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Dresdener Studiengemeinschaft SICHERHEITSPOLITIK  e.V.   (DSS)




Wolfgang Scheler

Kaderschmiede für den Kampf der Systeme
Zum 50. Jahrestag der Gründung der Militärakademie "Friedrich Engels"

Artikel in:  Sächsische Zeitung, Dresden, 5. Januar 2009, S. 18

Am 5. Januar 1959 wurde in Dresden die Militärakademie "Friedrich Engels" gegründet.

Als vor fünfzig Jahren die Militärakademie in Dresden eröffnet wurde, befanden sich Ost und West in einem erbittert geführten Kampf der Systeme. Wie die zwei Jahre zuvor entstandene Führungsakademie der Bundeswehr war auch die höchste militärische Bildungsstätte der DDR ein Kind des Kalten Krieges und in diesen eingebunden. Frieden sichern durch militärische Abschreckung, so lautete damals der Auftrag der Streitkräfte. Dafür hatte die Militärakademie Führungskräfte für die Regiments- und Divisionsebene auszubilden.

Militärische Hochschule

Ihr Status war der einer Hochschule, jedoch gehörte sie strukturell der Nationalen Volksarmee an. Obwohl der Gegensatz zwischen dem Lehr- und Forschungsauftrag einer Hochschule und der militärischen Führungsstruktur es nicht leicht machte und der Lehrkörper sich erst nachholend akademisch qualifizieren musste, erreichte die Akademie ein anerkanntes wissenschaftliches Niveau.
Der Wissenschaftliche Rat mit der Gesellschaftswissenschaftlichen, Militärwissenschaftlichen und Militärtechnischen Fakultät übte das Promotionsrecht aus. Insgesamt promovierten hier über 500 Doktoren eines Wissenschaftszweiges und etwa 100 Doktoren der Wissenschaften. Die Akademie gliederte sich teils nach Wissenschaften, überwiegend aber nach Strukturelementen der Streitkräfte in Sektionen und Lehrstühle, so in fünf Sektionen: Gesellschaftswissenschaften, Landstreitkräfte, Luftstreitkräfte/Luftverteidigung, Seestreitkräfte und Technik/Bewaffnung/Rückwärtige Dienste.
Bis 1990 sind etwa 6300 Offiziere in einem drei- bis vierjährigen Studium zu Diplom-Militärwissenschaftlern, Diplom-Gesellschaftswissenschaftlern und Diplom-Ingenieuren ausgebildet worden, darunter 160 Offiziere Vietnams, Polens, der CSSR und der UdSSR. Weiterbildungslehrgänge absolvierten mehr als 8000 Offiziere und Generale.
Im letzten Jahrzehnt ihrer Existenz kam es an der Militärakademie, ausgelöst durch das Bewusstwerden der alles vernichtenden Folgen eines atomaren Krieges, zur Revision der bisherigen Wehrmotivation und Militärtheorie. Neue Auffassungen über Frieden, Krieg und Streitkräfte sowie eine nichtkonfrontative, entmilitarisierte Sicherheitskonzeption wurden theoretisch begründet und in enger Zusammenarbeit mit dem Wissenschaftlichen Rat für Friedensforschung an der Akademie der Wissenschaften der DDR üöffentlich verfochten.

Kritisches Kolloquium

In der Staatskrise 1989 brachen Lehrer und Hörer schließlich mit der Partei- und Staatsführung und traten für demokratische Reformen der Gesellschaft und für eine demokratische Militärreform ein. Mit dem Beitritt der DDR zur Bundesrepublik 1990 wurde die Militärakademie aufgelöst.
Am 10. Januar 2009 wird sich im Rathaus der Stadt ein Kolloquium der historisch-kritischen Nachbetrachtung der Militärakademie widmen. Veranstalter ist die Dresdener Studiengemeinschaft Sicherheitspolitik e. V., die hierzu eine Dokumentation herausgegeben hat: Wolfgang Demmer / Eberhard Haueis, Militärakademie "Friedrich Engels" 1959 bis 1990.

  • Der Autor ist Vorstandsvorsitzender der Dresdener Studiengemeinschaft Sicherheitspolitik (DSS) e. V.
Scheler.Dresden@freenet.de   |   www.sicherheitspolitik-dss.de


M i l i t ä r a k a d e m i e
  • Die Militärakademie "Friedrich Engels" (MAK) wurde am 5. Januar 1959 in Dresden gegründet und unterstand dem Minister für Nationale Verteidigung.
  • Die Studierenden waren Offiziere, die bereits eine Fach- bzw. Hochschule absolviert und Erfahrungen im Truppendienst gesammelt hatten.
  • Insgesamt haben etwa 6500 Offiziere die Militärakademie absolviert. Die Dresdner Militärakademie war in verschiedene Sektionen (bis 1.6.1970 "Fakultäten") eingeteilt und hatte 44 Lehrstühle.
S t u d i e n g e m e i n s c h a f t
  • Die Dresdener Studiengemeinschaft Sicherheitspolitik (DSS) ist eine parteipolitisch und weltanschaulich unabhängige Vereinigung von Sozial- und Militärwissenschaftlern.
  • Sie konstituierte sich in ihrer Gründungsversammlung am 16. Oktober 1990 als Verein. Bereits seit Februar 1990 hatten die Gründungsmitglieder in einem Interdisziplinären Wissenschaftsbereich "Sicherheit" an der Militärakademie "Friedrich Engels" Dresden gemeinsam zu sicherheitspolitischen Themen gearbeitet.