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Dresdener Studiengemeinschaft SICHERHEITSPOLITIK  e.V.  (DSS)




Ernst    W o i t

Pazifismus in den geistigen Kämpfen unserer Zeit



Inhaltsübersicht:

  Definitionen   ***   Philosophisch-weltanschauliche Grundlagen
  Zum Friedens-Konzept des Klassischen Pazifismus
  Pazifismus und Marxismus    ***     Zur aktuellen Krise des Pazifismus




Definitionen

Es ist schlechterdings unmöglich, von dem Pazifismus zu sprechen. Zu vielfältig sind die mit diesem Begriff verbundenen und über ihn verbreiteten Auffassungen. Ich möchte das zunächst an einigen charakteristischen Definitionen in Wörterbüchern der DDR deutlich machen. Wörterbücher geben normalerweise die Resultate längerer wissenschaftlicher Diskussionen wieder und beeinflussen nachhaltig das Verständnis der in ihnen definierten Begriffe. Das seinerzeit in beiden deutschen Staaten eingeführte "Theologische Fach- und Fremdwörterbuch" definierte 1980 Pazifismus als "Streben nach Frieden um jeden Preis (ohne Rücksicht auf die jeweil. sozialen u. polit. Bedingungen) durch grundsätzl. Ablehnung militär. Mittel." /1/ In dem von BUHR und KLAUS herausgegebenen und mehr als 500 000 Exemplaren erschienenen "Philosophischen Wörterbuch" definierte GÜNTER HEYDEN 1976 Pazifismus als "liberale bürgerliche Strömung der Friedensbewegung, die den Krieg von seinen sozialökonomischen Wurzeln löst und den Standpunkt der Klassenneutralität und die Losung ‚Frieden um jeden Preis‘ ausgibt. Das Problem Krieg oder Frieden betrachtet der Pazifismus nicht von seinem Wesen, sondern von der Erscheinung her; er lehnt sowohl lokale und Weltkriege als auch nationale Befreiungskriege und revolutionäre Volksaufstände ab."/2/ Durchaus ähnlich die Definition, die HANS-PETER WETZSTEIN in seinem für Kinder bestimmten Fremdwörterbuch gibt. Er definiert Pazifismus als "Ausdruck einer fortschrittlichen bürgerlichen Weltanschauung, die den Frieden um jeden Preis erhalten will. Sie läßt jedoch außer acht, daß gerechte Kriege (z.B. Verteidigungs- und Befreiungskriege) dem gesellschaftlichen Fortschritt dienen." /3/

Für nach wie vor sehr zum kritischen Nachdenken anregend halte ich, was in einem Studienmaterial des Bundes der Evangelischen Kirchen in der DDR von 1982 zum Pazifismus formuliert worden ist: "Der Begriff Pazifismus ‚schillert‘. Seine undifferenzierte und fast beliebige Verwendung beruht auf seiner mangelhaften definitorischen Klarheit und unterschiedlichen Auslegungsfähigkeit. Dies läßt ihn als exakte Beschreibung friedens-ethischer und -politischer Motive und Tendenzen eher als ungeeignet erscheinen. Die Vielgestaltigkeit des Pazifismus in der neueren Geschichte erschwert eine sachliche Auseinandersetzung mit pazifistischen Tendenzen in der gegenwärtigen Friedensdiskussion. Es zeigt sich, daß es den Pazifismus nicht gibt, daß vielmehr verschiedene ‚Adjektiv-Pazifismen‘ nebeneinander bestehen, die sich einer generalisierenden Beurteilung entziehen. Damit wird auch der Vorwurf ‚des‘ Pazifismus ad absurdum geführt, zumindest insoweit, als nicht genau gesagt wird, was man damit meint."/4/



Philosophisch-weltanschauliche Grundlagen

Ich möchte nun versuchen, jene wichtigsten philosophisch-weltanschaulichen Positionen deutlich zu machen, die pazifistisches Denken und Handeln von jeglichem nicht-pazifistischen, insbesondere bellizistischen Denken und Handeln unterscheiden. Ganz allgemein ist das zunächst die Überzeugung, daß – trotz aller bisherigen kriegerischen Menschheitsgeschichte – Frieden etwas real Mögliches ist./5/ Diese Möglichkeit wird aus einem Menschenbild abgeleitet, das den Menschen prinzipiell für friedensfähig hält, weil Kriege nicht als Folge eines Naturgesetzes und das Führen von Kriegen nicht als dem Menschen wesenseigen gesehen werden. In unterschiedlicher Bedeutsamkeit betonen die einzelnen Varianten pazifistischen Denkens und Handelns dabei vor allem folgende Fähigkeiten des Menschen als Voraussetzung seiner Friedensfähigkeit:

  • Die Fähigkeit des Menschen zu vernünftigem Handeln. Historisch hat sich diese Fähigkeit im Ansatz bereits sehr zeitig bei der Entwicklung der Lehre vom ‚gerechten Krieg‘ in Gestalt der Güterabwägung herausgebildet. Heute zwingt die Existenz von Massenvernichtungsmitteln, die alles Leben auf der Erde auslöschen können, die menschliche Vernunft dazu, künftig Kriege als Mittel politischer Konfliktlösung nicht mehr zuzulassen. Für den Erfolg des Kampfes zur Ausschaltung des Krieges aus dem Leben der menschlichen Gesellschaft ist die Einheit von Vernunft und Gefühl, die Einheit des Rationalen und des Emotionalen, von entscheidender Bedeutung. Daraus wiederum ergibt sich, wie Wissenschaft, Religion, Kunst und Literatur das inzwischen für die Zukunft der Menschheit lebenswichtig gewordene pazifistische Denken, Fühlen und Handeln der Menschen fördern oder verhindern können.
  • Die Fähigkeit des Menschen zur rechtlichen Regelung seines sozialen Zusammenlebens. Damit ist vor allem die Erfahrung gemeint, daß die Menschen im Verlaufe ihrer geschichtlichen Entwicklung zunehmend das ‚Recht des Stärkeren‘ durch die Stärke rechtlicher Regelungen ersetzt haben. Sowohl innerhalb der Staaten wie auch in den zwischenstaatlichen Beziehungen trat damit allmählich – zumindest als welthistorische Entwicklungstendenz - die politisch vereinbarte Ersetzung des Faustrechts durch den rechtlichen Schiedsspruch.
  • Die Fähigkeit des Menschen zu humanistischem Denken, Fühlen und Handeln. Damit ist vor allem an die Fähigkeit jedes Menschen gedacht, sich als Teil der Menschheit zu verstehen und damit in anderen Menschen prinzipiell die Mitmenschen sehen zu können und nicht ‚Un‘- oder ‚Unter‘-Menschen. Diese Fähigkeit ist von entscheidender Bedeutung zur Immunisierung gegen kriegsideologische Feindbilder, die tendenziell darauf abzielen, dem letztlich als Nicht-Mitmenschen gezeichneten Feind gegenüber jede Gewalt und jedes Verbrechen zu rechtfertigen.
  • Die Fähigkeit des Menschen, Fortschritte gegenüber der bisherigen Entwicklung der Menschheit für notwendig und möglich zu halten. Das betrifft angesichts des spätestens seit der Industrialisierung unübersehbar immer stürmischer voranschreitenden wissenschaftlich-technischen Fortschritts insbesondere die humanistische Beantwortung der Frage, welche soziale Verfassung es der Menschheit ermöglichen kann, die produktiven Potenzen dieses Fortschritts zu nutzen und zugleich die kriegerische Nutzung seiner destruktiven Potenzen zu verhindern.
Die philosophischen und politisch-theoretischen Wurzeln dessen, was wir heute Pazifismus nennen, liegen in der Aufklärung und der bürgerlichen Revolution. Es ist deshalb kein Zufall, daß der bürgerliche Rechtsstaat ebenso wie das moderne Völkerrecht in ihm einen herausragenden Platz einnehmen. Zugleich ist die mit der industriellen Revolution und der wissenschaftlich-technischen Revolution verbundene Entwicklung der Waffentechnik bis hin zu den Kernwaffen und anderen Massenvernichtungsmitteln für die Herausbildung und programmatische Profilierung des Pazifismus als Friedensbewegung von entscheidender Bedeutung gewesen.


