an einer militärischen Aktion gegen Petersburg teilzunehmen. Ursache für dieses Verhalten Mannerheims war der Umstand, daß die russische Konterrevolution zwar die finnische Unterstützung wollte, die finnische Unabhängigkeit jedoch ablehnte.


Finnische Sicherheitspolitik bis zum II. Weltkrieg

Charakteristisch für das Finnland der zwanziger und dreißiger Jahre war eine pro-deutsche und anti-sowjetische Einstellung. Das Pro-Deutsche zeigte sich in folgenden Aktivitäten:

  • Im Januar 1919 bildete sich der Deutsch-Finnische Verein der Finnlandkämpfer, dessen Mitglied u.a. der Feldmarschall Ludendorf und der General von der Goltz wurden. Bereits im Sommer 1918 hatte sich die Deutsch-Finnische Gesellschaft gegründet.
  • Deutschland unterstützte die Umstrukturierung der Weißen Garden in das Schutzkorps in Stärke von 100 000 Mann durch Lieferung von Kriegsmaterial (Flugzeuge, Patrouillen-Boote, Infanterie-Bewaffnung und Munition).
  • In der zweiten Hälfte der zwanziger Jahre unterstützte Deutschland Finnland beim Bau von Küsten-Panzerschiffen und U-Booten durch ein Ing.-Büro mit Sitz in Den Haag. Diese Maßnahme war nicht ganz uneigennützig, denn damit schaffte man Vorlauf für die beabsichtigte, aber durch den Versailler Vertrag noch verbotene eigene Flottenrüstung.
  • Ab 1933 kam es zu einem regelmäßigen Austausch von Offizieren und Flottenbesuchen; z. B. gab es 1933 vier inoffizielle Flottenbesuche. Der 70. Geburtstag von Mannerheim, des Vorsitzenden des finnischen Verteidigungsrates, wurde durch die Anwesenheit von General-Major von Falkenhagen und einer großen Militärdelegation zu einer Heerschau der Verbindung zur Deutschen Wehrmacht.
  • Im Dezember 1934 besuchte Mannerheim auf Einladung von Göring unter strenger Geheimhaltung für zwei Wochen Deutschland. Göring zeigte Mannerheim vor allem die Flugzeugindustrie und wollte ihn zum Kauf der Ju-86 animieren. Finnland kaufte aber 1936 Flugzeuge von Großbritannien (Bristol Blenheim). (Im wirtschaftlichen Bereich hatte sich Finnland stärker an Großbritannien orientiert.) Bis 1937 wiederholten sich diese Besuche Mannerheims bei Göring jährlich. (Gegenüber Journalisten bezeichnete Göring am 25.03.1933 Finnland als die Festung Skandinaviens gegen die Sowjetunion.)
  • Seine Haltung zum nationalsozialistischen Deutschland brachte Mannerheim im Januar 1936 in einem Gespräch mit der britischen Königin wie folgt zum Ausdruck: '... wie man auch über den Nationalsozialismus denkt, ein Umstand kann nicht geleugnet werden - er hat zum Nutzen der gesamten abendländischen Zivilisation mit dem Kommunismus in Deutschland aufgeräumt. Man darf sich in seiner Einstellung zu diesem Land nicht durch Gefühlsgründe beeinflussen lassen. Eines Tages wird die nazistische Regierung durch eine andere ersetzt werden, als ein unzweideutiger Gewinn jedoch wird die Tatsache bestehen bleiben, daß die Macht der Kommunisten in Deutschland gebrochen ist.' (Mannerheim, Erinnerungen, S. 315)
  • 1936 kommt es zum Abschluß eines Ressortabkommens zwischen der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) und der politischen Polizei Finnlands zwecks gemeinsamer Bekämpfung des Bolschewismus.

Die entscheidenden Zäsuren in den Beziehungen zwischen Finnland und seinem östlichen Nachbarn, der Sowjetunion, waren in dieser Zeit:

  • Der Friedensvertrag zwischen beiden Ländern von 1920, der Finnland den Zugang zur Barentssee, im Raum der Fischer-Halbinsel (Ribaci), einbrachte.
  • Der im Jahre 1932 für drei Jahre abgeschlossene Nichtangriffspakt, der im Jahre 1934 um weitere zehn Jahre verlängert wurde.

Die antisowjetische Einstellung der herrschenden Kreise Finnlands kam in einer Reihe innenpolitischer Erscheinungen klar zum Ausdruck. Dazu gehörten:

  • das Verbot der Kommunistischen Partei (KPFi);
  • die Herausbildung der sogenannten "Lappo-Bewegung", einer pro-faschistischen Organisation gegen Links, mit terroristischen Aktivitäten;
  • die Forderung konservativer finnischer Kräfte nach Schaffung eines "Großfinnland" durch Angliederung von Sowjet-Karelien.

Beide Staaten, sowohl Finnland als auch die Sowjetunion, mißtrauten einander. Bis 1937 wurde Finnland als Vorposten des Faschismus und Sicherheitsrisiko für die Sowjetunion eingestuft. Die sowjetische Führung vermutete ein geheimes Militärabkommen zwischen Finnland und Deutschland, was sich jedoch nicht bestätigte.

Es folgten Veränderungen im politischen Kräfteverhältnis in Finnland, die ihren Ausdruck fanden in der Ablösung des deutschfreundlichen Präsidenten Svinhufved durch den Vorsitzenden der Agrarpartei Kallio bei der Präsidentenwahl 1936 und durch die Bildung einer Koalitionsregierung von SDP, Agrarpartei und Liberale im Ergebnis der Reichstagswahl 1937. Der entscheidende Mann in dieser Regierung war Außenminister Holsti. Er war kein Deutschland-Freund. Seine Außenpolitik orientierte auf den Völkerbund und damit auf Frankreich und Großbritannien. Dabei wurden folgende neue Akzente gesetzt:

  • Lösung bzw. Abbau der Beziehungen zu Deutschland;
  • Abwendung von einer Neutralität mit wohlwollender Haltung Deutschlands und Hinwendung zu einer "absoluten" Neutralität mit Verstärkung der Zusammenarbeit mit den skandinavischen Nachbarn;
  • Verbesserung der Beziehungen zur Sowjetunion.

Die Entwicklung der internationalen Lage und das Versagen des Völkerbundes in der zweiten Hälfte der dreißiger Jahre führten zu einer verstärkten skandinavischen Zusammenarbeit. Es kam jedoch zu keinem Militärbündnis zwischen den vier nordischen Staaten. Hauptursache war das Fehlen eines gemeinsamen Feindes und die unterschiedliche sicherheitspolitische Interessenlage der einzelnen Staaten in verschiedenen geographischen Gebieten. Finnland fürchtete die Sowjetunion, Dänemark fürchtete Deutschland, Schweden konnte sich nicht entscheiden, wer von beiden mehr zu fürchten sei, und Norwegen war sich sicher, niemanden fürchten zu müssen. Ein militärisches Bündnis hätte die Bereitschaft aller vier Staaten zu militärischen Handlungen in folgenden unterschiedlichen geographischen Räumen gefordert: in Jütland und dem Öresund; auf den Aland-Inseln; auf der Karelischen Landenge und in Lappland. Zu einem solchen länderübergreifenden militärischen Vorgehen waren diese Staaten jedoch nicht bereit.

Der sichtbarste Ausdruck einer veränderten Haltung Finnlands zur Sowjetunion war der Besuch von Außenminister Holsti in Moskau im Februar 1937. Es war der erste Besuch eines Mitgliedes der finnischen Regierung in der Sowjetunion nach der Erringung der Selbständigkeit im Jahre 1917. Dieser Entwicklung wurde von deutscher Seite die entsprechende Aufmerksamkeit gewidmet. Im "Völkischen Beobachter", dem Sprachrohr des faschistischen Deutschland, begann eine Pressekampagne gegen Holsti. Diese gipfelte im Jahre 1938 darin, daß Holsti durch Aktivitäten des deutschen Außenministeriums, unter Beteiligung des Staatssekretärs von Weizsäcker, aus dem Amt gedrängt wurde. Deutschland setzte dieser Außenpolitik verstärkte militärische Beziehungen entgegen. So besuchten 1937 der finnische Verteidigungsminister und der Chef der Landstreitkräfte Berlin. Mannerheim besuchte von August bis Oktober erneut Göring in der Schorfheide. Deutschland stationierte im gleichen Jahr neben seinem Militärattaché noch einen Marineattaché in Helsinki, dessen Hauptaufgabe in der Beobachtung der sowjetischen Flottenaktivitäten in der Ostsee bestand, und stattete Helsinki einen Flottenbesuch mit 12 U-Booten ab. 1938, unmittelbar nach dem Einmarsch Deutschlands in Österreich, wurde der finnische Oberbefehlshaber Östermann von Hitler empfangen. Im Gespräch soll Hitler dabei geäußert haben: "Rußland muß vernichtet werden." Im gleichen Jahr fand aus Anlaß des 20. Jahrestages des Sieges der Weißen in Helsinki erneut eine Militärparade unter deutscher Beteiligung statt. An der Spitze der deutschen Delegation stand der Generalmajor a. D. von der Goltz. Mannerheim blieb dieser Parade fern. Gleichzeitig wurde das 3. Bataillon des 92. Infanterie-Regiments der Deutschen Wehrmacht zum Traditions-Jägerbataillon 27 berufen. In den dreißiger Jahren lag Finnland auf dem ersten Platz bei den Rüstungsanstrengungen der Nordeuropäischen Staaten. 1931 betrugen die jährlichen Rüstungsausgaben 740 Mio. FMK. Bis 1938 waren sie auf 1 450 Mio. FMK angewachsen.


Die diplomatische Vorgeschichte des Winterkrieges

In der zweiten Hälfte der dreißiger Jahre war die Sicherheitspolitik der Sowjetunion durch den Versuch der Schaffung multilateraler gegenseitiger Beistandspakte und das Streben nach einem System der kollektiven Sicherheit gekennzeichnet. Bei den Verhandlungen dazu offenbarte sich das Streben der Sowjetunion nach einem automatischen Recht, seine Truppen bei Gefahr auf das Territorium der Nachbarstaaten vorzuverlegen. Diesen Bestrebungen brachten die Nachbarstaaten wenig Verständnis – ja, wie die weitere Geschichte zeigt, berechtigtes Mißtrauen – entgegen. Dieses Mißtrauen hatte seine Ursachen:

  • in den Erfahrungen dieser Länder mit dem zaristischen Rußland;
  • im mangelnden Vertrauen in die Stärke und Gefechtsbereitschaft der Roten Armee (die Stalinschen "Säuberungen" in der Armee waren im Ausland nicht unbemerkt geblieben);
  • in der Angst vor einer neuen Einverleibung in die Sowjetunion und, natürlich,
  • im Anti-Kommunismus.

Die inneren Verhältnisse in der Sowjetunion zu dieser Zeit erschütterten ihre internationale Glaubwürdigkeit und Bündnisfähigkeit. Damit scheiterte ihre Außenpolitik der kollektiven Sicherheit.

Den Ausweg aus dieser Misere sah die sowjetische Führung in bilateralen Sicherheitslösungen mit seinen Nachbarn. Mit Finnland begann dieser Prozeß im April 1938. Am 14. April nahm der 2. Sekretär der sowjetischen Botschaft in Helsinki, Jartzev, Geheimkontakte zum finnischen Außenminister Holsti auf, um die finnische Haltung zu einer bilateralen militärischen Zusammenarbeit zu sondieren. Jartzev äußerte dabei folgende Sicherheitsbedenken der sowjetischen Seite:

  • Befürchtungen vor einem deutschen Angriff über finnisches Territorium;
  • Angst vor der Gefahr eines faschistischen Umsturzes in Finnland mit anschließender enger militärischer Zusammenarbeit mit Deutschland.

Um solches auszuschließen, schlug die Sowjetunion folgendes vor:

  • Finnland offeriert der Sowjetunion Garantien dafür, daß es zu keiner militärischen Zusammenarbeit mit Deutschland kommt.
  • Die Sowjetunion leistet Finnland militärische Hilfe beim Widerstand gegen die Nutzung seines Territoriums durch eine dritte Macht in Richtung auf die sowjetische Grenze.

Vorgeschlagen wurde dazu der Einsatz von Truppen der Roten Armee auf finnischem Territorium, um Angriffe vor der eigenen Grenze abzuwehren.

Auf die genannten sowjetischen Ansinnen gab es von finnischer Seite keinerlei Reaktion. Eine militärische Zusammenarbeit mit der Sowjetunion wurde auf Grund der öffentlichen Meinung ausgeschlossen. Die finnische Regierung wartete das offizielle Vorgehen der Sowjetunion ab.

Ab Juli 1938 verfolgte Finnland in seiner Außenpolitik zwei Linien. Diese beinhalteten die Befriedung der Beziehungen zur Sowjetunion und eine engere Zusammenarbeit mit Schweden. Da die Sowjetunion sich offiziell nicht geregt hatte, ergriff Finnland die Initiative und übergab am 11.08.1938 dem oben genannten 2. Sekretär den Entwurf für einen sowjetisch-finnischen Vertrag mit folgendem Inhalt:

  • die Zusicherung militärischer Zusammenarbeit Finnlands zur Verhinderung einer Aggression gegen die Sowjetunion über finnisches Territorium;
  • die Forderung nach Zustimmung der Sowjetunion für Maßnahmen zur Sicherung der Unverletzlichkeit Finnlands und der Neutralität der Aland-Inseln.

