[Impressum] [ DSS-Home ]     [ MA50-Home ] Stand: 05.01.2009

Dresdener Studiengemeinschaft SICHERHEITSPOLITIK  e.V.   (DSS)



Soldaten in Verantwortung für den Frieden

Zum 50. Gründungstag der Militärakademie "Friedrich Engels"

von Frank Preiß

Was 225 Teilnehmer eines Kolloquiums am 10. Januar 2009 im Plenarsaal des Dresdner Rathauses denk­würdig befanden:
Am 5. Januar 1959 war in der Elbestadt die Militärakademie "Friedrich Engels" der Nationalen Volksarmee gegründet worden.

Nein, die historisch kritische Nachbetrachtung zur Militär­aka­de­mie war keine Nostalgieveranstaltung, wenngleich die Mehr­zahl der Teilnehmer ehemalige DDR-Militärs waren. Die Veranstal­tung entsprach keinem gängigen Klischee, sie machte aber eines deutlich: Wer deutsche Militärgeschichte in ihrer ganzen Komplexität erfassen und für die künftige Sicherheitspolitik in Rechnung stellen will, der kommt um eine objektive Analyse und Bewertung des militärischen Erbes der DDR nicht herum.

Sowohl das Referat als auch die neun Diskussionsbeiträge unterzogen das Erkenntnisobjekt Militärakademie, eingebettet in die seinerzeitigen gesellschaftlichen Bedingungen, einer wissenschaftlichen Bewertung. Der Militärhistoriker Oberst a. D. Prof. Paul Heider analysierte den Werdegang der militärischen Hochschule von ihrer Gründung auf Beschluss des SED-Politbüros und des Ministerrates der DDR bis zur demokratischen Militärreform. Sachlich fundiert und ausgewogen stellte er Kritikwürdiges ins Verhältnis zu erbrachten wissenschaftlichen Leistungen. Als wesentlich bewertete er, dass es seit Beginn der achtziger Jahre zur Frontenbildung geistiger Auseinandersetzung zwischen konservativen und revisionistischen Auffassungen in der Krieg-Frieden-Frage kam.

Dr. Hermann Hagena Hierauf ging vor allem Prof. Max Schmidt ein. Er zeichnete ein eindrucksvolles Bild von der Zusammenarbeit des Wissenschaftlichen Rates für Friedensforschung an der Akademie der Wissenschaften der DDR, dessen Vorsitzender er war, mit der Militärakademie und betonte, dass von ihr theoretische Begründungen für eine neue, eine kooperative Sicherheitskonzeption ins wissenschaftliche Leben des Landes eingebracht worden seien. Über die Bedeutung persönlicher Begegnungen für die Überwindung der gefährlichen militärischen Konfrontation zwischen Bundeswehr und Nationaler Volksarmee sprach Brigadegeneral a. D. Dr. Hermann Hagena, der im März 1989 Delegationsleiter der Bundeswehr beim ersten deutsch-deutschen Generals- und Offizierstreffen in Hamburg war.
Prof. Max Schmidt

Ein Zeichen der Hoffnung auf Normalität in der Erforschung der Militärgeschichte der DDR setzte Dr. Rüdiger Wenzke vom Militärgeschichtlichen Forschungsamt der Bundeswehr in seinem Vortrag zur militärgeschichtlichen Forschung über die Militärakademie.

Weitere Redner, die Militärwissenschaftler Oberst a. D. Prof. Eberhard Arnold, Oberst a. D. Dr. Rainer Böhme und Oberst a. D. Prof. Wolfgang Demmer, der Technikwissenschaftler Oberst a. D. Prof. Klaus Kürbis und die Gesell­schafts­wissenschaftler Kapitän zur See a. D. Prof. Wolfgang Scheler und Oberst a. D. Prof. Siegfried Schönherr waren, wie auch der Referent, ehemals Wissenschaftler der Militärakademie. Allein schon das theoretische Niveau ihrer Beiträge sprach für das wissenschaftliche Potenzial der 1990 aufgelösten Hochschule.

Die Brücke zur Gegenwart schlug der Gedanke, dass in der demokratischen Militärreform 1989/90 von allen im demokratischen Aufbruch befindlichen Parteien und Organisationen im Konsens beschlossen worden war, das System der militärischen Abschreckung zu überwinden und schrittweise die Entmilitarisierung der Sicherheit zu erreichen. Offiziere der Militärakademie waren federführend daran beteiligt, und die Führung der Nationalen Volksarmee unter Minister Admiral Theodor Hoffmann hat das Konzept voll akzeptiert. Vergleiche man das mit der Sicherheits- und Verteidigungspolitik der Berliner Republik, so wisse man, welchen Rückfall wir derzeit erleiden. Vor 20 Jahren gab es also deutsche Soldaten, die in einem verheißungsvollen Aufbruch der KSZE-Staaten zu einem Europa der Demokratie, des Friedens und der Einheit die Idee der gemeinsamen Sicherheit als Gebot unseres Zeitalters erkannten.

Januar 2009