Zum Friedens-Konzept des Klassischen Pazifismus

Der Pazifismus begann sich als bürgerliche Friedensbewegung im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts vor allem in der Auseinandersetzung mit der Gefahr eines Weltkrieges zu organisieren, die aus dem immer hemmungsloseren Wettrüsten zwischen den europäischen Großmächten erwuchs.

Die sensibelsten und tiefsten Denker des ausgehenden 19. Jahrhunderts erkannten, daß sich die Gefahr einer völlig neuartigen, unerhört zerstörerischen, die ganze Welt erfassenden Kriegführung entwickelte. 1886 schrieb FRIEDRICH NIETZSCHE ahnungsvoll: "Die Zeit für kleine Politik ist vorbei; schon das nächste Jahrhundert bringt den Kampf um die Erd-Herrschaft..."/6/ Sein Zeitgenosse FRIEDRICH ENGELS folgerte 1887 aus dieser Entwicklung: "Und endlich ist kein andrer Krieg für Preußen-Deutschland mehr möglich als ein Weltkrieg, und zwar ein Weltkrieg von einer bisher nie geahnten Ausdehnung und Heftigkeit. Acht bis zehn Millionen Soldaten werden sich untereinander abwürgen und dabei ganz Europa so kahlfressen, wie noch nie ein Heuschreckenschwarm. Die Verwüstungen des Dreißigjährigen Kriegs zusammengedrängt in drei bis vier Jahre und über den ganzen Kontinent verbreitet..."/7/ 1891 warnte ENGELS noch einmal, wenn die Anstrengungen zur Verhinderung eines solchen Krieges fehlschlagen, werden "fünfzehn bis zwanzig Millionen Bewaffneter sich untereinander abschlachten und ganz Europa verwüsten..."/8/ Im wesentlichen ganz genauso sah diese Gefahr auch eine Persönlichkeit, die überragenden Anteil an der Gründung der Deutschen Friedensgesellschaft hatte: BERTHA VON SUTTNER. 1891 schrieb sie: "Die Dinge stehen so: Millionenheere – in zwei Lager geteilt, waffenklirrend – harren nur eines Winkes, um aufeinander loszustürzen..."/9/ Treffend bezeichnete sie diese mit Kriegsgefahr aufgeladenen zwischenstaatlichen Beziehungen als ein "bewaffnetes Angstsystem", das den Namen Frieden nicht verdient und anachronistisch ist in einer Zeit, da verantwortungsbewußte Politiker "von der Abschaffung des Krieges, von der gänzlichen Aufhebung des Gewaltprinzips" ausgehen müßten. Denn – so BERTHA VON SUTTNER weiter – "die gebietsverschiedene, machtverleihende, nur einen Bruchteil der Bevölkerung in Anspruch nehmende ,frische und fröhliche‘ Kriegführung, die ist inzwischen im Entwicklungsgange der Kultur zur moralischen und physischen Unmöglichkeit geworden. Moralisch unmöglich, weil die Menschen von ihrer Wildheit und Lebensverachtung verloren haben; physisch unmöglich, weil die während der letzten 20 Jahre angewachsene Zerstörungstechnik den nächsten Feldzug zu einem Etwas gestalten würde, das ganz etwas Neues, anderes, nicht mehr mit dem Namen Krieg zu Bezeichnendes wäre." /10/

Die Gründerinnen und Gründer der Deutschen Friedensgesellschaft – humanistisch gesinnte Adlige, Bürger und Intellektuelle – standen ganz in der Tradition der Friedens-Ideen der Aufklärung, wie sie vor allem IMMANUEL KANT in seine Schrift "Zum ewigen Frieden" auf den Begriff gebracht hatte. Sie setzten auf Vernunft und Recht, darauf, daß die europäischen Nationen eine Stufe der Kultur-Entwicklung erreicht hatten, die es ihnen ermöglichen sollte, zwischen den Staaten das Faustrecht ebenso abzuschaffen, wie es innerhalb dieser Staaten durch den bürgerlichen Rechtsstaat überwunden war. Statt durch Kriege sollten die Staaten ihre außenpolitischen Konflikte künftig vor einem internationalen Schiedsgericht friedlich lösen und ihre Streitkräfte abrüsten. "Ebenbürtig an Kraft und Ansehen", schrieb BERTHA VON SUTTNER, "stehen sich jetzt die verschiedenen Allianzen gegenüber. Was hindert sie daran, das, was sie als Ziel hinstellen – Frieden –, zur Grundlage ihres Bestehens zu machen? Was daran hindert? Das Gesetz der Trägheit einerseits und andererseits der geschürte Nationalhaß, die von der lärmendsten Partei in jedem Land – der Kriegspartei – stets unterhaltene Hetze." /11/

Den Einfluß dieser Kriegspartei auf die öffentliche Meinung soweit zurückzudrängen, daß Abrüstung und gesicherter Frieden möglich werden, darin sah die Deutsche Friedensgesellschaft ihre vornehmste Aufgabe. Mit ihrem Aufruf "An das deutsche Volk" erklärte sich die am 9. November 1892 in Berlin tagende Gründungsversammlung der Deutschen Friedensgesellschaft zum "Vereinigungspunkt" für alle, "denen es wünschenswert erscheint, daß die aufeinander angewiesenen Staaten sich durch Verträge verpflichten, alle unter ihnen entstehenden Streitigkeiten durch internationale Schiedsgerichte zu entscheiden." Weiter hieß es in diesem Aufruf: "Wir verfolgen dieses Ziel mit praktischen Mitteln, von allen diesen Mitteln ist das mächtigste die öffentliche Meinung: wenn die Zahl der Mitglieder der Friedensgesellschaften erst so groß geworden ist, daß der Ausdruck ihres Willens der Ausdruck des Volkswillens ist, dann wird keine Macht imstande sein, einen Krieg zu entfesseln, dann, und nur dann wird auch die Furcht vor dem Kriege und mit ihr die Ursache der zur unerträglichen Last gewordenen Rüstungen verschwinden, unter der Europa seufzt."/12/