Der Sowjetunion ging dieser Vorschlag nicht weit genug, und sie unterbreitete ihre eigenen Vorschläge und Forderungen. Diese beinhalteten:

  • die vertragliche Zusicherung militärischer Zusammenarbeit zur Abwehr einer deutschen Aggression, dazu die Lieferung von Waffen und die Übernahme des Schutzes der Seegrenze durch die Sowjetunion;
  • ihr Einverständnis zu Verteidigungsmaßnahmen auf den Aland-Inseln bei Beteiligung durch geheime Beobachter;
  • die Forderung nach finnischer Zustimmung zur Errichtung von Luft- und Seestützpunkten auf der finnischen Insel Hogland durch die Sowjetunion;
  • den Abschluß eines umfassenden Handelsabkommens zwischen beiden Ländern.

Am 29.08.1938 wurden die sowjetischen Vorschläge und Forderungen von Finnland abgelehnt. Im weiteren wurden die sowjetisch-finnischen Geheimverhandlungen zur Präzisierung der gegenseitigen Standpunkte und Forderungen bis zum Sommer 1939 ergebnislos fortgesetzt. Diese Präzisierung erfolgte auf finnischer Seite ohne Kenntnis des Befehlshabers der Streitkräfte und des Verteidigungsrates. Als sich die deutsche Wehrmacht bereits in der Endphase der Vorbereitung des Überfalls auf Polen befand, verstärkte die deutsche militärische Führung ihre Einflußnahme auch auf Finnland. Dazu besuchten im Juni/Juli 1939 der Chef des Generalstabes, General der Artillerie Halder, und der Chef Aufklärung, Konter-Admiral Canaris, die finnischen Führung.

Mit Abschluß des Nichtangriffspaktes zwischen der Sowjetunion und Hitler-Deutschland am 24.08.1939 und der im geheimen Zusatzprotokoll erfolgten Zuordnung Finnlands und der baltischen Staaten zur Interessensphäre der Sowjetunion erfolgte ein entscheidender Einschnitt in den gegenseitigen Beziehungen. Im Zusammenhang mit dieser Entwicklung, und dem Überfall Deutschlands auf Polen präzisierte Finnland seine außenpolitischen Prioritäten auf Neutralität und skandinavische Zusammenarbeit. Diese Haltung fand ihren Niederschlag in der Deklaration, welche die vier nordeuropäischen Länder bei ihrem Gipfeltreffen am 19.09.1939 in Kopenhagen, verabschiedeten.

Nachdem die Rote Armee mit ihrem Einmarsch in Polen die alte russische Staatsgrenze wieder erreicht hatte, begann die UdSSR mit der Umsetzung ihrer sicherheitspolitischen Forderungen in der ihr zugeordneten Interessensphäre.

Wie die baltischen Staaten erhielt Finnland am 05.10.1939 eine Einladung, genauer: eine ultimative Aufforderung, in Moskau zu politischen Verhandlungen zu erscheinen. Die Antwort wurde binnen 24 Stunden gefordert. Im Unterschied zu den baltischen Staaten, die ihre Außenminister nach Moskau schickten, Beistandspakte mit der Sowjetunion unterzeichneten, der Roten Armee Militärstützpunkte überließen und damit den Grundstein dafür legten, nach weiteren acht Monaten in die Sowjetunion vereinnahmt zu werden, schlug Finnland einen eigenständigen Weg der Reaktion auf diese Forderung ein. Anstelle des Außenministers ernannte man einen Vertreter für die bevorstehenden Verhandlungen. Die Wahl fiel auf Paasikivi, damals finnischer Botschafter in Stockholm. Er war der geeignete Mann, weil er für beide, sowohl für die nationalistischen Stimmungen im eigenen Land als auch für die Sowjetunion, akzeptierbar war. Das hatte folgende Gründe:

  • Paasikivi war ein Rußlandkenner. Seine Kenntnisse beruhten auf dem Studium der russischen Sprache und Geschichte in Moskau.
  • Als Leiter der finnischen Delegation hatte er 1920 den Friedensvertrag mit Sowjet-Rußland mit ausgehandelt.
  • Bereits vor dem I. Weltkrieg war er ein Fürsprecher der Berücksichtigung strategischer russischer Interessen.
  • Paasikivi galt zwar als konservativer Anti-Kommunist, war jedoch kein anti-russischer Chauvinist.

Vor seiner Abreise nach Moskau, die sich auf Grund seines Aufenthaltes natürlich etwas verzögerte, wurde er mit klaren Weisungen und Kompetenzen für die Verhandlungsführung ausgestattet. Diese umfaßten:

  • die finnische Bereitschaft zur Abtretung von drei kleinen Inseln im Finnischen Meerbusen;
  • die Bereitschaft zur Abtretung der Insel Hogland, jedoch nur gegen ein großes Territorium von Sowjet-Karelien;
  • keine Zustimmung zu sowjetischen Militärstützpunkten auf finnischem Territorium;
  • Ablehnung jedes Vorschlages für einen militärischen Beistandspakt, da dies unvereinbar mit der finnischen Neutralität sei;
  • keinerlei Kompromisse in den Fragen von Unabhängigkeit und Neutralität;
  • Durchsetzung des Rechtes auf Befestigung der Aland-Inseln;
  • Durchsetzung der Forderung, daß jedes Abkommen der parlamentarischen Bestätigung bedarf.

Einhergehend mit den Verhandlungsvorbereitungen traf Finnland eine Reihe flankierender militärischer Maßnahmen. Das betraf die Verlegung der Deckungstruppen in die vorbereiteten Stellungen (06.10.) und die Einberufung aller Reservisten zur Wiederholungsausbildung, unter der Legende der Durchführung von Übungen (11.10.).

Gleichzeitig wandte man sich mit der Bitte um außenpolitische Unterstützung an Deutschland und Schweden. Während Schweden, gemeinsam mit den anderen nordischen Staaten, auf einem Treffen der Staatsoberhäupter Solidarität mit Finnland demonstrierte, forderte Deutschland die Finnen offiziell auf, sich den sowjetischen Forderungen zu unterwerfen. Auch die USA bekundeten ihre Sympathie mit Finnland, und Rooseveld wandte sich mit einer entsprechenden Note an Kalinin. Die USA besaßen allerdings zu dieser Zeit keinerlei Einfluß auf die UdSSR.

Bei den am 12.10.1939 in Moskau begonnenen Verhandlungen stellte die UdSSR an Finnland folgende Forderungen:

  • Abschluß eines gegenseitigen militärischen Beistandspaktes;
  • Verpachtung der Halbinsel Hankö für den Zeitraum von 30 Jahren an die UdSSR zur Errichtung eines Marinestützpunktes und von Batterien der Küsten-Artillerie;
  • Überlassung der Nutzungsrechte für die Bucht Lappvik bei Hankö als Ankerplatz;
  • Abtretung aller Inseln im Finnischen Meerbusen, einschließlich Bjorkö, an die UdSSR;
  • Verschiebung der Staatsgrenze auf der Karelischen Landenge vor Leningrad nach Norden in Richtung Finnland;
  • Abbau der finnischen Befestigungsanlagen der sogenannten Mannerheimlinie auf der Karelischen Landenge;
  • Rückgabe des Westteils der Insel Fisherman, nördlich von Petsamo, an die UdSSR.

Als Gegenleistung bot die UdSSR die Überlassung von 6 380 qkm von Sowjet-Karelien und die Aufgabe des Widerstandes gegen die Befestigung der Aland-Inseln an -- letzteres jedoch unter der Bedingung, daß Schweden an der Befestigung nicht teilnimmt.

Anmerkung zu den Aland-Inseln

Nachdem die Aland-Inseln bereits mehrmals genannt wurden, soll hier ein kurzer Einschub über deren Bedeutung erfolgen. Durch ihre strategisch günstige Lage am Zugang zum Bottnischen Meerbusen waren sie für alle Ostsee-Anliegerstaaten von Interesse. Nach einer Besetzung im Krim-Krieg durch einen französisch-britischen Flottenverband erhielten sie durch einen internationalen Vertrag von 1856, einen entmilitarisierten Status. Mit Beginn des I. Weltkrieges erfolgte ihre erneute Befestigung durch Rußland. Am Ende des I. Weltkrieges erschienen auf ihnen sowohl die Roten als auch die Weißen Garden, das deutsche Expeditionskorps nutzte sie auf ihrem Weg nach Finnland, und auch die schwedischen Truppen erschienen "zum Schutze der schwedisch-sprachigen Bevölkerung". Unter dem Eindruck dieser Ereignisse befürwortete die Inselbevölkerung eine Eingliederung in Schweden. Im Jahre 1921 kam es unter der Leitung des Völkerbundes zu einem Vertrag zwischen zehn Staaten (Finnland, Schweden, Estland, Lettland, Dänemark, Polen, Frankreich, Italien, Großbritannien und Deutschland) über die entmilitarisierte und neutrale Rolle dieser Inselgruppe innerhalb Finnlands.

Die Festlegungen dieses Vertrages besagten:

  • Anwesenheit finnischer Truppen nur zur Aufrechterhaltung der inneren Ordnung;
  • keine Anlagen von Marinekräften auf den Inseln;
  • militärische Schiffsbewegungen nur im begrenzten Umfange;
  • im Kriege ist die Verminung erlaubt;
  • Verteidigung der Inseln durch Finnland gemeinsam mit den Vertragsstaaten.

In den Jahren 1937/38 erarbeiteten der finnische und der schwedische Generalstab gemeinsam einen Plan zur Verteidigung der Aland-Inseln, der am 05.01.1939 als Änderung der Aland Convention von beiden Ländern unterzeichnet wurde. Dieser Plan umfaßte:

  • die Herausnahme der südlichen Inseln aus der Neutralität, ihre Befestigung und Bestückung mit Küstenartillerie;
  • die Stationierung von Truppen, mobiler Artillerie und Flak auf den Hauptinseln;
  • die Einbeziehung der Aländer in den Militärdienst;
  • die Aufhebung der Begrenzungen der Schiffsbewegungen für finnische und schwedische Schiffe;
  • die Abstimmung über Personalstärke, Waffenarten und Übungen zwischen beiden Regierungen.

Schweden erhielt damit indirekt Kontrolle über finnische militärische Aktivitäten. Das Abkommen wurde ergänzt durch zwei Sonder-Deklarationen, das jeweilige Land betreffend. Die schwedische lautete u.a.: "Bei unmittelbarer Gefahr von Krieg im Ostseeraum erhält Schweden das Recht, unter Berücksichtigung eigener vitaler Interessen, auf Anforderung von Finnland, Hilfe für defensive Maßnahmen zur Sicherung der Neutralität der Aland-Inseln zu geben".In der finnischen Deklaration wurden das Recht der Aländer auf Selbstverwaltung und Schwedisch als Verwaltungssprache bestätigt. Außerdem wurde der Einsatz von nur schwedisch-sprachigen Einheiten auf den Inseln zugesagt. (Noch 1990 gab es in SW-Schweden reine schwedisch-sprachige Truppenteile.) Der Protest der Aländer vor dem Völkerbund wurde abgewiesen. Alle anderen Staaten mit Ausnahme der Sowjetunion waren mit den Änderungen einverstanden. Die ab 1939 folgenden Ereignisse verhinderten die Realisierung.


Der Winterkrieg zwischen Finnland und der Sowjetunion

Die sowjetischen Forderungen waren für die finnische Führung unannehmbar, sie wurden abgelehnt. Beide Seiten verhandelten bis in den November hinein ergebnislos über eine Reihe gegenseitiger Kompromißvorschläge. Ab Mitte November setzte die UdSSR auf eine militärische Lösung ihrer Sicherheitsinteressen gegenüber Finnland und bereitete diese vor. Am 25.11. kam es zu einen Grenzzwischenfall beim Dorf Mainilia auf der Karelischen Landenge. Nach sowjetischer Darstellung soll von finnischem Territorium aus mit Artillerie auf sowjetisches Territorium geschossen worden sein. Die sogenannten "Schüsse von Mainila" sind bis heute nicht bis zu Ende aufgeklärt und werden es, ohne Einblick in die Geheimarchive der Sowjetarmee, wohl auch nicht werden. Die darauffolgenden Schritte der UdSSR führten direkt zum Kriege. Am 26.11. übergab die UdSSR eine Note mit der Forderung, die finnischen Truppen sofort um 20 bis 25 km von der Grenze zurückzuziehen. Finnische Angebote zur gemeinsamen Untersuchung des Grenz-Zwischenfalls wurden von sowjetischer Seite abgelehnt. Mannerheim und Paasikivi traten zu diesen Zeitpunkt dafür ein, um die eigene Unabhängigkeit zu erhalten den strategischen Interessen der UdSSR Rechnung zu tragen und den sowjetischen Forderungen nachzugeben. Mannerheim vertrat die Meinung, die militärische Verteidigungsfähigkeit Finnlands entspräche nicht seiner riskanten Außenpolitik. Seine Meinung wurde von der politischen Führung Finnlands ignoriert. Damit folgten die nächsten Schritte der UdSSR:

  • Aufkündigung des Nichtangriffspaktes am 28.11.;
  • Abbruch der diplomatischen Beziehungen am 29.11.;
  • Angriff der Roten Armee auf Finnland am 30.11.1939.