Der alten militaristischen Losung "Si vis pacem, para bellum!" stellte die Friedensbewegung am Ausgang des vorigen Jahrhunderts die Losung entgegen "Si vis pacem, para pacem!" Obwohl die Begriffe Pazifismus und Pazifist erst auf dem Zweiten Weltfriedenskongreß 1901 in Glasgow geprägt und danach erst zum Bekenntnisbegriff derer wurden, die sich bis dahin "Friedensfreunde", "friends of peace" und "amis de la paix" genannt hatten, ist es inzwischen üblich geworden, die bürgerliche Friedensbewegung auch vor 1901 als pazifistische Bewegung zu bezeichnen. Der Theologe WALTER BREDENDIEK hat für das bürgerliche (nichtproletarische) Friedens-Engagement vor dem Ersten Weltkrieg die Bezeichnung "Klassischer Pazifismus" eingeführt und m. E. völlig zurecht betont, daß damals unter "Pazifismus" etwas wesentlich anderes verstanden wurde als das, "was heute im unreflektierten Sprachgebrauch ebenso wie in der politischen und wissenschaftlichen Literatur mit dem Wort verbunden wird."/13/ Nicht deutlich genug kann hervorgehoben werden, daß das Friedens-Engagement des Klassischen Pazifismus von einem außerordentlich kämpferischen Humanismus getragen war, dem resignierende Verweigerung als Grundhaltung ebenso fremd war wie die Beschränkung auf eine individual-ethische Begründung. BREDENDIEK verweist in diesem Zusammenhang u.a. auf die Symbol-Diskussion der Deutschen Friedensgesellschaft 1906, wozu es in der Zeitschrift "Die Friedenswarte" hieß: "Das richtige Symbol zu finden war nicht leicht. Wir mußten Abstand nehmen von dem Hergebrachten. Keine Ölzweige, keine Tauben, keine Engel, keine weißen Fahnen, keine zerbrochenen Schwerter, keine Pflugscharen! Alle diese Symbole versinnbildlichen diese Idee nicht, die wir vertreten. Was denn? Eine Reihe ineinandergreifender Zahnräder erschien uns als das richtige Symbol ... Möge die Friedensbewegung in allen Ländern diese Zahnräder zu ihrem Symbol wählen und mit der Sentimentalität der bisherigen Symbolik auch die Sentimentalität, die sich in einzelnen Köpfen noch immer aufrecht erhält beseitigen."/14/ Eine eindeutig kämpferische antimilitaristische Position bezog LUDWIG QUIDDE, einer der führenden Köpfe der Deutschen Friedensgesellschaft, bereits in seiner 1892 erschienenen Schrift "Der Militarismus im Deutschen Reich", indem er illusionslos feststellte: "Der Militarismus ist hart, und nur vor fremder Härte hat er Respekt, nur durch Härte kann man ihm etwas abgewinnen."/15/

Rassismus, Chauvinismus und Fremdenhaß, diese Hauptelemente jeglicher Kriegsideologie, hat der Klassische Pazifismus stets prinzipiell abgelehnt und als eine der "Hauptwurzeln des Krieges" definiert. "In Wahrheit aber bilden die verschiedenen Nationen nicht feindliche Gegensätze, sondern einander ergänzende und fördernde Glieder der Gesamt-Menschheit, ihre wirklichen und dauernden Interessen sind demnach solidarisch."/16/ Das wird ein Friedenskämpfer auch heute kaum besser ausdrücken können. Mehr noch: angesichts der uns heute bedrohenden globalen Probleme und Gefahren ist genau diese Orientierung auf die gemeinsamen Interessen der Menschheit zum Schlüssel für die Zukunft aller Menschen geworden.

Eine weitere Grundorientierung und ein Hauptziel des Klassischen Pazifismus, das heute wichtiger ist als je zuvor, war der Zusammenschluß aller Friedenskräfte – unabhängig von ihren weltanschaulichen und sonstigen politischen Positionen. So forderte die Deutsche Friedensgesellschaft in ihrem Programm von 1897 ausdrücklich dazu auf, "ohne Unterschied des Geschlechts, des Standes, des Glaubens und der Partei der Deutschen Friedensgesellschaft persönlich beizutreten und ihr immer neue Freunde zu werben." /17/ Eine kühne, offenkundig zu kühne Orientierung; wurden doch damit Menschen unterschiedlichster sonstiger Interessen zu einer persönlichen Mitgliedschaft in einer Friedens-Organisation aufgerufen. Diese organisatorische Qualität des Zusammenschlusses aller Friedenskräfte wurde selbst unter dem Eindruck der Bedrohung der Menschheit durch ein nukleares Inferno auch nicht annäherungsweise erreicht, sondern immer nur in der wohl einzig möglichen Form des Zusammenwirkens in einer für alle offenen breiten Friedens-Bewegung.


Pazifismus und Marxismus

Daß die Deutsche Friedensbewegung ihr ursprüngliches Ziel – alle deutschen Friedenskräfte zu vereinigen – nicht erreichte, hing nicht zuletzt auch damit zusammen, daß sie die bestehende Gesellschaft nicht in Frage stellen wollte, da sie die Ursachen der Kriegsgefahr nicht im kapitalistischen Charakter dieser Gesellschaft sah. Demgegenüber ging z.B. die Sozialdemokratie – nach BERTHA VON SUTTNER jene "Partei, welche als einen Hauptpunkt ihres Programms den internationalen Frieden hinstellt" /18/ – damals grundsätzlich davon aus, daß dauerhafter Frieden die Ablösung des sich immer kriegerischer gebärdenden Kapitalismus durch den Sozialismus voraussetzt. BERTHA VON SUTTNER jedenfalls hatte keine Vorbehalte gegen ein Zusammenwirken mit der antikapitalistischen Sozialdemokratie im Kampf gegen die Kriegsgefahr. Noch wenige Wochen vor ihrem Tode schrieb sie: "Gegen den Übermilitarismus, der jetzt die Atmosphäre erfüllt, ist nicht anzukämpfen Die einzigen – weil sie auch eine Macht sind –, auf die man hoffen kann, daß sie den Massenkrieg abwenden, sind die Sozialdemokraten."/19/ Weil BERTHA VON SUTTNER immer deutlicher die Regierungen und die Rüstungsindustriellen als Kriegstreiber nannte, ließen diese sie als "rote Bertha" diffamieren und ihr Redeverbot erteilen.

Tatsächlich bildet die Frage, ob und inwieweit Frieden überhaupt erreicht und gesichert werden kann, ohne jene kapitalistischen Verhältnisse zu beseitigen, die immerhin zwei Weltkriege verursachten, in unserem Jahrhundert den Hauptinhalt der theoretischen und programmatischen Auseinandersetzungen zwischen Marxisten und Pazifisten. Als marxistischer Philosophiehistoriker und Friedensforscher, der sich in den letzten zwei Jahrzehnten schwerpunktmäßig mit philosophischen Positionen zu Krieg und Frieden im 20. Jahrhundert beschäftigt hat, ist es mir ein Bedürfnis, gerade im Zusammenhang mit diesem Thema nicht nur meine Hochachtung vor dem selbstlosen und mutigen Friedens-Engagement so vieler Pazifisten zum Ausdruck zu bringen, sondern auch prinzipiell etwas zum Verhältnis von Marxismus und Pazifismus zu sagen. Das betrifft erstens die fundamentale Erkenntnis, daß alle, die wirklich Frieden wollen, dieses ihr gemeinsames Ziel über alle anderen Interessen stellen müssen. Zu einer solchen nicht-sektiererischen Position sollte uns auch das Wissen ermutigen, daß pazifistisches und marxistisches Friedens-Engagement bereits vor reichlich 100 Jahren schon einmal viel selbstverständlicher zusammengehen und sich im Hinblick auf das gemeinsame Ziel ergänzen konnten, als meine Generation das während des Kalten Krieges zunächst erfahren hat. Zweitens betrifft das die Auseinandersetzung mit jenen marxistischen Theoremen, die jahrzehntelang Ausgangspunkt und Begründungsmuster einer schlimmen, die Friedenskräfte spaltenden und damit schwächenden sektiererischen Abgrenzung gegenüber bürgerlichem, insbesondere pazifistischem Friedens-Engagement gewesen sind.

Dazu möchte ich zunächst an die – leider weitgehend in Vergessenheit geratene – historische Tatsache erinnern, daß WILHELM LIEBKNECHT von August bis Dezember 1892 in dem von ihm damals redigierten sozialdemokratischen Parteiorgan "Vorwärts" mit freudiger Zustimmung BERTHA VON SUTTNERs deren Roman "Die Waffen nieder!" in Fortsetzungen veröffentlicht hat. Im März des darauffolgenden Jahres veröffentlichte der "Vorwärts" mit "Kann Europa abrüsten?" die letzte größere Schrift von FRIEDRICH ENGELS. Darin schlug der Mitbegründer des Marxismus vor, in Europa durch einschneidende Reduzierung der stehenden Heere und Übergang zu einem Miliz-System (wobei Deutschland mit gutem Beispiel vorangehen sollte) die Rüstungslasten abzubauen und – ohne das Sicherheitsbedürfnis der Staaten zu ignorieren – die Gefahr eines allgemeinen Krieges praktisch zu reduzieren. Die große Idee, die ENGELS in dieser Arbeit zu begründen suchte, war, daß Abrüstung bis hin zur strategischen Angriffsunfähigkeit innerhalb des Kapitalismus prinzipiell möglich ist, wenn es über die Entwicklung einer entsprechenden öffentlichen Meinung des Volkes gelingt, den dafür entscheidenden, durch Vernunft begründeten Willen der Regierenden zu erreichen./20/ Eine Idee, die den Vorstellungen des Klassischen Pazifismus durchaus verwandt war und eine Zielvorstellung, die wohl heute von geradezu brennender Aktualität ist. BERTHA VON SUTTNER und FRIERDICH ENGELS haben so mit Hilfe von WILHELM LIEBKNECHT eine Art des Umgangs miteinander entwickelt, die ich als höchst bedenkens- und bewahrenswertes Erbe des Klassischen Pazifismus und des ursprünglichen Marxismus in der Friedensfrage bezeichnen möchte. Im übrigen sei darauf verwiesen, daß ENGELS unter dem Gesichtspunkt der zu erwartenden Opfer auch über bewaffnete Aufstände beim Kampf um die revolutionäre Überwindung des Kapitalismus wesentlich kritischer und verantwortungsvoller dachte als später z. B. die Leitung der Kommunistischen Internationale. So schrieb er 1892 unter Hinweis auf die Einführung neuartiger Sprenggeschosse in die Bewaffnung der damaligen Streitkräfte an PAUL LAFARGUE: "Die Ära der Barrikaden und Straßenschlachten ist für immer vorüber; wenn die Truppe sich schlägt, wird der Widerstand Wahnsinn. Also ist man verpflichtet, eine neue revolutionäre Taktik zu finden. Ich habe seit einiger Zeit darüber nachgedacht, bin aber noch zu keinem Ergebnis gekommen."/21/

Im Unterschied zu ENGELS, der in seiner Schrift "Kann Europa abrüsten?" eine Überwindung der Kriegsgefahr durch Abrüstung bereits im Kapitalismus für prinzipiell erreichbar gehalten hatte, entwickelte W. I. LENIN in seiner Imperialismus-Theorie das Theorem, daß der Kapitalismus in seinem monopolistischen Stadium seinem Wesen nach nicht friedensfähig ist, da er unvermeidlich permanent nach kriegerischer Neuaufteilung der Welt strebt. Mit seinem später entwickelten Konzept von der friedlichen Koexistenz kapitalistischer und sozialistischer Staaten hat LENIN zwar selbst sein Theorem vom unvermeidlich kriegerischen Monopolkapitalismus wieder in Frage gestellt, zumindest aber relativiert. Doch kam er nicht mehr dazu, seine Imperialismus-Theorie entsprechend zu überarbeiten. Nun sind all die vom kapitalistischen Imperialismus im 20. Jahrhundert verursachten Kriege – darunter zwei Weltkriege – sicher Beweis genug dafür, daß LENIN hinsichtlich des aggressiven Wesens dieser Gesellschaftsordnung keinesfalls eine totale Fehleinschätzung getroffen hat. Der Fehler lag in der Verabsolutierung des durchaus gegebenen Strebens nach kriegerischer Neuaufteilung der Märkte und Einflußsphären und der Unterschätzung der Möglichkeit, derartige Interessen auch ohne das Mittel des Krieges durchzusetzen – etwa nach dem Motto "Was ist der Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank". LENIN war besonders unmittelbar vor und während des Ersten Weltkrieges davon überzeugt, daß Frieden nur durch die revolutionäre Überwindung des Kapitalismus erreichbar sei. Deshalb machte er die Stellung zur sozialistischen Revolution zum entscheidenden Kriterium konsequenter und ehrlicher Friedensliebe. In diesem Sinne schrieb er 1915: "Ohne Verbindung mit dem revolutionären Klassenkampf des Proletariats ist der Kampf um den Frieden nur eine pazifistische Phrase sentimentaler und das Volk betrügender Bourgeois."/22/ Zwei Jahre später schrieb er an INÈS ARMAND: "Der Angelpunkt in der Frage des Pazifismus ...: der Gedanke, der Krieg hänge nicht mit dem Kapitalismus zusammen, er sei keine Fortsetzung der Politik der Friedenszeit. Darin liegt der theoretische Fehler; der praktische liegt im Umgehen der sozialen Revolution."/23/

Diese in ihrem Wesen rechthaberische und sektiererische Position hat im 20. Jahrhundert immer wieder dazu geführt, daß Marxisten bürgerliche Humanisten, Christen und Pazifisten ausgrenzten, was verheerende Folgen für die Einheit und damit auch für die Stärke der Friedensbewegung hatte. Immer wieder haben auch kommunistische Parteien daraus, daß sie sich selbst in dem von LENIN definierten Sinne zur einzig wirklich konsequenten Friedenskraft erklärten, daraus einen objektiv überhaupt nicht zu begründenden Führungsanspruch gegenüber allen anderen Friedenskräften abgeleitet. Typisch dafür ist folgende Formulierung im von MATTHÄUS KLEIN verfaßten Artikel "Frieden" aus dem in der DDR einflußreichsten philosophischen Wörterbuch: "Objektiv ist die Einheit der Friedenskämpfer – gleich, wie sie ihr Eintreten für den Frieden motivieren – auf dem Boden des unüberbrückbaren Gegensatzes zwischen imperialistischer Kriegspolitik und den Interessen der Völker an der Erhaltung eines dauerhaften Friedens möglich und notwendig." Dann aber folgt ein Satz, der diese für objektiv möglich und notwendig erklärte Einheit aller Friedenskämpfer praktisch unerreichbar macht. Er lautet: "Diese Einheit ist nur unter der Führung der Arbeiterklasse und ihrer marxistisch-leninistischen Partei zu verwirklichen."/24/ Positionen dieser Art hatten nach dem zweiten Weltkrieg u.a. zur Folge, daß die mit den beiden Stockholmer Appellen von 1950 und 1975 zum Verbot der Kernwaffen entstandene weltweite Friedensbewegung wieder zerfiel und daß das zuerst von ALBERT EINSTEIN und BERTRAND RUSSELL begründete neue globale Denken für das nukleare Zeitalter von der Mehrzahl der marxistischen Friedenskräfte erst mit einer Verspätung von zweieinhalb Jahrzehnten wirklich aufgenommen wurde.