Später stritt man darüber, ob eine finnische Note mit dem Angebot des einseitigen Rückzuges von der Grenze, die jedoch nicht mehr übergeben wurde, am Verlauf des Geschehens noch etwas geändert hätte. Das ist jedoch unwahrscheinlich.

Bei der Planung des Angriffs auf Finnland war die militärische Führung der UdSSR davon überzeugt, daß die Finnischen Streitkräfte für die Rote Armee kein ernst zu nehmender Gegner seien. Man hatte deshalb nur die Truppen des Leningrader Militärbezirkes dafür vorgesehen. Der operative Aufbau dieser Truppen erfolgte entsprechend der Angriffsplanung nach folgenden Operationsrichtungen:

  • Karelische Landenge
    7. Armee mit 9 Divisionen, davon 6 in der 1. und 3 in der 2. Staffel; 6 Panzer-Brigaden;
    gesamt: ca. 200 000 Mann, 1 400 gepanzerte Fahrzeuge, 900 Granatwerfer und Geschütze;
  • Nordöstlich Ladogasee
    8. Armee mit 6 Divisionen; 1 Panzerbrigade;
    gesamt: ca. 130.000 Mann, 400 gepanzerte Fahrzeuge, 600 Granatwerfer und Geschütze;
  • Sowjet-Karelien - Bottnischer Meerbusen (Abriegelung der Hauptfront von der Landverbindung zu Schweden)
    9. Armee mit 3 Divisionen;
    gesamt: ca. 75.000 Mann, 100 gepanzerte Fahrzeuge, 300 Granatwerfer und Geschütze;
  • Einnahme Petsamo und Sicherung der Nordküste
    14. Armee mit 3 Divisionen;
    gesamt: ca. 65.000 Mann, 50 gepanzerte Fahrzeuge, 250 Granatwerfer und Geschütze;
Zur Unterstützung der Handlungen der Landstreitkräfte standen zur Verfügung:
  • Luftstreitkräfte: ca. 800 Kampfflugzeuge,
  • Seestreitkräfte: 2 Schlachtschiffe, 3 Kreuzer, 15 Fregatten, 52 U-Boote.

Auf finnischer Seite organisierte man die Verteidigung mit folgenden Kräften:

  • Karelische Landenge - Hauptrichtung
    II. Armee-Korps mit 3 Divisionen (westlicher Frontabschnitt),
    III. Armeekorps mit 2 Divisionen (östlicher Frontabschnitt),
    gesamt: ca. 120.000 Mann;
  • Nordöstlich Ladogasee - Nebenrichtung
    IV. Armee-Korps mit 2 Divisionen,
    gesamt: ca. 40.000 Mann;
  • Sicherung der Ostgrenze bis Petsamo
    Sicherungskräfte bis zur Bataillonsstärke; gesamt: ca. 16.000 Mann;
  • Sicherung der Küste des Finnischen Meerbusens
    7 Infanterie-Bataillone;
  • Verteidigung der Aland-Inseln
    1 Infanterie-Regiment;
  • Reserven: je eine Division in Süd- und Mittel-Finnland.

Zur Unterstützung der Handlungen der Landstreitkräfte standen zur Verfügung:

  • Luftstreitkräfte: ca. 100 Kampfflugzeuge;
  • Seestreitkräfte: 2 Schlachtschiffe, 5 U-Boote, mehrere Kanonenboote und kleinere Schiffe.

Idee der Handlungen, operativer Aufbau beider Seiten und Vergleich des Kräfteverhältnisses siehe Karte und Tabelle.

Die Rote Armee eröffnete die Angriffshandlungen mit Luftangriffen auf Süd-Finnland. Danach begann der Angriff der Landstreitkräfte in den vorgegebenen Richtungen. Dieser Angriff brachte jedoch nicht die erwarteten Ergebnisse. Unter Ausnutzung der Geländebedingungen und der besseren Vorbereitung auf die Kriegführung im Winter bei beißender Kälte leisteten die finnischen Verteidiger den sowjetischen Angriffen unerwarteten Widerstand. Nach Ablauf des ersten Kriegsmonats, Anfang Januar, war folgende Lage entstanden:

Auf der Karelischen Landenge hatten die Finnen, basiert auf den ausgebauten Stellungen der Mannerheim-Linie, ihre Positionen im wesentlichen gehalten. Nordöstlich des Ladogasees gingen sie am 26. Dezember sogar zum Gegenangriff über, was im Januar zur Einschließung von zwei sowjetischen Divisionen führte. In Mittel-Finnland, im Raum Suomussalmi, wurden sogar zwei sowjetische Divisionen zerschlagen. An den anderen Frontabschnitten wurden die finnischen Stellungen im wesentlichen gehalten.

Ausgehend von diesem für die Rote Armee katastrophalen Kriegsverlauf begann die sowjetische Führung mit einer großangelegten Umgruppierung der Kräfte, die den ganzen Januar beanspruchte. Die Karelische Landenge wurde für die Rote Armee zur Hauptrichtung, auf die sie sich im folgenden voll konzentrierte. Auch das finnische Oberkommando gruppierte seine Kräfte um, so daß sich Anfang Februar auf der Karelischen Landenge und nordöstlich des Ladogasees folgende Kräftegruppierung ergab:

auf Seiten der Roten Armee

  • Karelische Landenge
    7. Armee mit 11 Divisionen, 5 Panzerbrigaden und 10 Artillerie-Regimentern im westlichen Frontabschnitt mit der Angriffsrichtung Leningrad - Viipuri (Viborg);
    13. Armee mit 5 Divisionen, 1 Panzerbrigade, und 1 Kavalerie-Korps im östlichen Frontabschnitt mit der Angriffsrichtung Antrea - Käkisalmi;
    2. Staffel mit 3 Divisionen, 1 Panzer-Brigade und 1 Kavallerie-Korps hinter der 1. Staffel des westlichen Frontabschnitts, zum Angriff über das Eis des Finnischen Meerbusens, in Richtung Viipuri, und in den Rücken des Gegners;
  • Nordöstlich des Ladogasees wurde die 15. Armee zur Unterstützung der 8. Armee eingesetzt.

Auf Seiten der Finnischen Streitkräfte wurde nur die Gruppierung auf der Karelischen Landenge verstärkt. Sie hatte im Februar folgenden Bestand:

  • II. Armee-Korps mit 3 Divisionen im westlichen Frontabschnitt;
  • I. Armee-Korps mit 1 Division und 1 Brigade-Kampfgruppe in der Mitte;
  • III. Armee-Korps mit 4 Divisionen im östlichen Frontabschnitt;

Nach dieser Umgruppierung besaßen die Finnischen Streitkräfte keine Reserven mehr. (Kartenskizze)

Mit der im Januar geschaffenen drückenden Überlegenheit durchbrach die Rote Armee am 11.02. die Mannerheim-Linie und erreichte mit ihren weiterführenden Angriffshandlungen am 28.02. die Linie Viipuri - Vuosalmi. Der finnischen Führung war bewußt, daß man ohne eine massierte Unterstützung aus dem Ausland der Roten Armee nicht weiter standgehalten können würde. Da diese jedoch nicht in Sicht war setzte man darauf, den Krieg zu beenden, solange die Armee noch intakt war.


Außenpolitische und internationale Aspekte des Verlaufes und der Beendigung des Winterkrieges

Mit dem Beginn der militärischen Handlungen zeigte sich bald, daß es der UdSSR nicht nur um die Sicherung ihrer Staatsgrenze im Raum Leningrad ging, sondern daß sie sich die größte Sicherheit offensichtlich von einer Veränderung der gesellschaftlichen Verhältnisse in Finnland versprach. Offensichtlich wollte sie auch Revanche für die Niederlage der Roten im Bürgerkrieg. Bereits während der Verhandlungen versuchte man mit Hilfe der Medien, den Eindruck einer revolutionären Situation in Finnland zu vermitteln. Auf dieser Grundlage verkündete die Kommunistische Partei Finnlands (KPFi), deren führende Funktionäre sich in der UdSSR im Exil befanden, am 01.12.39 die Gründung einer "Demokratischen Regierung Finnlands", bekannt auch unter den Namen "Kuusinen-Regierung", mit Sitz in Terijoki. Das Überschreiten der Grenze durch die Rote Armee erfolgte auf der Grundlage eines "Hilfeersuchens" dieser Kuusinen-Regierung. Am 01.12. erfolgte außerdem, ebenfalls in Terijoki, die Gründung des I. Armee-Korps der "Finnischen Volksarmee" aus Freiwilligen aus den Reihen finnischer kommunistischer Emigranten. Diese Truppe in Stärke von ca. 5 000 Mann kam jedoch im Winterkrieg an der Seite der Roten Armee nicht zum Einsatz. Am 02.12. unterzeichnete Kuusinen in Moskau ein Abkommen über Beistand und Zusammenarbeit mit der UdSSR. In diesem Abkommen wurden alle sowjetischen Forderungen anerkannt. Es wurde die baldige Ratifizierung dieses Abkommens in Helsinki angekündigt. Die Schaffung dieser Marionettenregierung blockierte bis Ende Februar Verhandlungen zwischen der legitimen finnischen Regierung und der UdSSR zur Beendigung des Krieges.

Mit Beginn des militärischen Überfalls forderte Finnland die Einberufung des Rates und der Vollversammlung des Völkerbundes zur Verurteilung der Aggression der UdSSR. Die UdSSR lehnte den finnischen Antrag mit der Begründung ab, daß sie sich nicht im Krieg mit Finnland befinde, sondern nur militärische Aktivitäten zur Unterstützung der finnischen Regierung durchführe, um eine Kriegsgefahr zu beseitigen, an der die "ehemalige" finnische Regierung schuld sei. Der Völkerbund verurteilte die Aggression und erließ einen Aufruf zur materiellen und humanitären Hilfe. Für den Antrag zum Ausschluß der UdSSR aus dem Völkerbund stimmten nur sieben von fünfzehn Ratsländern. Sanktionen gegen die UdSSR wurden ebenfalls nicht beschlossen. Die UdSSR stellte sich jedoch mit ihrer Haltung außerhalb des Völkerbundes und stellte die Mitarbeit ein.


Über die Haltung einzelner Länder zum Winterkrieg

Schweden

In Schweden erklärte die öffentliche Meinung Finnlands Sache zu ihrer eigenen. Es bildeten sich Freiwilligenverbände zur Teilnahme am Krieg. Die Haltung der Regierung war jedoch von der Angst bestimmt, in den finnisch-sowjetischen Konflikt hineingezogen zu werden. Deshalb verhielt sie sich ablehnend zur Teilnahme an der Verteidigung der Aland-Inseln; sie verweigerte Militärangehörigen, die als Freiwillige nach Finnland gehen wollten, die Entlassung aus dem aktiven Dienst; aus den staatlichen Beständen stellte sie ebenfalls keine Bewaffnung für die Freiwilligen bereit. Ihr Hauptverdienst bestand in offiziellen Waffenlieferungen an Finnland und in Transportleistungen für Bewaffnung und Ausrüstung aus Drittländern.

USA

Bei allen politischen Kräften der USA herrschte große Sympathie für Finnland. Die USA ergriffen Sanktionen und stoppten z.B. den Aluminium-Verkauf an die UdSSR. Aus innerstaatlichen juristischen Gründen konnte direkte Hilfe nur über Drittländer erfolgen. So wurde den Finnen ein Kredit von zehn Mio. Dollar für Lebensmittel bewilligt, die diese an Großbritannien verkauften und dafür Waffen einkauften. Außerdem wurden 44 Jagdflugzeuge zum "nicht mehr benötigten Überschuß" erklärt und an Finnland verkauft. Auch eine Anzahl von Geschützen sollte an Schweden verkauft und von diesen an Finnland weitergegeben werden. Diese wurden jedoch nach dem Friedensabkommen vom März 1940 direkt geliefert.

Großbritannien(GB)/Frankreich

Beide Länder befanden sich bei Beginn des Winterkrieges im Kriegszustand mit Deutschland. Auf Grund das Hitler-Stalin Paktes stuften sie die UdSSR und das faschistische Deutschland als Verbündete ein. Damit waren für sie militärische Aktivitäten gegen Deutschland indirekt Aktivitäten gegen die UdSSR. Ausgehend davon entwickelten beide Länder ihre militärische Planung für Skandinavien. Diese umfaßte folgende Aktivitäten:

  • die Unterbindung der schwedischen Eisenerzlieferungen für Deutschland über den norwegischen Hafen Narvik durch dessen Verminung mit Hilfe der Marine GB;
  • die Absicht Frankreichs zur Anlandung einer speziell vorbereiteten französischen Brigade im Raum Petsamo, in Nord-Finnland; (im Dezember mit Mannerheim diskutiert, im Februar als nicht realisierbar abgesetzt);
  • die politische Druckausübung auf Norwegen und Schweden mit dem Versprechen auf entsprechende Unterstützung, um diese zum direkten militärischen Eingreifen in Finnland zu veranlassen.

Diese Absichten sowie die Erlaubnis zum Truppentransit durch beide Länder wurden abgelehnt; zugestimmt wurde nur dem Transit von Freiwilligen als Privatpersonen, aber nicht als militärische Einheiten.