Wie schwierig das Problem der Einheit aller Friedenskräfte auch und gerade im Zusammenhang mit der Gefahr eines das Überleben der Menschheit gefährdenden Nuklearkrieges ist, hat in den 70er und 80er Jahren die durch den US-amerikanischen Philosophen und Friedenskämpfer JOHN SOMMERVILLE initiierte Diskussion über einen Nuklear-Pazifismus gezeigt. In seinem 1973 zuerst in der Bundesrepublik Deutschland veröffentlichten Buch "Durchbruch zum Frieden" votierte SOMMERVILLE für eine "Revolution zum Frieden", deren Grundsatz "nicht der Grundsatz eines totalen Pazifismus" sein sollte, sondern "nur ein atomarer Pazifismus" als "das äußerste prinzipielle Minimum für jede Form heutiger Politik, die nicht offenkundiger Wahnsinn ist." /25/ Zentraler Begriff zur Begründung des Nuklear-Pazifismus wurde bei SOMMERVILLE der des omnicid, des Untergangs der ganzen Menschheit durch einen Nuklearkrieg. Gegen Kriege, die diese Gefahr nicht heraufbeschworen, hatte SOMMERVILLE keine prinzipiellen Vorbehalte. In seiner intensiven Diskussion mit dem sowjetischen Philosophen FEDOSSEJEW stellte SOMMERVILLE dann aber 1981 die geradezu ungeheuerliche Behauptung auf, nicht der erste Schlag eines Aggressors mit Kernwaffen werde zum Untergang der Menschheit führen, sondern erst die Beantwortung dieses Schlages durch den Angegriffenen mit Waffen gleicher Qualität. Wörtlich erklärte er: "The first attack with such weapons will not exterminate the human race. But if that attack is answered by the same kind of weapons, and a series of nuclear exchanges takes place, the human race will be wiped out."/26/ Ausgehend davon forderte SOMMERVILLE im Namen der ‚Verhinderung des Untergangs der Menschheit‘ nicht etwa den Verzicht der USA auf den Ersteinsatz von Kernwaffen, sondern von der Sowjetunion den Verzicht auf die Beantwortung eines nuklearen Angriffs mit Waffen gleicher Qualität. Als ihm FEDOSSEJEW daraufhin entgegenhielt, daß das einen potentiellen Aggressor doch regelrecht ermuntern würde, mit Kernwaffen anzugreifen und in dem überfallenen Staat unsagbare Opfer und Zerstörungen anzurichten, entgegnete SOMMERVILLE: "Yes, it can encourage the aggressor, but this is better than the other result, the total destruction of mankind."/27/ Damit wurde offenkundig, daß dieser ‚Nuklear-Pazifismus‘ eigentlich gar kein Pazifismus war, sondern ein ausgesprochen zynisches Argumentationsmuster zur moralischen Entwaffnung derer, auf die die Kernwaffen der USA gerichtet sind.



Zur aktuellen Krise des Pazifismus

Spätestens im Zusammenhang mit der NATO-Aggression gegen Jugoslawien wurde offenbar, daß viele jener pazifistischen Positionen, die unter den Bedingungen der Block-Konfrontation im Kampf gegen die Gefahr eines nuklearen Vernichtungskrieges entstanden waren, für eine prinzipielle Ablehnung und Bekämpfung imperialistischer Kriege zur Durchsetzung einer ‚Neuen Weltordnung‘ nicht mehr trugen. Das hing zweifellos mit dem Ort und der so anderen Art der Kriegführung zusammen, die das eigene Überleben nicht gefährdeten. Zugleich war das aber auch das Resultat einer beispiellos intensiven Kriegshetze über alle Massenmedien, die den Feind als ‚Hitler von heute‘ bezeichnete und die NATO-Aggression als Krieg zum ‚Schutz der Menschenrechte‘ und zur ‚Verhinderung eines neuen Auschwitz‘ hinstellte. In vielfältigen Variationen wurde der Pazifismus nach dem Rezept des CDU-Politikers HEINER GEISSLER als friedensgefährdend diffamiert. GEISSLER hatte bekanntlich auf dem Höhepunkt der Nachrüstungsdebatte in den 80er Jahren formuliert: "Der Pazifismus der dreißiger Jahre hat Auschwitz erst möglich gemacht." 1997 schrieb er: "Frieden mit Schweigen der Waffen zu verwechseln bedeutet Friedhofsfrieden." /28/

Zu was für einer geradezu grotesken Geschichts-Klitterung NATO-Ideologen bei dem Versuch gelangen konnten, z.B. die pazifistische Losung "Soldaten sind Mörder" zu diffamieren und NATO-Interventionen auf dem Balkan zu rechtfertigen, demonstrierte HORST NIGGEMEIER, bis 1994 als MdB Verteidigungsexperte der SPD im Bundestag. Er schrieb am 22. Januar 1996 in der Zeitung "Die Welt": "Den 27. Januar hat Bundespräsident Roman Herzog als nationalen Gedenktag für die Opfer der NS-Gewaltherrschaft gewählt, weil an diesem Wintertag 1945 amerikanische Soldaten die noch lebenden KZ-Insassen in Auschwitz, dem größten Menschenvernichtungslager der Geschichte befreit haben. ... Die in Auschwitz befreiten Opfer des NS-Regimes werden doch angesichts der amerikanischen Soldarten weder gedacht noch gar gesagt haben: Jetzt kommen die ‚Mörder‘. Nein, die Soldaten kamen als Lebensretter. Und auch die dramatischen Ereignisse auf dem von Massakern erschütterten Balkan bestätigen, daß die Nato-Soldaten das Leben der Menschen schützen und nicht schädigen." /29/

Die mit dem NATO-Krieg gegen Jugoslawien unübersehbar gewordene Krise des gegenwärtigen Pazifismus äußert sich vor allem in der Relativierung und Revision früherer pazifistischer Positionen sowie durch die weitere Aufspaltung des Pazifismus in immer neue ‚Adjektiv-Pazifismen‘. So schrieb der Grünen-Politiker LUDGER VOLMER 1992: "Der Pazifismus steckt in einer Krise. Gemeint ist nicht der primär religiös motivierte Gesinnungspazifismus als individuelle Haltung. Gemeint ist auch nicht der romantische Pazifismus der ökologischen Nischenkultur. Ihm fehlte schon immer ein Begriff von Außenpolitik. Gemeint ist der politische Pazifismus, der seinen Gehalt aus der Verarbeitung historischer Katastrophen gewinnt."/30/ Etwa zur gleichen Zeit votierte JÜRGEN TRITTIN für eine "grüne Außenpolitik jenseits von Pazifismus und Bellizismus". Angesichts des Vorstoßes einiger Politikerinnen und Politiker seiner Partei "zur Enttabuisierung militärischer Interventionen" betonte TRITTIN: "Die bisherige außen- und friedenspolitische Programmatik der Grünen läßt sich nicht auf die Formel Pazifismus reduzieren – und auf jenen Mickeymaus-Pazifismus, den die taz der Partei nachsagt, schon gar nicht. Spätestens seit der Orientierung auf einseitige Abrüstung an Stelle der Forderung nach Auflösung der Bundeswehr und der damit einhergehenden Bereitschaft, sich auf Bundesebene an der Ausübung von Regierungsgewalt zu beteiligen, kann von einer konsequent gewaltfreien, pazifistischen Partei keine Rede sein." /31/

Eine insbesondere während der NATO-Luftangriffe auf Jugoslawien häufig zu beobachtende Haltung von Pazifisten war ihre innere Zerrissenheit und das Bekenntnis, dem Krieg in der Überzeugung zugestimmt zu haben, schuldig zu werden, was sie auch tun und mit der Zustimmung zur NATO-Aggression von zwei unvermeidlichen Übeln das kleinere Übel gewählt zu haben. Typisch dafür war ERHARD EPPLER, der am 12. April 1999 in seinem Schlußwort an den SPD-Parteitag erklärte: "Tragisch ist eine Situation, wenn man schuldig wird, ganz gleich, was man tut." Doch habe er mit seiner Zustimmung zur Bombardierung Jugoslawiens wenigstens das Gefühl gehabt, "daß wir ein bißchen weniger schuldig werden, als wenn wir es nicht täten."/32/ Der wichtigste methodologische Schwachpunkt derartiger Positionen ist, daß mit absolutem Anspruch moralisiert wird, ohne den Konflikt hinreichend allseitig analysiert zu haben. Allerdings dürften auch solche Faktoren wie ein tief verinnerlichter Antikommunismus oder die Entscheidungen von Politikern, denen man persönlich vertraut, wesentlichen Einfluß auf die jeweilige eigene Entscheidung haben.

Der Dresdner Theologe CHRISTOF ZIEMER sieht neuerdings im Pazifismus zwei Strömungen: "Die eine: der ‚prophetische Pazifismus‘. Er setzt gegen die bestehende Wirklichkeit die gewaltlose. Und seine Anhänger versuchen heute schon, mit gewaltlosen Mitteln zu leben. Die andere Strömung ist der ‚weisheitliche Pazifismus‘. Er geht von der Wirklichkeit aus und sucht nach Möglichkeiten, sich einzumischen. Die Gefahr besteht darin, daß er nicht so klar die Alternative erkennen läßt; die Gefahr des prophetischen Pazifismus ist die, daß er ideologisch wird." ZIEMER plädierte unter dem Eindruck des NATO-Krieges gegen Jugoslawien für einen "weisheitlichen Pazifismus", den er vor allem dadurch charakterisiert sieht, daß man mit ihm "zu einer anderen Sicht des Militärischen kommen" kann. Sein Plädoyer mündet in dem Satz: "Ich wünsche mir einen Pazifismus, der seine Angst vor dem Militärischen verliert."/33/ Einen ähnlichen Standpunkt hatte CHRISTOF ZIEMER zusammen mit JOACHIM GARSTECKI, Generalsekretär von PAX CHRISTI, bereits 1995 angesichts des NATO-Einsatzes in Bosnien entwickelt. JOACHIM GARSTECKI hatte damals der Friedensbewegung öffentlich vorgeworfen, "daß die Verweigerung militärischen Eingreifens zugunsten hilfloser Menschen, wie in Bosnien, eine Ideologisierung der Gewaltfreiheit bedeute, die damit von einer ‚geschichtspolitischen Handlungskategorie in den Rang eines Dogmas‘ rücke." /34/ Die Mehrheit der Mitglieder von PAX CHRISTI teilte diese Positionen ihres Generalsekretärs nicht und auch die meisten früheren Anhänger des ehemaligen Dresdner Superintendenten CHRISTOF ZIEMER folgten ihm nun nicht mehr, sondern stellten nun die Frage nach dem Sinn ihres pazifistischen Engagements in der DDR. So z.B. ANNEMARIE MÜLLER, früher engste Mitarbeiterin ZIEMERS im Ökumenischen Informations-Zentrum Dresden: "Wenn ‚Gewaltfreiheit ... nicht über alles gesetzt werden‘ darf, weil dies zum ‚Fundamentalismus‘ ausarte (Ziemer), frage ich, welche Bedeutung die Aussagen von Dresden 1989 heute noch besitzen. Stimmen dann die Optionen für Gerechtigkeit, Gewaltfreiheit und Bewahrung und Förderung des Lebens heute nicht mehr für Christen? Und wenn, sind wir dann ‚Fundamentalisten‘?"/35/ Diese Pazifismus-Debatte entwickelte sich unter dem Eindruck der unmittelbaren Vorbereitung von Kampfeinsätzen der Bundeswehr in Jugoslawien und führte zu einer deutlichen Differenzierung zwischen jenen Bürgerrechtlern und Christen, die unverändert einen prinzipiellen Pazifismus vertraten und jenen, deren frühere pazifistische Positionen ihre Konsequenz vorwiegend aus der Frontstellung gegen die Militärpolitik der DDR bezogen hatten./36/ Natürlich hat auch das spezifische Gewicht der Menschenrechtsproblematik in der Argumentation der NATO zur Rechtfertigung ihres völkerrechtswidrigen Angriffskriegs gegen Jugoslawien einen Einstellungswandel sehr vieler Pazifisten sichtbar gemacht, der seine eigene Vorgeschichte hat. Nach RICHARD HERZINGER führte dieser Weg "über die Anerkennung des totalitären Charakters sozialistischer Revolutionsideen bis zur Einsicht, daß ein unnachgiebieger Pazifismus angesichts völkermörderischer Bedrohungen unversehens in moralische Indifferenz umschlagen kann. Er mündete in die vorbehaltlose Akzeptanz der Verfahrensregeln der liberalen Demokratie und das Eingeständnis, daß die demokratische Zivilisation ohne die Bereitschaft zum Einsatz ihrer institutionalisierten Machtinstrumente gegenüber den Feinden der offenen Gesellschaft hilflos wäre."/37/

Der Bremer Friedens-, Konflikt und Entwicklungsforscher DIETER SENGHAAS tritt dafür ein, daß der bisherige Pazifismus, den er als "ursächlichen Pazifismus" bezeichnet, zum "konstruktiven Pazifismus" weiterentwickelt wird. Was ist damit gemeint? Nach SENGHAAS ist die von ihm als "ursächlicher Pazifismus" bezeichnete Lehre "in dem Versuch begründet, systematisch über Voraussetzungen und Bedingungen nachzudenken, die Frieden ermöglichen ... In diesem Jahrhundert der Gewaltherrschaft, der Kriege, der Genozide, der wechselseitigen Vernichtungsdrohungen ... wurde Antimilitarismus zu einer vorherrschenden, Denken und Handeln bestimmenden Orientierung des Pazifismus." Demgegenüber möchte er einen Pazifismus, der sich nicht im wesentlichen auf einen Anti-Militarismus beschränkt, sondern dem es "um den Aufbau friedensfördernder Strukturen und Mentalitäten" geht, "als einen auf die Konstruktion und Architektur des Friedens ausgerichteten, als ‚konstruktiven Pazifismus‘ bezeichnen." In diesem Sinne fordert SENGHAAS: "Frieden muß begriffen werden als ein gewaltfreier und auf die Verhütung von Gewaltanwendung gerichteter Prozeß. Durch ihn sollen mittels Verständigungen und Kompromisse solche Bedingungen des Zusammenlebens von gesellschaftlichen Gruppen bzw. von Staaten und Völkern geschaffen werden, die zum einen nicht ihre Existenz gefährden und zum anderen nicht das Gerechtigkeitsempfinden oder die Lebensinteressen einzelner und mehrerer von ihnen so schwerwiegend verletzen, daß diese nach Erschöpfung aller friedlichen Abhilfeverfahren glauben, Gewalt anwenden zu müssen. Friedenspolitik, so ausgerichtet, läßt sich dann als eine unerläßliche, nicht zu Ende kommende Auseinandersetzung mit jener politischen Virulenz verstehen, die in der modernen Welt aus Fundamentalpolitisierung resultiert."/38/ Um eine in der Zielsetzung ähnliche Richtung geht es dem Psychoanalytiker HORST EBERHARD RICHTER, wenn er als "einen Kernpunkt der Psychologie des echten Pazifismus" hervorhebt: "Dieser ist vom vorherrschenden Antrieb her eine Pro- und keine Anti-Bewegung."/39/