Im Januar 1940 erarbeiteten beide Länder einen operativen Einsatzplan ihrer Streitkräfte in Skandinavien, welcher folgende Elemente enthielt:

  • Anlandung je einer Brigade Großbritanniens und Frankreichs in Narvik mit der Aufgabe, in Schweden einzumarschieren und die Erzgruben von Kiruna zu besetzen;
  • Besetzung von drei südnorwegischen Häfen durch fünf Bataillone Großbritanniens;
  • Überführung von drei britischen Divisionen nach Schweden zu dessen Verteidigung gegen Deutschland;
  • Einsatz aller Flottenkräfte (im Bestand: ein Flugzeugträger, vier Kreuzer und 36 Zerstörer) zur Unterstützung der eingesetzten Landstreitkräfte.

Die Invasion der westlichen Alliierten gegen Skandinavien sollte auf der Grundlage eines Hilferufes Finnlands, mit gleichzeitiger Bitte um Durchmarscherlaubnis an Norwegen und Schweden, ausgelöst werden. Obige operative Planung wurde am 05.02.1940 durch den alliierten Kriegsrat bestätigt. Sie kam jedoch nicht zur Ausführung, da es am gleichen Tag der finnischen Regierung gelang, über Stockholm Kontakt zu Moskau herzustellen und damit auf eine Beendigung des Krieges hinzuarbeiten.

Deutschland

Die Haltung Deutschlands war gekennzeichnet vom Taktieren zwischen dem neuen Bündnispartner Rußland und dem alten Freund Finnland -- im Interesse der Erhaltung günstiger Angriffsbedingungen für das im Osten liegende strategische Kriegsziel. Trotz der langjährigen guten Beziehungen zwischen Deutschland und Finnland, auch auf militärischem Gebiet, unterstützte der deutsche Propagandaapparat die angeblich legitimen Forderungen der UdSSR. Die deutsche Regierung erklärte offiziell ihre Neutralität in diesem Konflikt. Trotzdem gab es sowohl im Auswärtigen Amt als auch in der Wehrmachtsführung Kräfte, die an ihrer pro-finnischen Haltung festhielten. Das führte dazu, daß man die deutschen Diplomaten dazu verpflichtete, sich anti-sowjetischer Äußerungen zu enthalten. Obwohl Außenminister Ribbentrop schon im Oktober verfügte, keine Waffen an Finnland zu liefern, wurde noch am 19.10. ein Vertrag über die Lieferung von 134 Flak-Geschützen und 390 000 Geschossen abgeschlossen. Als Gegenleistung verlängerte Finnland den Vertrag über Kupferlieferungen um drei Jahre. Bis Anfang Dezember wurde auch der Transit von Waffenlieferungen aus Ungarn und Italien über Deutschland nach Finnland fortgesetzt. Erst nachdem am 07.12. eine Meldung über diesen Waffentransit in der schwedischen Presse erschien, wurden die Waffenlieferungen von und durch Deutschland eingestellt. Dafür vereinbarte Göring, der beste Freund der nordischen Länder in der deutschen Führung, mit seinen schwedischen Partnern entsprechende Waffenlieferungen an Schweden, zur Weitergabe an Finnland. Bereits Mitte Januar wurden jedoch die direkten Lieferungen wieder aufgenommen. Auf entsprechende Proteste Molotows wurde ausweichend reagiert. Gleichzeitig trug man von deutscher Seite das Anliegen an die UdSSR heran, bei Bombenangriffen deutsche Industrieanlagen in Finnland zu verschonen. Als sich im Februar 1940 die militärische Lage Finnlands immer mehr verschlechterte, liefen alle deutschen Ratschläge, so u.a. von Göring, darauf hinaus, den Krieg zu beenden. Die Hilfe der westlichen Alliierten könne die Lage nicht verbessern. Es bestehe die Gefahr, daß Rußland das Land besetze. Es sei besser Frieden zu schließen, an Rußland Zugeständnisse zu machen und dann das Ende des Weltkrieges abzuwarten, dann werde alles in den alten Stand versetzt. Der deutsch-russische Nichtangriffspakt sei ein zeitweiliges Abkommen und nach der Niederwerfung Großbritanniens hinfällig. Finnland erhalte dann alles mit Zinsen zurück. So äußerte sich, neben anderen, auch der deutsche Gesandte in Finnland, Blücher, am 22.02.1940 wie folgt: "... die eleganteste Lösung läge darin, den finnisch-russischen Konflikt beizulegen, bevor die westlichen Schutzengel Zeit haben heranzukommen und statt Finnland, das schwedische Erz unter ihren Schutz nehmen."

Daß man im nachhinein alles besser weiß, zeigte der gleiche Herr Blücher in seinen nach dem Krieg geschriebenen Memoiren. Dort brachte er folgendes zu Papier:

"Hätte ein Machiavelli die deutsche Außenpolitik geleitet, so würde er den Standpunkt eingenommen haben, daß nicht die Beilegung, sondern im Gegenteil die Belebung und Ausweitung des finnisch-russischen Konfliktes den realpolitischen deutschen Interessen entsprochen hätte, daß die aus diesem Konflikt sich ergebenden Möglichkeiten, die Westmächte in eine militärische Auseinandersetzung mit Rußland zu verwickeln, nicht ungenutzt vorübergehen dürfe. Das hätte ... die weltpolitische Entwicklung in völlig andere Bahnen gelenkt."

Eine unmittelbare Vermittlung zwischen den Konfliktpartnern durch Deutschland kam jedoch nicht zustande, da die UdSSR offensichtlich Schweden als Vermittler vorzog.


Der Weg zum Friedensvertrag und seine Folgen

Die finnische Regierung hatte seit Beginn des Krieges versucht, mit Moskau ins Gespräch zu kommen, um doch noch eine politische Lösung zu erreichen. Entsprechende Aktivitäten liefen über Schweden. Dabei nutzte Finnland zwei Kontaktlinien. Die erste Linie führte über die linke finnische Schriftstellerin Hella Wuolijoki zur Botschafterin der UdSSR in Schweden, Alexandra Kolontai. Hella Wuolijoki reiste, mit Zustimmung des finnischen Außenministers, am 10.01.1940 als außerordentlicher Sonderbotschafter nach Stockholm und konferierte dort fast 3 Wochen mit ihrer alten bolschewistischen Freundin. In diese Gespräche wurde aus Moskau der sowjetische Diplomat Jartzew eingeschaltet, der bereits 1938 die ersten inoffiziellen Vorstöße für eine militärische Zusammenarbeit UdSSR - Finnland gemacht hatte. Sein Erscheinen in Stockholm hatte Signalwirkung für die schwedische Regierung. Sie wandte sich am 25.01.1940 mit einem offiziellen Vermittlungsangebot an Moskau und eröffnete damit eine zweite Verhandlungslinie. Bereits vier Tage später erhielt die Kolontai von Molotow eine Mitteilung zur Übergabe an die finnische Regierung mit der Bereit-schaftserklärung für erneute Verhandlungen. Damit ließ die UdSSR die Kuusinen-Regierung fallen und erkannte die rechtmäßige finnische Regierung wieder an. Bei den folgenden Verhandlungen erhöhte die UdSSR ihre Forderungen gegenüber Finnland erheblich. In der bis Anfang März andauernden Verhandlungsphase kam es zwischen der politischen und militärischen Führung Finnlands zu ernsten Auseinandersetzungen. Mannerheim vertrat die Meinung, daß diese Forderungen nicht der militärischen Lage entsprächen. Solange die Front hielt, brauche man keine zu großen Zugeständnisse zu machen. Außerdem schlug er vor, der UdSSR anstelle von Teilen Kareliens und der Halbinsel Hankö die Aland-Inseln und Teile Lapplands anzubieten. Dieser Vorschlag richtete sich eindeutig gegen Schweden, das auf alle finnischen Hilferufe offiziell negativ reagiert hatte.

Mit der Verschlechterung der militärischen Lage -- gekennzeichnet vom Durchbruch der finnischen Verteidigung, der sogenannten Mannerheim-Linie, am 05.03.1940 -- war Finnland gezwungen, auf die Forderungen der UdSSR einzugehen. Am 7. März reiste eine finnische Verhandlungsdelegation nach Moskau. Bereits am 12.03.1940 kam es zur Unterzeichnung des Friedensvertrages. Dieser Friedensvertrag unterwarf Finnland folgenden harten Bedingungen:

  • Abtrennung der gesamten Karelischen Landenge bis nördlich des Ladogasees, einschließlich aller im Finnischen Meerbusen gelegenen finnischen Inseln;
  • Überlassung der Halbinsel Hankö, einer anliegenden Bucht und umgebenden Inseln für 30 Jahre auf der Grundlage eines Pachtvertrages;
  • Rückgabe der Halbinsel Fisherman (Rybac) an der Küste zur Barentssee an die UdSSR;
  • Abtrennung eines Teiles von Kuusamo in Mittelfinnland.

Außerdem erlitt Finnland im Winterkrieg folgende schweren Verluste:

  • der Krieg kostete Finnland ca. 25 000 Tote und 45 000 Verwundete;
  • Finnland verlor ca. ein Zehntel seines Wirtschaftspotentials an Ackerland, Forstwirtschaft und Industrie;
  • ca. 420 000 Menschen aus den abgetrennten Gebieten wurden obdachlos; sie verließen mit der zurückgehenden Armee ihre Heimat, um an anderen Orten Finnlands neu zu siedeln.

Im Winterkrieg erlitt Finnland eine militärische Niederlage. Von direkter militärischer Unterstützung abgeschnitten hatte es keine Chance, gegen die Großmacht UdSSR mit ihren Menschen- und Materialressourcen zu bestehen. Politisch und moralisch errang das kleine finnische Volk jedoch einen Sieg. Es sicherte die Erhaltung der existierenden Gesellschaftsordnung, seiner Souveränität und erwarb sich die Achtung breiter gesellschaftlicher Kreise in der ganzen Welt.



* * *


Nachwort -- Bewertung des Bisherigen

Hätte ich heute die Aufgabe, eine Einschätzung des Winterkrieges für ein Militärlexikon zu schreiben, dann hätte diese ungefähr folgenden Wortlaut:

1.  Der Winterkrieg war ein Element der politischen und militärischen Realisierung des Molotow-Ribbentrop-Paktes über die Aufteilung von Interessensphären zwischen Deutschland und der UdSSR. Die UdSSR hatte dabei folgende Ziele:
- die Erhöhung der Sicherheit des Landes in einer bestimmten Richtung auf Kosten Finnlands -- als Minimalprogramm;
- die Veränderung der in Finnland herrschenden Gesellschaftsordnung und die Wiedereingliederung Finnlands in die UdSSR nach dem Muster der baltischen Staaten -- als Maximalprogramm.

Die politische und militärische Zielstellung der UdSSR wurde nicht erreicht. Diese bestand nach sowjetischen Darstellungen in
- der Verhinderung der Möglichkeit eines Angriffs auf die UdSSR durch westeuropäische Staaten (Deutschland) über finnisches Territorium;
- der Verhinderung der Beteiligung Finnlands an einer solchen militärischen Aktion.
Das Gegenteil trat ein. Das faschistische Deutschland griff die UdSSR 1941 über finnisches Territorium an und hatte dabei die finnischen Streitkräfte als "Waffenbrüder" an ihrer Seite.

2.  Der Winterkrieg war der Versuch einer Revanche der KPdSU bzw. des Sowjetstaates für die Niederlage der Revolution in den westlichen Teilen des zaristischen Rußland in den Jahren 1918 bis 1920 -- mit dem Ziel, die Grenzen von vor 1917 wieder herzustellen.

3.  Der Winterkrieg war, betrachtet von der marxistischen Definition über gerechte und ungerechte Kriege, von Seiten der UdSSR ein ungerechter Krieg, ein Krieg zur Eroberung fremder Territorien und zur Unterwerfung eines anderen Volkes, ein Krieg also, den die Marxisten eigentlich ablehnten.

4.  Der Winterkrieg schadete dem internationalen Ansehen der UdSSR und verschlechterte deren Beziehungen zu potentiellen Verbündeten in einem möglichen Krieg gegen Deutschland.

5.  Der Winterkrieg offenbarte Schwächen in der Kriegsfähigkeit der Roten Armee und förderte damit die Vorstellungen der faschistischen Führung über die Möglichkeit des Sieges in einem Blitzkrieg gegen die UdSSR.




Die Fortsetzung des Krieges als Vasall Deutschlands.
(Der "Fortsetzungskrieg")

Unmittelbar nach Abschluß des Friedensvertrages begann das faschistische Deutschland den Anschluß Finnlands an den faschistischen Block in Angriff zu nehmen. Diese Bestrebungen fielen nicht schwer, da der Krieg das Mißtrauen Finnlands gegenüber den politischen Zielen der UdSSR verstärkt hatte. Außerdem hatte sich in Finnland die Erkenntnis durchgesetzt, daß bei einer zukünftigen Auseinandersetzung mit der UdSSR keinerlei Hilfe von den skandinavischen Nachbarn und den westlichen Alliierten zu erwarten sei. Damit gab es für Finnland nur einen potentiellen Verbündeten gegen die UdSSR, und das war das faschistische Deutschland. Die außenpolitische Orientierung auf Deutschland war für die finnische Bourgeoisie nur die Wiederaufnahme der bereits in den dreißiger Jahren praktizierten Linie -- obwohl die offizielle finnische Linie dies unmittelbar nach dem Winterkrieg noch nicht offen zum Ausdruck brachte. Man setzte noch auf die Befriedung der Beziehungen zur UdSSR, das Heraushalten aus kriegerischen Verwicklungen, den Anschluß an die Neutralitätspolitik Schwedens und enge Wirtschaftsbeziehungen mit Deutschland. Gleichzeitig orientierte Finnland auf einen weiteren zielstrebigen Ausbau der Schlagkraft seiner Streitkräfte, die Schaffung von Befestigungsanlagen und die Stärkung der Rüstungsindustrie. Die Militärausgaben stiegen 1940 auf 63,2% der Staatsausgaben.