JÜRGEN HABERMAS registrierte nach dem Beginn des Angriffskriegs der NATO gegen Jugoslawien in Deutschland zwar "hie und da noch ein bißchen Häme über den kleinlaut gewordenen Pazifismus", um dann aber einzuräumen: "In der Bundesrepublik beherrschen die Gesinnungspazifisten auf der einen, die Rechtspazifisten auf der anderen Seite die öffentliche Auseinandersetzung." HABERMAS selbst ist kein Pazifist. Er ist eher ein Apologet imperialistischer Interventionskriege. So begrüßte er die NATO-Aggression gegen Jugoslawien als "Sprung auf dem Wege des klassischen Völkerrechts der Staaten zum kosmopolitischen Recht einer Weltbürgergesellschaft."/40/ HABERMAS hatte bereits im Golfkrieg II "den ersten Schritt zu einer effektiven weltbürgerlichen Ordnung" gesehen und erklärt: "Das stärkste Argument für die Möglichkeit eines Waffeneinsatzes am Golf besteht darin, daß die USA und deren Verbündete nach Beendigung des kalten Krieges die Chance haben, stellvertretend und vorübergehend die neutrale Rolle einer heute noch fehlenden Polizeistreitmacht der UNO zu übernehmen." /41/ ULRICH BECK setzt sich mit HABERMAS‘ Versuch auseinander, das von der NATO begangene Verbrechen eines Aggressionskrieges mit dem moralisierenden Hinweis auf ein angebliches ‚Weltbürgerrecht‘ zu rechtfertigen: "Es entsteht eine neuartige, postnationale Politik des militärischen Humanismus – des Einsatzes transnationaler Militärmacht mit dem Ziel, der Beachtung der Menschenrechte über nationale Grenzen hinweg Geltung zu verschaffen. Die gute ist die schlechte Nachricht: Die hegemoniale Macht bestimmt, was recht, was Menschenrecht ist. Und Krieg wird zur Fortsetzung der Moral mit anderen Mitteln." Und BECK folgert: "es ist wohl nicht übertrieben, von demokratischen Kreuzzügen zu sprechen, in denen der Westen in Zukunft auch um die Erneuerung seiner Selbstlegitimation fechten wird." Denn: "Am Kosovo-Krieg kann man erkennen, wie wirkungsvoll dabei den verbliebenen Pazifisten ihre Argumente im Munde umgedreht werden"./42/

Was den Ausweg aus dieser hier ja nur an einigen wichtigen Positionen skizzierten aktuellen Krise des Pazifismus betrifft, so ist dieser nicht leicht zu finden und zu gehen. Ich möchte dazu abschließend zwei Wissenschaftler nennen, die m. E. auf ein Defizit verweisen, an dem die pazifistische Bewegung schon lange krankt und ohne dessen Überwindung der Pazifismus aus seiner gegenwärtigen Krise nicht herauskommen wird. Ich meine die gründliche Analyse von Krieg, bewaffnetem Kampf und die Bereitschaft, dazu auch den Sachverstand von Militärs zu nutzen. Und das schließt auch eine auf wissenschaftlicher Analyse beruhende Einstellung zum bewaffneten Kampf um die Veränderung bestehender Gesellschaften und Staatsgrenzen also Revolution wie Sezession ein. Völlig zurecht betont THEODOR EBERTS, der von der Friedensbewegung fordert, zu analysieren statt zu moralisieren: "Wer einen Guerillakrieg beginnt, muß nach den vorliegenden Erfahrungen damit rechnen, daß etwa zehn bis zwanzig Prozent der Bevölkerung im Laufe der Kriegshandlungen getötet werden." /43/ DIETER SCHELLONG, Professor in München, plädiert gerade angesichts der auf Emotion zielenden Praxis der Massenmedien für einen "rationalen Pazifismus". Der schließt für ihn den Diskurs mit Militärs ausdrücklich ein: "Die Fernsehbilder von Flüchtlingen zeigen Entsetzliches, sie sagen aber nicht, was zu tun ist. Das bedarf rationaler Überlegungen und jetzt käme es auf einen rationalen Pazifismus an. Der kann sich auch mit rationalen Militärs sachlich unterhalten. ... (Es sind die Politiker, die den starken Mann markieren.) Rationale Militärs wissen ebenso wie rationale Pazifisten, was Krieg in der Realität ist."/44/

Daß die Friedensbewegung in Deutschland nicht tot ist, beweist nicht zuletzt die geistige Fruchtbarkeit der Kasseler Friedensratschläge. Mit dem "Friedens-Memorandum 2000" hat der Bundesausschuß Friedensratschlag wissenschaftlich fundierte Analysen vorgelegt, die in der nach dem NATO-Krieg gegen Jugoslawien entstandenen Situation darauf orientieren, "den Krieg zu überwinden, den Frieden vorzubereiten und zivile Alternativen zu stärken". /45/ Und zusammen mit der Friedensbewegung lebt auch der Pazifismus, stellen sich Pazifistinnen und Pazifisten, die oftmals von ehemaligen Mitstreitern, die inzwischen zu Bellizisten mutiert sind, irritiert waren, nun den neuen Problemen und Anforderungen des Kampfes zur Überwindung der Kriegsgefahr./46/ Und es spricht sehr viel dafür, daß sie aus der Verarbeitung ihrer Erfahrungen mit den heutigen Kriegskräften ein pazifistisches Denken entwickeln können, das sich z. B. durch den kriegsideologischen Mißbrauch der Menschenrechte nicht mehr irritieren läßt.

Autor:

Prof. Dr. Dr. Ernst Woit
Liliengasse 15
D-01067 D r e s d e n


Anmerkungen:

/1/ Theologisches Fach- und Fremdwörterbuch, 2. Aufl., Berlin 1980, S. 131.
/2/ G. Klaus/M. Buhr (Hrsg.):Philosophisches Wörterbuch. Bd. 2, 12. Aufl., Leipzig 1976, S. 919.
/3/ Fremdwörter. Für Kinder ausgewählt und erklärt v. H.-P.Wetzstein. 3.Aufl., Berlin 1985, S. 108.
/4/ "Pazifismus" in der aktuellen Friedensdiskussion. Material des Bundes der Evangelischen Kirchen in der DDR. Berlin 1982, S. 2 f.
/5/ Auf die Bedeutung der philosophischen Kategorie des "Real-Möglichen" bei LEIBNITZ, HEGEL, BLOCH und HOLZ für die Friedensfrage heute hat VOLKER BIALAS wiederholt hingewiesen. (Vgl.: V.Bialas: Die zwei Gesichter einer neuen Erde. Münster 1997, S.70 ff; V. Bialas: Frieden. Bielefeld 1998, S. 35 ff.)
/6/ F. Nietzsche: Jenseits von Gut und Böse. In: Kritische Studienausgabe, hrsg. v. G. Colli u. M. Montinari, Bd. 5, München 1988, S. 140.
/7/ F. Engels: Einleitung zu Borkheims "Zur Erinnerung für die deutschen Mordpatrioten". In: MEW, Bd. 21, Berlin 1962, S. 350 f.
/8/ F. Engels: Der Sozialismus in Deutschland. In: MEW, Bd. 22, Berlin 1963, S. 256.
/9/ B. v. Suttner: Lebenserinnerungen. Hrsg. v. F. Böttger, 2. Aufl., Berlin 1969, S. 232.
/10/ Ebenda, S. 232 f.
/11/ Ebenda, S. 233.
/12/ Gründungsaufruf der Deutschen Friedensgesellschaft. 1892. In: W. Fritsch u.a.(Hrsg.): Sturm läutet das Gewissen. Berlin 1980, S. 195.
/13/ W. Bredendiek: Zur Bedeutung des "klassischen" Pazifismus für die Anfänge christlicher Friedensarbeit in Deutschland. In: Standpunkt. Evangelische Monatsschrift. Berlin 12(1984)6. – Hier zitiert nach: Kirchliche Bruderschaft Sachsens: Christliche Friedensarbeit heute. Dresden 1984, S. 2.
/14/ Ebenda, S. 11.
/15/ Nach ebenda, S. 14.
/16/ Programm der Deutschen Friedensgesellschaft. 1897. In: Sturm läutet das Gewissen, a.a.O., S. 216 f.
/17/ Ebenda, S. 218.
/18/ B. v. Suttner: Lebenserinnerungen, a.a.O., S. 22.
/19/ Ebenda, S. 9.
/20/ Vgl. F. Engels: Kann Europa abrüsten? In: MEW, Bd. 22, Berlin 1963, S. 371.
/21/ F. Engels am 3.11.1892 an Paul Lafargue. In: MEW, Bd. 38, Berlin 1968, S. 505.
/22/ W.I. Lenin: An die Internationale Kommission (ISK). In: Werke, Bd. 21, Berlin 1960, S. 379.
/23/ W. I. Lenin: An INÈS ARMAND. 30.01.1917. In: Werke, Bd. 35, Berlin 1962, S. 254 f.
/24/ G. Klaus/M. Buhr (Hrsg.): Philosophisches Wörterbuch, Bd. 1, 12. Aufl., Leipzig 1976, S. 432.
/25/ J. Sommerville: Durchbruch zum Frieden. Darmstadt 1973, S. 47.
/26/ J. Sommerville (Ed.): Soviet Marxism and Nuclear War. An International Debate. Westport (Connecticut) 1981, p. 27.- Siehe zu dieser Diskussion auch: E. Woit: Diskussionen um die Lebensfrage der Menschheit. In: Deutsche Zeitschrift für Philosophie, Berlin 30(1982), S. 1257-1265.
/27/ J. Sommerville, a.a.O.
/28/ H. Geißler: Das nicht gehaltene Versprechen. Köln 1997, S. 41.
/29/ Nach: Junge Kirche, Bremen 57(1996)2, S. 111.
/30/ L. Volmer: Bosnien und der Pazifismus. In: TAZ, Berlin, 5.9.1992.
/31/ J. Trittin: Grüne Außenpolitik jenseits von Pazifismus und Bellizismus. In: Frankfurter Rundschau, Frankfurt M., 23.9.1992.
/32/ Nach: Th. Ebert: Tragödie und Torheit im Krieg um den Kosovo. In: gewaltfreie aktion, Karlsruhe, Nr. 119/120, S. 12. - EPPLER bewegt das Problem dieser inneren Zerrissenheit einer zu Ende gedachten pazifistischen Position schon länger. 1982 schrieb er: "Sicher kann die Parole ‚lieber rot als tot‘ nicht zum Motto der Friedensbewegung werden. Denn sie beruht auf mehr als einer unbewiesenen Prämisse: Einmal der, daß die Sowjetunion uns mit militärischen Mitteln ihre Gesellschaftsordnung aufzwingen wollen, zum anderen, daß uns im Falle eines Krieges die Bereitschaft zur Kapitulation das Leben retten könne – was wiederum voraussetzt, daß die USA unser Land unzerstört in die Hände des Gegners fallen ließen. Aber es bleibt die Frage. Was heißt Verteidigung der Freiheit, wo keine Menschen mehr wären, die frei oder unfrei sein könnten? Und es lohnt sich, über die Gegenfrage Helmut Hilds an einen Kritiker nachzudenken: Was wäre ihnen lieber, ihre Tochter läge zerrissen am Rande eines Bombentrichters – oder sie lebte in Leipzig ?" ( E. Eppler: Friedensbewegung. In: W. Jens (Hrsg.): In letzter Stunde. München 1982, S. 149).
/33/ "Ein neues Gefühl von Sicherheit ist gefragt". Fragen an Christof Ziemer. In:Publik-Forum, Oberursel, Nr. 14/1999, S. 10.
/34/ U. Dittmann: Frieden schaffen mit und ohne Waffen. Pazifismus-Debatte im ÖIZ mit Joachim Garstecki. In: Ökumenischer Wegweiser, Dresden, Nr. 3/1996.
/35/ A. Müller: Frieden schaffen durch Gewalt? In: Die Kirche, Dresden, Nr. 50 v. 10.12.1995, S. 6.
/36/ Siehe u.a.: Die Pazifismus-Debatte geht weiter – Oder muß sie erst beginnen? In: Ökumenischer Wegweiser, Dresden, Nr. 1/1996, S. 4 f.
/37/ R. Herzinger: Von rinks nach lechts. Verkehrter Antiimperialismus: Warum alte und neue Freunde Joschka Fischers Kampf für universale Menschenrechte als hypermoralisch verteufeln. In: Die Zeit, Hamburg, Nr. 45 v. 4.11.1999, S. 51.
/38/ D. Senghaas: Das Maß des Friedens ist der Frieden selbst. Eine Idee, deren Zeit gekommen ist: Konstruktiver Pazifismus. In: Frankfurter Rundschau, Frankfurt /M., 1./2.4.1999, S. 12.
/39/ H.-E. Richter: Ist der Pazifismus am Ende? In: Wissenschaft & Frieden, Bonn, H. 1/1996, S. 52.
/40/ J. Habermas: Bestialität und Humanität. Ein Krieg an der Grenze zwischen Recht und Moral. In: Die Zeit, Hamburg, Nr. 18 v. 29.4.1999, S. 1.
/41/ J. Habermas: Wider die Logik des Krieges. In: Die Zeit, Hamburg, Nr. 8 v. 15.2.1991, S. 40.
/42/ U. Beck: Über den postnatinalen Krieg. In: Blätter für deutsche und internationale Politik, Bonn, Nr.8/1999, S. 987.
/43/ Th. Ebert: Tragödie und Torheit im Krieg um den Kosovo. Kein Friede im Kosovo ohne Verständnis für die Staatsräson Jugoslawiens. In: gewaltfreie aktion, Karlsruhe, Nr. 119/120, S. 17.
/44/ D. Schellong: Wir brauchen einen rationalen Pazifismus. In: Junge Kirche, Bremen 60(1999)4, S. 211.
/45/ Siehe: Bundesausschuß Friedensratschlag (Hrsg.): Friedens-Memorandum 2000, Kassel 2000.
/46/ Siehe: W.-D. Narr/ R.Roth/ K. Vack: Wider kriegerische Menschenrechte. Eine pazifistisch-menschenrechtliche Streitschrift. (Hrsg. Komitee für Grundrechte und Demokratie, Köln) Köln 1999; das Februar-Heft der Zeitschrift "Junge Kirche", Bremen 61(2000)2 steht unter dem Thema "Gibt es einen Frieden ohne Pazifismus?"

 



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