Die wirtschaftlichen Absichten Finnlands lagen voll im Interesse Deutschlands. Deshalb bestand der erste Schritt für die Einbindung Finnlands in die weiteren militärischen Pläne Deutschlands in einer verstärkten wirtschaftlichen Zusammenarbeit. Bereits am 28.03.1940 trat Deutschland mit einem Sofortprogramm an Finnland heran, welches ihm die weitere Lieferung kriegswichtiger Rohstoffe (Kupfer, Molybdän, Nickel, Schwefelkies) sicherte.

Mit einem am 29.06.1941 abgeschlossenen Vertrag über den gegenseitigen Warenverkehr steigerte Deutschland seinen Anteil am finnischen Außenhandel um 50 Prozent. Die finnischen Reedereien übernahmen außerdem den Transport von 120 000 Tonnen Eisenerz, aus ostschwedischen Häfen, nach Deutschland. Außerdem verpflichtete sich Finnland, mit den deutschen Kriegsgegnern keinerlei Außenhandel zu betreiben.

Finnlands Rolle bei der Vorbereitung des Überfalls auf die UdSSR.   Nachdem das faschistische Deutschland im April 1940 Dänemark und Norwegen besetzte, ordnete sich Finnland voll dessen weiterer militärischer Planung unter. Präsident Ryti erklärte im Juli die Bereitschaft zur völligen Einpassung in die Pläne Deutschlands. Außenminister Witting äußerte, Deutschland sei die einzige Großmacht, mit deren Hilfe man verlorenes Gebiet zurückholen könnte. Bereits mit Beginn der operativen Planung "Barbarossa" für den Überfall auf die UdSSR setzte Deutschland auf die Mitwirkung Finnlands. Die zweite Etappe der Einbeziehung bestand vor allem in zwei Aktivitäten:

  • verstärkte Belieferung von Finnland mit Waffen und Munition und
  • Erschließung des finnischen Raumes für Truppen- und Materialtransporte.

Bereits im August erwirkte Göring, über seinen Vertrauensmann Veltjen, die finnische Zustimmung für solche Transporte in den Raum Kirkenes (Nord-Norwegen). Am 22.09.1940 kam es zwischen beiden Ländern zu einem politischen Abkommen, welches nicht nur die Transporte, sondern auch den Aufbau eines Systems von Lagern und Stützpunkten für deren Durchführung erlaubte. Dabei fehlte in dem Vertrag ein wichtiger Punkt, der im analogen Vertrag für die sowjetischen Transporte nach Hankö enthalten war. Es handelte sich dabei um den getrennten Transport von Waffen und Personal.

Im Plan Barbarossa waren den finnischen Streitkräften von der deutschen Wehrmachtsführung folgende drei Aufgaben zugewiesen:

  • Angriff der sowjetischen Streitkräfte westlich und östlich des Ladogasees zur Einkreisung und Einnahme Leningrads, in Abhängigkeit vom Vormarsch der Heeresgruppe Nord durch das Baltikum;
  • Zerschlagung der sowjetischen Gruppierung auf der Halbinsel Hankö;
  • Deckung und operative Unterstützung der deutschen Kräfte in Nord-Finnland bei deren Angriff auf Murmansk.

Ab Ende 1940 begann ein enges, vielseitiges Zusammenwirken zwischen den militärischen Führungsspitzen. Die Operativ-Abteilung des finnischen Generalstabes erstellte bereits im Dezember die ersten Planungsskizzen über die Angriffsmöglichkeiten der Finnischen Streitkräfte. Zu den Aktivitäten gehörten außerdem:

  • Überlassung von Kartenmaterial über das vorgesehene Operationsgebiet;
  • Erlaubnis von Aufklärungsflügen über das finnische Territorium hinweg;
  • Überlassung von Aufklärungsangaben über die Rote Armee;
  • Vermittlung der Erfahrungen des Winterkrieges an das OKH durch Generalstabschef Heinrichs (17.01.41 in Zossen);
  • Einweisung von 70 finnischen Offizieren in die deutsche Kriegführung im Westen; (Finnland revanchierte sich dafür, indem es über seinen Militärattache in London Angaben über die Resultate deutscher Bombenangriffe auf Großbritannien zur Verfügung stellte.);
  • Studium der Bedingungen an der finnisch-sowjetischen Grenze durch General Dietl und als Touristen getarnte deutsche Aufklärungs-Kommandos;
  • Erlaubnis für die Waffen-SS (ab März), Freiwillige in Finnland zu rekrutieren; deren Dienstzeit dort wurde auf die Wehrpflicht angerechnet.

Zur endgültigen Koordinierung der militärischen Handlungen zwischen den Generalstäben weilte der finnische Generalstabschef Heinrichs am 25. und 26.05. in Salzburg und Zossen. Weitere Präzisierungen erfolgten Anfang Juni in Helsinki. Dabei wurde Übereinstimmung in folgenden Fragen erzielt:

  • die Dislozierung deutscher Einheiten in Finnland und die Nutzung finnischer Einrichtungen (Flugplätze, Nachrichtenverbindungen, Transportmittel usw.);
  • die Unterstellung des III. Finnischen AK unter das AOK Norwegen;
  • die Trennungslinie zwischen den Gruppierungen beider Seiten;
  • Zeitpunkte und Ordnung der finnischen Mobilmachung:
    • Grenz- und Festungstruppen sowie Petsamo-Abteilung 10.-13.06.,
    • Angriffsgruppe Hankö, Flugstaffel Kemi, Küstenartillerie und Marine 15.-20.06.,
    • III. Armee-Korps 15.-25.06.,
    • die Masse des Heeres ab 16.06.;
  • Zeitpunkt für die Angriffsbereitschaft der finnischen Angriffsruppierung Ladogasee am 28.06.

Beide Länder tauschten Verbindungsstäbe bzw. Verbindungsoffiziere aus. Beim OKW und OKH vertrat Generalleutnant Harald ™hquist die Finnischen Streikräfte. Für das Zusammenwirken mit der Heeresgruppe Nord und dem AOK Norwegen war in Helsinki Generalmajor Waldemar Erfurth verantwortlich.

Bis zum 14.06. trugen die Verhandlungen und Absprachen beider Staaten rein militärischen Charakter und wurden von finnischer Seite durch die politische Führung nicht bestätigt. Mit dem 14.06. befürwortete Finnlands Präsident Ryti die Militärabsprachen und machte sie damit für Deutschland zur verbindlichen Zusage. Trotzdem gab es keinerlei zweiseitige Dokumente über die finnisch-deutschen Abmachungen.

Der deutsche Aufmarsch in Finnland begann am 05.06. mit der Verladung der ersten Truppenteile in den Häfen Stettin und Oslo für den Schiffstransport. Die Überführung der Truppen trug den Kodenamen "Blaufuchs". Bereits am 14.06. war mit der Überführung von 30 600 Soldaten die Aktion Blaufuchs im wesentlichen abgeschlossen. Im Rahmen dieser Aktion trafen in den finnischen Häfen Oulu, Kemi, Pietasaari, Vaasa, Kaskinen und Turku 74 Militärtransporter ein. Zur Weiterbeförderung von Mannschaften und Material benötigte man 260 Züge mit 9 093 Waggons. Selbstverständlich war eine solche Aktion nicht geheim zu halten. Als Legende für dieses Unternehmen wurde z.B. vom deutschen Militärattache in Moskau eine Ablöseaktion für Truppen von der Polarfront in Norwegen verbreitet. Das gleiche Argument verbreitete man in den deutschen Truppen, außer in denen, die von Süd-Norwegen kamen. Bei diesen sollte es sich um ein Täuschungsmanöver handeln. Mitten in die Mobilmachungsmaßnahmen erschien die bekannte TASS-Erklärung vom 14.06., in der alle Gerüchte über einen bevorstehenden Angriff auf die UdSSR als falsch zurückgewiesen wurden. Dies löste bei den Finnen, die bis zu diesem Zeitpunkt den genauen Angriffstermin nicht kannten, Bestürzung aus. Man war der Meinung, nun falle es Hitler schwer, einen glaubhaften Angriffsgrund zu finden. In einem Telegrammwechsel erklärte der Chef des Deutschen Generalstabes, Keitel, im Auftrage Hitlers, daß die finnischen Forderungen als erfüllt zu betrachten seien, und bestätigte damit den bevorstehenden Überfall. Das Telegramm beseitigte bei den Finnen die letzten Zweifel über die Ernsthaftigkeit der Pläne für einen deutschen Angriff; es wird von verschiedenen finnischen Historikern als "Militärvertrag" eingestuft. Am 18.06. verließen die deutschen Truppen ihre Feldlager und nahmen die Ausgangsstellungen an der finnisch sowjetischen Grenze ein. Als im finnischen Generalstab das Kodewort für den Überfall "Dortmund" einging, äußerte Generalstabschef Heinrichs: "Ein historischer Augenblick. Wenn nur alles gut gehen würde." Plagten Heinrichs schon damals Zweifel am Erfolg des Unternehmens Barbarossa?

Als am 22.06. der deutsche Überfall auf die UdSSR begann, versicherte die Finnische Regierung offiziell ihre Neutralität. Hitler ließ jedoch in seinem ersten Tagesbefehl an die Soldaten der Ostfront keinen Zweifel daran, daß Deutschland "im Bunde mit Finnland" zum Angriff angetreten sei. Auch die UdSSR versuchte zu Beginn des Krieges, Finnland zu neutralisieren. So wurde befohlen, Finnland nicht zu bombardieren, und die Truppen an der finnischen Grenze erhielten ein Feuerverbot. Trotzdem liefen über Finnland und mit finnischer Beteiligung folgende militärischen Handlungen seit Beginn des Krieges:

  • Bombenangriffe der deutschen Luftwaffe auf Murmansk unter Nutzung finnischer Flugplätze;
  • das Legen von Minensperren im Finnischen Meerbusen;
  • finnische Diversionshandlungen zur Sprengung der Schleußen im Weißmeer-Ostsee-Kanal und der Murman-Bahn;
  • Aufklärungsflüge von finnischen Flugplätzen aus;
  • Übersetzen von 6.000 Mann auf die Aland-Inseln unter Verletzung deren entmilitarisierten Status.

Das wichtigste war natürlich der weitere Aufbau der deutsch-finnischen Angriffsgruppierung, der noch nicht abgeschlossen war, und für den man ein noch intaktes Verkehrsnetz nutzen wollte. Auch die UdSSR ließ Finnland nicht ganz ungeschoren. So griffen ihre Fliegerkräfte nicht nur deutsche, sondern auch finnische Schiffe an. Man bombardierte Küstenbefestigungen und Flugplätze mit dem Argument, daß diese Angriffe den deutschen und nicht den finnischen Truppen gelten. Von finnischer Seite waren die Neutralitätserklärungen jedoch nur ein Taktieren, um nicht als Offensivpartner Deutschlands dazustehen. Deshalb nutzte die finnische Regierung einen solchen Bombenangriff am 25.06., um sich als Opfer eines unprovozierten sowjetischen Angriffs darzustellen. Am gleichen Tage erklärte der finnische Präsident Ryti in einer Rundfunkansprache: "Jetzt ist Krieg".

Spätestens hier gilt es, die Frage nach den finnischen Kriegszielen zu stellen. Dabei zeigt sich, daß es der politischen und militärischen Führung nicht nur um die Revision des Friedensvertrages von 1940 ging, sondern um mehr -- wenngleich die Regierung sich mit weitergehenden Forderungen zurückhielt und andere für sich sprechen ließ. Im wichtigsten Kriegsziel stimmte man mit seinem deutschen "Waffenbruder" voll überein -- es lautete: Zerschlagung der Staats- und Gesellschaftsordnung der UdSSR. Marschall Mannerheim brachte in einem Tagesbefehl bei Kriegsbeginn zum Ausdruck, daß man einen anti-bolschewistischen Kreuzzug führe, um das bolschewistische System für alle Zeiten zu vernichten. Präsident Ryti gab erklärte, daß der Krieg der Endkampf gegen den Bolschewismus und den Erbfeind Finnlands sei. Selbst der Vorsitzende der Sozialdemokraten, Tanner, forderte die unbedingte Vernichtung des sowjetischen Gesellschaftssystems. In seinem Tagesbefehl vom 10.07. verkündete Marschall Mannerheim die Forderung nach der Freiheit Kareliens (Sowjet-Karelien) und nach einem Großfinnland. Bereits im April/Mai 1941 erarbeiteten der Geograph Vainö Auer und der Historiker Eino Jutikkala im Auftrag des Präsidenten und Ministerpräsidenten eine Studie, in der die "berechtigten" Ansprüche Finnlands auf Ost-Karelien und die Kola-Halbinsel pseudowissenschaftlich begründet wurden. Diese hatte vorrangig den Zweck, deutschen bzw. von den Deutschen unterstützten Ansprüchen der norwegischen Quisling-Regierung auf Kola entgegenzuwirken. Im Auftrag von Präsident Ryti verfaßte der Historiker Jalmari Jaakkola eine Denkschrift, die am 14.06. in Berlin übergeben und im August, in einer modifizierten Version, als Propagandaschrift mit dem Titel "Die Ostfrage Finnlands" veröffentlicht wurde. In dieser Denkschrift fanden sich folgende Forderungen für eine Neuordnung Europas:

  • Annulierung des Moskauer Friedensvertrages von 1940;
  • Angliederung Ost-Kareliens und der Kola-Halbinsel an Finnland;
  • Aussiedlung der russischen Bevölkerung aus den anzugliedernden Gebieten;
  • Umsiedlung von Kareliern, Ingermanländern und Vespenaus Rußland in diese Gebiete.

In den ersten Kriegswochen gab es noch ausgefallenere Ideen, wie die Absicht, Leningrad als Großstadt zu liquidieren, bzw. die Schaffung von finnischen Protektoratsgebieten zwischen Severnaja Dwina und Ob, mit dort ansässigen finnisch-ugurischen Völkerschaften. Im Prinzip war Deutschland bereit, bestimmte finnische Forderungen zu akzeptieren, wenn auch Murmansk und die Kola-Halbinsel an Deutschland fallen sollten. Die dortigen Rohstoffvorkommen und den eisfreien Zugang zur Barentsee wollte man den Finnen nicht überlassen.

Die Kampfhandlungen an der finnisch-sowjetischen Front begannen ganz im Norden, mit dem Angriff des Gebirgs-Korps Norwegen, unter der Kodebezeichnung "Rentier", am 29.06. Das Korps hatte die Aufgabe, entlang der Küste vorzustoßen, in kürzester Frist die Fischer-Halbinsel, Poljarny und Murmansk zu nehmen und damit die strategische Verbindung der UdSSR mit dem Europäischen Nord-Meer und dem Atlantik zu unterbrechen.

Siehe Kartenskizzen 3a/b: Fortsetzungskrieg Deutschland/Finnland - UdSSR   [Juni bis Dez. 1941]

Am 01.07. griff das deutsche XXXVI. Armeekorps gemeinsam mit dem finnischen III. Armeekorps unter der Kodebezeichnung "Silberfuchs" ca. 400 km südlich in den Richtungen Kandalakscha, Louhi und Kem, an der Weißmeerküste an. Das XXXVI. AK sollte später zur Unterstützung des Gebirgs-Korps entlang der Murman-Bahn nach Norden operieren, während das III. AK mit der Einnahme der Murman-Bahn die Zuführung von Verstärkungen aus südlicher Richtung verhindern sollte.

Beide Operationen erreichten ihre Zielstellung nicht. Entgegen den Weisungen des sowjetischen Oberkommandos hatte der Befehlshaber der 14. Armee, die diesen Raum zu verteidigen hatte, bereits am 21.06. seine Truppen in die gefährdeten Richtungen beordert. Die Angriffe trafen die sowjetischen Truppen nicht unvorbereitet wie an der Westgrenze. So gelang es, durch eine aktive Verteidigung, unterstützt von Kommando-Unternehmen und Artillerie-Feuer der Schiffsartillerie von See, als erstes das Gebirgs-Korps zum Stehen zu bringen. Auch der Angriff des XXXVI. AK blieb nach 25 km stecken. Nur die in Richtung Louhi operierenden Finnischen Truppen waren 40-60 km vorangekommen. Das Erreichen des Angriffsziels wurde jedoch auch hier vereitelt. Die sowjetischen Truppen waren mit der Murman-Bahn im Rücken in der Lage, gefährdete Richtungen schnell zu sichern. Auch ein am 08.09. mit herangeführten Verstärkungen erneut geführter Angriff in Richtung Murmansk blieb stecken und mußte am 19.09. abgebrochen werden. General Dietl schrieb dem OKW am 23.09.: das Gebirgskorps sei am Ende seiner Kraft. Am 10.10. wurde für das AOK-Norwegen der Übergang zur Verteidigung angeordnet. Die Einnahme der Fischer-Halbinsel, von Murmansk und der Murman-Bahn sollte im nächsten Jahr erfolgen.

Am spätesten begann der Angriff dort, wo die Hauptkräfte der Finnen standen. In den Absprachen mit der deutschen Wehrmachtsführung, vor Beginn des Krieges, war die Richtung der Hauptanstrengungen - ob Karelische Landenge oder nordöstlich Ladogasee -offen geblieben. Marschall Mannerheim bevorzugte zuerst die Karelische Landenge. Unter dem deutschen Druck, von General Erfurth vorgetragenen, verlegte Mannerheim die Hauptanstrengungen nach nordöstlich des Ladogasees. In seinen Memoiren "äußert er allerdings später, er sei immer gegen einen direkten Angriff gegen Leningrad gewesen. In dieser Hauptrichtung formierten die Finnen die Karelische Armee, unter Generalleutnant Heinrichs, im Bestand von fünf Divisionen und drei Brigaden der Finnischen Streitkräfte und einer deutschen Division (163.). Der Angriff begann im Norden dieses Frontabschnittes am 10.07. in Richtung Ostufer Ladogasee, Sortavala und Petrosawodsk. Am 31.07. folgte der Angriff auf das Nordufer des Ladogasees mit den Zielen Lahdenpoja, Hiitala und Priosersk. Als letztes erfolgte der Angriff auf die Karelische Landenge am 20.08. In dieser Richtung erreichten die finnischen Truppen am 01.09. als erstes eines ihrer Kriegsziele, die alte Staatsgrenze von 1939. Während die deutsche Wehrmachtsführung die Fortsetzung des Angriffs auf Leningrad forderte, wurde die ehemalige Staatsgrenze nur an einigen Stellen und mit Verzögerung, zur "0Frontbereinigung", überschritten. Das Überschreiten der Grenze stieß im Volk auf Ablehnung. So weigerten sich z. B. 200 Mann des Infanterie-Regimentes 48, die Grenze zu überschreiten. Im nördlichen Frontabschnitt wurde das Operationsziel, Erreichen und Überschreiten des Flusses Swir erst mit einer zweiten Angriffsoperation erreicht, die am 04.09. eingeleitet wurde. Mit dieser Operation wurden zwar die Murman-Bahn unterbrochen und auf dem Südufer des Swir ein Brückenkopf gebildet, die Vereinigung mit den Truppen der Heeresgruppe Nord blieb aber sowohl auf der Karelischen Landenge als auch SO des Ladogasees aus. Dem eingeschlossenen Leningrad blieb somit zur Versorgung zumindest der Weg über den Ladogasee offen. Im nördlichen Frontabschnitt wurde Petrosawodsk am 02. 10. eingenommen, das nördlichste Operationsziel, die Landenge zwischen Onegasee und Segsee, aber erst Anfang Dezember erreicht. Auch die Unterbrechung der Murman-Bahn war nur ein scheinbarer Erfolg. Der UdSSR war es inzwischen gelungen, den Umgehungsabschnitt, Belomorsk-Oboserskaja, fertigzustellen, und damit blieb die Eisenbahnverbindung des strategisch wichtigen Hafens Murmansk zum sowjetischen Hinterland erhalten. Über diese Strecke lief danach ein Großteil der aus den USA über den Atlantik zugeführten Bewaffnung und Ausrüstung. Auch ein erneuter Versuch, Mannerheim zu einem weiteren Angriff östlich des Ladogasees in Richtung Tichwin zu bewegen, schlug fehl. Die Front erstarrte in den im Herbst erreichten Stellungen für eine lange Zeit. Mannerheim versprach nur noch die Bindung sowjetischer Kräfte in den erreichten Positionen. Erreicht hatte Finnland dabei noch ein weiteres Kriegsziel – die Eroberung von 1/3 von Sowjet-Karelien. Seine Besitzansprüche darauf machte es u.a. dadurch geltend, daß es das eroberte Petrosawodsk in Ünislinna (Onegaburg) umbenannte.

Mithin: Das Scheitern der deutschen Blitzkriegsstrategie zeigte sich nicht erst in der Schlacht vor Moskau, sondern bereits vorher an der finnisch-sowjetischen Front. Der Angriff auf Murmansk war abgewehrt, die Verbindung desselben mit dem Kernland nicht unterbrochen und die Einnahme von Leningrad aus der Bewegung gescheitert. Auf finnischer Seite wurde man vorsichtiger. Schon im August war es erneut das Anliegen der UdSSR, Finnland zu neutralisieren bzw. zum Verzicht auf offensive Kriegführung zu bewegen. Am 04.08.1941 schrieb Stalin in diesem Sinne an Roosevelt:

"Die UdSSR mißt der Neutralisierung Finnlands und der Abwendung von Deutschland große Bedeutung bei. ... Wenn sich die Regierung der USA bereit fände, Finnland mit dem Abbruch der Beziehungen zu drohen, würde die finnische Regierung in der Frage des Bruches mit Deutschland, entschlossener handeln. In diesem Falle könnte die Sowjet-Regierung Finnland gegenüber gewisse territoriale Zugeständnasse machen, um es zu beruhigen und mit ihm einen neuen Friedensvertrag abzuschließen."

Auch Großbritannien wurde um einen Beitrag gebeten. Aber – so wie im Winterkrieg die USA keinen Einfluß auf die Sowjetunion hatten, so hatte sie jetzt keinen auf Finnland. Finnland, das voll auf einen Sieg im Blitzkrieg gegen die UdSSR gesetzt hatte, mußte offensichtlich umdenken. Mit 17% der Bevölkerung direkt im Dienste der Streitkräfte bestand für das Land die Gefahr des wirtschaftlichen Zusammenbruchs. Indem man Ende 1941 100 000 Man aus den Streitkräften entließ stabilisierte man zwar den zivilen Sektor, verringerte aber gleichzeitig die Offensivfähigkeit der Streitkräfte. Wenn Finnland das über die USA vorgetragene sowjetische Angebot auch ignorierte, lag ihm jedoch viel an der Aufrechterhaltung der Beziehungen zu den Westmächten. So sehr sie mit einen deutschen Sieg über die UdSSR rechneten, so wenig vertrauten sie der Möglichkeit eines deutschen Erfolges über die westlichen Alliierten. Ihre "große Strategie" lief jetzt darauf hinaus, sowohl im Falle eines deutschen Sieges als auch eines Kompromiß-Friedens zwischen Deutschland und den westlichen Alliierten von den Ergebnissen des Krieges zu profitieren. Nur unter erheblichem deutschem Druck brachen die Finnen die diplomatischen Beziehungen zu Großbritannien ab und traten, am 25.12.41, dem Antikominternpakt bei. Unter sowjetischem Druck erklärte Großbritannien am 06.12. Finnland den Krieg. Churchill hatte vorher, in einem Privatbrief, Mannerheim über die britischen Vorbehalte zu diesem Schritt genau informiert. Trotzdem hatte Finnland sich außenpolitisch in eine schwierige Lage manövriert. Den Ausweg daraus suchte es in folgenden Schritten:

  • Versuch der Reaktivierung und Erweiterung der Zusammenarbeit mit Schweden;
  • Hervorhebung der Losung von der Führung eines defensiven Sonderkrieges; ('man habe nur einen gemeinsamen Gegner mit Deutschland und sei im übrigen nicht an dessen Kriegführung beteiligt);
  • Bezeichnung der deutsch-finnischen Beziehungen als Waffenbrüderschaft;
  • Einschränkung aktiver Kampfhandlungen zum Erhalt der Armee und Wirtschaft für die entscheidende Endphase des Krieges;
  • Herauslösung der finnischen Verbände in Lappland aus der deutschen Befehlsgewalt gegen Erweiterung des finnischen Frontabschnittes bei Uhtua.

Im Frühjahr 1942 forderte das deutsche Oberkommando von Mannerheim einen neuen Angriff auf die Murman-Bahn mit dem Ziel der Einnahme von Belomorsk (Soroka), um diese vor dem Umgehungsabschnitt zu unterbrechen und die Transporte von und nach Murmansk zu verhindern. Nachdem Mannerheim zuerst zugestimmt hatte, machte er im Januar 1942 diese Operationen von deutschen Erfolgen bei Leningrad abhängig. Diese blieben jedoch aus. Die Operation war außerdem politisch brisant, da die USA für den Fall weiterer Angriffshandlungen mit dem Entzug ihrer freundlichen Unterstützung drohten. Im April 1942 gingen außerdem die von zwei auf fünf verstärkten Armeen der UdSSR zum Angriff über. Wenn dieser auch von deutsch-finnischer Seite zum Stehen gebracht werden konnte, zeigte dies doch das veränderte Kräfteverhältnis und damit die Aussichtslosigkeit eigener Angriffs-operationen. Für Herbst 1942 plante das deutsche Oberkommando erneut einen Schlag gegen Leningrad, und es wollte diesen mit einer deutsch-finnischen Aktion gegen die Murman-Bahn verbinden. Dem Angriff gegen Leningrad kam die Rote Armee mit einem eigenen Angriff auf die deutsche Gruppierung bei Leningrad zuvor, und beide Operationen fielen ins Wasser. So gab es in der Jahresbilanz 1942 der deutsch-finnischen Kriegführung nur zwei unbedeutende erfolgreiche Offensivmaßnahmen:

  • die Einnahme der für die See- und Luftkriegführung wichtigen Insel Suursaari am 27./28.03 und
  • den Überfall auf die Insel Sucho im Ladogasee;

Die weitere "Waffenbrüderschaft" hing voll vom Erfolg der im Spätsommer 1942 angelaufenen deutschen Operation gegen Stalingrad ab. Die Finnen wollten vor weiteren eigenen Aktivitäten deutsche Erfolge sehen.


Finnlands Rückzug aus dem II.Weltkrieg

Nachdem Hitler den Finnen noch im August die Einnahme von Leningrad und Stalingrad fest versprochen hatte, erlitt die deutsche Armee bei Stalingrad eine entscheidende Niederlage, die zum Wendepunkt in der Geschichte des II. Weltkrieges wurde. Mitte Januar durchbrach die Rote Armee außerdem, am Südufer des Ladogasees, den Blokadering um Leningrad bei Schlüsselburg, und sicherte so die bessere Versorgung der Verteidiger von Leningrad. Bereits einen Tag nach der Kapitulation der 6. Armee bei Stalingrad erzielte die politische und militärische Führung Finnlands (Mannerheim, Ryti, Rangell, Tanner und Walden) Einigung darüber, daß das Land danach streben müsse, aus dem Krieg auszuscheiden. Wenn irgend möglich sollte das in Übereinstimmung mit Deutschland geschehen, das andernfalls Finnland großen Schaden zufügen könnte. Finnlands Weg zum Frieden war lang und bewchwerlich. Von der Grundsatzentscheidung am 03.02.43 bis zum Waffenstillstand vergingen noch 19 Monate. Daß es so lange dauerte, war Finnlands eigenes Verschulden. Bis in den Frühsommer 1944 ging man noch davon aus, der UdSSR eigene Vorstellungen über einen Friedensvertrag aufzwingen zu können. Man forderte die Wiederherstellung der Grenze von 1939 mit kleinen Korrekturen im Interesse der UdSSR. Finnland suchte den Ausweg aus dem Krieg über London, Washington und Stockholm und mit der Zustimmung Deutschlands. Als die deutsche Führung erfuhr, daß Finnland einen Seperatfrieden anstrebte, wurde über die Versorgungsabhängigkeit Finnlands Druck ausgeübt, verbunden mit der Forderung nach einem Bündnisvertrag. Zu letzterem wäre aber die Zustimmung des Parlaments nicht zu haben gewesen. Auf Weisung von Mannerheim wurde im Sommer 1943 das finnische Freiwilligen-Btln. der Waffen-SS aufgelöst. In Finnland entstand die sogenannte Friedensopposition. Am 20.08. verlangten 33 Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, auf dem Verhandlungswege den Frieden herbeizuführen. Im Oktober 1943 wandte sich Hitler persönlich mit einem Schreiben an Präsident Ryti mit der Forderung nach militärischen Aktivitäten. Die Antwort Rytis war hinhaltend und wiederholte den finnischen Standpunkt, eigene Aktivitäten von deutschen Erfolgen abhängig zu machen. Doch anstelle deutscher Erfolge kam die Niederlage in der Panzerschlacht bei Kursk.

Erst Ende 1943 reifte bei den Finnen die Bereitschaft, über die Friedensfrage direkt mit Moskau zu reden. Am 20.11. signalisierte die sowjetische Botschafterin in Stockholm, Alexandra Kolontai, daß die Finnen in Moskau zu Verhandlungen willkommen seien. Auch wünsche man die finnischen Vorstellungen über einen Friedensvertrag zu erfahren. Das bedeudete: Die UdSSR forderte nicht die bedingungslose Kapitulation. Botschafterin Kolontai warnte gleichzeitig davor, an Gebietsforderungen festzuhalten. Die Gespräche wurden im Dezember jedoch abgebrochen, da Finnland nicht bereit war, den Friedensvertrag von 1940 zu akzeptieren.

Deutschland ließ in dieser Zeit nichts unversucht, Finnlands Weg zum Frieden zu blockieren, und ergriff gleichzeitig Maßnahmen zum Schutz der eigenen Truppen und Interessen im Falle eines Ausscheidens Finnlands aus dem Krieg. Eine konkrete Maßnahme dafür war Hitlers Weisung No. 50 vom 28.09.1943. Diese beinhaltete folgende Maßnahmen:

  • das Zurückschwenken der zwei südlichen Korps der 20. Gebirgsarmee in die Tundra zum Aufbau einer Riegelstellung mit einem Radius von ca. 400 km um das Nordkap, zur Sicherung der Hauptkräfte und der Rohstoffvorkommen;
  • die Vorbereitung des Rückzuges der Verbände in nördlicher Richtung und die gleichzeitige Zerstörung der finnischen Infrastruktur dabei.

Die Planung und Vorbereitung dieser Maßnahmen erfolgte unter dem Decknamen "Birke".

Am 31.01.1944 erhielt Finnland von den USA eine Note mit der dringenden Aufforderungen, mit Moskau zu verhandeln. Die finnische Argumentation eines Sonderkrieges werde nicht akzeptiert, und die Bedingungen eines Friedensvertrages würden sich bei weiterer Verschleppung nur verschlechtern. Die Sowjetunion suche einen schnellen Erfolg für die Truppen an der Hauptfront. Schwerpunkt der sowjetischen Handlungen im Norden sei die 20. Gebirgsarmee und nicht die Finnischen Streitkräfte.
In das finnische Vorgehen kommt Bewegung. Am 12.02.44 macht sich der finnische Staatsrat Paasikivi, bekannt von den Verhandlungen mit der UdSSR vor und während des Winterkrieges, auf den Weg, um in Stockholm "Bücher zu kaufen". In Stockholm verhandelt er mit der Botschafterin Kolontai, welche die Waffenstillstandsbedingungen der UdSSR darlegt. Diese sind:

  • Abbruch der Beziehungen zu Deutschland;
  • Internierung der auf finnischen Territorium stehenden deutschen Truppen und Schiffe;
  • Wiederinkraftsetzung des Friedensvertrages von 1940;
  • Rückführung der in Finnland befindlichen sowjetischen und alliierten Kriegsgefangenen;
  • Entscheidung über die Demobilisierung der Finnischen Streitkräfte, Wiedergutmachung von Schäden und die Zukunft des Petsamo-Gebietes bei Verhandlungen in Moskau.

Obwohl Paasikivi für die Annahme der Bedingungen war lehnte die Mehrheit der politischen Führung Finnlands diese ab. Um dies zu verschleiern, wurde am 08.03., ohne Bezugnahme auf die Bedingungen, um Verhandlungen gebeten. Die Antwort aus Moskau forderte die Annahme der Bedingungen, verbunden mit der Bereitschaft, diese zu erläutern. Am 26.03. trifft Paasikivi in Moskau ein, um die sowjetischen Erläuterungen entgegenzunehmen. Er hat keinerlei Entscheidungsbefugnisse. Hauptpunkte sind der Abbruch der Beziehungen zu Deutschland und die Internierung bzw. Vertreibung der deutschen Truppen. Die UdSSR verzichtete darauf, auf der Internierung zu bestehen, obwohl dies das sicherste Mittel war, deren Einsatz an anderen Fronten zu verhindern. Aus den Erläuterungen ergab sich:

- die Bereitschaft der UdSSR, Finnland bei der Internierung bzw. Vertreibung der deutschen Truppen militärisch zu unterstützen;
- die Forderung nach Verringerung der Finnischen Streitkräfte bis Mai um 50% und bis Juni bis auf Friedensstärke;
- die Leistung von 600 Mio Dollar Schadenersatz innerhalb von 5 Jahren – in Form von Warenlieferungen;
- die Rückgabe des 1920 erhaltenen Petsamo-Gebietes an die UdSSR;
- der Verzicht der UdSSR auf das im Dezember 1941 geräumte Hankö.

Paasikivi trat wiederum für die Annahme der Bedingungen ein, doch die Regierung lehnte sie in ihrer Note an die Sowjetregierung vom 18.04. mit der Begründung ab, "die Existenz Finnlands als selbständiger Staat sei dadurch gefährdet". Man wollte weiter taktieren und mit Hilfe der westlichen Alliierten bessere Bedingungen herausschlagen.

Der spätere Präsident Kekkonen brachte das damals wie folgt zum Ausdruck:

"In der Zeit, wo die Großmächte ihre Angelegenheiten klären, können wir militärisch Außenstehende sein. Wenn Deutschland verliert haben wir eine intakte Armee. Die allgemeine Kriegsmüdigkeit in Rußland und die Sympathie der Westmächte uns gegenüber werden dazu führen, daß uns keine militärische Lösung aufgezwungen wird, sondern daß wir günstige Bedingungen erhalten".

Für den Fall des Abschlusses eines Seperatfriedens drohte Deutschland mit Konsequenzen. So wird den Finnen Ungarn als abschreckendes Beispiel genannt. Ab Ende Februar wurden die Getreide-, Lebensmittel- und spezielle Waffenlieferungen eingestellt. Am 18.04. verhängte Hitler den generellen Stop von Kriegsmateriellieferungen. In Betracht gezogen wurde die deutsche Besetzung der Insel Suursaari zur Sicherung der Minensperren und der Aland-Inseln zur Sicherung des Erztransportes aus Schweden. Im Frühjahr 1944 kam auf deutscher Seite die Erwägung ins Spiel, Teile der Bevölkerung und der Armee gegen das eigene Land aufzuwiegeln. Genährt wurden solche Absichten durch die Aussagen finnischer Offiziere gegenüber ihren deutschen "Waffenbrüdern", daß man einem Ausscheiden aus dem Krieg nicht tatenlos zusehen werde. Wie die spätere Entwicklung zeigte, hatten diese Aussagen keine nennenswerte Basis in der finnischen Armee.

Die finnische Führung befürchtet, nach dem Muster von 1918, den Einsatz von deutschen Truppen gegen die Aland-Inseln sowie Turku, Hankö und Helsinki. Als Gegenmaßnahmen erfolgen am 25.03. die Verstärkung der finnischen Truppen auf Aland und am 28.03. die Bildung der Sondereinheit Abteilung H zum Schutze von staatlichen Einrichtungen und Elementen der Infrastruktur im Raum Helsinki.

Die finnische Lage änderte sich grundlegend, als die Rote Armee am 09.06. auf der Karelischen Landenge zur Offensive überging und nach 11 Tagen Vyborg erreichte. Am 21.06. begann die Offensive an der Karelischen Front, und bereits Ende Juni sind große Teile Sowjet-Kareliens zurückerobert. Um die Front zu stabilisieren, braucht Finnland dringend Hilfe. Deshalb wandt es sich am 19.06. mit einem weitreichenden Hilfeersuchen an das deutsche OKW. Einen Tag später kam bereits die deutsche Zusicherung. Sowohl Truppen als auch Waffen wurden zur Unterstützung zur Verfügung gestellt.

Mit der Front kommen auch die Verhandlungen wieder in Bewegung. Am 22.06. signalisieren die Finnen über das Außenministerium Schwedens der UdSSR erneut ihre Verhandlungsbereitschaft. Die positive Antwort kam prompt am nächsten Tag. Die UdSSR forderte jedoch vor Verhandlungen eine finnische Bereitschaftserklärung zur Kapitulation. Von finnischer Seite wurde dies als Forderung nach bedingungsloser Kapitulation ausgelegt und erneut abgelehnt.

Am 22.06. war jedoch auch Ribbentrop in Helsinki eingetroffen und forderte, unter Androhung der Einstellung der angelaufenen Waffenhilfe, eine seit langem diskutierte schriftliche Erklärung über Finnlands Beziehungen zu Deutschland. Nachdem Finnland so lange dieser Forderung widerstanden hatte, gab es diesmal nach. Es wäre jedoch nicht Finnland gewesen, wenn es nicht auch in dieser Lage noch eine Hintertür gefunden hätte. Am 26.06. erhielt Ribbentrop seine geforderte Klarstellung in Form eines Briefes von Präsident Ryti an Hitler; dessen entscheidender Passus lautete:

"In Anbetracht der waffenbrüderlichen Hilfe, die Deutschland Finnland in seiner gegenwärtigen Situation gewährt, erkläre ich als Präsident des Staates, daß ich nur im Einvernehmen mit der Deutschen Reichsregierung Frieden mit der Sowjetunion schließen und nicht zulassen werde, daß die von mir ernannten finnischen Regierungen oder sonstige Persönlichkeiten Waffenstillstands- oder Friedensbesprechungen oder diesem Zweck dienende Verhandlungen ohne Einvernehmen mit der Deutschen Reichsregierung führen."

Damit verband Ryti diese Erklärung nur mit seiner Person und ließ sowohl Regierung als auch Parlament außen vor.

Zuvor hatte er im Staatsrat seine Bereitschaft bekundet, bei Notwendigkeit der Änderung der Beziehungen zu Deutschland sofort zurückzutreten. Außenpolitisch hatte diese Erklärung eine weitere Schwächung Finnlands zur Folge. Die USA brachen ihre Beziehungen zu Finnland ab. Schweden erklärte, als Vermittler nicht mehr zur Verfügung zu stehen, und die UdSSR brachte klar zum Ausdruck, daß es weitere Verhandlungen erst nach dem Rücktritt Rytis geben könnte.

Für den Fortgang der Kampfhandlungen hatte der sogenannte Ryti-Ribbentrop-Pakt nur in sofern Bedeutung, daß er die Zufuhr von Bewaffnung aus Deutschland bis in den September hinein sicherte. Die sowjetische Offensive wurde trotzdem nicht um jeden Preis fortgesetzt, sondern kam, auch auf Grund des starken Widerstandes der Finnen, auf der Karelischen Landenge am 15.06. und in Karelien nach Erreichen und teilweisem Überschreiten der finnischen Grenze Ende Juni zum Stehen. Weitere Rückschläge an der deutsch-sowjetischen Front zeigten der finnischen Führung, daß von Deutschland keine entscheidende Unterstützung mehr zu erwarten sei. Ende Juli ging Finnland daran, sich der lästigen Bindung des Ryti-Ribbentrop-Paktes zu entledigen. Am 01.08. legte Ryti, aus gesundheitlichen Gründen, sein Amt nieder, und Marschall Mannerheim wurde, durch Sondergesetz, einstimmig zum Präsidenten gewählt. Goebbels äußerte zu diesem Schritt: "Wenn sich in einem kriegführenden Land der Marschall an die Spitze des Reiches stellt, riecht das nach Kapitulation."

Am 08.08. wurde die Neubildung einer Regierung abgeschlossen, die nicht aus der Friedensopposition kam, dafür stark großindustrielle Interessen repräsentierte. Zur Überraschung vieler fehlte Paasikivi in dieser Regierung. Um Verhandlungen mit der UdSSR nicht zu erschweren, distanzierte sich Mannerheim am 17.08. sowohl gegenüber Keitel als auch gegenüber dem deutschen Außenministerium von der Erklärung Rytis. Im August gab es außerdem von Seiten der Friedensopposition verstärkt Forderungen, in Verhandlungen mit Moskau einzutreten und Frieden zu schließen. Eine Entscheidung fiel deshalb so schwer, weil man eine militärische Reaktion von deutscher Seite auf diesen Schritt befürchtete. Im Lappland stand die noch voll gefechtsbereite 20. Gebirgsarmee mit ca. 220 000 Mann, und auch im Süden gab es einzelne deutsche Verbände. Am 24.08. war es dann so weit: Die finnische Führung faßte den Entschluß, in Moskau um Verhandlungen nachzusuchen. Am nächsten Tag wurde in der sowjetischen Botschaft in Stockholm ein entsprechendes Schreiben übergeben. Am 29.08. erklärte die Sowjetregierung ihre Verhandlungsbereitschaft unter folgenden Voraussetzungen:

  • Finnland veröffentlicht eine Verlautbarung über den Abbruch der Beziehungen zu Deutschland;
  • Finnland fordert von Deutschland, seine Truppen innerhalb von zwei Wochen, spätestens bis zum 15.09. von Finnland abzuziehen; verbliebene werden interniert und den Alliierten als Kriegsgefangene übergeben.

Nach diesen Forderungen versuchte Mannerheim, mit eigenen Vorschlägen, weiter zu taktieren. Das führte am 03.09. zu einer neuen Erklärung der Sowjetregierung, in der sie auf ihren Forderungen bestand und ihre Bereitschaft erklärte, an der Entwaffnung der deutschen Truppen mitzuwirken. Diese Erklärung erzielte die gewünschte Wirkung. Am 04.09. ver-kündete die finnische Nachrichtenagentur den Bruch mit Deutschland und die Forderung nach Abzug der deutschen Truppen bis 15.09. An die Finnischen Streitkräfte erging der Befehl, die Kampfhandlungen ab 04.09. 08.00 Uhr, einzustellen.

Genau 24 Stunden später stellten auch die sowjetischen Truppen ihre Kampfhandlungen ein. Der Abzug der deutschen Truppen, Stäbe und Einrichtungen aus Süd-Finnland erfolgte bis zum 10.09. auf dem Seewege, ohne Komplikationen, mit finnischer Hilfeleistung.

Der Abzug bzw. die Vertreibung der 20. Gebirgsarmee war wiederum eine spezifisch finnische Operation, die erst im April 1945 beendet war. Am 03.09. begann die 20. Gebirgs-armee mit der Operation "Birke", die bereits ein Jahr zuvor auf der Grundlage von Hitlers Direktive 50 geplant worden war. Die Gebirgskorps der 20. Gebirgsarmee begannen, im Süden beginnend, sich auf die nördlichen Riegelstellungen zurückzuziehen. Die finnischen Streitkräfte folgten dieser Bewegung mit der Operation "Herbstmanöver". Dabei erfolgten die Rückzugsbewegungen der deutschen Truppen und die "Angriffsoperationen" der Finnischen Streitkräfte kampflos, in gegenseitiger Absprache. Die deutschen Kommandeure nannten ihre Rückzugslinien, und die finnischen Kommandeure planten ihre "Angriffsziele" einige km südlich davon.

Inzwischen kam es vom 14.-19.09.1944 zu Waffenstillstandsverhandlungen in Moskau. Das am 19.09. unterzeichnete Abkommen enthielt fogende finnischen Verpflichtungen:

  • Anerkennung des Friedensvertrages von 1940;
  • Entwaffnung und Auslieferung aller nach dem 15.09. noch auf finnischen Boden befindlichen deutschen Truppen;
  • Übergabe aller im finnischen Besitz befindlichen Angaben über die deutschen Truppen und Operationspläne;
  • für die Dauer des Krieges finnische Küstengewässer, Flugplätze, Häfen und Ankerplätze für militärische Operationen zur Verfügung zu stellen;
  • Rückgabe von Petsamo und den Korridor dahin;
  • Übergabe der Halbinsel Porkkala als Pachtgebiet an die UdSSR (anstelle von Hankö);
  • Reparationsleistungen in Höhe von 300 Mio. Dollar;
  • Bereitschaft zur Verurteilung der Kriegsschuldigen;
  • Auflösung aller militärischen, halbmilitärischen und politischen Organisationen faschistischen Charakters;
  • Aufhebung von Beschränkungen demokratischer Rechte (!);
  • Einsetzung einer alliierten Kontrollkommission.

Bereits bei den Moskauer Verhandlungen wurde das finnische Vorgehen in Lappland kritisch bewertet. Druck auf die finnische Führung gab es ebenfalls von der sich formierenden demokratischen Bewegung. Dazu kam, daß die deutschen Truppen bei ihrem Rückzug die Taktik der verbrannten Erde praktizierten. Mit dem Eintreffen der ersten Kontrolloffiziere verstärkte sich der Druck auf die finnische Führung, auch militärisch gegen die deutschen Truppen vorzugehen. Hemmend wirkte dabei die moralische Komponente, die darin bestand, daß es bestimmt gar nicht so leicht war, den finnischen Truppen klar zu machen, daß der bisherige "Waffenbruder" jetzt der Feind war.

Am 28.09. war der Scheinkrieg in Lappland jedoch vorbei. Das "Herbstmanöver" war beendet. Es begann die gewaltsame Rückeroberung des Raumes Tornio-Kemi und die Vertreibung der deutschen Truppen. An der Vertreibung der 20. Gebirgsarmee aus dem hohen Norden beteiligte sich auch die Rote Armee mit einer Angriffsoperation der von der Nordflotte und von Fliegerkräften unterstützten 14. Armee. Im Rahmen dieser Operation stießen die sowjetischen Truppen bis Kirkenes und Neiden in Nord-Norwegen vor. Am längsten leisteten die deutschen Truppen in der sogenannten "Sturmbockstellung" in der nord-westlichen Spitze Finnlands Widerstand. Der letzte deutsche Soldat verließ am 25.04.1945 finnischen Boden. Bei den Kampfhandlungen zur Vertreibung der deutschen Truppen aus Lappland fielen 774 finnische Soldaten. Dazu kamen 262 Vermißte und 2904 Verwundete. Die zurückgehenden deutschen Truppen brannten nicht nur das Verwaltungszentrum Rovaniemi "als Dank für nicht erwiesene Waffenbrüderschaft" vollständig nieder, sondern zerstörten in Finnisch-Lappland 17 937 Gebäude, 1 105 Straßen- und 128 Eisenbahnbrücken, alle Fähren und Anlegestellen und das gesamte Nachrichtennetz.


Schlußbemerkungen

Seinen Abschluß fand das finnische Kriegsabenteuer an der Seite des faschistischen Deutschland mit dem Friedensvertrag von 1947. Dabei wurden nicht nur die Grenzen entsprechend dem Waffenstillstandsabkommen festgeschrieben, sondern den Finnischen Streitkräften folgende gravierende Beschränkungen auferlegt:

  • Landstreitkräfte 34 400 Mann;
  • Seestreitkräfte 4 500 Mann; Gesamttonnage 10 000 t; keine U-Boote, Torpedo-Boote u.a. spezielle Schiffstypen für Angriffsaufgaben; keine Minen und Torpedos mit Fernzündung;
  • Luftstreitkräfte 3 000 Mann; keine Bomber;
  • die genannten Zahlen umfassen Führungs-, Kampf- und Unterstützungskräfte;
  • Durchführung von militärischer Ausbildung nur in den Streitkräften;
  • kein Besitz von Raketenbewaffnung und Startvorrichtungen;
  • Verbot von Bau, Anschaffung und Test von Kernwaffen.

Trotz dieser Einschränkungen gelang es dem kleinen Finnland, in der Zeit des Kalten Krieges, im Schatten einer militärischen Supermacht, eine typisch finnische, erfolgreiche Militär- und Sicherheitspolitik zu betreiben, die ihm weltweit Anerkennung einbrachte. Wie es das vollbrachte, könnte Inhalt einer weiteren Ausarbeitung sein.


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Literaturhinweise zu den deutsch - sowjetischen/russischen Beziehungen (Auswahl)

Manfred Zeidler:   Reichswehr und Rote Armee 1920-1933
Bodo Scheurig:   Verräter oder Patrioten (NKFD/BDO)
Sigried Wegner-Korfes:   Weimar-Stalingrad-Berlin (Korfes)
General v. Seydlitz:   Stalingrad - Konflikt und Konsequenz
H. Graf v. Einsiedel:   Tagebuch der Versuchung (NKFD/BDO)
Walter Görlitz:   Paulus - Ich stehe hier auf Befehl
Lehweß-Litzmann:   Absturz ins Leben
Leonid Reschin:   Feldmarschall im Kreuzverhör (Paulus)
Leonid Reschin:   General zwischen den Fronten (Seydlitz)
Margret Bechler:   Warten auf Antwort
A.P. Sudoplatow:   Der Handlanger der Macht
Lew Kopelew:   Aufbewahren für alle Zeit
Lew Kopelew:   Und schuf mir einen Götzen
Lew Kopelew:   Tröste meine Trauer
Lew Kopelew:   Wir lebten in Moskau
Lew Kopelew:   Waffe Wort
Gerhard Zwerenz:   Vergiß die Träume deiner Jugend nicht
Wolfgang Leonhardt:   Die Revolution entläßt ihre Kinder
Rudolf Ströbinger:   Stalin enthauptet die Rote Armee
Valentin Bereshkow:   Ich war Stalins Dolmetscher
Winston Churchill:   Der zweite Weltkrieg
Marg. Buber-Neumann:   Von Potsdam nach Moskau
Victor Serge:   Erinnerungen eines Revolutionärs
Dmitrij Wolkogonow:   Triumph und Tragödie (Stalin-Biographie)
Dmitrij Wolkogonow:   Utopie und Terror (Lenin-Biographie)
Dmitrij Wolkogonow:   Januskopf der Revolution (Trotzki-Biographie)
Valentin Falin:   Die zweite Front
Valentin Falin:   Politische Erinnerungen
Valentin Falin:   Konflikte im Kreml
Marg. Buber-Neumann:   Kriegsschauplätze der Weltrevolution
Babette Groß:   Willi Münzenberg (Biographie)
Joachim C. Fest:   Hitler (Biographie)
Paul Schmidt:   Statist auf diplomatischer Bühne (Chefdolmetscher von Ebert bis Hitler)
Schließer/Trauptmann:   Russisch Roulette. Das deutsche Geld und die Oktoberrevolution
Joachim Hoffmann:   Die Wlassow-Armee
J.A. Kwizinskij:   Vor dem Sturm (Erinnerungen eines Diplomaten)
Georgi Arbatow:   Das System
Anatoli Gribkow:   Im Dienste der Sowjetunion
D. Pryce-Jones:   Der Untergang des Sowjetischen Reiches
Anatoli Tschernajew:   Die letzten Jahre einer Weltmacht
Juri Afanassjew:   Rußland – Despotie oder Demokratie
Vladimir K. Jegorow:   Ein Stern verblaßt
W. Keworkow:   Der geheime Kanal
Victor Timtschenko:   Rußland nach Jelzin – Der Aufstieg einer kriminellen Supermacht
Alexej Adshubej:   Gestürzte Hoffnung - ... Chrustschow
W. Kotschemassow:   Meine letzte Mission


Quellenverzeichnis:

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Max Jakobson, The Diplomacy of the Winter War, Harvard University Press 1961
Autorenkollektiv, The Case of Independent Finnland - Aspekts of Security
International Review of Military History No. 26 - 1985
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Manfred Menger, Deutschland und Finnland im zweiten Weltkrieg, Militärhistorische Studien No. 26, Militärverlag der DDR 1988